Für alle oder doch nur für viele? Der Papst verordnet einen neuen Gebetstext für das Abendmahl - und setzt dafür "Texttreue" über Verständlichkeit.
Richtig oder falsch – das ist eine unbestreitbar wichtige Unterscheidung. Auf die Frage aber, ob sie auch beim Beten eine Rolle spielt, muss man erst mal kommen. In der deutschen katholischen Kirche wird das gerade heiß diskutiert: Papst Benedikt XVI. hat ultimativ verlangt, die Bischöfe müssten einen Gebetstext ändern – nicht irgendeinen, sondern die Worte Jesu beim Letzten Abendmahl.
Der Priester spricht sie in jeder Messe. Jeder praktizierende Katholik hat das unzählige Male gehört. An dieser wichtigsten Stelle also, sozusagen im Allerheiligsten der Eucharistiefeier, sollen die Wandlungsworte über den Kelch mit Wein künftig lauten: „mein Blut, das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden“. Seit 1970 hatte es hingegen in der offiziellen Übersetzung des lateinischen Messbuchs „für alle“ geheißen.
Quelle: http:// Papst Benedikt XVI: Der Papst und der exklusive Jesus | Kultur*- Frankfurter Rundschau
Ich gehöre zwar keiner Kirche an aber das ist etwas das mich wieder mal sprachlos macht.
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28.04.2012, 11:04Inaktiver User
Der Papst und der exklusive Jesus
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28.04.2012, 15:22
AW: Der Papst und der exklusive Jesus
Das verstehe ich nicht. Herr Ratzinger ist Theologieprofessor, deshalb kann er die Bibel auch in Originalsprachen lesen und jetzt drängt er auf korrekte Übersetzung?Ich gehöre zwar keiner Kirche an aber das ist etwas das mich wieder mal sprachlos macht.
Das Vaterunser wurde vor Jahrzehnten ebenfalls in einem anderen Wortlaut in die Gottesdienste übernommen, aber übereinstimmend in der evangelischen und katholischen Fassung. Hätte es mich damals auch fasungslos machen müssen, weil ichs einmal anders gelernt hatte?Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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28.04.2012, 15:33
AW: Der Papst und der exklusive Jesus
Hallo sesam,
in einem katholischen Forum hat ein User das Dilemma wunderbar zusammengefasst:
Mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen, finde ich. Das Schlimme daran ist, dass es vordergründig ein philologisches Problem ist, während es de facto ein politisches ist, da die Entscheidung den erzkonservativen Kreisen in die Hände spielt. Ich weiß, dass auch viele Pfarrer damit ihre liebe Not haben und bin gespannt, wie es in der Praxis dann letztlich umgesetzt wird.Wenn ich den Brief richtig verstehe, dann ist der Papst der Meinung, man müsse "viele" sagen und den Leuten gleichzeitig erklären, dass man "alle" meint, wenn man "viele" sagt, weil es nicht korrekt sei, "viele" mit "alle" zu übersetzen, aber ebenso nicht korrekt, unkommentiert "viele" zu sagen, wenn man eigentlich "alle" meint.
Alles klar, das wird das gläubige Volk sicher einsehen und verstehen.
Gruß,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
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29.04.2012, 01:29
AW: Der Papst und der exklusive Jesus
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29.04.2012, 01:34
AW: Der Papst und der exklusive Jesus
Obwohl, "alle" sind auch viele.
Wer sich angesprochen fühlen will, kann es ja jederzeit tun.
Das würde bestätigen: Jesus zwingt niemanden.
Auf den Sinn kommt es immer an.Geändert von Streuner (29.04.2012 um 01:40 Uhr)
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29.04.2012, 09:30
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29.04.2012, 10:19
AW: Der Papst und der exklusive Jesus
Die entscheidende Frage bei "alle" oder "viele" ist, wovon die Rede ist: Von den vielen, die das Heil, das allen angeboten ist, annehmen oder von den vielen, denen es überhaupt nur angeboten wird. Letzteres würde bedeuten, dass es Menschen gibt die von vornherein vom Heil ausgeschlossen sind, da es ihnen gar nicht erst angeboten wird. Das widerspricht aber der Lehrmeinung der katholischen Kirche.
Daher sagt der Papst, wir müssen viele sagen, da es so im Originaltext steht, meinen damit aber, dass das Heil dennoch allen angeboten ist. Und das ist durchaus mehr als eine rein philologische Frage. Aber es verkompliziert die Sache halt, ohne dass der Nutzen erkennbar ist, zumal es im Hebräischen und vermutlich auch im Aramäischen die Unterscheidung zwischen viele und alle ohnehin sprachlich nicht gibt, so dass selbst wenn Jesus das so wörtlich gesagt hat, nicht klar ist, was genau er gemeint hat. Und wie wir es verstehen sagt viel über unser Gottesverständnis aus, weshalb die Frage tatsächlich nicht unerheblich ist, auch wenn es nur um ein kleines unscheinbares Wort geht.
Gruß,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
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29.04.2012, 15:27
AW: Der Papst und der exklusive Jesus
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04.05.2012, 19:13
AW: Der Papst und der exklusive Jesus
Hallo,
das ist wohl so eine Krux der katholischen Kirche: "Der Papst ist unfehlbahr!" Und wer dies nicht akzeptiert, wird exkommuniziert
- bzw. derjenige wird eigentlich nur exkommuniziert, falls er der Kirche schon länger nicht in den Kram passt
... dann könnte so ein kleines Anzweifeln schon DER Grund werden.
So ist das mit dem Papst - ein fehlbarer Mensch sagt etwas, und niemand "dürfte" es in Frage stellen, da jeder Papst ja unfehlbar ist.
Fehlbare Menschen werden plötzlich zu einer Art Gott(es-Stellvertreter)
lg
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04.05.2012, 19:18
AW: Der Papst und der exklusive Jesus
Das Dogma (= die Lehre, der Lehrsatz) von der Unfehlbarkeit des Papstes wurde auf dem I. Vatikanischen Konzil (1869/70) als verbindliche Lehre der katholischen Kirche formuliert.
Entgegen einer weit verbreiteten Annahme meint dieses Dogma nicht, dass alle Äußerungen eines Papstes unfehlbar, also irrtumslos sind. Von Unfehlbarkeit spricht die katholische Kirche nur, wenn der Papst "ex cathedra" spricht, um eine Lehre verbindlich als Bestandteil der katholischen Tradition auszuweisen.
Dies geschieht, wenn der Papst
als oberster Hirte und Lehrer der Gesamtkirche seine Absicht zu einem letztverbindlichen Urteil über Fragen des Glaubens und der Sitten feierlich erklärt und dieses Urteil spricht.
Alltägliche Äußerungen, Predigten und Vorträge des Papstes können also per se keine unfehlbaren Äußerungen sein. Ebenso ist es kein Widerspruch zur Lehre der Unfehlbarkeit, wenn Päpste menschliche Schwächen zeigen, sich unklug oder vielleicht sogar unmoralisch verhalten sollten.Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel


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