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  1. Inaktiver User

    Die Welt - ein Spiegel?

    Hallo,

    ich weiß, dass wir die Welt immer "nur" mit unseren eigenen Augen wahrnehmen, und dieser Blick kann sich von einem anderen Menschen, der doch eigentlich das Gleiche sehen muss, erheblich unterscheiden.

    Also ist unser aller Welt-Blick eine Interpretation

    Ich sehe also einen Baum, ich finde ihn sehr schön = Bewertung. Weil ich ihn so schön finde, spüre ich ein Glücksgefühl oder zumindest ein wohliges Gefühl. Ich spüre mich! Aber der Baum IST ja einfach, auf keinen Fall ist er da, weil ich ihn schön finde, und ein Baum hat auch nicht die Charakteristik "schön".

    Wenn es mir schlecht geht, dann finde ich diesen Baum vielleicht gar nicht mehr schön, vielleicht sehe ich ihn nicht einmal mehr. Weil ich schon etwas anderes empfinde => Unwohlsein, denn mir geht es ja schlecht. Ich spüre mich!

    Auf zwischenmenschliche Beziehungen bezogen fällt mir nun auf, dass die große Frage zu sein scheint: Was denkt der Partner von mir? Und ist es ein Ex-Partner: Hat er mich überhaupt geliebt?

    Hm, kennt jemand diese Gedanken oder gibt es darüber vielleicht sogar schon philosophische Betrachtungen? Mag sich jemand an diesem Gedanken beteiligen?

    schlaflos

  2. Inaktiver User

    AW: Die Welt - ein Spiegel?

    Huhu schlaflos,
    wie schön, Dich in dieser Forenrubrik zu sehen!

    Ich denke, man kann dieser Sicht durch die Interpretationsbrille entgehen und eine gewisse Objektivität erreichen. Das geht (natürlich nicht immer perfekt), wenn man sich selbst zurücknimmt, also die aus eigenem Erleben gefärbten Empfindungen zu etwas, und die Dinge versucht, in deren eigentlichen Sein wahrzunehmen. Das spezifische Wesen der dinge existiert in seiner bestimmter Weise, egal wie oder ob überhaupt es von jemandem individuell wahrgenommen wird.
    Konkreter: Ein Baum ist wie er ist, ob wir ihn heute schön und morgen uninteressant finden ist dabei egal. Er bleibt z.B. immer der standhaft Verwurzelte usw., auch wenn man das je nach eigener Gemütslage nicht bewußt wahrnimmt.
    In zwischenmenschlichen Beziehungen ist eine Interpretation aus der eigenen Gefühlswelt heraus noch deutlicher. Ein Verhalten des Partners z.b. wird interpretiert als gleichgültig, dabei ist der Partner vielleicht nur gerade selbst so problembeladen, daß er keinen Raum, keine Energie für Gedanken an den anderen hat. Würde man sich selbst zurücknehmen (können), so würde man dies vielleicht viel eher erkennen und die mangelnde Aufmerksamkeit nicht als eine auf einen selbst gerichtete negative Haltung interpretieren. Man könnte dann das Problem des anderen übrigens auch leichter lösen helfen, denn vor einer Lösung steht ja das Erkennen des Problems.

    Ich denke, die Wahrnehmung, wie etwas wirklich ist, geschieht über die bewußte Zurücknahme der eigenen Gefühlswelt, der eigenen Gemütslage. Sobald wir aus der eigenen Gemütslage heraus betrachten interpretieren wir i.d.R. auch, und das stimmt dann oft nicht mehr mit der Realität überein.

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    AW: Die Welt - ein Spiegel?

    Schlaflos68, das ist ein sehr guter Punkt!

    „Den Reinen ist alles rein; den Unreinen aber und Ungläubigen ist nichts rein, sondern unrein ist ihr Sinn sowohl als ihr Gewissen.“
    Brief des Paulus an Titus, 1, 15

    Ja, es ist alles unsere Interpretation von der Sache.
    Wer sagt, die Welt ist durch und durch schlecht, der ist auch durch und durch schlecht in seiner Wahrnehmung.
    Ohne unsere Interpretation ist eine Sache eben nur eine Sache.
    Wir sind das Interpretieren aber so gewöhnt, dass wir kaum noch ohne es auskommen können.

    Nehmen wir mal ein anderes neutrales Beispiel:
    In einem tiefen Wald stürzt ein Baum um, kein Tier oder Mensch ist weit und breit.
    Macht der Baum nun auch ein Geräusch?
    Spontan würden wir sagen: Ja.
    Falsch: Der Baum macht Schallwellen.
    Erst unsere Wahrnehmung macht aus bestimmten Schallwellen ein Geräusch.
    Es fehlt ein Wesen, dass die Schallwellen als Geräusch interpretiert.

    Ebenso ist es mit "Gut" und "Schlecht".
    Es ist erst unsere Wahrnehmung von einer Sache, die diese Sache entweder Gut oder Schlecht macht.

    "Hoffnung ist eben nicht Optimismus.
    Es ist nicht die Überzeugung, dass es gut ausgeht,
    sondern die Gewissheit, dass es einen Sinn hat - egal wie es ausgeht."
    Vaclav Havel

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    AW: Die Welt - ein Spiegel?

    Oder der Umstand dass eigentlich alles schwarz/weiss ist.

    Erst unser Auge vermag es Farben wahr zu nehmen.
    Ich bin ein Capulcu

  5. Inaktiver User

    AW: Die Welt - ein Spiegel?

    Hallo Idada,

    freue mich auch, Dich hier wiederzutreffen

    Es gibt ja nun verschiedene Thesen, die Wirklichkeit betreffend. Eine Richtung bescheinigt nur den im Äußeren da-seienden Dingen (der Baum...) eine Wirklichkeit, eine andere ordnet wirklichen Gegenständen Eigenschaften zu - bis hin zu Hegel, der jegliche Wirklichkeit als Konstrukt des bloßen Gedankens darstellt.

    Demzufolge stellt sich mir hier die Frage:

    und die Dinge versucht, in deren eigentlichen Sein wahrzunehmen.
    Was ist das "eigentliche Sein" Ja, es leuchtet mir auch ein: Der Baum in "seiner spezifischen Weise" existiert, wobei es wahrscheinlich für mich sogar ohne Bedeutung ist, ob er es in Wirklichkeit wirklich tut oder nur als geistiges Konstrukt meiner Phantasie. Ob also dinglich oder metaphysisch - meine Sicht wird ihn bejahen oder verneinen. Existentielles Betrachten, sozusagen.

    Braucht das "eigentliche Sein" das WIE?

    Du hast das Thema "mangelnde Aufmerksamkeit" in zwischenmenschlichen Bedürfnissen angesprochen. Dieses Objektivieren praktiziere ich selbst schon seit einiger Zeit, und es stimmt, wenn Du sagst, damit allein schon ließe sich eine Minimalisierung einer Re-Beeinflussung der eigenen Stimmungslage erreichen. Irgendwann spaltet es sich auch auf in ein angenehm ausgewogenes Agieren und Re-Agieren.

    Um aber auf die Spiegelung des ICH's zurückzukommen: Kann ich mich denn nur erkennen, wenn ich den Partner betrachte? Und wenn dem so wäre: Dann wäre ja die Reflexion geradezu elementar - und der Schmerz, den ich empfinde, wenn ich mich nicht angenommen fühle, eine Gesetzmäßigkeit, der nicht auszuweichen ist.


    Hallo Zimtstange,

    vielen Dank für Deine Antwort. Ja, die Dinge sind wie sie sind. Zumindest scheinen sie so

    Das Eine ist das Objekt, welches ist.
    Das Andere ist das nur sinnlich Wahrzunehmende.

    Ich nehme meinen Partner auf zwei Ebenen wahr, auf einer sachlichen und auf der Gefühlsebene. Ich tendiere dazu, dass ich die Sachebene gar nicht erst zu interpretieren brauche; aber die Gefühlsebene, die das nötig hat, lässt sich so schwer in "rein oder unrein" klassifizieren. Ich suche nach der Schwelle zwischen den Notwendigkeiten, verstehst Du?

    Wenn unser Trieb gestillt ist, der uns zu einem Partner - ja, eben trieb. Wenn das also erfüllt ist, dann bleibt WAS übrig? Und weshalb leide ich, wenn ich mich abgelehnt fühle - wenn ich doch BIN? Weshalb brauche ich permanente Bestätigung? Brauche ich diese nur als Mensch oder als "Mensch mit Eigenschaften"?


    schlaflos

  6. Inaktiver User

    AW: Die Welt - ein Spiegel?

    Zitat Zitat von Seven Beitrag anzeigen
    Oder der Umstand dass eigentlich alles schwarz/weiss ist.

    Erst unser Auge vermag es Farben wahr zu nehmen.
    Als Farbenblinder tut man sich da aber schwer. Ich spreche aus Erfahrung, welche durch das Gelächter gestützt wird, wenn ich mal wieder mit 2 verschiedenen Socken auf schlage...

  7. Inaktiver User

    AW: Die Welt - ein Spiegel?

    Wollte grad was Ähnliches schreiben. .

    Nicht jedes Auge nimmt die Farben gleich wahr. Manche Leute sehen kein Rot und kein Grün. Sie sehen die rote Nelke also nicht so wie ich und die Mehrheit der Menschen.
    Manche Vögel sehen die Nelke aber nochmals anders. Die können nämlich UV-Licht sehen.

    Wie sieht die Nelke wirklich aus? Das ist nicht zu definieren. Wieso sollte die Wahrnehmung der Mehrheit der Menschen der "Wirklichkeit" mehr entsprechen als jene der Rot-Grün-Blinden oder jene der Vögel?



    Wie hiess doch gleich diese philosophische Störmung, die sagt, dass kein Objekt, rein gar nichts aus sich heraus existiert, sondern nur durch unsere Wahrnehmung? Will heissen: etwas ist nur da, weil wir es wahrnehmen.
    Nein, ich meine nicht den Buddhismus. Obwohl der ebenfalls diesen Aspekt betont.

    *grübel*

  8. User Info Menu

    AW: Die Welt - ein Spiegel?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich nehme meinen Partner auf zwei Ebenen wahr, auf einer sachlichen und auf der Gefühlsebene. Ich tendiere dazu, dass ich die Sachebene gar nicht erst zu interpretieren brauche; aber die Gefühlsebene, die das nötig hat, lässt sich so schwer in "rein oder unrein" klassifizieren.
    Schlaflos, wir Menschen sind keine Maschinen.
    Wir brauchen die Gefühle für unsere Memorierfähigkeit.
    Sicherlich können wir die Sache auf einer Verstandesebene und auf einer Gefühlsebene betrachten.
    Tatsächlich wird es immer eine Mischung aus beidem sein.
    "Rein" oder "Unrein" das sind auch wiederum Extreme, die so fast nicht vorkommen.
    Allenfalls ein Neugeborenes ist etwas vollkommen Reines.
    Mit der Zeit nehmen wir dann immer mehr von der Gesellschaft auf, wir müssen in unserem Schulsystem und der Berufswelt konkurrieren.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich suche nach der Schwelle zwischen den Notwendigkeiten, verstehst Du?
    Sorry, nein!
    Aber ich versuche es mal, so wie ich es verstehe:
    Die Notwendigkeit, ob Du beim Anderen nachschauen willst, ob Du das, was Du getan hast auch richtig getan hast?
    Falls das so ist, dann würde es Dir gewaltig an Selbstwertgefühl fehlen.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Wenn unser Trieb gestillt ist, der uns zu einem Partner - ja, eben trieb. Wenn das also erfüllt ist, dann bleibt WAS übrig? Und weshalb leide ich, wenn ich mich abgelehnt fühle - wenn ich doch BIN? Weshalb brauche ich permanente Bestätigung? Brauche ich diese nur als Mensch oder als "Mensch mit Eigenschaften"?
    Nun, wer permanent in anderen Bestätigung sucht, der macht sich von anderen Menschen abhängig.
    Dies ist ein typisches Symptom von depressiven Menschen (muss aber nicht so sein!).
    Ja, die Welt ist ein Spiegel aber deswegen brauchst Du nicht stehts darauf schauen, was andere zu Deinem Handeln sagen.
    Versuche es nicht ständig den Anderen recht zu machen.
    Vergesse Dich selbst nicht.
    Nur ein gesunder Egoismus ist gesund.
    Große Heilige mögen vielleicht ohne ein Bisschen Ego auskommen.
    Aber wer sich einen Scheinheiligen-Heiligenschein aufsetzt, der wird ausgebeutet.
    Und diese Ausbeutung frustriert.
    Aus der Frustration erwächst dann wieder der gesunde Egoismus.
    Manche Menschen benötigen diesen Umweg.

    P.S.: Was macht Dich schlaflos?
    Was geht Dir nachts im Kopf herum?

    Gruß Dein Altersgenosse!

  9. Inaktiver User

    AW: Die Welt - ein Spiegel?

    @ Seven und _maddin

    Über die Farben musste ich eine Weile nachdenken. Im ersten Impuls wollte ich sagen: Ja, genau, die Zuordnung einer Farbe ist doch auch wieder "nur" eine Bewertung und sagt nichts über den Zustand einer dinglichen Sache aus.

    Aber es gibt ja Tiere, die sich allein aufgrund von Farben orientieren. Haben diese einen Defekt (Farbenblindheit), werden sie sterben... Was nichts über das Wie? der Bewertung aussagt aber wohl darüber, dass es mehr Kriterien gibt, die einen tiefen Einfluss auf das Leben haben, als der Mensch ihnen zugestehen mag?!

    schlaflos

  10. Inaktiver User

    AW: Die Welt - ein Spiegel?

    @ Horus

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Wie hiess doch gleich diese philosophische Störmung, die sagt, dass kein Objekt, rein gar nichts aus sich heraus existiert, sondern nur durch unsere Wahrnehmung? Will heissen: etwas ist nur da, weil wir es wahrnehmen.
    Nein, ich meine nicht den Buddhismus. Obwohl der ebenfalls diesen Aspekt betont.

    *grübel*
    Meinst Du vielleicht Kants Kritizismus, der ja behauptet, dass nichts wirklich ist, sondern alles ein Konstrukt unserer Gedanken, dass wir allein die Ordnung in die Dinge hineinbringen?

    schlaflos

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