Als philosophisches Gedankenmuster finde ich die Aufgabenstellung durchaus interessant. Nur, wenn ich mir die Praxis vorstelle - da müsste doch alles so schnell gehen, dass ich mir keine Gedanken machen kann und nach dem Herzen oder der Konvention entscheide.
Kann man in eine Mathematikaufgabe ethische Parameter einbauen?
Kann man in eine ethische Fragestellung mathematische Platzhalter einbauen?
Wer stellt die Moralregel auf?
Können wohl, aber es wird doch immer zum einen führen: wirklich weiss ich es hinterher, und irgendjemand, und wenn es ich bin, wird die Richtigkeit und Vernünftigkeit und moralische Einwandfreiheit meiner Entscheidung anzweifeln. Jedoch wird man durch die Diskussion der moralischen Zwickmühle die Denkweise und Entscheidung im Ernstfall beeinflussen.
Ich würde mich für meinen Hund entscheiden - oder doch für das Kind?
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Thema: Moralische Zwickmühle
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04.08.2006, 02:57Inaktiver User
AW: Moralische Zwickmühle
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04.08.2006, 15:46
AW: Re: Moralische Zwickmühle
Hallo Natalie,
wo sage ich denn, dass Eltern mehr trauern als ein Hundebesitzer um seinen Hund?
Was ich sage, ist dass ICH den Hund opfern wuerde, auch wenn ich noch so um ihn trauere.
Ich bin nicht verantwortlich fuer Eltern, die ihre Kinder schlecht behandeln. Aber ich gehe hoffend davon aus, dass es so nicht ist. Und selbst dann. Ich habe aus guter Intention heraus gehandelt.
Schau mal, Natalie: ich kann keine Kinder bekommen. Ich wollte adoptieren, aber stell dir vor: genau das ist WESENTLICH schwerer als einen Hund von der Strasse zu holen (gibt es in Mexico massenweise, koennte stundenlang traurige, raeudige Hundegestalten aufsammeln). Ich habe jetzt 2 Hunde und wenn einer von ihnen stirbt (aus egal welchem Grund), werde ich sehr wahrscheinlich wieder einen aus dem Tierheim holen (oder von der Strasse). Jeder Hund ist wieder ein neuer Hund, mit eigenem Charakter und Hundepersoenlichkeit. Wo sage ich, dass der eine den anderen ersetzt? Aber es gibt hier nunmal millionen, die alle ein bisschen Liebe braeuchten.
Gehoerst du zu den Leuten die ihren Hund klonen wollen, damit er - genau er und kein anderer - nach seiner 15jaehrigen Lebenszeit als identischer Klon wieder ins Leben geboren wird. Und das, weil DU nur mit diesem einen Hundefreund wirklich leben kannst und kein anderer in Frage kommt? Ueberleg doch mal!
Was daran ist so schwer zu verstehen?
lg
BrillieGeändert von brillie (05.08.2006 um 03:55 Uhr)
Por lo demás, ignoramos si el universo pertenece al género real o al género fantástico”, JL Borges
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04.08.2006, 22:09
AW: Moralische Zwickmühle
Eine sehr interessante Frage. Trotzdem kann ich sie nicht direkt beantworten. Weil ich sofort sachliche Gründe habe, die dagegen sprechen, dass eine solche Situation eintritt.Stellt Euch vor, Ihr seid sehr einsam. Euer einziger treuer Begleiter ist ein Hund. Mit dem lebt Ihr schon seit 10 Jahren eng zusammen.
Ihr seid nur ein mittelmäßiger Schwimmer.
Ihr steht an einem Fluss. Ein Euch völlig unbekanntes kleines Kind kommt hinzu und spielt mit Eurem Hund. Wie es der Teufel so will, fallen die beiden im Spiel in den Fluss!
Euer Hund ist ein ebenso schlechter Schwimmer wie Ihr selbst. Das Kind kann offenbar gar nicht schwimmen.
Ihr wisst, Ihr seid nur in der Lage, entweder Euren Hund oder das fremde Kind zu retten. Eure Kraft reicht nicht weiter.
Rettet Ihr Euren Gefährten? Oder das fremde Kind?
Kein Hund ist ein mittelmässiger Schwimmer.
Ein Hund, der ins Wasser fällt, krabbelt sofort wieder raus.
Passiert das Ganze an einem steilen Böschung, kann es gar nicht passieren, da weder ich, noch mein Hund, schon gar nicht ein kleines Kind dort spielen würden.
Ich bin ehemalige Wettkampfschwimmerin und habe den Rettungsschwimmer. Ich traue mir zu, beide zu retten.
Ich würde nie ein vollkommen unbekanntes Kind ohne körperlich nahe Aufsicht mit meinem Hund spielen zu lassen.
In dem Moment wo es tatsächlich ins Wasser fällt, bin ich sofort zur Stelle.
Uff. Ich weiss, das war alles nicht gefragt. Aber die Szene ist so konstruiert, dass es mir so nie passieren würde. Ich meine nie.
Aber spielen wir das Ganze trotzdem durch nachdem ich mich von dem hemmenden Ballast meiner persönlichen Gedanken und befreit habe.
Ich würde nie nachdenken, sondern immer instinktiv, intuitiv handeln. Wer zuerst Hilfe benötigt, bekommt sie. Das ist eine Bruchteil-Sekunden-Entscheidung. Sehe ich, dass das Kind unterzugehen droht, schwimme ich zum Kind.
Ein Mensch, der nicht schwimmen kann, geht schneller unter als ein Hund, der, auch wenn er es nicht gelernt hat, instinktiv schwimmen kann. (Ich setze schon wieder zuviel vorraus. Sorry.)
Bei mir gibt es keine "moralische" Entscheidung, sondern eine situationsgebundene instinktive. Bei mir gibt es keine Überlegung, ob einer von beiden, also Hund oder Kind eher zu retten wäre, weil er/es besser, höherwertig oder wertvoller ist. Es gibt dazu gar keine Meinung bei mir. Solche Fragen habe ich mir noch nicht gestellt. Mein Hund ist mir näher und lieber als ein unbekanntes Kind.
Um tatsächlich eine Entscheidung gegen das Weiterleben eines der beiden treffen zu können, müssten mehr Parameter bekannt sein. In dem Moment wo ich ins Wasser springe, kann ich gar nicht abschätzen, ob das andere Lebewesen sicher untergehen würde. Ich kann es vermuten und da greift wieder: der, der es am nötigsten zu haben scheint, dem wird zuerst geholfen.
[Ich rette beide.]
Ich bin durchgefallen bei der Hausarbeit und bekomme in Philosophie eine Sechs.
Körperlich Distanz
Sozial zusammen
You'd have to be here
I'm seeing a garden, a place I keep longing to show to you
It's northerly facing and close to an open fjord
The wind that was moving the rhubarb moved through my childhood, too
Calling so slowly from summer's before
Kari Bremnes
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04.08.2006, 22:34Inaktiver User
AW: Moralische Zwickmühle
Ich denke mal, die Nachwirkungen aus dem Jurastudium legen sich langsam, Sheila?
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05.08.2006, 00:11
AW: Re: Moralische Zwickmühle
Hi Brilli, was heißt „man rettet natürlich das Kind“? Stellst Du hier denn die Regeln auf, wie MAN sich zu verhalten hat und wie nicht? Murmeltier hatte doch zuvor ausführlich dargelegt, dass für sie persönlich die Frage gar nicht so eindeutig zu beantworten ist. Ich meine, ihre Begründungen waren absolut stichhaltig.Moralische Zwickmuehle?
finde ich ueberhaupt nicht.
Man rettet natuerlich das Kind
Und jetzt kommst Du und behauptest: „Man rettet natürllich das Kind....“ Das mußte für Murmeltier dann wie blanker Hohn wirken. Warum setzt Du Dich über die Meinung anderer einfach hinweg? Wer ist bei Dir „man“ und was ist daran so „natürlich“, das Kind zu retten und den Hund zu opfern?
Warum gibst Du eine so miserable Begründung an? Warum lässt Du die Begründung nicht einfach ganz weg???Man kann sich immer und jederzeit einen neuen treuen Hundefreund adoptieren
Viele grüße Ak1910Geändert von Ak1910 (05.08.2006 um 00:21 Uhr)
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05.08.2006, 15:18
AW: Re: Moralische Zwickmühle
Ann dieser Stelle sage ich nur: don´t feed the troll.
Zitat von Ak1910
Gruss
BrilliePor lo demás, ignoramos si el universo pertenece al género real o al género fantástico”, JL Borges
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09.08.2006, 13:05Inaktiver User
AW: Moralische Zwickmühle
Bilde ich es mir ein oder schimmert in Deiner Geschichte die Astrologie durch, Sheila? Ein Mensch mit der Konstellation in einem bestimmten Haus kann sich nur schlecht vorstellen einsam zu sein. Zieht er dennoch die Einsamkeit vor, wird er sicherlich schnell vom Schicksal in "andere" Bahnen gelenkt. Damit wären wir beispielsweise bei Deiner ausgedachten Geschichte, in die ich mich einfach nicht hineindenken will. ;-)
Gruß,
Karamia


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