Glaux,
was heisst "ihren noch vorhandenen Einfluß"? Klar haben gesellschaftliche Gruppen Einfluß. Es ist nichts ehrenrührig daran, wenn sie den auch geltend machen. Es fragt sich natürlich nur, wie sie das tun.
Bleiben wir mal beim Beispiel Kindergarten. Wenn die Kirche 10% der Betriebskosten bezahlt, spart die Kommune eben genau diesen Betrag, den sie andernfalls selbst aufbruingen müsste.
Und selbst wenn die Kommune 100% zuschiesst, spart sie immer noch, denn den Verwaltungsaufwand, die Personalbetreuung und die Einbindung des Kindergartens in das Gemeinwesen liegt immer noch beim Träger, der dafür Personal bereitstellt, nicht zuletzt auch Pfarrerinnen und Pfarrer, die diese Arbeit wohnortnah tun. Das müsste ansonsten das Jugendamt irgendwo aus der Ferne machen...
Oder nehmen wir das Beispiel Sozialstation, die häusliche Pflege anbieten. Die Konkurrenz im Gesundheits- und Wohlfahrtswesen führt dazu, dass die meisten Träger nur noch eine Satt-und -Sauber-Pflege anbieten können. Zeit für persönliche Zuwendung und mal einen zusätzlichen Handgriff bleibt nicht. Und wie opelius schrieb: auch nichtkirchliche Träger werden vom staat mit gutem Grund bezuschusst.
Wenn eine Kirchengemeinde dahinter steht, sind manchmal zusätzliche Dienste möglich. Vor Ort kennt man sich.
Die Humanisten und die Atheisten oder sonstwer könnten jederzeit Kindergärten, Krankenhäuser und Sozialstationen betreiben, wenn sie ein zuschussfähiges Konzept mit bestimmten Standards und einer entsprechenden Qualitätsaufsicht vorlegen. Glaub bitte nicht, dass unser Staat doktrinäre oder verfassungsfeindliche Träger bezuschusst. Das wird alles kontrolliert und muss bestimmten Standards genügen.
Allerdings sollten die freien Träger dann auch bereit sein, zu investieren und zwar Geld und Personal. Also nur zu, wenn die Atheisten es den Kirchen gleichmachen wollen und sich für das Gemeinwesen engagieren wollen...
Wir leben in einem freien Land.
Und wer mit Kirche nichts zu tun haben will, hat zahlreiche Möglichkeiten, ihr aus dem Weg zu gehen, es gibt kommunale Kindergärten, Krankenhäuser und in den Schulen muss niemand in den Religionsunterricht gehen, der das nicht will...
pepkuss
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Thema: Der Film "Religulous"
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19.04.2009, 19:09
AW: Der Film "Religulous"
Geändert von pepkuss (19.04.2009 um 19:24 Uhr)
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19.04.2009, 20:22
AW: Der Film "Religulous"
Aber bezahlen dürfen wir trotzdem dafür.
Zitat von pepkuss
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19.04.2009, 20:49Inaktiver User
AW: Der Film "Religulous"
Ich zahle für Rüstungsausgaben, die ich für nicht sinnvoll halte, genauso wie für die Abwrackprämie, die ich für Schwachsinn halte. Ganz zu schweigen von Subventionen verschiedenster Art an Personen/Institutionen/Banken. Ich zahle für den Polizeieinsatz, der nötig ist für ein Fussballspiel, das mir an der Rückseite vorbeigeht, ein Spiel, das relativ gesehen nur wenige Leute interessiert.
Oder für den Polizeieinsatz, wenn B. Obama kommt: könnte doch heutzutage per Video-Konferenz gemacht werden, warum muss der hier persönlich erscheinen ???????
DA kann ich nicht austreten wie aus der Kirche. Also was soll denn DIESE Diskussion hier, die hat doch längst nen Bart.
Ich würde gerne noch weitere Leute lesen, die den Film gesehen haben. Die anderen Argumente werden in anderen Strängen zur genüge diskutiert.
Gruß, Elli
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19.04.2009, 20:55
AW: Der Film "Religulous"
Nur muß man, wie gesagt, die Kosten gegenrechnen, die der öffentlichen Hand zusätzlich zur Kirchensteuer für innerkirchliche Zwecke entstehen. Die Kirchen sind eben nicht in erster Linie Wohlfahrtsverbände, sondern sie verbreiten in erster Linie eine Weltanschauung. Der Staat verlangt für die steuerliche Abzugsfähigkeit der Kirchensteuer nicht mal ein gemeinnütziges (§52) oder mildtätiges (§53) Engagement, sondern es gibt in der Abgabenordnung extra für die Kirchen den §54 Kirchliche Zwecke. Natürlich gibt es auch andere Organisationen, die ihren Einfluß nutzen, um sich einen möglichst großes Stück vom Kuchen zu sichern, z.B. die politischen Parteien, wenn man allerdings so auftritt wie eine beliebige Pressure Group, dann wird man früher oder später auch so eingestuft.
... dann ist es blanke Heuchelei, das noch als kirchliche Trägerschaft zu bezeichnen und es ist ein Unding, daß der sogenannte Träger Leute aus weltanschaulichen Gründen entlassen kann, die er nicht mal bezahlt.
Die DEA kann man getrost als doktrinär bezeichnen.
Tun sie ja auch.
Aber er muß den Religionsunterricht mitfinanzieren, ebenso wie die Priesterausbildung und Gehälter von Militärgeistlichen und Bischöfen und darf sich dann von einigen dieser Herren auch noch beschimpfen lassen.
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19.04.2009, 21:45
AW: Der Film "Religulous"
Die Kirche hat den Vorteil, dass du austreten kannst, wenn dir nicht passt, wie sie ihr Geld verwendet. Den Vorteil hat der Staat nicht.
Da musst du mitmachen. Vielleicht solltest du auch mal genauer hinschauen, was der Staat mit deinen Steuern macht...
pepkuss
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19.04.2009, 22:27
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20.04.2009, 09:51
AW: Der Film "Religulous"
Ich meinte nicht, dass man Religion verbieten kann, das geht natürlich nicht. Jeder soll glauben, was er möchte.
Aber man sollte die öffentliche Förderung der Kirchen abschaffen, das wurde in den vorherigen Beiträgen schon genug diskutiert, ich will nicht die Diskussion über den Film torpedieren.Islabonita
Moderation im Freundschaftsforum, Umgangsformen, Familiensache, Mietforum und in Rund um die Bewerbung - ansonsten normale Userin
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20.04.2009, 15:41
AW: Der Film "Religulous"
Islabonita, auch wenn es hier um einen satirischen Film über Religion geht, doch noch mal dazu:
Was heisst öffentliche Förderung der Kirchen? Die Beziehungen zwischen Staat und Kirche sind in Deutschland durch Staatskirchenverträge geregelt. Dabei sind Rechte und Pflichten definiert. Der Staat hat in unserem Land offenbar (immer noch) Interesse , mit den Kirchen in bestimmten Bereichen zusammenzuarbeiten, z.B. Bildung, Soziales, Pflege.
Was meinst du, was dafür die Gründe sind? Der Staat nimmt ernst, dass die Kirchen gesellschaftliche Gruppen sind, die immer noch viele Mitglieder haben, auf deren Engagement die Öffentlichkeit nicht verzichten möchte.
Wie gesagt: die Atheisten mögen bitte Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser und Sozialstationen einrichten und Geld und Personal bereitstellen, dann könnten sie ja ihre Weltanschauung auch öffentlich damit "fördern" lassen... Wo ist das Problem?
Der Staat bezuschusst das Engagement seiner Bürgerinnen und Bürger, dabei verletzt er seine weltanschauliche Neutralität nicht.
Ein Kindergarten auf atheistischer Grundlage würde ebenso gefördert, wenn das Konzept stimmt und bezuschusst werden kann und sich Eltern finden, die ihre Kinder dorthin bringen wollen...
Deshalb würde der Staat allerdings keine atheistische Weltanschauung damit fördern, oder?
pepkussGeändert von pepkuss (20.04.2009 um 16:04 Uhr)



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