Also ich habe auch den Eindruck, dass Du in Deinem Beispiel zwar vom 'Sein' (Gom-Jabbar-Gerät plus Betreiberangebot, wobei wir die 'Naturalität' dieser Konstellation jetzt mal nicht weiter hinterfragen) zum 'Wollen' (Zielkonflikt Gewinnmaximierung bei Schmerzminimierung, zumindest bei sehr vielen Menschen so) gekommen bist, aber der Schritt zum 'Sollen' (Sollte ich an einem Dschungelcamp teilnehmen? Sollten Dschungelcamp-Spielshows verboten werden? Sollte der Wert einer Sendung nur an ihrer Einschaltquote bemessen werden) irgendwie noch fehlt.
Das scheint aber eine etablierte Kritik am Utilitarismus zu sein, die ihn von 'echter Ethik' abgrenzen möchte: "Etwas, das real gewünscht wird, muss deswegen noch nicht wünschenswert im normativen bzw. moralischen Sinne sein. Dies wäre sowohl ein Naturalistischer Fehlschluss wie auch ein Verstoß gegen Humes Gesetz."
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09.04.2009, 08:37
AW: Biologismus, Philosophie, etc.
Geändert von Alaska (09.04.2009 um 08:38 Uhr) Grund: Absatz eingefügt
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09.04.2009, 11:59
AW: Biologismus, Philosophie, etc.
Freilich: Nicht alles was man will ist auch ethisch wünschenswert. Aber mit dem Umkehrschluß- daß Sollen mit Wollen gar nichts zu tun habe- fühle ich mich auch nicht so ganz wohl.
Man stelle sich nur mal einen radikal tiefenökologisch eingestellten verrückten Wissenschaftler vor, der plant, die Erde zu retten, indem er 99% der Menschheit mit einem gentechnisch modifizierten Killervirus ausrottet. Denn das was seine Opfer wollen und das was ethisch sein soll sind ja zwei völlig verschiedene Dinge, argumentiert er... und er könne auf unethisches Wollen leider keine Rücksicht nehmen.None of the really important decisions are ever easy. And they can never be completely right, because there is always a point of view from which they are wrong.
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09.04.2009, 13:21
AW: Biologismus, Philosophie, etc.
Ja, Hume selbst scheint in der Angelegenheit auch eine etwas konziliantere Auffassung gehabt zu haben: "Diese strenge Trennung von Wille und Vernunft führt Hume zu der Auffassung, dass wo kein Willen enthalten ist, auch kein Sollen enthalten sein kann. Andersherum führt ein an den Willen gebundenes, motivierendes Gefühl zur Wahrheitsunfähigkeit. So zumindest hätte man auf theoretischer Ebene beide menschliche Eigenschaften klar zu unterscheiden. Dies schließt natürlich nicht aus, dass ethische Begriffe im alltäglichen Gebrauch in gemischter Form vorkommen, also sowohl mit vorschreibenden als auch beschreibenden Inhalten."
Fragt sich nur, ob und wie er seine eigenen Planungen dann von unethischem Wollen abgrenzen könnte. Oder ob zum Beispiel der Selbstmord eines Amokläufers in irgendeiner Form utilitaristisch kommensurabel zum Tod seiner Opfer gesetzt werden könnte. Und wie es sich mit dem ethischen Wollen beim dem in reziproker Form auftretenden Problem des sogenannten 'finalen Rettungsschusses' verhält. Schwierig.
So, nun bin ich aber auf die Gom-Jabbar-Daumenschrauben von Herrn Halbmast gespannt!
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13.04.2009, 11:53
AW: Biologismus, Philosophie, etc.
Doch noch etwas:
Gerade hat sich der Augsburger Bischof Mixa mit seiner Predigt zur "Unmenschlichkeit des Atheismus" wieder Gegenwind eigenhandelt, und zwar unter anderem von der Giordano Bruno Stiftung (Stiftung zur Förderung des evolutionären Humanismus), deren Vorstand Michael Schmidt-Salomon mit Steven Pinker wohl neben der Welt- und Wirklichkeitsauffassung auch die Mitgliedschaft im Brights-Club teilt.
Ich komme nun darauf, weil ich es interessant finde, wie Schmidt-Salomon auf den Vorwurf des 'Naturalistischen Fehlschlusses' mit dem Entwurf eines 'Kulturistischen Fehlschlusses' reagiert:
Sollen -> Sein:
„Es kann nicht (empirisch) sein, was (normativ) nicht sein darf!“
„Es muss (empirisch) sein, was (normativ) sein soll!“
Da würde mich mal interessieren, wie er aus der Sichtweise nun zum Beispiel Grundgesetz Artikel 3 einsortieren würde:
"(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin."
Nun aber weiterhin sonnige Ostern.
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13.04.2009, 12:57
AW: Biologismus, Philosophie, etc.
Mixas Predigt ist mir auch zu Ohren gekommen. Aber da ich im Netz nirgendwo den Volltext seiner Predigt gefunden habe, kann ich das auch nicht vernünftig diskutieren, sondern mich höchstens maßlos über irgendwelche von den Medien kolportierten, aus dem Gesamtzusammenhang gerissenen Äußerungen von ihm echauffieren.
None of the really important decisions are ever easy. And they can never be completely right, because there is always a point of view from which they are wrong.
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22.04.2009, 18:42
AW: Biologismus, Philosophie, etc.
Tschulldigung, dass ich weg war. Musste unser Treppenhaus renovieren...
Werde ab morgen meinen Hirnkasten wieder in Betrieb nehmen.
...praeter gallum, qui cantat.
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22.04.2009, 18:55
AW: Biologismus, Philosophie, etc.
Ich hoffe, nachdem der Außenflur fertig ist. *neunschwänzige Katze zück*
Drink in your summer, gather your corn
M. Jagger
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22.04.2009, 20:50
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22.04.2009, 22:04
AW: Biologismus, Philosophie, etc.
Danke, Arouet, danke, mir krümeln jetzt Müslistücke aus der Nase.
Drink in your summer, gather your corn
M. Jagger
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23.04.2009, 03:01Inaktiver User
AW: Biologismus, Philosophie, etc.
Ja, das wäre nett.
Die Diskussion zwischen Alaska und sfumato ist für Philosophieprofessoren und sonstige Wunderkinder sicher von allerhöchster Güte, in meinem Kopf hinterläßt sie leider nur eine große, schwarze Leere............................................. ........................................
...............................................äh, um was ging es noch mal?



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