Ich denke wir sollten klar trennen zwischen dem war wir für uns selbst wollen und dem was wir für andere entscheiden.
Und ich will nicht den Eindruck erwecken, dass hier nur mitdiskutieren kann, wer über eigenen Erfahrungen verfügt, meine selbsterlebten Beispiele sollten nur deutlich machen, was meine Meinung beeinflusst hat und es verschiedene Ansichten und Lebenswege gibt und jeder anzuerkennen ist.
Ich nehme mir das Recht über mein eigenes Leben selbst entscheiden zu wollen und zu hoffen, dass ich es im entscheidenden Moment kann - psychisch wie physisch und ich hoffe auch, dass ich dabei eventuell auch Unterstützung erfahren darf ebenfalls in psychischer wie physischer Hinsicht. So wie ich hier im Forum diskutiere diskutiere ich ja auch im Famlien-und Freundeskreis.
Über das Leben anderer maße ich mir keine Entscheidung an - soweit sie mich nicht ausdrücklich dazu ermächtigen. Ich als Einzelkind werde aber diejenige sein, die diese Entscheidung im schlimmsten Falle für die ganze Familie (Großmütter, Großvater und Eltern) einmal treffen muss und das kann ich nur, wenn ich deren jetzigen Willen kenne und in der Situation selbst versuche zu erkennen, ob sich der ursprüngliche Wille verändert haben könnte.
ICH würde so wie meine Großeltern jetzt leiden nicht leben wollen, da bin ich mir sicher. Ich würde auch nicht so sterben wollen, wie meine Tante gestorben ist, obgleich sie - aus meiner Sicht - die bestmögliche Behandlung erfahren hat. Sie hingegen wollte solange leben wie es nur ging.
Ich habe mich damals sehr schwer damit getan und habe ich auch versucht ihr zu vermitteln, dass sie sich nicht um uns sorgen muss, dass sie uns und ihren Kindern soviel mitgegeben hat, dass wir es nun auch alleine schaffen können. So etwas wie eine Entbindung von der Verantwortung für uns, weil ich die Angst hatte, sie fühlt sich verantwortlich und will nicht zu früh gehen. Ob das richtig war weiß ich nicht, vielleicht war es auch anmaßend.
Sie hat einige Tage länger gelebt, als es jeder behandelnde Arzt vermutet/prophezeit hatte - sie ist an dem Tag gestorben, als sie erfahren hat, dass ihre Tochter schwanger ist. Das hat vielleicht den Ausschlag gegeben, dass sie das Gefühl hatte, jetzt gehen zu können. Ich weiß es nicht.
Liebe Grüße
promethea
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25.06.2009, 10:45
AW: Selbsttötung - das Recht auf mein Leben und meinen Tod
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25.06.2009, 10:51
AW: Selbsttötung - das Recht auf mein Leben und meinen Tod
Opelius, ich bin mir nicht ganz sicher, was du uns mit dieser Geschichte sagen willst (?)
Mir fallen viele unterschiedliche Dinge im Zusammenhang mit unserem Thema ein - aber auch weit ab vom Strangthema. Gib mir ein wenig Nachhilfe, ja?
Gruß
Bw
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25.06.2009, 10:52Inaktiver User
AW: Selbsttötung - das Recht auf mein Leben und meinen Tod
Ich möchte das einmal zitieren, weil ich meine, dass hier ein wichtiger Punkt zum Nachdenken besteht:
Wir sagen jetzt - da wir einigermaßen jung und gesund sind, von Demenz und Bettlägerigkeit keine Spur und unseren Lebensinhalt aus dem Aktiv-Sein entnehmen - dass wir so und so nicht leben, nicht sterben wollen. Nur - wenn es dann soweit ist, wer sagt denn, dass wir dann nicht doch am Leben hängen, einfach nur leben wollen, wenn auch mit Beeinträchtigungen und Hindernissen, die uns in jungen Jahren furchtbar vorkamen, die wir aber dann in Kauf nehmen würden.
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25.06.2009, 10:58Inaktiver User
AW: Selbsttötung - das Recht auf mein Leben und meinen Tod
Meine Mutter wird bei mir oder bei meiner Schwester leben, je nachdem, was ihr lieber ist. Und ganz sicher nicht im Heim. Das haben wir ihr versprochen, und was anderes kommt nicht in Frage für uns.
Den Begriff "nutzlos" habt Ihr völlig missverstanden. Ich habe ihn eher philosophisch gemeint.
Ich habe sehr lange in Spanien gelebt und dort war es - zumindest zu dieser Zeit - noch üblich, dass die alten Leute bei ihren Familien gewohnt haben - und je nach Rüstigkeit mehr oder weniger mitgeholfen haben im Haushalt, mit den Enkeln etc. Und die meisten kamen mir recht fit vor. Wurden sie bettlägerig, dann sind sie meistens trotzdem zu Hause gebleiben, es gab eigentlich auch nur sehr wenig Heime und wenn, dann eher Luxusresidenzen für die Reichen.
Jedenfalls hat mir das damals sehr gefallen.Geändert von Inaktiver User (25.06.2009 um 11:05 Uhr)
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25.06.2009, 11:03
AW: Selbsttötung - das Recht auf mein Leben und meinen Tod
stimmt - eine präzise Antwort darauf, werden wir nicht bekommen. Dennoch gehe ich davon aus, dass mein Bild vom Leben so gefestigt ist, dass sich höchstens Nuancen meiner Sichtweise ändern.
Und was die hier Mitdiskutierenden betrifft, vermute ich, dass die meisten die 'jungen Jahre' schon hinter sich haben, einen recht erfahrenen Eindruck machen ja alle ... auch da erwarte ich dann nur noch geringfügige Abweichungen beim Blick aufs Leben
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25.06.2009, 11:06Inaktiver User
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25.06.2009, 11:16
AW: Selbsttötung - das Recht auf mein Leben und meinen Tod
ich werde auf deine Frage erst in den nächsten Tagen eingehen können, ich habe viel zu tun.
Es geht um die Frage, was macht ein Selbstmord mit den Angehörigen. Wir leben nicht für uns allein.
Die junge Studentin habe ich sehr gut verstanden und ich kann damit umgehen, aber andere konnten es nicht.Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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25.06.2009, 11:22Inaktiver User
AW: Selbsttötung - das Recht auf mein Leben und meinen Tod
Wenn man seine Gründe gut erklärt und Abschied nimmt, verstehen und verkraften ihn die Angehörigen durchaus. Siehe diesen holländischen Filmregisseur (verflixt, ich komme nicht auf den Namen, werde versuchen, ihn zu ergoogeln!), der aufgrund einer unheilbaren Krankheit den Freitod wählte. Seine Familie hat das dokumentiert und allem Anschein nach sehr gut verkraftet - weil sie seinen Entschluss respektiert und verstanden hat.
Abgesehen davon: in erster Linie lebe ich schon für mich, nicht für die anderen.
Sterben muss ich schließlich auch alleine....
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25.06.2009, 11:26
AW: Selbsttötung - das Recht auf mein Leben und meinen Tod
Jein, ich glaube schon, dass sich eine Situation ganz anders darstellen kann, je nachdem ob ich vorher darüber nachdenke, oder ob ich mittendrin stecke.
Meine Tante hätte (wir hatten das Thema leider vor ihrer Erkranken nicht diskutiert) wohl auch vorher geäußert, dass sie auf jeden Fall leben will - es gab auch keine Patientenverfügung und sie war bis zum letzten Tag klar, wenn auch zum Schluss sogeschwächt, dass sie nicht mehr sprechen konnte. Sie hat ihre Meinung durch die Krankheit und ihr Sterben nicht geändert.
Ebenso wie ich Menschen kenne, die aufgrund der Diagnose freiwillig aus dem Leben geschieden sind, so wie sie es vorher gesagt haben.
Bei meiner Großmutter weiß ich eben nicht, wie hoch auch schon vorher in allen Diskussionen der Appellcharakter ihres "dann will ich nicht mehr leben" war. Sie neigte immer zum Drama und zum Versuch der emotionalen Erpressung. Ich vermute immer mehr, dass ihr Wille zu sterben nie ausgeprägt war - alleine schon weil sie versucht hat sich mit Schlaftabletten das Leben zu nehmen, obwohl ihr vorher mehrere Leute gesagt haben, dass das heutzutage nicht mehr ginge aufgrund der Änderung der Zusammensetzung. Ich weiß nicht, ob sie uns nicht geglaubt hat oder doch nicht sterben wollte, sondern wollte, dass wir uns mehr kümmern.
Vielleicht vergleichbar damit, ich wollte nie in meinem Leben ein Kind haben, trotzdem habe ich auf die Frage, ob ich dann abtreiben würde, wenn ich ungewollte schwanger würde immer geantwortet "was ich dann tue, weiß ich jetzt nicht, das entscheide ich dann". Aber aufgrund besonderer Vorsicht und Akribie bei der Verhütung bin ich nie schwanger geworden und bin sehr glücklich kinderlos zu sein.
So ähnlich will ich es auch mit meinem Tod handhaben, ich warte ab, was ich dann wirklich will, aber ich bin darauf vorbereitet, was ich für Möglichkeiten habe.
Liebe Grüße
promethea
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25.06.2009, 11:42
AW: Selbsttötung - das Recht auf mein Leben und meinen Tod
Das ist recht kurz gesprungen ... eine hirnblutung, ein schlaganfall kann uns jeder möglichkeit berauben. und genau dann will ich nicht 'hilflos ausgeliefert' sein...
ach ja, und wie ist das mit den 'Möglichkeiten' zur Selbsttötung? Vom Hochhaus springen, vor den Zug schmeißen, mit dem Auto gegen den nächsten Baum .... die meisten der Möglichkeiten sind eine Zumutung für andere.... dabei können wir selbst unser Meerschweinchen einschläfern lassen....


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