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  1. Inaktiver User

    Menschenrechte für Vierjährige

    Kaum jemand würde wohl bestreiten, daß auch Vierjährige Menschenrechte in vollem Umfange besitzen und auch besitzen sollen. Soziale Lebewesen, die ein Sprachvermögen haben, eine eigene Kultur, allerdings "nur" die Intelligenz von Vierjährigen, darf man ihnen die Menschenrechte vorenthalten?

    Mit dieser Frage stelle ich mal Auszüge aus einem Text ein, Quelle Zeit/online.

    Erstmals wurde den Menschenaffen in einer nationalen Gesetzgebung ein Recht zuerkannt, das sie vom übrigen Tierreich trennt.
    In einem speziellen Passus verspricht das neuseeländische Tierfürsorgegesetz neuerdings allen "nicht humanen Hominiden" besonderen Schutz. Schimpansen, Gorillas, Orang-Utans und Bonobos (Zwergschimpansen) dürfen in Zukunft nur noch dann in Experimenten eingesetzt werden, wenn die Ergebnisse den Affen selbst oder ihrer Spezies zugute kommen. Tierversuche zum Nutzen des Menschen sind dagegen verboten. Damit würden erstmals die "erhöhten kognitiven und emotionalen Fähigkeiten der Menschenaffen" anerkannt,
    "Die Intelligenz von Menschenaffen ist mit der von vierjährigen Kindern vergleichbar", argumentiert der neuseeländische Biologe David Penny. "Wir brauchen neue Gesetze, um dieser Tatsache endlich Rechnung zu tragen."
    Den Status der Menschenaffen vergleichen die Tierrechtler dabei gerne mit dem von Sklaven, die auch erst im Laufe der Geschichte aus der Unterdrückung befreit wurden. Am radikalsten formuliert dies Peter Singer: Wer die Interessen der eigenen Art über die der anderen stelle, mache sich - analog zum Rassismus - des "Speziesismus" schuldig. Ein Gedanke, der offenbar auf Zustimmung stößt: Bei einer weltweiten Umfrage der britischen BBC sprach sich jeder Dritte dafür aus, Menschenaffen Menschenrechte zuzuerkennen.
    "Der Unterschied des Geistes zwischen dem Mensch und den höheren Thieren, so groß er auch sein mag, ist ein Unterschied des Grades und nicht der Art", formulierte Charles Darwin zum Entsetzen seiner Zeitgenossen.
    Als fatal erwies sich vor allem der Versuch, den Menschen dadurch aufzuwerten, dass man ihm als einzigem Vertreter des Tierreiches besondere Fähigkeiten zuschrieb - Spracherwerb, Werkzeuggebrauch oder moralisches Denken. Denn im Lichte moderner verhaltensbiologischer Erkenntnisse kehrte sich dieses Argument postwendend um: All diese Leistungen lassen sich mittlerweile auch bei Tieren nachweisen, wenn auch meist nur in rudimentärer Form. Rein biologisch ist daher kaum einzusehen, weshalb Tier und Mensch prinzipiell verschieden behandelt werden sollten.
    aus:
    Die Würde des Affen | Wissen | ZEIT ONLINE

    Weitere Informationen zum Thema: SchimpansInnen und Bonobos
    Geändert von Inaktiver User (03.07.2012 um 17:36 Uhr) Grund: ein Paar Anführungszeichen gesetzt

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    AW: Menschenrechte für Vierjährige

    Was verstehst du unter "Menschenrechte"? Das ist ja nun ein ganzer Kanon. Unter anderem:

    Freiheit von willkürlichen Eingriffen in die Privatsphäre (Unverletzlichkeit der Wohnung, Briefgeheimnis etc.)
    Persönlichkeitsrechte
    Meinungsfreiheit
    Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit
    Reisefreiheit
    Versammlungsfreiheit
    Informationsfreiheit
    Berufsfreiheit

    Natürlich sollen Tiere nicht zu Versuchszwecken missbraucht werden. Und ich finde es auch richtig, Menschaffen besonderen Schutz zuteil werden zu lassen. Aber Menschenrechte.... Versammlungsfreiheit für Gorillas....

    Ich finde eine Grundvoraussetzung dafür, dass wir ihnen alle Menschenrechte zusprechen, müsste sein, dass man sich mit ihnen verständigen und darauf einigen kann, wie ein Zusammenleben aussehen könnte. Da das nicht geht, ist ein "zusammenleben" auch nicht möglich. Was man ihnen zusprechen sollte, ist das Freiheitsrecht. Und sie dort lassen, wo sie hingehören. In ihren Lebensräumen. Das ist aber nicht gleichbedeutend mit Menschenrechten.

  3. Inaktiver User

    AW: Menschenrechte für Vierjährige

    Was verstehst du unter "Menschenrechte"?
    Es geht natürlich vor allem um das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Den Schutz vor Folter und Menschenversuchen ohne Einwilligung. (Einen Menschenaffen könnte man durchaus fragen, ob man ihm z.B. zu Versuchszwecken Schmerzen zufügen dürfte, nachdem eine gemeinsame Sprache erlernt wurde. Er wird vermutlich kaum zustimmen, wenn er gefragt würde.)

    Ich finde eine Grundvoraussetzung dafür, dass wir ihnen alle Menschenrechte zusprechen, müsste sein, dass man sich mit ihnen verständigen und darauf einigen kann, wie ein Zusammenleben aussehen könnte. Da das nicht geht, ist ein "zusammenleben" auch nicht möglich
    Die Kommunikation mit Menschenaffen ist ja gerade ziemlich gut möglich, eine solche Verständigung darüber, wie man zusammenleben könnte, oder wie sie überhaupt leben möchten, sollte, wieder nach Erlernen einer gemeinsamen Sprache, möglich sein. Fraglich ist nur, ob eine Partei die Maßstäbe diktieren wollen würde.

    Was man ihnen zusprechen sollte, ist das Freiheitsrecht. Und sie dort lassen, wo sie hingehören. In ihren Lebensräumen. Das ist aber nicht gleichbedeutend mit Menschenrechten.
    Das wäre sicherlich auch grundlegend.

    P.S.:
    Aber Menschenrechte.... Versammlungsfreiheit für Gorillas....
    Heißt das, wer seine Rechte nicht selbst nutzen, einfordern oder vielleicht überhaupt nicht geistig erfassen kann, bekommt sie nicht?

    Mein gewählter Titel ist zwar erstmal etwas provokant klingend. Aber er soll eben die Frage verdeutlichen, ob es denn überhaupt abhängig vom Grad des Intellekts sein kann, wer Menschenrechte erhält und wer nicht.

    Oder, wie es im oben verlinkten Zeit/online Artikel formuliert ist:
    "Ist es wirklich mit uns so weit gekommen, dass Respekt vor Menschenaffen am wirkungsvollsten eingefordert wird, indem wir sie als geistig zurückgebliebene Menschen im Pelzgewand darstellen?"
    Geändert von Inaktiver User (04.07.2012 um 00:33 Uhr) Grund: Grammatik/P.S.

  4. gesperrt

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    AW: Menschenrechte für Vierjährige

    gute Entwicklung, hoffe es greift bald weiter um sich. wenn auch kleiner Wehrmutstropfen: kaum hat sich die Kirche vom Zusammenbruch ihres geliebten geozentrischen Weltbildes erholt, fängt nun auch noch das HomoSapien-zentrierte Weltbild zu bröckeln an. arme Kirche, sie hat es wirklich schwer im Kampf gegen Wissenschaft und menschliche Vernunft

  5. Inaktiver User

    AW: Menschenrechte für Vierjährige

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    .

    Heißt das, wer seine Rechte nicht selbst nutzen, einfordern oder vielleicht überhaupt nicht geistig erfassen kann, bekommt sie nicht?

    Mein gewählter Titel ist zwar erstmal etwas provokant klingend. Aber er soll eben die Frage verdeutlichen, ob es denn überhaupt abhängig vom Grad des Intellekts sein kann, wer Menschenrechte erhält und wer nicht.

    Oder, wie es im oben verlinkten Zeit/online Artikel formuliert ist:
    Wenn es nach Peter Singer geht: Ja, den er stellt die Rechte von Säuglingen und Menschen mit geistigen Behinderungen in Frage, weil sie angeblich kein Bewusstsein für ihr Selbst, Gegenwart und Zukunft haben.
    (Es gibt Singer-Schüler, die in Fachblättern Infantizid als "nachgeburtliche Abtreibung" bagatellisieren.)

    Sollte also nicht eher von Personenrechten als von Menschenrechten gesprochen werden? Nur wie soll ich mir das dann vorstellen? Wenn Neugeborene keine Personenrechten haben, dann haben neugeborene Gorillababys doch sicher auch keine Personenrechte. Gibt es dann eine feierliche Urkundenübergabe, wenn das Gorillababy den "Spiegeltest" besteht. Darf man Gorillababys in Zoos halten, ausgewachsene Gorillas aber nicht? Ist das Ganze nicht eine Abwertung von Elefanten und Bären, die auch Personen sind, aber bei denen es keine Debatte über die Vergabe von Rechten gibt.

  6. Inaktiver User

    AW: Menschenrechte für Vierjährige

    Zitat Zitat von kai_77 Beitrag anzeigen
    gute Entwicklung, hoffe es greift bald weiter um sich. wenn auch kleiner Wehrmutstropfen: kaum hat sich die Kirche vom Zusammenbruch ihres geliebten geozentrischen Weltbildes erholt, fängt nun auch noch das HomoSapien-zentrierte Weltbild zu bröckeln an. arme Kirche, sie hat es wirklich schwer im Kampf gegen Wissenschaft und menschliche Vernunft
    Gibst Du jetzt nicht indirekt zu, dass es bei den Personenrechte für Menschenaffen gar nicht um die Menschenaffen geht, sondern eher darum den Religiösen eines auszuwischen.
    Die ganze Debatte hat doch nichts Wissenschaft oder Vernunft zu tun

  7. Inaktiver User

    AW: Menschenrechte für Vierjährige

    Die ganze Debatte hat doch nichts Wissenschaft oder Vernunft zu tun
    Oder insofern doch, als es ja oft die Wissenschaft ist, die die Rechte, die hier angesprochen sind, verletzt. Und Religion insofern wohl auch, als ja in der Bibel steht, daß Tiere weniger wert sind als Menschen (mit eigenen Worten gesagt). Wissenschaftsgläubige und Religionsgläubige haben auch eines gemeinsam, es kann in Fanatismus ausarten, und dann sehen sie weder rechts noch links mehr etwas, sondern nur noch ihr Ziel. (Ich meine jetzt aber nicht Dich, kai77 und sowieso niemanden Bestimmtes!).

    Deine sonstigen Überlegungen kann ich nachvollziehen. Wo fängt man an, wo hört man auf? Für den Menschen finde ich es gut geregelt, es fängt auf jeden Fall mit der Geburt an und gilt für jeden, egal wie intelligent.

  8. Inaktiver User

    AW: Menschenrechte für Vierjährige

    Im Buch Genesis geht es meiner Meinung nach nicht darum, dass Tiere weniger wert sind wie Menschen, sondern dass das Motto "Eigentum verpflichtet" gilt und der Mensch Verantwortung für die Erde hat und für alles, was darauf wächst und lebt. Dominium terrae

    Über die "Heiligkeit des menschlichen Lebens" kann man durchaus diskutieren, nur sollte man das nicht indem man Menschen abwertet (das tut Singer meiner Meinung nach) oder Tiere "vermenschlicht". Im Interesse der Tiere kann das kaum sein.

  9. gesperrt

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    AW: Menschenrechte für Vierjährige

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Gibst Du jetzt nicht indirekt zu, dass es bei den Personenrechte für Menschenaffen gar nicht um die Menschenaffen geht, sondern eher darum den Religiösen eines auszuwischen.
    Die ganze Debatte hat doch nichts Wissenschaft oder Vernunft zu tun
    selbstverständlich hat das was mit Wissenschaft und Vernunft zu tun. die von Religion und Kirche dem Menschen zuerkannte Sonderrolle als einzige und auserkorene, "nach Gottes Ebenbild geschaffene Schöpfung" wurde wissenschaftlich nie bewiesen, im Gegenteil sie wurde wissenschaftlich widerlegt. genau das, was die menschliche Vernuft noch nie hergegeben hat, hat die Wissenschaft nun auch noch widerlegt
    Geändert von kai_77 (04.07.2012 um 13:17 Uhr)

  10. gesperrt

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    AW: Menschenrechte für Vierjährige

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Oder insofern doch, als es ja oft die Wissenschaft ist, die die Rechte, die hier angesprochen sind, verletzt.
    dass die Wissenschaft bei der Auswahl ihrer Methoden keine Rücksicht auf ihre eigenen Forschungsergebnisse nimmt, ist wieder ein anderes Kapitel. es ändert aber nichts an den Forschungsergebnissen selbst

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