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  1. Inaktiver User

    AW: Die Welt - ein Spiegel?

    Hallo Zimtstange,

    schlaflos macht mich das Leben, nicht mehr und nicht weniger

    Ich denke, Du gehst in meiner Fragestellung zu sehr davon aus, dass es sich um ein ungesundes Verhaltensmuster im zwischenmenschlichen Bereich handeln muss und bietest - im übrigen gute - Lösungsstrategien an. Es liegt mir jedoch an einer Verallgemeinerung, also dem, was jeden "normalen" Menschen umtreibt in seinem Sinn-Suchen vs. Konflikterleben.

    Damit möchte ich auch nicht die Berechtigung von Gefühlen hinterfragen, sondern vielmehr auf ein Grad kommen, auf ein Ausmaß, auf eine Grenze zwischen "notwendig" und "too much".

    Ich komme zurück auf die Beziehungsebene: ein Paar liebt sich, und Liebe ist ja auch immer mit etwas Egoismus behaftet. Dann wird eine Beziehung aber auch stets von einem Nähe- und Distanzverhalten der Partner bestimmt. Es erfolgt ein permanentes Austarieren.

    Erlebe ICH die Distanz am geliebten Partner, dann fühle ich mich aus einem sofortigen Impuls heraus ungeliebt. Ja, durch stoisches Verhalten kann ich die Ausweitung des Impulses verhindern; dennoch: er trifft wohl jeden von uns.

    Was ich DANN sehe im Partner (Er/Sie liebt mich nicht!), das wäre dann mein Spiegel, denn ich halte mich nicht für liebenswert? Wenn auch nur für Sekunden? Aber ist der Impuls nicht unser eigentliches Sein und die Stoik das Kognitive?

    Soviel im Kleine, was natürlich auch aufs Große ausgeweitet werden könnte. Aber die Liebe treibt ja nun doch die Meisten um, dachte ich

    schlaflos

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    AW: Die Welt - ein Spiegel?

    Sicherlich ist der andere Mensch ein Spiegel und wir sind ebenfalls ein Spiegel.
    Nur ist das beim Menschen noch etwas schwieriger.
    Ich projiziere etwas in den anderen Menschen.
    Ich deute seine Mimik gemäß meiner Vermutung, wie der andere gerade empfinden mag.
    Nun geht es aber noch weiter:
    Der andere übernimmt unwillkürlich die Rolle der Gegenprojektion.

    Zum Beispiel:
    Ich bin auf den anderen Eifersüchtig, weil er anderen Menschen nachschaut.
    Damit projiziere ich in den anderen, dass ich ihm nicht genug bin.
    Der andere fängt nun unwillkürlich an, gegenzuprojizieren:
    der (die) ist mir nicht genug.
    So erschafft sich die Eifersucht nach und nach mehr Berechtigung.

    Du hat recht, es ist immer eine Gradwanderung.
    Und es gibt da auch kein Patentrezept, das ist noch o.k. und das nicht mehr.
    Wenn wir ganz aufhören, auf den andern zu schauen, wird er sich von uns abwenden.
    Wenn wir nur noch auf den anderen Schauen, wird er die Flucht ergreifen, denn diese Nähe hält niemand auf Dauer aus.

    Generell gilt aber: nicht zu viel hinein interpretieren.
    Nicht zu häufig denken, der liebt mich vielleicht nicht mehr.
    So etwas kann passieren, sicherlich.
    Wenn der andere aber merkt, dass wir ihn dennoch lieben, und auch eine abkühlende Liebe noch mit tiefer Liebe erwidern, dann wird er erkennen, dass er einen sehr wertvollen Menschen vor sich hat.

    Wichtig aber wiederum: Liebe kann nicht als Mittel zum Zweck eingesetzt werden. Sie ist nicht vortäuschbar.

  3. Inaktiver User

    AW: Die Welt - ein Spiegel?

    DASS es die Projektion gibt, sei unbenommen. Aber MUSS es sie geben, um mein Da-Sein zu begründen - darauf kommt es mir, in einen Satz gefasst, an.



    Zitat Zitat von Zimtstange Beitrag anzeigen
    Zum Beispiel:
    Ich bin auf den anderen Eifersüchtig, weil er anderen Menschen nachschaut.
    Damit projiziere ich in den anderen, dass ich ihm nicht genug bin.
    Der andere fängt nun unwillkürlich an, gegenzuprojizieren:
    der (die) ist mir nicht genug.
    So erschafft sich die Eifersucht nach und nach mehr Berechtigung.
    Die Eifersucht ist doch aber eine negative, mindestens jedoch verunsicherte Hinterfragung meinerselbst. Sie ist eine Angst in mir. Ich bin ja nicht eifersüchtig, weil jemand etwas tut. Das rede ich mir nur selbst ein in einer Mischung aus - wiederum - Angst, mich selbst zu beschauen, aber auch, weil es viel bequemer im Sinne von leichter ist, auf einen anderen Menschen zu projizieren.

    Dahinter steckt jedoch kein existentielles MUSS, vielleicht ein pathologisches, dem jedoch zu begegnen wäre (womit auch dieses Beispiel ein wohl eher kognitives wäre...)


    Du hat recht, es ist immer eine Gradwanderung.
    Das hast Du verwechselt. Ich meinte nicht diese Metapher: Gratwanderung. Ich fragte tatsächlich nach dem Grade dessen, was sein muss und was ein künstlicher Zusatz ist.


    Wenn wir ganz aufhören, auf den andern zu schauen, wird er sich von uns abwenden.
    Ja, wahrscheinlich. Aber was wäre denn dann? Würden wir dann sterben? Also dass Kinder tatsächlich sterben, erführen sie keine emotionale Zuwendung - das ist bewiesen. Aber bei Erwachsenen gilt dies wohl kaum noch. Ist dann unsere Angst nicht genauso ein Projektions-Konstrukt aus einem kindlichen Selbsterhaltungstrieb heraus geboren, eine Art Rest eines vergangenen Entwicklungs-Ichs?


    Jaja, die Liebe - ein weites Feld

    schlaflos

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    AW: Die Welt - ein Spiegel?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    DASS es die Projektion gibt, sei unbenommen. Aber MUSS es sie geben, um mein Da-Sein zu begründen - darauf kommt es mir, in einen Satz gefasst, an.
    Ich antworte mathematisch:
    3 - 1 = 1
    Da bist Du, da ist der Spiegel (oder der Projektor), da ist der Andere (oder die Umwelt), die Dir als eine Spiegelung (Projektionsfläche) gilt.
    Nehme den Spielgel (oder den Projektor) weg und somit ist auch das Spiegelbild bzw. die Projektionsfläche weg.
    Aber Du bist weiterhin.
    Und Du bist EINS geworden.
    Du erkenntst nun den Anderen, bzw. die Welt als Teil Deiner Selbst.
    Du bist gewissermaßen über die Individualität hinausgewachsen hinein in die Totalität.

    Also meine Antwort auf Deine Frage:
    Um das Sein wirklich zu erfahren, müssen wir sogar aufhören, zu projizieren.
    Denn die Projektion lenkt unsere Aufmerksamkeit vom Selbst ab und sieht stattdessen lediglich die Reflexion des Selbstes.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Die Eifersucht ist doch aber eine negative, mindestens jedoch verunsicherte Hinterfragung meinerselbst. Sie ist eine Angst in mir. Ich bin ja nicht eifersüchtig, weil jemand etwas tut. Das rede ich mir nur selbst ein in einer Mischung aus - wiederum - Angst, mich selbst zu beschauen, aber auch, weil es viel bequemer im Sinne von leichter ist, auf einen anderen Menschen zu projizieren.
    Es mag bequemer sein, aber auch ein bequemerer Umweg ist immer noch ein Umweg. Letztlich ersparen wir hierdurch nichts.
    Wir können nicht den Lehrplan der Selbstwerdung festlegen, wir können aber bestimmen, in welcher Zeit wir es lernen möchten.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Das hast Du verwechselt. Ich meinte nicht diese Metapher: Gratwanderung. Ich fragte tatsächlich nach dem Grade dessen, was sein muss und was ein künstlicher Zusatz ist.
    Das mit dem "d" war ein Schreibfehler, der mir nicht bewusst war.
    Aber auch ein Gradnetz, wie wir es über unseren Schreibtisch-Globus zeichnen, ist ein künstlicher Zusatz, der kommt in der Natur nicht vor.
    Es gibt hier immer einen Ermessensspielraum und der ist unterschiedlich.
    Wenn Du selbst meinst, jetzt wird es zu viel, das kann vielleicht ein Anhalt sein.
    Wer könnte Dir da eine definitive Antwort geben?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ja, wahrscheinlich. Aber was wäre denn dann? Würden wir dann sterben? Also dass Kinder tatsächlich sterben, erführen sie keine emotionale Zuwendung - das ist bewiesen. Aber bei Erwachsenen gilt dies wohl kaum noch. Ist dann unsere Angst nicht genauso ein Projektions-Konstrukt aus einem kindlichen Selbsterhaltungstrieb heraus geboren, eine Art Rest eines vergangenen Entwicklungs-Ichs?
    In jedem Erwachsenen steckt noch ein Stück Kind.
    Wäre schlimm, wenn es anders wäre.
    Und nun ist es von Mensch zu Mensch völlig unterschiedlich.
    Der schizoide Mensch grenzt sich so ab, dass in seine inneren emotionalen Mauern kein Anderer rein kann.
    Der zölibatäre tief gläubige Mensch baut eine Paarbeziehung zum Göttlichen auf und findet darin einen vollwertigen Ersatz für einen Partner.
    Der tief gläubige Mensch in einer menschlichen Paarbeziehung bezieht neben seinem Partner Kraft aus der Beziehung zum Göttlichen.
    Wieder andere suchen einen Ersatz für eine nicht mehr vorhandene Emotionalität in Hobbys, die sie sehr emotional betreiben.

    Am passendsten finde ich den Spruch vom Heiligen Franziskus:
    "Herr lass mich trachten...
    ...nicht dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe.
    ...nicht dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.
    ...denn wer sich hingibt, der empfängt...

  5. User Info Menu

    AW: Die Welt - ein Spiegel?

    Ja, wahrscheinlich. Aber was wäre denn dann? Würden wir dann sterben? Also dass Kinder tatsächlich sterben, erführen sie keine emotionale Zuwendung - das ist bewiesen. Aber bei Erwachsenen gilt dies wohl kaum noch. Ist dann unsere Angst nicht genauso ein Projektions-Konstrukt aus einem kindlichen Selbsterhaltungstrieb heraus geboren, eine Art Rest eines vergangenen Entwicklungs-Ichs?


    Jaja, die Liebe - ein weites Feld

    schlaflos[/QUOTE]

    ---------------------------------------------------------------

    Hallo schlaflos,

    sterben ist durchaus nicht die schlimmste Instanz.
    Davor gibt es viele qualvolle Momente.

    Du hast es schon erkannt,diese Angst(und sehr viele andere)
    stammen aus der Kindheit.
    Zwischen 0-6 Jahre ist die Zeit die unheimlich praegend für
    den Mensch ist.Die emotionellen Erfahrungen die er hier
    macht sind sehr wichtig.
    Geht etwas schief,und wird das nicht irgendwann aufgear-
    beitet,kann man dasselbe Motiv(z.B.Verlustangst)bis zum
    Lebensende durchmachen.

    Gr

    Seven
    Ich bin ein Capulcu

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