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28.01.2011, 12:21Inaktiver User
AW: Schuld und was heißt es zu verzeihen?
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28.01.2011, 12:37Inaktiver User
AW: Schuld und was heißt es zu verzeihen?
Herbstblatt, grundsätzlich finde ich es auch anstrebenswert, ohne an jemandem schuldig zu werden bzw ohne ihn zu kränken, zu leben und ich bin mir durchaus dessen bewusst, dass es unerreichbar ist. Weshalb ich mich immer noch frage, was tun, wenn ich trotzdem schuldig werde. Mich darauf zu berufen, dass sich summa summarum alles wieder ausgleicht, weil keine böse Absicht vorlag, finde ich unangemessen.
Das "Ich habe es doch nur gut gemeint", das ich in Deinen Worten lese, zur Erklärung von Übergriffen möchte ich gerne aus der Diskussion ausklammern. Damit wird die Verantwortung für das eigene Handeln nicht übernommen und dem Gekränkten die Verantwortung zugeschoben, weil er eine Kränkung empfindet.
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28.01.2011, 14:41Inaktiver User
AW: Schuld und was heißt es zu verzeihen?
Ich schreibe von meinen zur Zeit gültigen persönlichen Erfahrungen aus meinem Leben. Deshalb ist es für mich angemessen.
Ich habe nicht geschrieben, was Du aus meinen Worten liest und würde wohl nicht Deine Prämissen ziehen.
Womit ich diesen Strang für mich abschließe.
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28.01.2011, 18:28
AW: Schuld und was heißt es zu verzeihen?
- was ist denn hier los?
Moderation in der Religion, der Politik und im Glücklicher Leben.
... und seit dem 16.11. unter demselben Nick bei Be Friends Online unterwegs
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29.01.2011, 11:40
AW: Schuld und was heißt es zu verzeihen?
Es gibt in so einer Situation zwei Arten von Menschen:
1. die, die zum Umfeld gehören, und
2. die, die nicht zum Umfeld gehören.
Die, die zum Umfeld gehören, gehören dazu, können also auch eingreifen.
Ich fände es anmassend, wenn zum Beispiel ein Bruder sich darüber mokiert, daß die Schwester die Eltern in Pflege gibt. Muss er ja nicht zulassen. Er könnte ja selber pflegen.
Die, die nicht zum Umfeld gehören, müssen gar nichts respektieren oder akzeptieren. Sie können die Situation (von aussen) gar nicht richtig einschätzen, und sollten einfach die Klapper halten, zumindest wenn es um negative Kritik geht.
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29.01.2011, 11:50
AW: Schuld und was heißt es zu verzeihen?
Ich sehe das genau so!
Ich bemühe mich.
Mir passiert es trotzdem, dass ich andere verletze.
Andere bemühen sich, und es passiert ihnen trotzdem, dass sie mich verletzen.
Ich stelle mich meiner Verantwortung und demjenigen, den ich verletzt habe möglichst aufrichtig, und hoffe, dass man mit mir ebenso umgeht.
Und ich kann mir auch selbst verzeihen, so lange ich halbwegs mein Bestes gegeben haben.
Und ich kann auch anderen verzeihen, wenn die sich halbwegs bemühen, es besser zu machen.
Halbwegs reicht für Menschen.
Absolutheitsanspruch egal in welchen Sinne finde ich unmenschlich.
Wer Menschen einreden will, dass sie sich grundsätzlich schuldig fühlen müssen, weil sie nur vefehlbare Menschen sind, hat ein Interesse daran, dass sich Menschen grundssätzlich schuldig fühlen.
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29.01.2011, 12:03Inaktiver User
AW: Schuld und was heißt es zu verzeihen?
Auch wenn das jetzt ein bisschen weit weg ist: Habt ihr gelesen, womit der mutmaßliche Mörder des diese Woche aufgefundenen Mirco seine Tat begründet hat? Er hatte Stress im Job. Ob er die Familie (und in Gedanken vielleicht auch den toten Jungen) je um Verzeihung bitten wird, weiß ich nicht. Aber auch dann wird es vielleicht eine Verzeihung sein, die beinhaltet " ... aber ich konnte leider in diesem Moment nicht anders."
Wozu ist überhaupt so ein Verzeihungsprozess gut, frage ich mich? Passiert ist passiert. Und man sollte es einfach verhindern, verletztende Dinge passieren. Dass eine Option auf Verzeihung besteht (ob von einem Gott oder von anderen Menschen), ist vielleicht gar nicht so gut für Menschen, oder?
Verzeihung ist bei uns ja durchaus positiv besetzt. Aber letztlich ist es wahrscheinlich einfach nur die billigste Möglichkeit, mit Verletzungen weiterzuleben.
Grüße, Cariad
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29.01.2011, 12:16
AW: Schuld und was heißt es zu verzeihen?
Cariad, lies mal post 164 Schuld und was heißt es zu verzeihen?
... living next door to ...
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29.01.2011, 12:18Inaktiver User
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29.01.2011, 12:20
AW: Schuld und was heißt es zu verzeihen?
Bei mir ist es genau umgekehrt: mir würde es sehr schwer fallen diesen "Liebesdienst" an jemanden auszuführen, zu dem ich eine innere Distanz habe.
Das können Fremde sein, oder auch ein nicht geliebtes Elternteil.
Für einen geliebten Menschen, ob männlich oder weiblich, ob Kind oder Elter oder Freund ist das viel viel leichter für mich. Deshalb bewundere ich ja professionelles Pflegepersonal so sehr: wie kann man all diese Dinge mit Herz und Seele tun, wenn man innere Distanz zu einem Menschen hat?
Dies war auch mein Hintergedanke(gefühl) bei meiner Antwort an Opelius:
@Opelius:
Ich bin nicht Umfeld. Habe daher gar kein Recht Deine spezielle Entscheidung zu kommentieren oder gar zu kritisieren. Ich diskutiere hier über allgemeine Standpunkte. Das Leben selbst ist sehr vielschichtig. Und man oft gar nicht alle eigenen Gründe für eine Entscheidung rational erfassen, weiss oft erst hinterher, warum man eigentlich eine bestimmte Entscheidung getroffen hat .....
Meine Antwort an Dich, konnte man, wenn ich nochmal nachlese, in der Tat als absolut und rigide interpretieren. Gerade darum Danke für Deine Offenheit!
Wenn ich nachfühle, warum ich eigentlich so "absolut" formuliert habe spüre ich Folgendes:
Du schriebst, dass Du nicht nachvollziehen kannst, dass man nicht wenigstens die Pflege organisiert,
Du schriebst, dass Du eine pragmatische Einstellung zur Pflege hast
Du schriebst von einer Mutter, die eigentlich "eine gute Mutter" war.
Und Du schriebst etwas von "keine Ausreden mehr".
Ich spüre da ein Gefühlskuddelmuddel.
Ein bekanntes!
Sie war eine gute Mutter: von Liebe lese ich nichts, spüre ich auch nicht.....
Irgendetwas (Uli und Seewespes Disput, die gesellschaftlichen/christlichen Paradigmen?) veranlasst Dich aber, nicht einfach sagen zu dürfen, dass Du Deine Mutter nicht liebst, und daher diesen Liebesdienst gar nicht an ihr ausführen könntest.
Deine (und die übliche gesellschaftliche) Lösung für den inneren Konflikt, dass man nicht liebt, es aber nicht zugeben darf: Der pragmatische Ansatz?



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