Wenn ich mir die Entwicklung der EKD in den vergangenen 30-40 Jahren seit meiner Kindheit so anschaue, dann finde ich schon, daß sie ziemlich tolerant ist und den gesellschaftlichen Entwicklungen bis zu einem gewissen Grad Rechnung trägt...bis hin zu einer (wenn auch leider nur kurzzeitigen) EKD-Ratsvorsitzenden.
Und dann sehe ich mal auf die Konkurrenz...wo Evangelen und Katholen noch nicht mal gemeinsam zum Abendmahl gehen dürfen...vom Rest ganz zu schweigen.
Und dann kann ich auch mit der gekündigten evangelischen (welche Religion sollte sie denn auch sonst haben?) Vikarin ganz wunderbar leben.
Wie hat sie denn eigentlich geheiratet...hab' ich das überlesen?
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01.12.2011, 23:53
AW: Evang. Vikarin wurde wegen Heirat mit einem Moslem gekündigt
Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert. Albert Einstein
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02.12.2011, 00:03Inaktiver User
AW: Evang. Vikarin wurde wegen Heirat mit einem Moslem gekündigt
unter blühenden Mangobäumen??? Diesen Teil des Berichtes fand ich soooh romantisch (Sarkasmus aus)
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02.12.2011, 00:36
AW: Evang. Vikarin wurde wegen Heirat mit einem Moslem gekündigt
Die evangelische Kirche gibt sich toleranter als die katholische, das stimmt. Doch Kirche, so wie ich sie mir vorstelle, läuft nicht gesellschaftlichen Entwicklungen hinterher, sie geht vielmehr richtungsweisend voran.
Aber da träume ich wohl gerad mal wieder. Kirche ist noch nie in ihrer Geschichte in irgend etwas vorangegangen. Sie ist, wenn überhaupt, immer nur hinterhergelaufen. Und das tut sie bis heute...
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02.12.2011, 08:21Inaktiver User
AW: Evang. Vikarin wurde wegen Heirat mit einem Moslem gekündigt
Naja, Glaubensgemeinschaften sind nun mal oft eher intolerant, so ein bisschen wie "Ich habe nichts gegen Ausländer, nur sollte meine Tochter keinen heiraten."
Gerade eine Vikarin sollte das wissen. Und wer sich freiwillig so einer Gruppe anschließt, darf sich doch nicht beschweren, wenn die ihre Regeln dann auch anwendet.
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02.12.2011, 14:50Inaktiver User
AW: Evang. Vikarin wurde wegen Heirat mit einem Moslem gekündigt
Link gefunden, der Fall lag doch etwas anders, aber wiederum hat sich die württembergische Landeskirche nicht gerade als liberal erwiesen. klick
Elli, ich würde mich in einer Kirche, die die gesellschaftliche Realität stärker zur Kenntnis nimmt und in ihrer Personalpolitik nicht den Stand von vor ca 40 Jahren abbildet, wesentlich wohler fühlen. Eine Seelsorge, die die aktuelle Realität ignoriert, ignoriert die leib-seelische Einheit der Menschen. Ein Pfarrer, der nie eigene echte Lebenserfahrung gemacht, sondern nahtlos vom behüteten Pfarrhaus der Eltern ins eigene Pfarrhaus übergegangen ist, kann den Nöten von Ratsuchenden nicht gerecht werden Und habe er/sie auch noch so gut studiert und die herrschende Lehre gelernt. Das Wesentliche von Liebe wurde nicht verstanden.
Daher finde ich es schade, wenn sie ihre Ausbildung nicht fertig machen und Erfahrungen ausserhalb der hiesigen Landeskirche sammeln kann um dann irgendwann eine eigene Pfarrei in einer Landeskirche zu übernehmen. Der Verlust ist in erster Linie auf Seiten der Kirche, der die zahlenden Schäfchen herdenweise davonlaufen.
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02.12.2011, 15:19Inaktiver User
AW: Evang. Vikarin wurde wegen Heirat mit einem Moslem gekündigt
Das Merkwürdige finde ich halt, dass grade viele Leute, die "davongelaufen" sind oder nur noch die Kirchensteuer zahlen (ansonsten aber nichts von der Kirche wollen), recht vehement einfordern, dass im Pfarrhaus die Welt wie in den 60er Jahren des letzen Jahrhunderts aussehen soll. Wobei sie selbst beispielsweise geschieden sind, unverheiratet zusammenleben oder eine "multi-kulti"-Ehe führen.
Die Regeln der Kirche sind klar, keine Frage. Wer dort arbeiten möchte, weiss das. Ich finde die Vikarin daher ziemlich naiv, indem sie glaubte, durch das schaffen von Fakten (die Heirat) irgendetwas erreichen zu können.
Was für mich zählt ist, wie bei einer Organisation (egal ob nun Kirche oder etwas anderes), damit umgegangen wird, wenn Regeln gebrochen werden. Dass Regeln nicht eingehalten werden, kommt nunmal vor (sonst bräuchte man die Regeln ja nicht, gell).
Das Strafgesetzbuch beispielsweise hat für solche Fälle Strafen vorgesehen. Jedem Straftäter wird aber eine Tür zurück in die Gesellschaft offengehalten, egal welche Tat er begangen hat. Wenn die Kirche ihre "Werte", die sie so gerne hochhält, Ernst nimmt, müsste sie der Vikarin wenigstens eine abgeschlossene Ausbildung ermöglichen. Aber es steht nur der Bestrafungsgedanke im Vordergrund: Kündigung !
Gruß, Elli
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02.12.2011, 16:01Inaktiver User
AW: Evang. Vikarin wurde wegen Heirat mit einem Moslem gekündigt
Woher weißt Du das? Bei uns auf dem Dorf leben die meisten Leute wie in den 60ern, manchmal möchte man an den Uhrzeigern drehen.
Kommunikation gehört hierzulande nicht zu den Stärken, die gepflegt werden.Die Regeln der Kirche sind klar, keine Frage. Wer dort arbeiten möchte, weiss das. Ich finde die Vikarin daher ziemlich naiv, indem sie glaubte, durch das schaffen von Fakten (die Heirat) irgendetwas erreichen zu können.
Ich denke, das ist nicht als Bestrafung anzusehen, sondern als Abschreckung für mögliche Folgetäter gedacht. Schau doch mal wie im Falle der kopftuchtragenden Lehramtsanwärterin hartnäckig jeglicher mögliche Präzedenzfall herangezogen wird, obwohl unser Recht nicht einmal auf dem Schaffen von Präzedenzfällen beruht.Was für mich zählt ist, wie bei einer Organisation (egal ob nun Kirche oder etwas anderes), damit umgegangen wird, wenn Regeln gebrochen werden. Dass Regeln nicht eingehalten werden, kommt nunmal vor (sonst bräuchte man die Regeln ja nicht, gell).
Das Strafgesetzbuch beispielsweise hat für solche Fälle Strafen vorgesehen. Jedem Straftäter wird aber eine Tür zurück in die Gesellschaft offengehalten, egal welche Tat er begangen hat. Wenn die Kirche ihre "Werte", die sie so gerne hochhält, Ernst nimmt, müsste sie der Vikarin wenigstens eine abgeschlossene Ausbildung ermöglichen. Aber es steht nur der Bestrafungsgedanke im Vordergrund: Kündigung !
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03.12.2011, 08:21Inaktiver User
AW: Evang. Vikarin wurde wegen Heirat mit einem Moslem gekündigt
In meiner Umgebung -zumindest in meiner Altersklassse und darunter- lebt kaum jemand wie in den 60ern. Die Jüngste bin ich nicht mehr...
Diese "Forderung", dass im Pfarrhaus die Welt in Ordnung zu sein hat, lässt sich auch in Umfragen erkennen.
Auch über die Aussage "jede Organisation kann ihre Regeln aufstellen" (was ich grundsätzlich auch sage), und sich dann schulterzuckend abzuwenden, da könnte man auch mal drüber nachdenken. Mit diesem Argument ließe sich nämlich letztendlich jede Unbotmäßigkeit eines Arbeitgebers begründen. Aber ist ne Katze, die sich in Schwanz beisst. Wenn keiner mehr die Kriche bräuchte und alle austreten, wäre das Problem erledigt sozusagen. Solange viele Menschen die Entlassung ok finden bzw. gleichgültig sind, wird die Kirchenleitung diesen Paragrafen mit dem evang. Ehepartner und der Lebensführung eines Pfarrers(ein nahezu beliebiger Begriff) nicht ändern.
Warum es dann bei Pastoren soviele Scheidungen gibt wie in der übrigen Bevölkerung auch (manche unken sogar, die Quote in Pfarrehen sei höher), verstehe dann wer will: die meisten haben nämlich nach wie vor evangelische Ehepartner. Soviel zum Thema Verständnis und Unterstützung. Ob mich mein Partner unterstützt in meinem Leben, egal ob ich nun Pfarrerin bin oder Softwareentwicklerin, das kann doch nur ich selbst beurteilen und nicht mein Arbeitgeber bzw. eine vorgesetzte Behörde, die weder mich noch meinen Partner persönlich kennt.
Na ja, wenn das keine Strafe ist, wenn einem die Existenzgrundlage für ganz Deutschland entzogen wird, als Pfarrerin zu arbeiten, dann weiss ich auch nicht.....
Das mit der Abschreckung scheint in Kirchenkreisen in der Tat zu funktionieren: viele, die Eingriffe erfahren haben und erfahren durch die Kirchenleitung, schweigen verschämt bzw. ziehen sich zurück. Ich meine jetzt Eingriffe in unterschiedlichster Form, die allerdings nicht mit Entlassung geahndet wurden (so einfach geht das nämlich nicht, wenn man mal "dabei" ist), sondern mit anderen Mitteln. Im weltlichen Strafrecht wird versucht zu ergründen, warum ein Mensch unrechtmäßig gehandelt hat, aber im Bereich der Kirche wird sofort und endgültig die "Strafkeule" rausgeholt. Wenn sich jemand wehrt (kommt offenbar selten vor), sind die Kirchenoberen meist recht irritiert.....
Was mich stört ist einfach, wie die Kirche mit Leuten umgeht, die scheitern. Ich erwarte nicht, dass die Kirche alles kritiklos toleriert. Aber ab und zu mal reflektieren, wie sich die Lebensformen der Menschen im Laufe der Zeit entwickeln, wäre nicht schlecht in meinen Augen. Der ewige Hinweis, dass andere Religionsgemeinschaften "noch schlimmer"
agieren, macht es für mich nicht besser.
Gruß, ElliGeändert von Inaktiver User (03.12.2011 um 20:05 Uhr) Grund: Rechtschreibfehler und Ergänzung
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04.12.2011, 17:47
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04.12.2011, 19:24
AW: Evang. Vikarin wurde wegen Heirat mit einem Moslem gekündigt
Hallo zusammen,
ich bin wie schon geschrieben nicht evangelisch, von daher schreibe ich nicht aus Eigeninteressse. Aber wenn ich mir vorstelle, dass Pfarrer irgendwann zu einem nine-to-five-Job wird, den man halt abreißt, um sich danach seinem Privatleben zu widmen, dass bitteschön möglichst nichts mit dem Job zu tun hat, finde ich das nicht besonders attraktiv. In meinen Augen ist das nach wie vor ein besonderer Beruf mit einer echten Berufung. Und zu dieser Berufung gehört für mich auch, dass ich mit aller Ernsthaftigkeit und Konsequenz mein ganzes Leben nach dem richte, was ich da glaube und verkünde. Und dazu gehört für mich auch zumindest das ernsthafte Bestreben in meinem Privat- und Beziehungsleben eine Art von Vorbildfunktion zu übernehmen. Und dazu gehört für mich wiederum ein Partner, der das in vollem Ernst mitträgt. Womit ich nicht sagen will, dass der muslimische Gatte das nicht könnte oder wollte. Darüber will ich nicht urteilen. Aber hier klingt das für mich so nach sollen sie sich doch scheiden lassen, Patchworkfamilien gründen, gleichgeschlechtliche Beziehungen eingehen, letztlich tun, was sie wollen. Dann sind sie wenigstens wie wir alle, und wir können ganz beruhigt sein. Ist der Herr Pfarrer oder die Frau Pfarrerin auch nicht besser als wir. Lässt sich scheiden, fährt betrunken Auto, etc. Alles ganz easy.
Natürlich macht jeder Mensch Fehler, und jeder kann scheitern, auch in Beziehungen. Aber ich finde, der Anspruch an sich selbst, das Ideal sollte vorhanden sein, und zwar auch beim Partner. Ich muss keine heilte Welt vorspielen, die nicht (mehr) existiert, aber ich kann mein Möglichstes tun, um diese heile Welt tatsächlich zu leben. Das ist für mich nicht nur aber auch eine Frage der eigenen Verankerung im Glauben. Und das muss ein Partner m.E. mittragen können.
Gruß,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)



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