Hallo Gemme,
ein sehr schönes Posting. Und ich finde es gar nicht lächerlich, dass Du über einen eher trivialen Roman den Zugang zum Glauben gefunden hast. Letztlich ist es doch wichtig, dass wir etwas finden, was uns anspricht, in unserer ganz konkreten heutigen Situation. Und das schafft die Bibel m.E. oft nur sehr bedingt.
Für mich bilden die Bibel und auch die etablierten christlichen Religionsgemeinschaften den Rahmen, in dem sich mein Glaube bewegt. Ohne einen gewissen Konsens würden wir ansonsten alle vereinzeln und uns unseren Glauben selbst zurechtstricken, uns aber nur schwerlich als Gemeinschaft verstehen können. Ich sehe es auch nicht als meine Pflicht an, alles buchstabengetreu zu glauben, so lange ich den wesentlichen Kernaussagen des christlichen Glaubens zustimmen kann. Über viele Dinge wie Jungfrauengeburt etc. mach ich mir auch recht wenig Gedanken, weil das für mich nicht wesentlich ist.
Was ich zwingend brauche, ist die Gewissheit, von Gott im Hier und Jetzt angesprochen und gesehen zu sein. Und dabei helfen mir auch oft so einzelne Sätze, wie Du am Beispiel von Desmond Tutu zeigst. Manchmal ist es tatsächlich genau so ein Satz, der mir wieder bestätigt, ja genau so ist es. Mich hat mal der Satz, dass wir uns vorstellen sollen, von Gott liebevoll betrachtet zu werden, sehr angerührt. Das ist eine Vorstellung, die mich im Innersten anspricht. Und vielleicht gehört es zum Glauben dazu, seine eigenen Bilder und Sätze zu finden.
Und dann habe ich mir im Laufe der Zeit so eine kleine Handbibliothek an Glaubensbüchern zusammengestellt, in die ich auch immer wieder gerne reinschaue, weil mich die Texte ansprechen.
Die Bücher von Anselm Grün finde ich z.B. sehr schön, weil es ihm gelingt, die wesentlichen Punkte des Christentums ohne frömmelnde Sprache oder strenge Dogmatik zusammenzufassen. Aber es mag auch Menschen geben, denen das schon wieder zu esoterisch ist.
Von außen kann man wohl nur Anregungen geben, erzählen, was einem selbst hilft. Aber auf den Weg machen, muss sich wohl jeder selbst. Und die Wege können sehr unterschiedlich sein.
Gruß,
Malina
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05.09.2011, 07:12
AW: Wie bekommt man Zugang zum CHRISTLICHEN Glauben?
Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
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05.09.2011, 07:50
AW: Wie bekommt man Zugang zum CHRISTLICHEN Glauben?
Ja, klar.
Und ich glaube, es ist eher so, dass ich gefunden wurde.
Und wenn ich hier die Bibelzitierer lese und auch die, die herumeiern müssen wegen Gott dem Vater, und wieviel Ehrbezeugung wir Menschen usw usw... da bin ich wieder mal von Herzen froh, dass ich Gott ausschließlich in mir und Begegnungen erkennen muss und dafür kein Buch und nix anderes brauche.
Das einzige Buch, das ziemlich gut auf den Punkt bringt, was ich zum Thema Gott fühle: Für 6,50 Euro durchs Universum. Das ist aber keine Bibel. Und vor allem: Es erhebt nicht den Anspruch einer Bibel oder eines Korans.
Kirchen können gut etwas aussagen darüber, was Menschen über Gott denken. Aber über Gott im Prinzip nüscht. Jedenfalls nicht mehr als ich.
Die Schönheit der Schöpfung und das Geborgensein im Universum wollen ja auch gefühlt werden.Geändert von _Zitronenmond_ (05.09.2011 um 07:54 Uhr)
Das Leben ist wie ein Duschvorhang. Kann schimmeln, muss aber nicht.
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05.09.2011, 08:40
AW: Wie bekommt man Zugang zum CHRISTLICHEN Glauben?
Das meine ich auch und deshalb würde ich es maddin auch als Tipp mit auf dem Weg geben, Gott nicht in erster Linie in der Bibel zu suchen.
Trotzdem sehe ich es etwas anders als du: die Kirche hat bzw. hätte schon eine wichtige Botschaft, ich meine die beste der Welt, wenn sie nur in der Lage wäre, diese wahrheitsgetreu und glaubwürdig an die Frau und den Mann zu bringen, anstelle einen seltsam zusammengemixten Gift-Cocktail von zwiespältigen und widersprüchlichen Erkenntnissen aus der Bibel als ‚DIE Wahrheit Gottes’.
Das ursächliche Problem dahinter ist die von maddin benannte Widersprüchlichkeit der Bibel, die von der Kirche, jedenfalls von offizieller Seite, gar nicht als solche zugegeben, geschweige denn sich ihr gestellt wird. Offenbar ist es aber so, dass die Bibel neben den christlichen Aspekten durchaus sehr unchristliche Aspekte enthält. Und sich von letzteren klar zu distanzieren, sollte man doch eigentlich von einer christlichen Kirche, die angeblich im Namen von Jesus agiert, erwarten dürfen. Anstelle dessen aber lässt sie ihre Gläubigen mit diesem grundlegenden Problem buchstäblich alleine. Ist doch kein Wunder, wenn Menschen, die der Kirche vertrauen, am Glauben zweifeln - wie maddin eben.
Deine Einstellung zur Gott-Suche finde ich dagegen aufrichtig und ehrlich.
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05.09.2011, 08:50
AW: Wie bekommt man Zugang zum CHRISTLICHEN Glauben?
Ich glaube, dass das ursächliche Problem der Kirche ist, dass sie (über die Jahrhunderte hinweg) eben immer nur etwas darüber sagen kann, was Menschen über Gott denken, was Menschen für Gesetze entwickeln mit dem Argument "Gott will das so" usw.
Und da das alles Menschenwerk ist und schon seit Jahrhunderten funktionieren muss, ist es natürlich voll mit Widersprüchen.
Naja, wie gesagt, ich bin fein raus, weil ich kein Buch brauche, um Gott zu erkennen.
Danke lieber Gott, dass du ausgerechnet von mir nicht erwartest, dass ich an ein Buch glaube.
Das Leben ist wie ein Duschvorhang. Kann schimmeln, muss aber nicht.
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05.09.2011, 09:07
AW: Wie bekommt man Zugang zum CHRISTLICHEN Glauben?
Wenn das stimmen würde, was du sagst, hätten wir überhaupt keine Erkenntnisse über Gott. Wir wüssten noch nicht mal, ob er der Schöpfer ist oder nicht. Nein, ich denke, du machst es dir zu einfach.
Trotz allem sind mir Leute wie du sympatischer wie Gläubige, welche die ganze Bibel als 'Gottes Wort' verkaufen wollen.
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05.09.2011, 09:54
AW: Wie bekommt man Zugang zum CHRISTLICHEN Glauben?
Nochmal - es gibt nicht DIE KIRCHE.
Und ich denke schon, dass für den Glauben die Gemeinschaft der Gläubigen sehr wichtig ist. Der Austausch über Glauben (also quasi das, was wir hier tun), das miteinander Singen, das füreinander Beten.
Und auch das gemeinsame sich-Aufregen über eine unmögliche Predigt hilft mir in meiner persönlichen Glaubensreife weiter.Bis auf Weiteres a.D.
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05.09.2011, 11:29
AW: Wie bekommt man Zugang zum CHRISTLICHEN Glauben?
Die Diskussion ist hier ja hurtig voran geschritten, aber diese Punkte wollte ich nochmal unterstuetzen.
Sehe ich genauso. Maddin - das kommt moeglicherweise ganz falsch hier rueber, weil Du hier Dein Problem darstellst, vielleicht wird die Problematik dadurch etwas ueberbetont: Aber es kommt mir so vor, als ob Du Dir ein bisschen Druck machen wuerdest, und ich moechte Dich ermutigen, das (falls es so sein sollte) mal ganz platt abzustellen.
Wenn ich Dich richtig verstehe, glaubst Du bzw. wuerdest Du gerne glauben, weil es Dir ein Gefuehl von Sinn und Frieden gibt, aber die vorhandenen Widersprueche stossen Dich an Deine Grenzen.
Vielleicht kannst Du das erstmal so akzeptieren. Dass naturwissenschaftliches Wissen und Glaubenssaetze einander nicht ausschliessen muessen, obwohl sie es zu tun scheinen. Ich meine, es gibt doch auch in der Naturwissenschaft viele Dinge, die wir (noch?) nicht verstehen oder mit Sicherheit erklaeren koennen, vielleicht kannst Du die Widersprueche erstmal in diese Ecke stellen - ungeloest, aber das heisst nicht unbedingt, dass sie unloesbar waeren.
Ich mache es so, dass ich, wenn mich ein bestimmter Widerspruch triggert, immer mal wieder dran "rumdenke". Manchmal komme ich zu einer neuen Perspektive. Die macht nicht immer alles logisch und toll, aber es ist schon sehr befriedigend und erfreulich, ploetzlich mal eine ganz neue Seite wahrzunehmen.
Wenn ich merke, dass ich mich zu sehr verbeisse, im Kreis drehe, mir das "Rumdenken" nicht mehr gut tut, lasse ich meinen "Knochen" wieder ein bisschen in der Ecke. Oder bete tatsaechlich um... tja, Frieden, Seelenfrieden, denke ich.
Wie der Vater eines kranken Jungen, der Jesus um Heilung bat - oder? "Herr ich glaube, hilf meinem Unglauben." (Markus 9, laut Online Konkordanz
)
Finde ich manchmal auch ein hilfreiches Gebet.
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05.09.2011, 11:44
AW: Wie bekommt man Zugang zum CHRISTLICHEN Glauben?
@maddin
Deinen letzten Beitrag hab ich jetzt so verstanden, daß es Dir doch irgendwie um den Sinn des Lebens geht. In erster Linie. Und vielleicht auch eine Art Hilfe, eine Stütze, Stabilität, Sicherheit, Geborgenheit, wenn es Dir nicht gut geht ? (das sind alles keine guten Worte dafür, aber ich glaub, Du weiß, was ich meine...)...
Ich bin ja keine "richtige" Christin im Sinne des Wortes. Bezeichne mich aber doch meist so, weil ich eben hier und mit dem christlichen Glauben auch aufgewachsen bin.
Mein Glaube hat sich allerdings seit meiner Kindheit sehr verändert. Jeder muss da irgendwie seinen eigenen Weg gehen.
Trotzdem nochmal meine Frage: wenn es um Sinnsuche geht, musst es explizit der christliche Glaube sein ? Warum ?
Ich denke auch: Du findest Gott am ehesten in Dir (wenn Du bei Dir und in der Stille bist), in Deinem Herzen. (Mit dem Kopf wird das nicht klappen). Ob Du das jetzt Gebet nennst, oder Meditation, ist vielleicht erstmal gar nicht wichtig.
Versuch doch mal, in eine Buchhandlung, Abteilung Glaube/Spiritualität zu gehen und schau dich um. Mir geht es oft so, daß die richtigen Bücher mich finden

..
Segne die Gegenwart
Vertraue Deinem Selbst
Erwarte das Beste

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05.09.2011, 23:50
AW: Wie bekommt man Zugang zum CHRISTLICHEN Glauben?
Weiß zwar nicht, auf was maddin genau hinaus will, aber Fakt ist, diese Widersprüche sind offenbar da und lassen sich nicht wegdiskutieren. Nimm als Beispiel die Homosexualität, die ja immer wieder Stein des Anstoßes in christlichen Kreisen ist. Niemand kann bestreiten, dass es in der Bibel, bis ins NT hinein, diverse Stellen gibt, in denen Homosexuelle angefeindet oder diffamiert werden, was bis zur unverhohlenen Aufforderung zur Steinigung im AT – angeblich von Gott in Auftrag gegeben (!) - geht.
Im krassen Gegensatz dazu lehrte Jesus die Nächstenliebe, sogar Feindesliebe. Noch extremere Widersprüche sind kaum denkbar, gerade deshalb sollten sie eigentlich kinderleicht durchschaubar sein. Oder würdest du einen Menschen ermorden, den du liebst? Aber Pustekuchen, ungeachtet dessen melden sich immer wieder vorgebliche Christen mit dem Argument, die ganze Bibel sei „Gottes inspiriertes Wort“, um ihre Feindseligkeit Homosexuellen gegenüber zu rechtfertigen. Stellt man sie zur Rede, kommen sie augenblicklich ins Stottern, im schlimmsten Fall aber beharren sie auf ihrem kruden Standpunkt. Doch wer den Mord an unschuldigen Menschen mit Nächstenliebe gleichsetzt oder auch nur in Verbindung zu bringen versucht, dem fehlt es entweder an Verstand oder er weiß nicht, was (Nächsten)Liebe ist. Solche Leute sind es, die mühelos Bitteres für süß erklären und Süßes für bitter und die sogar sichtbar verdorbene Speisen als genießbar deklarieren. Wer nicht weiß, was Liebe ist, kann das übrigens in 1.Kor.13 nachlesen.
Und nicht zuletzt hat an dem ganzen Dilemma die christliche Kirche Schuld, weil sie sich dem Problem der Widersprüche nicht zu stellen gedenkt und damit klare Verhältnisse schafft. Anstelle dessen schenkt sie den Gläubigen ein Getränk ein, weitgehend undifferenziert zusammengemixt aus sämtlichen Teilen der Bibel und obendrein auch noch zugesetzt mit gefährlichen Giften von (Schein-)“Heiligen“ aus den eigenen Reihen, welches weder kalt noch heiß, sondern lau ist, und welches zu nicht mehr taugt als zum Berauschen und Einschläfern, im schlimmsten Fall direkt in den Wahnsinn führt.
In der Kirchengeschichte wimmelt es von falschen Propheten im Schafspelz - wohl dem, der ihnen nicht folgt und nicht von ihrem Cocktail trinkt. Wohl dem, der seine Hoffnung nicht auf gewöhnliche Menschen setzt, sondern auf den Gott des Himmels.
Geändert von tessie_10 (05.09.2011 um 23:58 Uhr)
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06.09.2011, 07:13
AW: Wie bekommt man Zugang zum CHRISTLICHEN Glauben?
Hallo Tessie,
grundsätzlich ist es ja kein Widerspruch, ein bestimmtes Verhalten (ín Deinem Beispiel die Homosexualität) abzulehnen und den Menschen als solchen trotzdem zu lieben. Was nicht heißen soll, dass ich so denke, nur dass ich das Prinzip dahinter nicht widersprüchlich finde. Und an Verbalinspirierung glauben ja heute nur einige wenige evangelikale Gruppierungen. Auch in der katholischen Kirche ist die historisch-kritische Exegese kein Fremdwort, und ich würde mal schätzen, dass 90% aller Christen durchaus klar ist, dass die Texte der Bibel auch aus einem historischen Kontext heraus zu lesen sind und nicht alles wortwörtlich zu nehmen ist. Schließlich fordert heute niemand in der Kirche, dass Homosexuelle umgebracht werden müssten.
Niemand muss einer kirchlichen Gemeinschaft angehören, wenn er das nicht will. Aber ich habe auch oft das Gefühl, dass vielen Außenstehenden nicht klar ist, wie viel liberaler die Basis heute oft ist, als sie es noch im Sinn haben. Und ich gehe mal davon aus, dass auch dem Papst klar ist, dass vieles von dem, was er verkündet, bis runter zur Basis der Ortsgemeinde, ordentlich verwässert wird. Es gibt auch in katholischen Gemeinden Homosexuelle, deren sexuelle Orientierung allgemein bekannt ist, und die in der Gemeinde voll akzeptiert sind und sich dort engagieren. Ich kenne auch einen wiederverheirateten Geschiedenen, der nach einem offenen Gespräch mit seinem Pfarrer wieder zu Kommunion gehen darf.
Ich habe auch kürzlich das Positionspapier der katholischen Frauengemeinschaft gelesen und fand es erstaunlich liberal und durchaus nicht so konservativ, wie viele wohl glauben würden.
Man muss nicht katholisch sein oder werden, man kann auch evangelisch sein, wo es deutlich liberaler zugeht. Man kann auch gar keiner Gemeinschaft angehören. Aber wenn man Gemeinschaft sucht, dann wird man wohl damit leben müssen, dass man auch den einen oder anderen Kompromiss machen muss. Und wer lieber für sich bleibt, dem ist das ja auch unbenommen.
Gruß,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)


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