Hallo,
ich bin 43 und katholisch, bin einigermaßen regelmäßiger Kirchgängerin, helfe auch ganz gern im Familiengottesdienstteam mit. Ich denke auch von mir, dass ich eher zum toleranteren und offeneren Flügel der Kirche gehöre als zum fundamental-konservativen. Vielleicht ist mir auch deswegen die Sache von Pfingstmontag passiert.
Ich habe eine Touristenattraktion bei uns in der Nähe besucht, das ist der Nepalische Pavillon von der Weltausstellung, der von einem Unternehmer aufgekauft wurde und besucht werden kann. Ich bin da ganz ohne jegliches religiöse Interesse hingegangen, eher nur weil mich die ganze Anlage halt mal interessiert hat. Ich bin dann so durch einen schön angelegten exotischen Garten gewandert, in dem auch einige Buddha-Statuen plaziert waren.
Ihr könnt jetzt sagen, ich habe bisher hinterm Mond gelebt, aber das war das 1. Mal für mich, dass ich eine Buddha-Statue ganz aus der Nähe live gesehen habe. Und das war wirklich ein Schlag für mich, weil mich diese innere Ruhe und Gelassenheit, dieses von innen beseelte Lächeln im tiefsten angerührt und getroffen haben, wie schon lange nicht mehr irgendwas. Am liebsten hätte ich mich gleich neben die Statue hingesetzt. Ich dachte mir nur, wie anders als bei uns, das Kreuz mit dem zu Tode gequälten Korpus, das so unendlich tiefes Leid ausstrahlt.
Tja und so bin ich jetzt hier im Innersten betroffen und kann im Moment überhaupt nicht mit dieser Betroffenheit, mit dieser tiefen Anziehungskraft, die diese Figur auf mich hatte umgehen. Ist es etwas, das im katholischen Glauben fehlt? Ist es etwas was mir persönlich fehlt?
Kann mir jemand dazu irgendwas schreiben?
Vielen Dank
Celerina
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 14
-
09.06.2006, 16:51
Buddhismus/ Katholizismus - Glaubenszweifel
-
09.06.2006, 18:09Inaktiver User
Re: Buddhismus/ Katholizismus - Glaubenszweifel
Liebe Celerina,
mir ist nicht ganz klar, warum Du aus der Faszination dieses Nepal-Tempels und der Budda-Statue eine Glaubensfrage machst.
Ich kenne diese Anlage. Die Stimmung dort ist wunderbar - ruhig, besinnlich. Man kann sich ans Wasser setzten, entspannen und will am liebsten gar nicht mehr weg. :entspannen:
Nur, was hat das mit Deinem Glauben zu tun? Vermutlich fehlen Dir in Deinem Alltag Ruhepole.
meint
Prado
-
09.06.2006, 20:53
Re: Buddhismus/ Katholizismus - Glaubenszweifel
Hallo Celerina,
vielleicht fehlt Dir ja auch einfach christliche Kunst, mit der Du Dich identifizieren kannst?
Es ist ja den zeitlichen Modeströmungen unterworfen, wie Jesus und die anderen Personen des christlichen Glaubens dargestellt werden. Schau mal das Gerokreuz (das Gold-Drumrum ist aus dem 17. Jh!) - ich finde manche dieser ganz alten Christusdarstellunen (und sowieso viel von der frühen romanischen Plastik) sehr schön.
Und die Gesichter auf den Bildern von Rogier van der Weyden. Leider habe ich hier nur kleine Bilder gefunden:
Rogier van der Weyden - Maria wird vom HL Lukas gemalt
Rogier van der Weyden - die Jungfrau mit dem Kind
Einige Rogiers habe ich in natura gesehen, in München und Madrid, und die Ruhe und Feinheit berühren mich wirklich bis ins Innerste.
Oder schau mal, die Gesichter bei Jan van Eyck:
Jan van Eyck - der Genter Altar
Ich finde solche Werke unglaublich schön.
Wenn ich mal Deine eigenen Worte zitieren darf, der Buddhismus geht ja auch von unendlich tiefem Leid aus. Nicht nur das ganz normale, sondern Buddha hat ja als Asket zuerst Selbstfolter praktiziert, bis er seinen Weg zur Erlösung fand. Es gibt ein paar sehr wenige Bildnisse, wo das dargestellt wird. Klassische buddhistische Meditationen sind auch über den Anblick von Toten usw. Einige dieser echten Texte (nicht irgendwelche weichgespülten Eso-Ratgeber von heute) sind schon ziemlich herbe
Es ist nur wirklich so, dass die Künstler bei der Darstellung von Buddha einfach (fast) immer den Erleuchteten (Erlösten) zeigen.
Ich glaube jedenfalls nicht, dass man beides gegeneinander ausspielen kann, Buddhismus oder Katholizismus. Wenn das Bildnis Dich so angesprochen hat, lohnt es sich bestimmt, dass Du Dich mit dem Buddhismus befasst, vieles widerspricht dem Christentum ja gar nicht. Aber wenn Du Katholikin bist, brauchst Du das eine nicht gegen das andere aufzurechnen weil es sowieso zu unterschiedlich ist (finde ich als Buddhistin).
viele Grüße,
Neko
-
09.06.2006, 21:30Inaktiver User
Re: Buddhismus/ Katholizismus - Glaubenszweifel
Hallo Celerina,
ich finde, das christliche Bild hier drückt auch "Ruhe" aus:
klick
Aber ich glaube, ich "weiß" was du meinst. (Dieses Austrahlen von überirdischer Ruhe und Gelassenheit im Lächeln)
Habe eben gegoogelt nach Bildern von Jesus (ohne das Kreuz), aber ich habe nichts gefunden, was eine ebensolche Reaktion auslösen könnte. Entweder sind die Bilder kitschig oder... naja.
Ich könnte mir vorstellen, dass Jesus Christ genauso lächelt wie der Buddha, "sitzend zur Rechten Gottes" - eben nach seiner Auferstehung
Ich mag sehr Statuen und Bilder der Tara , obwohl ich evangelisch bin.
Kann dich verstehen.
Ich meine, Gefühle "hat man" und fühlt man, man muss sie nicht unbedingt verstehen oder erklären können. Es ist einfach in Ordnung, wenn man sich innerlich berühren läßt von Schönheit, Weisheit, Spiritualität -egal aus welcher kirchlichen oder nicht-kirchlichen Richtung das grad kommt.
Lavendelmond
-
11.06.2006, 13:01
Re: Buddhismus/ Katholizismus - Glaubenszweifel
Hallo und danke
an alle, die mir geantwortet haben. Wenn ich meine Gefühle weiter hinterfrage, denke ich, dass da schon lange eine latente Unzufriedenheit mit Glauben bzw. Kirche bei mir vorhanden war, denn sonst hätte mich ein Besuch in dieser Einrichtung nicht so tief treffen können. Ich habe doch schon länger den Eindruck, dass mir persönlichim katholischen Glauben und in den Glaubenspraktiken irgendwo die Ruhe und die Innerlichkeit abgekommen sind. Ich empfinde eine Messe sehr oft als "Unruheverschaffer" mit dem Aufstehen, Hinsetzen, Knien usw. Ich weiß wohl, dass im Messeritus alles einen Sinn hat, nur mir verschafft er eigentlich keinen Sinn mehr. Auch der Glaube an die Auferstehung fällt mir seit längerem sehr schwer, seit ich ein Buch gelesen habe, das beschreibt, dass es in vielen alten Religionen und Mythen ein junger König oder Königssohn als Opfer stirbt und wieder aufersteht. Kommt euch das irgendwie bekannt vor? Ich weiß seitdem eigentlich nicht mehr, was ist noch Dichtung oder Wahrheit.
Mir liegt eigentlich der Atheismus fern, es gibt diese höhere Macht, Gott, Weltenseele, wie man es auch nennen mag und das ist meine tiefe Überzeugung. Nur habe ich im Inneren das Gefühl, ich weiß nicht, wo der Weg dorthin ist.
Ich habe letztes Jahr an einer christlichen Meditation teilgenommen, wie weit ich dabei Ruhe gefunden habe sei jetzt mal dahin gestellt, aber die Atmosphäre dort war so ganz anders als ich es in Messen gewöhnt war. Andererseits wird ja eigentlich der Gottesdienst den Christen vorgeschrieben, nur ist das wohl gar nicht das, was ich so brauche. Auch wollte ich meinen Kindern schon vorleben, dass es wichtig ist, in der Gemeinschaft zu Gott zu beten und an der Gemeinschaft teilzunehmen. Soll ich mich jetzt einfach da ausklinken und sagen, "Macht ihr mal so weiter, Mama geht jetzt nen anderen Weg".
Irgendwie geht das jetzt alles bei mir durcheinander und ich fühle mich irgendwo, an einer Kreuzung angekommen, bei der ich mich nur im Kreis drehe.
Ich hoffe, ich konnte euch ein bisschen verdeutlichen, was so in mir vorgeht.
Bis bald
Celerina
-
12.06.2006, 09:58
Re: Buddhismus/ Katholizismus - Glaubenszweifel
@CelerinaIch habe doch schon länger den Eindruck, dass mir persönlichim katholischen Glauben und in den Glaubenspraktiken irgendwo die Ruhe und die Innerlichkeit abgekommen sind.
ich bin zwar auch ein Fan buddhistischer Tempel und Buddhastatuen schlechthin (fahr mal nach Bangkok, da gibts einen, der 50 m lang ist und überirdisch aussieht), aber ich glaube, im Christentum ist die Identifikation mit Bildnissen, im Unterschied zum Hinduismus und Buddhismus, nicht so gewollt.
Einen Ausgleich zur Meditation vor einem Bildnis bieten für mich Kreuzgänge. Sind Kreuzgänge nicht auch - sehr unterschätzte - Ruhepole zur inneren Einkehr?
-
12.06.2006, 18:29
Re: Buddhismus/ Katholizismus - Glaubenszweifel
Hallo Elwyn,
danke für Deine Nachricht. Du hast Recht, Kreuzgänge können Hilfen für die innere Einkehr sein. Leider gibt es bei uns keinen in der Nähe. Muss wohl weiter suchen!
Ciao
Celerina
-
15.06.2006, 23:10Inaktiver User
Re: Buddhismus/ Katholizismus - Glaubenszweifel
Und ich kenne einen buddhistischen Priester, der beim Lesen der Bibel seine Schüler gern darauf hinwies das Das! Das jetzt! Hier! genau das war, was er seinen Schülern immer beizubringen versuchte.
Christentum und Buddhismus sind in vielen ihrer Grundprinzipien - Nächstenliebe und Mitgefühl - gar nicht so weit auseinander, wie man vielleicht meinen möchte.
Mir persönlich als Ex-Katholikin ist es eigentlich auch egal, ob Jesus jetzt gestorben und wieder aufgestanden ist, und ob das alles auf die Legenden vom jungfäulich geborenen König, der sich opfern muss, zurück geht: Auf die Idee kommt es an. Auf das Wesentliche. Der Rest ist nur Verpackung.
-
19.06.2006, 16:10
Re: Buddhismus/ Katholizismus - Glaubenszweifel
Hallo Pizzicato 5,
danke für deine Nachricht. Sie hat mir viel innerlich an Druck genommen, denn es hat mir gezeigt, dass man letztendlich zu einer Synthese aus beiden Religionen kommen kann.

Celerina
-
06.07.2006, 20:47
Re: Buddhismus/ Katholizismus - Glaubenszweifel
Hallo Celerina,
auch ich habe noch keine Buddah-Statue gesehen, aber ich kann ahnen wie es dir damit geht. Ich bin evangelisch, habe eine kirchliche Ausbildung genossen und habe schon vor Jahren gespürt, dass es Dinge gibt, die scheinbar zu den "Dogmen" zählen,die nicht anzuzweifeln sind. Nach langer Zeit traue ich mich mittlerweile zu sagen, wenn auch nicht in allen Kreisen, dass ich mit dieser Kreuzes- und Sündentheologie wirklich nichts anfangen kann. Dieses Bild von Jesus am Kreuz hat für mich nichts, was mir gut tut. Mittlerweile gibt es bei der Aufersteheung Elemente, mit denen ich mich anfreunden kann. U.a. durch das Buch Sakrileg und weiterführender Literatur bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass es einen Gott gibt- oder göttliche Energie oder wie immer wir es nennen und alle Religionen daran teilhaben und sich entsprechend ihrem Charakter daraus entwickelt haben. Und alle natürlcih auch irgendwie mit speziellen, auch einseitigen Aspekten. Ich bin in der westlichen Welt mit dem Christentum groß geworden, versuche dort die Aspekte zu nutzen,die mir gut tun, versuche auch unter verstaubten Texten und Bilder Dinge für mich zu entdecken, habe aber auch die Freiheit Aspekte und Anteile anderer Religionen (vielleicht auch der alten Göttinnen -Religionen von denen du gelesen hast) für mich zu suchen und zu nutzen, -wie du deine Buddah-Figuren.
So weit erst mal
Viele Grüße
Indra


Zitieren