ich fand im Focus einen interessanten Artikel:
FocusSoll Deutschland zu einem laizistischen Staat werden? Nein, denn ohne Religion stirbt die Republik
Gott ist nicht Politiker“, schrieb der Journalist Dirk Kurbjuweit jüngst in einem Plädoyer für den radikal-säkularen Staat. Er will Religion und Staat so strikt getrennt wissen, dass wir uns „endgültig vom Christentum befreien“ müssten. Ich sehe das anders.
Wir müssen uns schon deshalb nicht „befreien“, weil wir schon befreit sind. Die Bundesrepublik Deutschland hat ein souverän-entspanntes Verhältnis zur Religion, sie ist porentief zivil. Die Kritik des Metaphysischen ist seit der Aufklärung fester Teil unseres geistigen Wohnzimmers. Kant setzte unserer Erkenntnismöglichkeit Grenzen, Hume und Feuerbach erinnerten an den Projektionscharakter der Religion, Marx enttarnte ihr politisches Wesen, und seit Freud betrachten wir Gott auch als Vexierspiel unserer eigenen Psyche. Wir tragen Nietzsches Gottist-tot-Postulat wie Wechselgeld unserer Sinngebung durchs Leben.
Wenn nun die religiösen Saiten allenthalben wieder so laut schwingen, dass die Religionskritiker nervös werden, dann hat das zuvorderst mit einer Krise der Säkularisierung zu tun. Denn anders als Kurbjuweit meint, ist die Säkularisierung keine Verheißung mehr, sondern ein Risiko. Selbst Jürgen Habermas sehnt sich mit Blick auf den Machbarkeitswahn der Moderne nach „Einhegungen von Glaubenssätzen“ und warnt vor einer „entgleisenden Säkularisierung“. So wie es eine Pathologie des Glaubens gibt, so droht auch eine Pathologie der Wissenschaft.
Europa hatte nach dem Dreißigjährigen Krieg einen politischen wie intellektuellen Comment, dass es im Sinne der praktischen Vernunft besser sei, den lieben Gott aus Politik und Leben zu verbannen. Nur: Infolge der philosophischen und habituellen Tötung Gottes zum Ende des 19. Jahrhunderts geriet Europa ins andere Extrem. Aus Furcht vor dem Trauma religiöser Verblendung schlitterte man in eine Verblendung von Rassen- und Klassenideologien.
So war das 20. Jahrhundert im doppelten Sinne eines der gottlosesten der Menschheitsgeschichte. Die großen ideologischen Ersatzreligionen haben aus dem guten alten Europa die grausame neue Hölle gemacht – und es damit verraten. Die Weltkriege wirken aus heutiger Perspektive jedenfalls wie der zweite Dreißigjährige Krieg Europas. Der erste war von radikalen Theismen getrieben. Den zweiten schürten radikale Atheisten. Alexander Solschenizyn forderte hernach zur Verteidigung der Demokratie: „Holt Gott zurück in die Politik!“
Es ist ein Plädoyer für entspannten Umgang mit unseren Religionen.
In meinen Augen hat das nichts mit Rückkehr einer Religösisierung oder im Deutsch der letzten beiden Jahrzhunderte "Inneren Mission" zu tun. Die gewonnene Freiheit der Religionsfreiheit ist ein wertvolles Gut der Aufklärung. Fanatischer Kampf gegen Religiösität aber gehört nach meinem Empfinden dem vergangenen Klassenkampf an.
Es gibt in meinen Augen keinen Gegensatz zwischen Wissenschaftserkenntnissen und Religion. Sie ergänzen sich und darauf sollten wir stolz sein. Es ist in meinen Augen auch nicht erforderlich, dass die Gemeinde der Agnostiker und Atheisten zurückkehrt in der Schoß der Kirche. Wir brauchen alle drei: die gläubigen Chrsiten, die Desinteressierten und die bekennenden Atheisten.
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27.05.2011, 10:43
AW: Gottlos - Leben ohne Religion
Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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27.05.2011, 18:19Inaktiver User
AW: Gottlos - Leben ohne Religion
Ophelius
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27.06.2011, 14:51
AW: Gottlos - Leben ohne Religion
warum willst den gottlos leben , wenn es ein gott gibt, der das alles erschaffen hat.
es gibt auch den tot der dich zu ihm bringt.
und jeder der angst vor dem tot hat sollte versuchen den richten weg zu finden
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27.06.2011, 23:50Inaktiver User
AW: Gottlos - Leben ohne Religion
...
Geändert von Inaktiver User (27.06.2011 um 23:59 Uhr) Grund: Tiefenentspannte Beitragslöschung.
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21.07.2011, 06:06Inaktiver User
AW: Gottlos - Leben ohne Religion
Es gibt keinen Gott, es gibt nur Menschen die angst vom Tod haben, und deswegen glauben sie an Gott.
Die aller angst der Menschen, sie verstecken sich hinter der religion.
Schaut euch doch die welt mal an?
Alles zum größten teil reine Ellenbogengesellschaft, reine Egoisten, Naturkatastrophen weltweit, Aktuelle Hungersnot in Afrika, Macht, Geld. Pädophile Pfarrer
Es sterben Menschen, es sterben Kinder, es sterben Tiere.
Wer hier mit Moral und Religion predigt, kann ja nicht ernst genommen werden.
Ich glaube nur an mich selber, ich brauche keine Religion um mein leben in den griff zu bekommen.
Und Tiere sind für mich gleichwertig, und ich sehe sie nicht als mein untertan an.
Auch mache ich mir die Erde nicht zum unteran, die Tiere haben für mich das gleiche recht.
Die Menschheit ist das größte übel der erde, wir beuten die erde aus, wir nehmen Tiere als Schlachttiere.
Ist das alles Richtig? hat der Mensch das recht das zu tun?
Die Religion, ich kann keine Religion ernst nehmen.
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21.07.2011, 09:17
AW: Gottlos - Leben ohne Religion
Das Problem ist, dass in den Köpfen immer wieder die Begriffe durcheinandergehen bzw. das von ihnen Bezeichnete zu eng gesehen wird: Gott, Glauben, Religion, Kirche etc. pp.
Glauben ist allgegenwärtig, eine unablösliche Grundeigenschaft des Menschen, es sei denn, er ist schwer (hirn-) krank. In seinem Buch "Warum der Mensch glaubt" macht Martin Urban für jeden verständlich, dass es ohne Glauben nicht geht. Wir würden paranoid, wenn wir nicht glauben könnten, dass z. B. ein Bäcker nicht in den Brotteig spuckt - will sagen, jede wichtige Prämisse unseres Lebens einzeln und immer wieder neu überprüfen müssten. Ich glaube auch jeden Morgen, dass aus der Dusche kein Abwasser herauskommen und dass mein Auto beim Anlassen nicht explodieren wird, wie in einem Krimi.
"Ist doch logisch!" oder "Wäre ja wohl auch höchst unwahrscheinlich!" würde jetzt jemand sagen, der an die Stringenz unserer Logik oder unseren Begriff von Wahrscheinlichkeit - glaubt. Dabei ist unser (laienhafter) Begriff von Wahrscheinlichkeit meist falsch, weil wir der Wahrscheinlichkeit ein Gedächtnis zubilligen (wenn schon 10 mal "Kopf" gekommen ist, muss jetzt doch öfter "Zahl" kommen...) und wir eine zufällige Ordnung für unwahrscheinlicher halten, als eine bestimmte (!) Unordnung (wie wahrscheinlich sind die Lottozahlen 1, 2, 3, 4, 5, 6?). Wenn das mal bloß kein quasi religiöser Ansatz ist...
... also der Glaube an eine höhere Ordnung oder gar an einen oder mehrere Ordner, wo nichts dergleichen ist, was den menschenmöglichen Begriff und Umfang von Ordnung auch nur im Ansatz erfüllen würde. Na gut, transzendieren wir "Ordnung" und "Wahrscheinlichkeit" halt einfach auch!
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Noch ein Gedanke:
Was unterscheidet unsere "freie" Gesellschaft nun wirklich von der früheren, "religiöseren", mehr durch die etablierten Kirchen beeinflussten?
Wir haben "Dank" ständig sich ausweitender Massenkommunikation einfach mehr Ersatzreligionen: Geld und Macht waren schon immer eine, allerdings exklusivere - Konsum und Mobilität sind vergleichsweise, Parteipolik nicht ganz so neu - Werbung (Trivialmythen) werden immer raumgreifender, wie auch "Schönheit" & "Jugendlichkeit" (bis unters Messer!) - Wirtschaftswachstum - (Des-) Information - Sex - "Fitness" - "Gesundheit" - und, und, und...
Aber es ist immer noch nichts anderes als Anspruchsdenken, nur geschickter und (oft nur vermeintlich) individueller verkauft. Moderne Ablasszettel? Zumindest Vermessenheit und Selbstüberschätzung.
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Gleiches Recht für Tiere? Könnte auch eine Ersatzreligion sein. Würde sich wirklich jemand freiwillig von einem Löwen erlegen lassen? Ich sehe da jetzt nicht nur das Lebensrecht des Löwen, sondern auch die selbstverständliche Gleichberechtigung der Gazelle...
Ich glaube (sic!), meine paar spontanen Beispiele zeigen ein wenig, dass es so einfach nicht ist, wie unser zum Glauben neigendes (verdammtes?) Hirn es genau darum haben möchte. Oder muss?
Oder etwa nicht?
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21.07.2011, 11:16Inaktiver User
AW: Gottlos - Leben ohne Religion
Was möchtest du mir damit sagen?
Ich bin mega froh nur an mich zu glauben
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21.07.2011, 14:06
AW: Gottlos - Leben ohne Religion
Kann mich nicht erinnern, jemals in meinem Leben Angst vor dem Tod gehabt zu haben. Dennoch glaube ich an Gott, was nun?
Ist an alledem etwa Gott schuld? Oder ist es nicht doch der Mensch? Die Botschaft meiner Religion lautet: Gott wird all dem ein Ende machen. Kann es eine bessere Botschaft geben als diese? Kennst du eine?
Ich würde sagen: Kommt darauf an, was er predigt.
Das ist schön für dich, geht mir übrigens genauso. Habe mein Leben gut im Griff, jedenfalls Religion benötige ich hierfür nicht .. wofür ich Gott danke.
Ich sehe Tiere nicht als gleichwertig an, auch Tiere untertan machen kann Sinn machen. Woraus ich aber kein Recht ableiten würde, Tiere für mich auszubeuten.
Die Erde untertan machen finde ich in Ordnung, es kommt auf das WIE an. Dass sich die Menschheit derzeit auf dem Weg in den Abgrund befindet, müsste jedem klar sein, der Augen zum Sehen hat.
Welches Recht? Wer bestimmt das? Gott hat uns die Freiheit gegeben, zu tun und zu lassen, was wir wollen. Doch für die Folgen unseres Tun's müssen wir dann auch die Verantwortung selbst tragen. Die Freiheit ist eben nicht umsonst, sie hat seinen Preis. Aber was ist schon umsonst?
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21.07.2011, 15:30
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21.07.2011, 17:19
AW: Gottlos - Leben ohne Religion
schöne diskusion ich schau gerne zu

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