Da gebe ich Dir sogar mal recht.
Denn auch ein Hitler wurde nicht als "das Böse" geschaffen, wie oben jemand andeutete, sondern auch dazu gemacht.
Sein Vater hat ihn immer brutalst geschlagen, manchmal nahezu halb tot.
Der jüdische Armenarzt, der Hitlers Mutter bei deren Brustkrebserkrankung behandelt hat (und auch von Hitler hochgeschätzt und geschützt wurde (!), er wurde "Hitlers Edeljude" genannt), hat Zeit seines Lebens gesagt, daß er Hitler nur als netten, sensiblen Jungen kannte, der sich rührend um seine schwerkranke Mutter gekümmert hat.
Man weiß halt nicht, wie es kommen kann, daß solch' ein Mensch, der selbst Opfer von Gewalt war, derartig ins Böse abgleitet. Und mit ihm direkt noch zigtausend andere.
Und das nicht nur im 3. Reich, sondern auch bei anderen Gelegenheiten, wie in Ruanda.
Um zur Frage zurück zukommem: Nein, natürlich schmeißt Gott nicht mit Blitzen um sich.
Diese Vorstellung von Gott als "strafendem Vater" mit Rauschebart finde ich immer komisch bis bestürzend. Die monotheistischen Religionen VERBIETEN es nämlich, sich von Gott ein Bild zu machen, das ist der Fortschritt gegenüber ursprünglicheren Religionen. Und die Juden sind 40 Jahre in der Wüste rumgewandert, um sich das abzugewöhnen ....
Die Thora/Bibel sagt auch, daß Gott dem Menschen die Erde gegeben hat, um sie sich untertan zu machen. Ist doch eigentlich auch eindeutig. WIR sind für alles verantwortlich, was auf der Erde passiert, Gott kümmert sich nicht darum. Auch nicht um eine Katastrophe wie die Shoa.
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Ergebnis 41 bis 50 von 128
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11.11.2011, 08:19Inaktiver User
AW: Werden alle Menschen gerettet?
Geändert von Inaktiver User (11.11.2011 um 08:29 Uhr)
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11.11.2011, 08:50
AW: Werden alle Menschen gerettet?
Auch da gibt es vieles, wo Menschen zumindest ein hohes Risiko eingehen und es wissen können. Fukushima ist so ein Beispiel, ich werde nie verstehen, wie man in einem Land, wo die Erde täglich mehrfach bebt und wo Tsunamis an der Tagesordnung sind, zahlreiche Atomkraftwerke bauen kann, das MUSS einfach schief gehen. Ein anderes Beispiel ist Neapel, die Stadt am Fuss des Vesuv: es ist bekannt, dass es im Fall eines Ausbruchs NICHT gelingen wird, alle zu retten. Die Kapazitäten an Strassen, Verkehrsmitteln etc sind zu klein. Alle Neapolitaner hoffen einfach, dass sie Glück haben und es zu ihren Lebzeiten nicht zu einem nächsten Pompeji kommen wird.
ja, das sind harte Schläge. Ich wünsche der Frau, dass sie ihre Antworten findet, und ihren Frieden - nicht schnell, sondern wenn die Zeit dazu reif ist.
Die Herausforderung eines Menschenlebens ist wohl, trotz der ganzen Unfälle und Hindernisse inneren Frieden zu finden. Gerade und besonders dann, wenn es nicht einfach ist.
grüsse, barbara
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11.11.2011, 11:45
AW: Werden alle Menschen gerettet?
Ich habe es aufgegeben, die Fragen, ob alle gerettet werden, oder warum es soviel Leid auf der Welt gibt, zu beantworten, weil, ich kann es sowieso nicht ergründen. Ich werde in diesen Fragen immer an einen Punkt kommen, wo ich keine Antwort mehr darauf habe, einfach weil ich es nicht wissen KANN. Und jeder, der nicht mit vorgefertigten Denkschemata durchs Leben geht, wird das im Grunde seines Herzens auch wissen, dass auf diese Fragen keine endgültige Antwort gegeben werden kann.
So verstehe ich übrigens auch das Gebot, sich kein Bild von Gott zu machen. Denn Gott ist immer das Greifbare, wie auch das Ungreifbare. Aber das ist ja auch schon wieder ein Bild von Gott...
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11.11.2011, 12:07
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11.11.2011, 13:36
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12.11.2011, 03:22
AW: Werden alle Menschen gerettet?
Ich denke mir da oft, gäbe es Gott nicht, so würden diese Dinge auch geschehen.
Wenn man aber an Gott glaubt und all diese schlimmen Dinge geschehen,
so hat man wenigstens die Hoffnung, dass man dafür irgendwann entschädigt wird,
dass zum Beispiel mein verstorbenes Kind jetzt vielleicht nicht allein ist, nicht verloren ist, dass es getröstet wird, dass es lebt.
Sicher wird es auch Menschen geben, die nicht an Gott glauben
und trotzdem ein gutes, anständiges Leben führen.
Aber es gibt auch Menschen, die ihr Leben anders leben würden, wenn sie wüssten, dass es keinen Gott gibt oder nicht an ihn glauben würden.
Ich frage mich, wie die Menschheit sich entwickelt hätte, wenn sie niemals auf die Idee gekommen wäre, dass es eine höhere Instanz gibt, die für Gerechtigkeit sorgt.
Annähernd können wir das beobachten, (wie ich schon mal erwähnte) in Ländern, wo Religion über Generationen verboten war oder ist.
Oder, wie sich die Menschheit entwickeln würde, wenn kein Mensch mehr etwas von Gott wissen würde - sei es, ob es ihn nun gibt oder auch nicht.
Würden aber alle Menschen an Gott glauben
und nach den Regeln von Gut und Böse leben oder es zumindest versuchen,
dann... naja, Ihr wisst schon...
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12.11.2011, 07:18Inaktiver User
AW: Werden alle Menschen gerettet?
Das ist aber ein ziemlich trauriges Menschenbild .... und diametral anders, als meines.
Siehst Du den Menschen ernsthaft als unvernünftiges Kind, das sich nur gescheit verhält weil/wenn es Angst vor Strafe hat ?
Weia weia. Ein ziemlich verlogener Grund für ein "gottgerechtes Leben".
Ich denke, das der Mensch im Grunde schon gut ist. Dafür braucht es keine Religion, das GRUND-Gefühl dazu, was richtig und falsch ist, ist in uns verwurzelt.
Es gibt eine nette jüdische Geschichte dazu: Ein Mann kommt zum Rabbi und bittet ihn, ihm alles über das Judentum beizubringen und ihn zu konvertieren, während er auf einem Bein steht. Der erste Rabbi jagt ihn fort. Der zweite sagt zu ihm: "Behandle jeden Menschen, wie auch Du behandelt werden willst. Das ist alles, alles weitere ist Interpretation. Nun geh und lerne."
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12.11.2011, 09:39Inaktiver User
AW: Werden alle Menschen gerettet?
Nur, um das mal gedanklich durchzuspielen, damit ich mir das konkreter vorstellen kann:
ein Holocaust-Opfer, welches seinem Peiniger nicht vergeben könnte, käme eher in die "Hölle" (bzw. in den Nicht-Genuss der göttliche Gnade) als ein SS-Scherge, der in der letzten Sekunde seines Lebens bereut?
Das Zitat aus dem Eingang würde ich eher so verstehen, dass wir den Zugang in uns selbst weit machen müssen. Wenn wir nicht zugänglich sind, werden wir auch keinen Zugang haben zu dem, was als "göttlich" bezeichnet wird.
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12.11.2011, 09:47Inaktiver User
AW: Werden alle Menschen gerettet?
Dazu empfehle ich Alice Miller ("Die Revolte des Körpers") zu lesen, die sich mit genau dieser Frage befasst hat.
In einem anderen Zusammenhang auch hier nachzulesen:
http://www.spiegel.de/kultur/gesells...281109,00.html
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12.11.2011, 09:54
AW: Werden alle Menschen gerettet?
"Verlogener Grund" ist schon ein hartes Urteil. Würde ich nicht so sehen. Ein trauriger Grund, ein gottgerechtes Leben zu führen, das ja, aber nicht ein "verlogener Grund". Denn jeder lebt tagtäglich nur seine eigene "Wahrheit". Jeder ist "wahr", weil er so ist, wie er ist und dieses "So-Sein" eben "Realität", und damit "Wahrheit" ist. Und wenn man von Angst geleitet wird, dann hat man sich das nicht ausgesucht, glaub mir. Dann haben Persönlichkeit und Umstände in Wechselwirkung miteinander dazu geführt, dass man so fühlt, wie man fühlt. Aber damit wären wir schon bei der philosophischen Grundsatzdiskussion, inwiefern jeder für sein Handeln - und dafür, dass er so ist, wie er ist - verantwortlich ist.

Um nochmal zu den "akzeptablen Gründen", warum jemand ein gottgerechtes Leben führt oder nicht, zurückzukommen, denn, indem du das Adjektiv "verlogen" einführst, denkst Du ja im Umkehrschluss an einen "wahren/richtigen" Grund dafür.:
Ich bin inzwischen der Überzeugung, dass alleine die Freude über und das Vertrauen in Gott (dass er schon das Richtige tut) oder in das Leben (dass es trotz aller Widersprüche gut ist, so wie es ist) zählt.
Und ja, ich denke auch, dass der Mensch im Grunde seines Wesens gut ist, genauso, wie ich denke, dass Menschen im Grunde ihres Wesens "religiös" sind. Wie sich diese Religiosität aber dann tatsächlich äußert, ist eine höchst vielfältige Angelegenheit. Die einen finden Heimat in einer Religionsgemeinschaft, die anderen widmen sich der Kunst (da Kunst eigentlich nichts anderes ist, als eine gewisse Art von Beschäftigung mit Transzendenz- gerade die Moderne), wieder anderen genügt es, ausgiebig Sport zu treiben, weil sie damit Körper und Geist auf ganz besondere Art erfahren können (sofern es nicht nur um bloße "Fitness" geht), usw.
Ja, und Deine kleine jüdische Geschichte find' gut! Und da fällt mir wiederum Augustinus ein, der sagte: "Liebe, und tu' was Du willst." Für mich die Quintessenz des Christentums.
Und womit ich wieder beim Thema wäre: Ich denke, wir sollen uns nicht so sehr den Kopf über Sachen zergrübeln, die wir sowieso nicht wissen können, sondern unsere Energie darauf verwenden, im Hier und Jetzt "einfach" zu lieben. Puh, das Einfache, das so schwierig ist.



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