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    Auge um Auge, Zahn um Zahn

    Hallo,

    jetzt bin ich hier also im Religionsforum...

    Auf Anraten von Herbstblatt, eine Frage:

    Wo sollten die Grenzen liegen zwischen "Mitmenschlichkeit" und "Sich-Ausnutzen-lassen". Wo bin ich "nett", wo bin ich "blöd"?
    Was für ein Erbe gibt mir meine religiöse Erziehung mit, wenn es da heißt: "Wenn Dir einer auf die linke Backe schlägt, halte ihm auch noch die rechte hin."?
    Bin ich damit überhaupt noch "überlebensfähgig"?
    Soll ich das meinen Kindern vermitteln? Oder lieber: "Los, hol Dir das dickste Stück vom Kuchen"? Liegen mir meine Kinder nicht näher als "die Gesellschaft"?
    Und wie sehe ich das in meiner Beziehung/Freundschaften? Wo ist da die Grenze besonders hoch gelegt? Bei mir? Beim Anderen? Oder sollte man keine Unterschiede machen zu "den anderen Leuten"?

    Bin mal gespannt auf die Antworten!!!

    Mond

  2. Inaktiver User

    Re: Auge um Auge, Zahn um Zahn

    Mir hat mal ein sehr lieber Mensch folgendes mit auf den Weg gegeben:

    Einer der Schlüsseltexte der Bibel war für ihn der folgende

    "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst."

    Zunächstmal, meinte er, müsse man sich selbst lieben, um andere lieben zu können.

    Irgendwie schon klar - wie sollte denn jemand, der sich selbst als wertlos ansieht, jemand anderen denn überhaupt aufrichtig lieben können...

    Und dann sei das wertvolle an diesem Spruch der Hinweis, sich darüber klar zu werden, WER denn der Nächste, dein Nächster oder deine Nächste ist.

    Dies nicht als universelle Anweisung zu verstehen, alle Menschen auf Erden gleichmäßig zu lieben - was zu einem lauwarmen Gefühlsbrei verkommen würde.

    Sondern sich eben ganz bewusst damit auseinanderzusetzen, wer sind meine Nächsten - und wer ist es nicht. Und dann seine Lebenskraft, seine Liebe ganz auf diejenigen zu konzentrieren, die einem wichtig sind.

    Eine sehr wertvolle Sichtweise insbesondere für Menschen, die in ihrer Vergangenheit Verletzungen von ihnen Nahestehenden erlitten haben.
    Denen die Öffentlichkeit Schuldgefühle einreden will, sie sollten ihren Schuldigern vergeben und sie gar noch über diejenigen stellen, für deren Liebe der Verletzte sich frei entschieden hat.

    Ich für mich persönlich denke auch, dass der Spruch von der linken Wange hinhalten nicht fehlinterpretiert werden sollte, dass man sich alles gefallen lassen soll.

    Es steht ja nichts da von wegen: Wenn einer dir auf die rechte Wange geschlagen hat, dann halte ihm die linke hin. Und wenn er dir auf die linke geschlagen hat, dann halte ihm wieder die rechte hin. Und wen er dir dann wieder auf die rechte geschlagen hat, dann halte ihm wieder die linke hin. usw.

    SO steht das nicht in der Bibel!

    Sondern schlicht und ergreifend, dass man nicht sofort zurückschlagen soll, sondern erstmal versucht, zu deeskalieren.
    Indem man dem Gegenüber zum Beispiel ganz offen ins Gesicht sagt: Du hast mich jetzt verletzt.

    Wenn der aber dann abermals - verbal oder physisch - zuschlägt, zutritt, dann brauchen wir keine falsche Zurückhaltung mehr üben und können uns wehren - sollen uns sogar wehren!

    Denn: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst - heißt: Liebe dich selbst, achte dich selbst, sieh den Wert, den du darstellst und nimm ihn an.

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    Re: Auge um Auge, Zahn um Zahn

    @ pelle

    sehr gut, so sehe ich das auch.

    Den Titel "Auge um Auge, Zahn um Zahn" hat in einem anderen Strang Horus sehr gut erläutert: Es geht im Alten Testament auch um die Begrenzung der Rache: Wer ein Auge bei einer Auseinandersetzung verliert, hat nur Anspruch auf Rache in Höhe eines Auges, bei einem Zahn halt einen Zahn. Und nicht mehr.

  4. User Info Menu

    Re: Auge um Auge, Zahn um Zahn


    Genau.
    Er hat Anspruch auf höchstens ein Auge. Es steht ihm aber vollkommen frei, viel weniger oder auch überhaupt nichts zu verlangen. Das AT-Gesetz verbietet nur die Überschreitung des Höchstmasses. Aber nicht seine Unterschreitung.

    Auge oder Zahn klingen abschreckend. Körperlich halt. Sie sind aber auch - oder in erster Linie - Sinnbilder:
    Auf jedwelche Verletzung (und die meisten Verletzungen im Leben durch jemanden anders geschehen ja nicht körperlich sondern auf psychischer oder zwischenmenschlicher Ebene) - auf jedwelche Verletzung darf allerhöchstens mit genau entsprechender Handlung reagiert werden, nicht mit mehr.
    Will heissen: eine erlittene Beleidigung rechtfertigt kein wochenlanges Sticheln und Schmollen.

    Es gibt Rabbiner, die sagen, dass dieser Grundsatz jegliche Rache unmöglich macht. Wie kann schon beurteilt werden, ob die Gegenreaktion auf eine Beleidigung wirklich allerhöchstens dieser Beleidigung entspricht und sie nicht überschreitet? Also sollte man wegen der Gefahr, das Gebot zu übertreten, lieber ganz auf jede Rache verzichten.
    Das gilt auch für den physischen Zahn. Wenn ein alter Grossvater mit nur noch drei, vier Zähnen im Mund mir mit meinem vollständigen, gesunden Gebiss einen einzigen Zahn ausschlägt, ist das was anderes als wenn ich dann als Reaktion ebenfalls einen ausschlage - sein Schaden ist viel grösser als meiner. Damit hätte ich das Gebot übertreten. Also besser ganz darauf verzichten.
    So etwas wie vollkommene Reziprokität auf allen Ebenen ist in der realen Welt schlicht nicht möglich. Aber nur vollständige Reziprokität (bzw. weniger als das) ist gemäss AT erlaubt. Ergo: Erlaubte Rache ist im Grunde genommen unmöglich.

    Die jüdische Interpretation des AT-Verses ist also gar nicht so verschieden vom der NT-Forderung, auch jede Rache zu verzichten oder sogar noch die andere Wange hinzuhalten...

  5. Inaktiver User

    Re: Auge um Auge, Zahn um Zahn

    Ich finde es immer wieder schön so etwas zu lesen. Es macht mich selber sanfter. Liebe Grüße herbstblatt

  6. User Info Menu

    Re: Auge um Auge, Zahn um Zahn

    Hallo und vielen Danke!

    Jaaaaaaaa! Damit kann ich etwas anfangen!
    Es kommt an und fühlt sich richtig an, was ihr schreibt, insbesondere Pelle.

    Mond

  7. Inaktiver User

    Re: Auge um Auge, Zahn um Zahn

    Hallo und vielen Danke!

    Jaaaaaaaa! Damit kann ich etwas anfangen!
    Es kommt an und fühlt sich richtig an, was ihr schreibt, insbesondere Pelle.

    Mond



    Des werd' scho!!

  8. Inaktiver User

    Re: Auge um Auge, Zahn um Zahn

    Liebe Deinen Naechsten wie dich selbst wurde schon von den Rabbis vor der Geburt des Messiahs gelehrt. Das ist nichts Neues vom Neuen Testament
    Schoenen Sonnatg, Amerle

  9. User Info Menu

    AW: Re: Auge um Auge, Zahn um Zahn

    *Die Weisheit des Diamenten* von Michael Roach - ein buddhistischer Mönch der Jahre in der Diamantenhandel erfolgreich gearbeitet hat gibt wunderbare Ratschläge für das Leben schlechthin - einfach lesenswert und nachahmungswert.

    fast! erleuchtete Grüße
    layla
    Ich glaube an die Sonne, auch wenn sie nicht scheint. Ich glaube an die Liebe, auch wenn ich sie nicht fühle. Ich glaube an Gott, auch wenn er schweigt. ZVI KOLITZ

  10. Inaktiver User

    AW: Re: Auge um Auge, Zahn um Zahn

    Zitat Zitat von Layla
    wunderbare Ratschläge für das Leben schlechthin -
    Man nehme

    eine flache Anzuchtschale, mit einem Gemisch aus Sand und Erde füllen. "Schläge" mit flacher Seite nach unten im Abstand von 5 cm einsetzen und mit etwa 1 cm Erde bedecken. Bei 15-20 Grad Celsius feuchthalten. Nach ca. 8 Wochen zeigen sich die ersten Blättchen.

    Weitere 4 Wochen später die "Jungpflanze" in einen Topf (Durchm. 15 cm, Höhe 30 cm) verpflanzen. Je nach Wachstum regelmäßig in größere Töpfe umsetzen.

    Hell und warm stellen, keine direkte Sonne, nicht unter 10 Grad Celsius.

    Täglich gut gießen, jedoch Staunässe vermeiden. Blätter gelegentlich mit Wasser besprühen. Regelmäßig kleine Mengen Volldünger. Nach 3-4 Jahren trägt der Schlagbaum die ersten Blüten; 8 Monate später können die ersten Früchte geerntet werden.


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