Antworten
Seite 4 von 21 ErsteErste ... 2345614 ... LetzteLetzte
Ergebnis 31 bis 40 von 202
  1. User Info Menu

    Re: Was ist \"gute Religion\"?

    OK! Ausgangsbasis Deiner Theorie war ja der christliche Gott der Liebe, der die Menschen nach seinem Ebenbilde geschaffen hat .... Dann bedeutet Gottgleichheit auch Verantwortung und Liebe.
    Ich möchte das Thema noch einmal aufgreifen:

    Was ist "gut" an der christlichen Religion?

    Ich sehe die Kritik an der christlichen Religion, aber kann ich auch erkennen, was der Bischof Huber in seinem Artikel meint.

    Die christliche Religion hat sich immerhin damit auseinandergesetzt, wie ein soziales Miteinander aussehen könnte. Das haben andere Religionen auch mehr oder weniger erfolgreich getan. Die christliche Religion erschafft sich aber kein so großes moralisches Gesetzbuch für das Zusammenleben wie beispielsweise der Koran - die KERNSÄTZE in der christlichen Religion sind vergleichsweise einfach (10 Gebote oder Bergpredigt, wie man will). Sie nähern sich auch an so etwas wie die Menschenrechte an.

    Die Kernsätze werden an und durch eine Person "Jesus" erläutert. Jesus ist ein vergleichsweise schwacher, durchaus toleranter Mensch, der auch ziemlich übel am Kreuz stirbt. Auch wenn er später aufersteht - es gibt nicht viele Religionen, die schwache Menschen als Propheten oder Religionsstifter anerkennen.

    Darüberhinaus wurde natürlich ergänzt, verändert, umgeschrieben. Die Kernsätze wurden in fragwürdiger Weise umgesetzt, ja bis zur Unkenntlichkeit abgewandelt.

    Bischof Huber ist ein Protestant, kein Katholik. Die modernere Entwicklung der Glaubensrichtungen innerhalb der christlichen Kirche zeigen, dass die christliche Religion zu Veränderung und Erneuerung fähig ist, ebenso ist sie in der Lage, sich selbst in Frage zu stellen und sich aus der Politik weitgehend rauszuhalten. Sie kann sich nicht total aus allem raushalten - wie der Buddhismus - weil das dem christlichen, sozialen Miteinander widerspricht.

    Diese Religion arbeitet vergleichsweise hart an sich - und das finde ich gar nicht mal so schlecht.

    Ich kann also "gute" Ansätze erkennen!



  2. Inaktiver User

    Re: Was ist \"gute Religion\"?


    Ich hab hier leider was Unschönes. In unseren Kirchenblatt gibts einen Artikel über die Ergebnisse eines Nationalen Forschungsprojekts des Schweizer Nationalfonds (die Studien, die in diesem Rahmen durchgeführt werden, sind als seriös einzustufe). Nachzulesen unter Quelle

    ************************************************** ***********************

    Je religiöser, desto menschenfeindlicher?

    Religiöse Menschen sind intoleranter, antisemitischer, fremden- und menschenfeindlicher als nichtreligiöse: Diesen frappanten Befund liefert ein nationales Forschungsprojekt. Was heisst das für die Landeskirchen?

    3000 Interviews sind geführt, je 90 Fragen gestellt worden: Im Rahmen eines Projekts des Schweizer Nationalfonds haben Soziologinnen und Soziologen der Uni Genf von den Menschen in der Schweiz wissen wollen, wie tolerant sie gegenüber Andersgläubigen, Andersdenkenden, Andersfarbigen sind. Das Resultat der Umfrage stellt gerade auch den Christinnen und Christen kein gutes Zeugnis aus.
    Besonders alarmierend ist dabei der untergründige Antisemitismus: 26 Prozent aller KatholikInnen und 24 Prozent aller Reformierten geben den Juden selber die Schuld am Holocaust. Auch ein anderes antisemitisches Vorurteil schwirrt immer noch in vielen Köpfen herum: Juden – in der Schweiz gerade mal 0,25 Prozent der Bevölkerung – besässen in Wirtschaft und Politik zu viel Macht.
    Projektleiter Sandro Cattacin, Direktor des soziologischen Instituts der Universität Genf, vermutet einen inneren Zusammenhang zwischen Religion und der Einstellung gegenüber Minderheiten. Denn nicht nur gegenüber Juden, sondern auch gegenüber Muslimen oder Homosexuellen sind die Negativeinstellungen bei religiösen Menschen wesentlich ausgeprägter als bei Menschen ohne Konfessionszugehörigkeit. «Die Nichtreligiösen können so in einer pluralistischen Religionslandschaft eher Brücken zu den verschiedenen Minderheiten schlagen.»
    Cattacins Optimismus ist allerdings relativ: Denn auch unter den Nichtreligiösen finden sich 18 Prozent, die den Völkermord an den Juden den Opfern selbst in die Schuhe schieben. Vor allem relativiert sich der in der Umfrage ausgemachte Unterschied, wenn man die Gruppe der Nichtreligiösen – mittlerweile elf Prozent der Bevölkerung – genau analysiert. Immerhin finden sich unter ihnen mehrheitlich Menschen mit besseren Bildungsabschlüssen.

    Hanspeter Ernst, katholischer Theologe und Koleiter des interreligiösen Lehrhauses in Zürich, kommt angesichts dieser Resultate ins Grübeln und warnt davor, die Fakten schönzureden. «Die Ergebnisse sind eine Gewissensprüfung. Die Volkskirchen stehen in der Pflicht und müssen sich jetzt fragen lassen: Leisten sie wirklich genug, um dem Antisemitismus entschieden entgegenzutreten?» Ernst stellt in jüngster Zeit eine gewisse «Dialogmüdigkeit» der grossen Volkskirchen gegenüber dem Judentum fest. – Bei der Präsentation der Studie an der ETH Zürich hatte Cattacin unter anderem darauf aufmerksam gemacht, dass die Diskussion um Raubgold und nachrichtenlose Vermögen in den Neunzigern die Atmosphäre in der Schweiz wieder antisemitisch aufgeladen habe.
    Die tagespolitische Aktualität fällt noch stärker ins Gewicht, wenn Schweizer Muslime nach ihrer Haltung gegenüber den Juden befragt werden. Unter dem Eindruck des Israel-Konflikts bejaht eine grosse Mehrheit von ihnen die Aussage, die Juden hätten in der Schweiz zu viel Macht. Auch favorisieren 55 Prozent der Muslime (Reformierte und Katholische: je 43%; Nichreligiöse: 29%) eine traditionelle Frauenrolle («zurück zum Herd») und zeigen sich gegenüber Homosexuellen besonders ablehnend. «Der Modernitätsrückstand ist für viele muslimische Einwanderer enorm. Die Muslime sind deshalb in kulturellen Belangen konservativer», sagt Cattacin dazu.

    Die Studie hält aber auch eine positive Botschaft bereit: In der kleinen Schweiz sind die Netzwerke so eng geknüpft, dass Muslime wesentlich bessere Chancen haben, sich zu integrieren, als in Frankreich und Deutschland. Denn 55 Prozent aller Befragten – auch der Muslime – geben an, freundschaftliche Kontakte zu Menschen einer anderen Religionszugehörigkeit zu pflegen. «Im Moment sind die Türen der islamischen Gemeinschaft in der Schweiz offen», bilanziert Cattacin: «Es hängt nun auch von der Schweizer Gesellschaft ab: Je mehr die Muslime vor verschlossenen Türen stehen, desto mehr verstärkt sich die Neigung, getrennte Wege zu gehen.»

    Delf Bucher

    ************************************************** *********************

    Ich bin eigentlich der Überzeugung, "gute" Religion müsse in erster Linie menschenfreundlich sein.

  3. User Info Menu

    Re: Was ist \"gute Religion\"?

    Je religiöser, desto menschenfeindlicher? ... Ich bin eigentlich der Überzeugung, "gute" Religion müsse in erster Linie menschenfreundlich sein.
    Das ist ja wirklich extrem!!! Aber sicher kein Problem nur in der Schweiz!

    Der Antisemitismus ist aber im europäischen Kulturkreis sehr stark vom kulturgeschichtlichen und politischen Hintergrund beeinflusst, meine ich.

    Außerdem zeigt das aber auch, dass vor allem die monotheistischen Nachfolgereligionen ein Problem mit dem "Vorgänger" ihrer eigenen Religion haben.
    Dann wäre dies aber kein allgemeines Problem von "Menschenfeindlichkeit" aller "Religionen", oder?

    Also der Test sagt im besten Falle nur aus, dass die Religionen, wie wir sie kennen, ein Problem haben - die haben aber ein ganz DEUTLICHES Problem!!!

    Schade, dass der vielbeschworene Buddhismus nicht dabei ist, wobei der ja nach Ansicht der Religionswissenschaftler keine Religion ist.



  4. Inaktiver User

    Re: Was ist \"gute Religion\"?


    Der Antisemitismus ist aber im europäischen Kulturkreis sehr stark vom kulturgeschichtlichen und politischen Hintergrund beeinflusst, meine ich.
    Es stimmt, der Antisemitismus hat auch ausserchristliche Wurzeln. Er existierte interessanterweise schon ansatzweise im altägyptischen Reich (nein - nicht so wie in der biblischen Geschichte, es gab ihn schon lange bevor das spätere jüdische Volk überhaupt existierte): spätestens seit dem Mittleren Reich gelten "die Asiaten" (damit sind sämtliche vorderasiatischen/orientalischen Völker gemeint) als Feinde und "minderwertige Völker" (neben "den Libyern", womit alle saharaischen Nomadenvölker gemeint waren).
    Diese "Asiatenfeindlichkeit" - oder korrekt Antisemitismus, also Semitenfeindlichkeit - konzentrierte sich später in der antiken Welt (in Ägypten und im hellenistischen Raum) immer mehr auf einzelne Völker, insbesondere die späteren jüdischen Stämme, bis sich der "Antisemitismus" zu einem eigentlichen "Antijudaismus" wandelte.

    [Antisemitismus ist zwar eingebürgert für Judenfeindlichkeit, aber eigentlich nicht korrekt, er umfasst von der Bedeutung her sämtliche semitischen Völker - also auch die Araber. "Antijudaismus" wäre die bessere Bezeichnung.]

    Das entstehende Christentum hat den Antijudaismus also in der antiken Welt bereits vorgefunden und übernommen. Aber ihm eine schlimme zusätzliche Komponente verliehen: das Stigma der Gottessohn-Mörder. Vor diesem neuen, furchtbaren Inhalt ist die antike Form des Antijudamismus im Laufe des Mittelalters in den Hintergrund getreten. Wie stark der Antikudaismus zutage trat, das war in der Tat sehr stark von den politischen Rahmenbedingungen abhängig.

    Außerdem zeigt das aber auch, dass vor allem die monotheistischen Nachfolgereligionen ein Problem mit dem "Vorgänger" ihrer eigenen Religion haben.
    Genau. Ein enormes Legitimationsproblem. Mit ihrer eigenen Vorgängerreligion - aber, so wage ich behaupten, die hätten das gleiche Problem mit jeder anderen monotheistischen Religion. Nochmals: Monotheismus ist intolerant.


  5. User Info Menu

    Re: Was ist \"gute Religion\"?

    spätestens seit dem Mittleren Reich gelten "die Asiaten" (damit sind sämtliche vorderasiatischen/orientalischen Völker gemeint) als Feinde und "minderwertige Völker" (neben "den Libyern", womit alle saharaischen Nomadenvölker gemeint waren.

    Das entstehende Christentum hat den Antijudaismus also in der antiken Welt bereits vorgefunden und übernommen.

    Nochmals: Monotheismus ist intolerant.
    Hab ich doch noch Fragen dazu:

    Der Antisemitismus, wie du ihn beschreibst, hatte doch im alten Ägypten auch eher politische als monotheistische Gründe? Damals hatten die Ägypter zumindest noch keine reine monotheistische Religion. Ich nehme an, die Ägypter wollten sich ohnehin gegenüber den anderen "semitischen" Völkern abgrenzen, auch Pharao wurde als inkarnierter Gott nicht von jedem anderen ursupierten Volk anerkannt.

    Wie steht es da eigentlich mit den Römern. Sie hatten zwar keine monotheistische Religion und haben viele Götter aus "Aberglaube" übernommen. Aber auch die Römer hatten ein wohl eher politisches Problem mit der Provinz Judäa und dem monotheistischen Glauben der Juden, der es diesen wiederum verboten hat, Imperatoren als Götter anzuerkennen.

    Dasselbe Problem hatten anfangs ja auch die Christen in Rom, oder?

    Historisch gesehen könnte man ja fast annehmen, dass sich die monotheistischen Religionen durch ihren Widerstand gegen die polytheistischen Konzepte - vage formuliert - ein Problem der Abgrenzung aufgehalst haben.

    Politisch wird das natürlich auch dann, wenn sich ein Volk nicht von fremden Völkern dominieren lassen möchte, wie es Römer und Ägypter gemacht haben.

    Ist das so richtig?

    Ziemlich schwer, das Huhn vom Ei zu trennen.





  6. Inaktiver User

    Re: Was ist \"gute Religion\"?


    Nochmals: Monotheismus ist intolerant.

    Warum? Weil der Monotheismus der kath./evang. Lehre von der Dreieinigkeit oder Trinität widerspricht?

    Ist denn nicht der Schöpfer ein "einziger" Gott, also keine Dreieinigkeit;
    und hat nicht sein Sohn Jesus Christus das immer bestätigt? Johannes 17:3 "Das ist aber das ewige Leben, daß sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen."

    Johannes 3:17 "Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, daß er die Welt richte, sondern daß die Welt durch ihn gerettet werde."

    „Höre, Israel! Jahwe, unser Gott, ist der einzige Jahwe!“ 5.Mose 6:4, JB;
    „Ich bin Jahwe, dein Gott .*.*. Du sollst keine anderen Götter haben als mich“ (2.*Mose 20:2,*3, JB;

    Nur den "einzig wahren Gott" anzubeten hat viel Vorteile. Warum?
    Wer die bibl. Geschichte des Volkes Israel kennt, wird feststellen, dass sie nur Erfolg hatten, wenn sie sich dem einzigen Gott JHWH unterwarfen und seine Gesetze in ihrem Leben anwandten. (z.B.Salomos Zeit als König von Israel)

    Als das Volk sich aber "fremdländischen, falschen Göttern" zuwandten, herrschte immer das totale Chaos.

    Wir sehen auch heute um uns herum wie es sich auswirkt, wenn sich jeder so seinen eigene Religion mit ihren eigenen Göttern macht. Totale Uneinigkeit mit ihren schrecklichsten Ausmaßen.

    Das würde es nicht geben, wenn sich jeder Mensch auf der Erde dem Monotheistischen Gott der Bibel JHWH unterwerfen würde.
    Das erfordert aber Demut.

    Die Wurzeln mancher Religionen mögen im Altertum liegen. Aber Gott verbot, wie oben gesagt, die Vermischung seiner Lehren mit den Glaubensansichten der umliegenden Völker, die nicht den Schöpfergott JHWH anbeteten.
    Ihre Vorstellung von Gottesanbetung waren entgegen den liebevollen Gesetzen Gottes.

    (Jetzt mag man noch über das mosaische Gesetz streiten...
    Aber das würde nun zu weit führen...)

    Außerdem gibt es einen Gegenspieler Gottes, Satan den Teufel, der immer wieder versucht dies Uneinigkeit unter den Menschen zu schüren.
    Dazu gebraucht er auch die vielen Religionen, dessen Lehren den bibl. Gesetzen und Moralvorstellungen Gottes in den meisten Fällen widersprechen...

    Und das mit Erfolg! Denn wie schon gesagt, sind die meisten Kriege Religionskriege!

    Würden sie den 2 Geboten Jesu gehorchen, sähe es hier auf der Erde anders aus!

    Markus 12:29-31
    "29 Jesus aber antwortete ihm: Das vornehmste aller Gebote ist: «Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist alleiniger Herr;
    30 und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Gemüte und mit aller deiner Kraft!» Dies ist das vornehmste Gebot.
    31 Und das andere ist ihm gleich: «Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!» Größer als diese ist kein anderes Gebot."

    Philipper 2:3
    "3 nichts tut aus Parteigeist oder eitler Ruhmsucht, sondern durch Demut einer den andern höher achtet als sich selbst,"

    Ich denke mal, der einzelne hat auch den Wunsch so zu handeln, aber wenn es die Herrscher/Regierungen nicht tun ist es fast aussichtslos, dass es einmal weltweiten Frieden und Einigkeit geben wird. Trotz UNO...

    Nun erhebt sich die Frage: Ist Gott tolerant?

    Gruß Majolika

  7. Inaktiver User

    Re: Was ist \"gute Religion\"?

    Nochmals: Monotheismus ist intolerant.
    Warum? Weil der Monotheismus der kath./evang. Lehre von der Dreieinigkeit oder Trinität widerspricht?
    Nein, sondern weil ein Großteil der Monotheisten sich offenbar nicht vorstellen kann, daß möglicherweise nicht der eigene, sondern ein(?) anderer Gott der einzig wahre sein könnte.

    IMO ist Mißtrauen angesagt, wenn Gottesbilder weitaus simpler daherkommen als die Vorstellungen, mit denen z.B. die Physiker etwas vergleichsweise "einfaches" wie einen Lichtstrahl beschreiben.

  8. User Info Menu

    Re: Was ist \"gute Religion\"?

    Nochmals: Monotheismus ist intolerant. Horus

    Das würde es nicht geben, wenn sich jeder Mensch auf der Erde dem Monotheistischen Gott der Bibel JHWH unterwerfen würde.
    Das erfordert aber Demut. Majolika
    @Majolika

    so wie du es beschreibst, ist es die eigene Selbstsicht eines Volkes aus verschiedenen politischen Entwicklungen und Streitigkeiten mit seinen Nachbarvölkern heraus.

    Die Römer und Ägypter haben das möglicherweise ganz anders gesehen!

    Wie wäre es - mal ganz provokant - gewesen, wenn sich die jüdische, streng monotheistische Religion voller Demut in das Pantheon der Römer hätte integrieren lassen?

    Auch wenn die Römer ein machtbesessenes Volk waren, unter ihrer Herrschaft konnten so einige Götter nebeneinander existieren, solange sie sich alle untereinander respektierten.

    Nun erhebt sich die Frage: Ist Gott tolerant?
    Gegenüber anderen Göttern sicher nicht!!!

    *Ironie an* Und ich finde, das kann man eigentlich erwarten!!! *Ironie aus*




  9. Inaktiver User

    Re: Was ist \"gute Religion\"?


    Die Römer und Ägypter haben das möglicherweise ganz anders gesehen!

    Wie wäre es - mal ganz provokant - gewesen, wenn sich die jüdische, streng monotheistische Religion voller Demut in das Pantheon der Römer hätte integrieren lassen?


    Sie haben ja im Laufe der Geschichte sich anderen Herrscher mit den jeweiligen Göttern unterworfen...
    Aber es war nie zu ihrem Vorteil. Es brachte nur Leid über das Volk...
    Die heidnischen Nachbarvölker bekriegten des Volkes Gottes sehr oft. Die Israeliten schlossen etliche Bündnisse mit Nachbarvölkern, obwohl sie hoch und heilig ihrem Gott versprochen hatten nur ihm treu zu sein:

    Josua 1:16 "Sie antworteten Josua: »Wir wollen alles tun, was du uns gesagt hast, und überall hingehen, wohin du uns schickst. 17 Wir werden dir gehorchen, so wie wir Mose gehorcht haben."

    Tatsache war: Sie vertrauten eher auf das was sie sahen, als auf einen unsichtbaren Gott.
    Sie unterwarfen sich dann auch diesen Herrschern und nahmen deren Religion mit ihren Götzenbildern an.
    Nebenbei beteten sie aber zu ihrem JHWH. Doch dieser erhörte sie dann nicht.

    Ein wichtiger Punkt gilt auch noch zu beachten. Gott hatte sich damals das Volk Israel als "sein geheiligtes Volk" erwählt. Er gab ihnen das "Gesetz", dass sie von den anderen Völkern unterschied.
    Darum konnten die Israeliten/Juden nicht die Anbetung ihres Gottes JHWH mit der Anbetung heidnischer Götter vermischen.
    Sie mußten heilig (für einen bestimmten Zweck abgesondert) bleiben.

    Doch Menschen aus den Völkern konnten sich jeder Zeit Gottes Volk anschließen. Voraussetzung war das Einhalten der Gebote.

    Aus einer Linie dieses Volkes sollte dann auch der Messias/Christus geboren werden.
    Doch die Juden als Nation verwarfen den Sohn Gottes, den Messias/Christus und stehen als Ganzes nicht mehr in Gottes Gunst.
    Als Einzelpersonen ist das natürlich etwas anderes!

    Dieser Christus gründete dann das Christentum, dass den Segen des Gottes JHWH hatte.

    Leider handelten die Christen ab dem 3. Jahrhundert genau so, wie das damalige Volk Israel und nahm viele heidnische Bräuche(römische Bräuche z.B.Fest der Saturnalien, ägyptische Triaden und Muttergottheiten, Kreuz usw..) an, die den Lehren/Gesetzen Gottes widersprechen. Genau so wie damals Uneinigkeit herrschte, ist es auch heute unter den verschieden Glaubensrichtungen...

    Gruß Majolika


  10. Inaktiver User

    Re: Was ist \"gute Religion\"?


    Elwyn, zum Antijudaismus bzw. Antisemitismus im altägyptischen Reich (Achtung, das könnte ev. etwas lange werden...)

    Der Antisemitismus, wie du ihn beschreibst, hatte doch im alten Ägypten auch eher politische als monotheistische Gründe? Damals hatten die Ägypter zumindest noch keine reine monotheistische Religion. Ich nehme an, die Ägypter wollten sich ohnehin gegenüber den anderen "semitischen" Völkern abgrenzen, auch Pharao wurde als inkarnierter Gott nicht von jedem anderen ursupierten Volk anerkannt.
    Richtig, der Antisemitismus hatte keine monotheistischen Gründe, wie du das sagst, denn bis auf die Echnaton-Episode (die tatsächlich monotheistisch war), herrschte in Alttägypten ein religiöses Fundament vor, das auf einem polytheistischen Grundsatz fusste - obwohl es natürlich eine Vielzahl extrem unterschiedlicher Religionssysteme parallel nebeneinander gab, die im Laufe der Geschichte auch ständig wechselten, und mit den Atum-Theologien bereits im Alten Reich monotheistische Denkansätze vorhanden waren, die im Neuen Reich auf den Reichsgott Amun-Re übertragen und an ihm weiterentwickelt wurden.
    Und natürlich hatte der Antisemitismus auch politische Gründe (teilweise wars auch ein einfacher Kultursnobismus und ein Instrument zur Abgrenzung gegen den Kulturraum Zweistromland und später Kleinasien). Allerdings waren damals Politik und Religion nicht zu trennen bzw. Politik und Staat fussten auf der Religion. Deshalb lassen sich religiöse Wurzeln in diesem Antisemitismus durchaus entdecken. Etwa die sehr früh ausgeprägte Vorstellung, dass "Asiaten" eben nicht nur kulturell unterentwickelte, barbarische Völker seien, sondern "schmutzig und unrein". Das heisst: kultisch unrein.

    Das die von den Ägyptern unterworfenen Völkern in Vorderasien den König nicht als inkarnierte Gottheit anerkannt hätten, kann so nicht gesagt werden.
    (Der Titel Pharao ist eine gräzisierte Form der altägyptischen Bezeichnung für den Königspalast, der erst sehr spät im Neuen Reich und in der Spätzeit als Königstitel verwendet wurde, hingegen im Alten, Mittleren und der ersten Hälfte des Neuen Reiches noch nicht. Ausserdem ist der Titel negativ aufgeladen, nicht zuletzt durch die Bibel und durch falsche Forstellungen über den vermeintlichen "Despotismus" der ägyptischen Herrscher. Ich spreche deshalb lieber ganz einfach vom König, um diese Assiziationen zu vermeiden.)
    Die eigenen Fürsten und Könige der unterworfenen Völker waren ja selber göttliche Inkarnationen oder zumindest göttlicher Abstammung, diese Vorstellung war im ganzen östlichen Mittelmeerraum, im Nahen und Mittleren Osten gemeinsames Kultur- und Religionsgut. Da spielte einer mehr oder weniger keine Rolle - das ist der Vorteil eines polytheistischen Weltbildes: Es bereitete den unterworfenen oder tributpflichtigen Völkern keine Probleme, den ägyptischen König als einen weiteren Gott zu sehen. Umgekehrt hatten auch die Ägypter keine Schwierigkeiten damit, vorderasiatische Gottheiten in ihr eigenen Pantheon aufzunehmen, etwa die Göttinnen Aschtarte und Anat, oder Eigenschaften vorderasiatischer Gottheiten auf ihre eigenen zu übertragen. Das ging so weit, dass selbst Könige ihre Kinder nach "ausländischen" Göttern benannten (Bint-Anat = "Tochter der Anat" war die erstgeborene Tochter Ramses' II und wurde Königin, trotz ihres "ausländischen" Namens).

    Probleme gab es nicht mal dann, als sich in dem von Ägypten beherrschten Palästina aus polytheistischen und henotheistischen Vorstufen bei gewissen Stämmen allmählich der Eingottglaube an Jahwe entwickelte. Den Ägyptern war das gleichgültig - sie wussten sich eh am längeren Hebel, die jüdischen Stammesfürsten zahlten Tribut (höchstwahrscheinlich auch König David - falls der überhaupt je gelebt hat -, obwohl in der Bibel was anderes steht) und sie waren niemals stark genug, um politisch ernst genommen zu werden. Der ägyptische König hatte eine so starke Stellung, dass er auf die Anerkennung seiner Göttlichkeit durch eine einzige, unbedeutende Stammesgesellschaft im verachteten Vorderasien in keiner Weise angewiesen war und darauf verzichten konnte. Es war schlichtweg nicht relevant, was die dort dachten. Die andauernde Verachtung aller semitischen Völker hatte fremdenfeindliche Gründe, ganz einfach - man erachtete sie als kulturell unterentwickelt und kultisch unrein.

    Aber auch die Römer hatten ein wohl eher politisches Problem mit der Provinz Judäa und dem monotheistischen Glauben der Juden, der es diesen wiederum verboten hat, Imperatoren als Götter anzuerkennen.
    Dasselbe Problem hatten anfangs ja auch die Christen in Rom, oder?
    Das ist richtig. Die religiöse Frage, der "Clash" zwischen jüdischem und christlichem Monotheismus und römischem Polytheismus bzw. römischer Kaiservergottung wird meiner Meinung nach stark überschätzt. Die Römer hatten ein riesiges Reich und enorm viel Kraft bewiesen, die verschiedensten Glaubenssysteme zu integrieren - die hatten es schlicht und einfach nicht nötig, einige wenige Monotheisten, die sich weigerten, den Kaiser als Gott anzuerkennen, derart ernst zu nehmen. Jüdische Aufwiegler und christliche Querdenker waren, sobald sie sich politisch auflehnten, nicht anders als andere Aufwiegler, was man aus politischen Gründen nicht dulden konnte - wenn die Gallier oder die Germanen rebellierten, wurde da ja auch interveniert. Wenn sie hingegen Ruhe gaben, liess man sie auch in Ruhe.
    Es ging um schnöde Politik.

    Und wie kommen wir jetzt wieder zum Thema "gute" Religion zurück?

Antworten
Seite 4 von 21 ErsteErste ... 2345614 ... LetzteLetzte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •