Antworten
Seite 20 von 30 ErsteErste ... 101819202122 ... LetzteLetzte
Ergebnis 191 bis 200 von 300
  1. User Info Menu

    AW: Biologismus, Philosophie, etc.

    Ich habe ein riesengroßes Problem:

    Eigentlich habe ich mir ja vorgenommen, aus dem Biologismus Kleinholz zu machen. Dies ist ein edles und gerechtes Vorhaben und verspricht zusätzlich eine Menge Spass. Allerdings zeigt justement in einem anderen Bri-Strang der Kulturalismus dermaßen schamlos seine potthässliche Fratze, dass ich einen mittelschweren Motivationsdämpfer verpasst bekommen habe.

    Ich werde die Angelegenheit verfolgen und gegebenenfalls sogar Lehren daraus ziehen.

    ...praeter gallum, qui cantat.

  2. User Info Menu

    AW: Biologismus, Philosophie, etc.

    Zitat Zitat von Halbmast... Beitrag anzeigen
    Ich werde die Angelegenheit verfolgen und gegebenenfalls sogar Lehren daraus ziehen.
    Einverstanden. Also dann klar zur Halse, neuer Kurs Raumschots abfallen, bevor wir hier versanden. Melde mich nun ab in die Koje, gute Nacht.

  3. User Info Menu

    AW: Biologismus, Philosophie, etc.

    Dieser Beitrag gehört eigentlich in einen anderen Strang, passt aber hier irgendwie besser. Oder umgekehrt.

    Es geht um die Frage, ob die Annahme, es gäbe eine biologisch bestimmte Natur des Menschen in irgendeiner Weise zu Diskriminierungen führen könnte oder Diskriminierungen begründen könnte. So völlig abwegig ist diese Befürchtung in Hinblick auf die deutsche Geschichte ja zunächst nicht.

    Machen wir einmal ein Gedankenexperiment. Nehmen wir einmal das Worst-Case-Szenario jeder Feministin:

    Stellen wir uns vor, eine Gruppe internationaler Verhaltensgenetiker legen unbestreitbare Beweise für die Existenz eines "Sekretärinnen-Gens" bei Frauen und eines "Chefsessel-Gens" bei Männern vor. Sie betonen zugleich, diese Gene seien nicht determinierend (was ja ein Blick in die Alltagswirklichkeit sofort bestätigte!) sondern indizierten lediglich eine Verhaltensdisposition, die keinerlei Benachteiligungen der Frauen rechtfertige.

    Abgesen davon, dass unter Feministinnen wahrscheinlich sofort eine Massenpanik ausbräche, wäre eine Reaktion auf diese Nachricht wohl das tiefe Misstrauen, ob die Biologisten nicht doch die Gunst der Stunde zu nutzen versuchten, um das Rad der Geschichte ein wenig zurückzudrehen.

    Ich vermute, das überzeugte Kulturalisten mir in dieser Einschätzung folgen können.

    Betrachten wir nun ein anderes Problem.

    Wer von uns glaubt, dass die Deutschen eine Kollektivschuld am Holocaust trifft?

    Wir wissen: die große Mehrzahl der Deutschen habt sich (wenigsten!) der Mitläuferschaft schuldig gemacht.
    Trotzdem vermute ich, dass die meisten Menschen die Idee einer Kollektivschuld ablehnen. Und ich glaube, dass sogar die Menschen in Israel dies tun würden, wenn man die Frage dort ein wenig allgemeiner formulierte. Der Grund dafür ist unser tief verwurzeltes Gefühl, nur für unser eigenes Tun und Lassen verantwortlich sein zu können. Wir erwarten von Urteilen, die uns selber betreffen, ganz selbstverständlich eine genaue Einzelfallbetrachtung.

    Nichts anderes behaupten nun die Biologisten, wenn sie erklären, jeder Mensch genieße ein "Individualrecht" und könne nicht nach den empirisch ermittelten durchschnittlichen Merkmalen der Gruppe, der er zugerechnet wird, beurteilt werden. (Arouet wird nicht müde darauf hinzuweisen.)

    Wenn nun "Kulturalisten" sich mittels des oben genannten Prinzips z.B. von Kollektivschuld (zu Recht, wie ich meine) freisprechen, das gleiche Prinzip aber in Hinblick auf Biologisten für falsch oder ungültig erklären, dann erscheint mir das nicht wirklich plausibel. Wenn sie aber erklären, das Prinzip sei zwar gültig, unglaubwürdig sei indes seine Anwendung durch "Biologisten", dann handeln sie sich einen Selbstwiderspruch
    ein, wenn sie die Gruppenmerkmale "Biologist-sein" und "unglaubwürdig-sein" nicht im Einzelfall überprüfen.

    Aus meiner Sicht gibt es (mindestens) zwei wichtige Einwände gegen meine Argumentation, auf die ich jetzt aus dramaturgischen Gründen nicht eingehen möchte. Es ging mir nur darum, ein Gefühl dafür zu wecken, dass "Kulturalisten" in einer wichtigen Frage mit zweierlei Maß messen.




    (Was die Theorie des Biologismus allerdings nicht rettet.)

    ...praeter gallum, qui cantat.

  4. User Info Menu

    AW: Biologismus, Philosophie, etc.

    Zitat Zitat von Halbmast... Beitrag anzeigen
    Es ging mir nur darum, ein Gefühl dafür zu wecken, dass "Kulturalisten" in einer wichtigen Frage mit zweierlei Maß messen.
    Jetzt muss ich erstmal versuchen, mir klarzumachen, warum es nicht ein völlig natürliches Vorgehen für einen Kulturisten sein sollte, mit zweierlei Mass zu messen - wofür sich ein Biologist vielleicht zu schämen hätte. Ich möchte sagen, eine Kulturist muss parteiisch sein, oder nicht?

  5. User Info Menu

    AW: Biologismus, Philosophie, etc.

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Trotzdem vermute ich, dass die meisten Menschen die Idee einer Kollektivschuld ablehnen.
    Beziehst du dich hier nur auf die deutsche Kollektivschuld am Holocaust, oder ist deine Aussage allgemein zu verstehen?
    Was ich zu sagen hätte, lässt sich durch Schweigen viel besser ausdrücken!

  6. User Info Menu

    AW: Biologismus, Philosophie, etc.

    Zitat Zitat von Alaska Beitrag anzeigen
    Jetzt muss ich erstmal versuchen, mir klarzumachen, warum es nicht ein völlig natürliches Vorgehen für einen Kulturisten sein sollte, mit zweierlei Mass zu messen
    Ich bin nicht sicher, ob ich dich verstehe, aber möchtest du hier auf eine der zahlreichen unterhaltsamen Ironien des Schicksals hinweisen?

    Nämlich der, dass ein Kulturalist nur der Natur des Menschen folgt, wenn er mit zweierlei Maß misst dh. sich an seinen persönlichen Zwecken orientiert, während ein Biologist, wenn er nach objektiver, dh. zweckfreier Erkenntnis strebt, sich "unnatürlich" verhält, indem er sich einer mühsam etablierten kulturellen Norm befleißigt.

    Mit anderen Worten: die Kulturalisten sind die wahren Biologisten und die Biologisten sind klammheimliche Kulturalisten.

    Ja, der Gedanke ist mir auch schon einmal gekommen.

    ...praeter gallum, qui cantat.

  7. User Info Menu

    AW: Biologismus, Philosophie, etc.

    Der Vorteil der Kulturalisten ist: sie können es mit jedem machen, während die Biologisten sich keusch festgelegt haben.
    Drink in your summer, gather your corn
    M. Jagger

  8. User Info Menu

    AW: Biologismus, Philosophie, etc.

    Zitat Zitat von brizi Beitrag anzeigen
    Beziehst du dich hier nur auf die deutsche Kollektivschuld am Holocaust, oder ist deine Aussage allgemein zu verstehen?
    Ich hatte es eher allgemein verstanden, Brizi.
    Allerdings muss man sehen: dem Wunsch als Einzelfall beurteilt zu werden, steht die allgemeine menschliche Praxis, Vorurteile zu pflegen, gegenüber.

    ...praeter gallum, qui cantat.

  9. User Info Menu

    AW: Biologismus, Philosophie, etc.

    Zitat Zitat von Hummelchen Beitrag anzeigen
    Der Vorteil der Kulturalisten ist: sie können es mit jedem machen, während die Biologisten sich keusch festgelegt haben.
    Ich bin mit einer Biologistin verheiratet!

    *kreisch*









    Hat aber auch was Gutes.

    ...praeter gallum, qui cantat.

  10. User Info Menu

    AW: Biologismus, Philosophie, etc.

    Zitat Zitat von Halbmast... Beitrag anzeigen
    Ich bin mit einer Biologistin verheiratet!
    Dann hätte ich wohl meinen Beruf verfehlt. Wir aus der Forschung berufen uns übrigens immer auf "multifaktorielle Erklärungsmodelle" und halten uns so alle Türchen offen , ähnlich wie die Agnostiker *unpassender und unmotivierter Seitenheib auf die Schwindlige*.
    Drink in your summer, gather your corn
    M. Jagger

Antworten
Seite 20 von 30 ErsteErste ... 101819202122 ... LetzteLetzte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •