So habe ich das noch nie empfunden.
Meine Vorstellung ist, dass Hass aus Angst resultiert, ... Angst, dass jemand mich unvermittelt verletzt und ich kann mich dagegen nicht wehren oder Angst, dass jemand die Fähigkeit besitzt, eine Seite/Schwäche in mir aufzudecken, von der ich lieber nichts wissen will (beispielsweise).
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25.01.2011, 18:04
AW: Schuld und was heißt es zu verzeihen?
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25.01.2011, 18:05Inaktiver User
AW: Schuld und was heißt es zu verzeihen?
Hass muß nicht auf Rache sinnen. Und ich predige hier nicht, sondern erzähle nur von mir. Wenn ich in meiner Seele ein friedfertiger Mensch bin, der keinem Menschen Leid zufügen will, aber in irgendeiner Form einem Peiniger ausgesetzt ist, kann ich durchaus Hass empfinden, ohne Schaden zu wollen, sondern nur zu wollen, die Situation möge ein Ende nehmen.
Wenn ich Rache übe, werde ich doch zu dem, worunter ich leide. Wie kann das mein Wunsch sein?
Naja, Leut, mit dem Thema kenne ich mich echt aus. Und ich kann sagen, es gibt Dinge, die hier einige nicht für möglich halten. Ich mach jetzt mal Feierabend und wünsche Euch noch frohes diskutieren.Geändert von Inaktiver User (25.01.2011 um 18:08 Uhr)
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25.01.2011, 18:09Inaktiver User
AW: Schuld und was heißt es zu verzeihen?
Opelius, ich glaube, Du schießt mit Deinem inneren Kino gerade weit über das Ziel hinaus. Völkermorde, Racheaktionen gegen untreue Ehemänner, etc hatte ich nie im Sinn (das überlasse ich der einschlägigen Presse), eher die kleinen, ganz alltäglichen Verletzungen, an der die Seele nach und nach Schaden nimmt.
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25.01.2011, 18:10Inaktiver User
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25.01.2011, 20:34Inaktiver User
AW: Schuld und was heißt es zu verzeihen?
Ich schrieb aber nichts davon, dass man den Hass unterdrücken soll. Man soll einen Weg finden abzuschließen. Wenn man mit etwas abschließen will, dann muss man sich auseinandersetzen.
Ich schrieb nur, dass das nichts mit Verzeihen zu tun hat und das ich finde, dass es wichtiger ist, mit sich selbst im Frieden zu sein und seinen Weg der Verarbeitung zu finden, als das man denke, ein Verzeihen oder eine Entschuldigung hätte was mit dem inneren Frieden zu tun.
Wäre es das wirklich?
Das ist es nur in dem Fall, wenn dir was an der Beziehung weiterhin liegt und du sie fortführen möchtest und du denkst, es ändert sich was.
Das liegt dann wieder an der Größe der "Schuld" oder halt an dem, was dir zugefügt wurde.
Ganz banale Sachen, z.B. eine Freundin hat einen versetzt, da kann sich jemand entschuldigen und wenn man merkt, der anderen ist das echt peinlich und unangenehm, dann verzeiht oder entschuldigt man gerne.
Dann gibt es Sachen, die vll. Vertrauen zerstört haben. Lügen, Betrügen...diese Richtung.
Da ist es mit einer Entschuldigung nicht getan. Aber mit einer Verhaltensänderung in Verbindung mit einer Bitte um Verzeihung, könnte man zusammen einen Weg finden, verlorenes Vertrauen wieder aufzubauen.
Und dann gibt es für mich unverzeihliche Sachen: Kindesmissbrauch, Mord, Vergewaltigung..................
Da könnte ich nicht verzeihen, da muss ich einen Weg finden, meine Seele zu heilen. Da würde ich den Schmerzverursacher auch nicht mehr in mein Leben lassen.
Für sich selber sollte man was machen, damit man damit leben kann, aber warum sollte man verzeihen?
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25.01.2011, 20:57Inaktiver User
AW: Schuld und was heißt es zu verzeihen?
Es gibt Beziehungen, die kann man nicht einfach abstreifen, weil sie zu eng mit dem eigenen Leben und der Existenz verwoben sind. Man kannst nicht einen Teil seiner selbst verabscheuen, weil man darin den Anderen wieder findet. Eine Abspaltung dieses Teil deiner Persönlichkeit wäre dann wirklich ein Fall für den Psychologen.
Also muss ein anderer Weg zum inneren Frieden beschritten werden, ungeachtet der Größe der Schuld.
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25.01.2011, 21:11Inaktiver User
AW: Schuld und was heißt es zu verzeihen?
Das es einfach ist, hat ja niemand behauptet!

Ich glaube auch nicht, dass man einen Teil seiner Persönlichkeit abspalten muss. Warum?
Musst du mir näher erklären.
Der innere Frieden muss immer gefunden werden, egal, wie groß die Schuld ist. Je größer die Schuld desto schwerer lässt sich Frieden machen. Das wäre vll. eine Gleichung.
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26.01.2011, 08:08
AW: Schuld und was heißt es zu verzeihen?
Wieso kommst Du darauf, dass das für mich nur "sehr schwer vorstellbar in Frage kommt".
Wo sage ich, dass "es eine aus der Luft gegriffene Sache ist"?
Wo tue ich ab? Und was genau tue ich ab?
Ich meine es ist doch ein Paradigma, in der Bedeutung einer "in einem bestimmten Zeitraum (heute) prägenden allgemein akzeptierten Auffassung".
Dass dieses Paradigma (dass man nur durch Verzeihen inneren Frieden , Heilung findet) sich mit Deiner persönlichen Lebenserfahrung deckt, bedeutet nicht, dass es (im wissenschaftlichen Sinne) richtig ist. Nur darauf wollte ich hinaus.
Denn meine persönliche Lebenserfahrung, dass ich auch Heilung und inneren Frieden ohne Verzeihen gefunden habe, ist genau so gültig. Beides sind persönliche Lebenserfahrung. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.
Damit es mir gut geht muss ich meinen inneren Frieden mit mir finden und nicht mit dem jenigen, der mich verletzt hat. Zumindest wenn ich das nicht will. Ich halte Verzeihen(können) nicht für einen Wert per se, sondern schaue, ob es für mich im Einzelfall das Beste ist.
Eigentlich bin ich noch nicht einmal davon überzeugt, dass Verzeihen ein Akt der freien Willensentscheidung ist. Da ist meiner Meinung nach viel Raum für sich was Vormachen, auch weil man durch das gesellschaftliche Paradigma sich gewissermassen genötigt sieht.
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26.01.2011, 08:15Inaktiver User
AW: Schuld und was heißt es zu verzeihen?
Auf diesen Punkt möchte ich noch einmal zurückkommen der sorgt bei den Gekränkten doch für einige Empörung und Wut über solch ein Verhalten. Und wenn ich dazu Opelius' Aussage
nehme, ergibt sich für mich ein Problem. Der Kränkende verliert für mich die Menschlichkeit, könnte genau so gut eine Wand sein.Das heißt für mich, dass wir nur dann Verzeihung selbst erbitten können, wenn wir auch bereit sind Entschuldigungen anzunehmen.
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26.01.2011, 08:23Inaktiver User
AW: Schuld und was heißt es zu verzeihen?
Wir agieren nicht im luftleeren Raum, wir sind Teil der Gesellschaft, leben Werte und geben diese an unsere Kinder weiter.
Solange ich die Entscheidung, nicht zu verzeihen, nur für mich allein treffen kann und keine weitere Person (z.B. mein Kind) mitbetroffen ist, kann ich mich der Illusion hingeben, inneren Frieden gefunden zu haben. Das ist meine persönliche Erfahrung. Die Existenz eines Kindes sorgt dafür, dass man irgendwann gezwungen ist, genauer hinzuschauen.



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