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    AW: Biologismus, Philosophie, etc.

    Zitat Zitat von glaux Beitrag anzeigen
    Eine Normensystem, das sich darauf beschränkt, den Status quo zu feiern, ist allerdings offensichtlich überflüssig.
    Ich sage ja nicht, daß normative und deskriptive Ethik gleichzusetzen sind- das wäre ja grob verkürzt. Aber welchen Ausgangspunkt soll ein normatives ethisches Räsonnement denn nehmen, wenn nicht die deskriptive Ethik?
    None of the really important decisions are ever easy. And they can never be completely right, because there is always a point of view from which they are wrong.

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    AW: Biologismus, Philosophie, etc.

    Zitat Zitat von sfumato Beitrag anzeigen
    Ich sage ja nicht, daß normative und deskriptive Ethik gleichzusetzen sind- das wäre ja grob verkürzt. Aber welchen Ausgangspunkt soll ein normatives ethisches Räsonnement denn nehmen, wenn nicht die deskriptive Ethik?
    Dazu gibt es ja auch noch den linguistischen Einwand: "In der sprachlichen Beschreibung dessen, was ist, seien zwangsläufig normative Elemente enthalten. Was in den Kanon menschlicher Sprache und damit den Diskurs aufgenommen werde, sei dadurch bereits wertend verändert worden. Deshalb könne es keine „wertfreie“ Beschreibung objektiver Dinge geben, und das Sollen sei bereits implizit in der Benennung dessen, was ist, enthalten."

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    Zitat Zitat von Alaska Beitrag anzeigen
    Dazu gibt es ja auch noch den linguistischen Einwand: "In der sprachlichen Beschreibung dessen, was ist, seien zwangsläufig normative Elemente enthalten.
    Daß in jeder Beschreibung normative Elemente enthalten sind ist wohl wahr, aber damit ist noch lange nicht erwiesen, daß diese Elemente irgendwie ethisch normativ sind.

    Als Beispiel: Wenn ich den logischen Aufbau eines Computerchips mit Hilfe einer formalen Beschreibungssprache darstelle, verwende ich dabei sprachliche Abstraktionen, deren Bedeutungen normativ festgelegt sind, ohne daß sie damit auch nur im Geringsten mit einer ethischen Wertung verbunden wären.
    None of the really important decisions are ever easy. And they can never be completely right, because there is always a point of view from which they are wrong.

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    Zitat Zitat von sfumato Beitrag anzeigen
    Als Beispiel: Wenn ich den logischen Aufbau eines Computerchips mit Hilfe einer formalen Beschreibungssprache darstelle, verwende ich dabei sprachliche Abstraktionen, deren Bedeutungen normativ festgelegt sind, ohne daß sie damit auch nur im Geringsten mit einer ethischen Wertung verbunden wären.
    Lassen sich denn aus dem Bauplan eines Computerchips ethische Normen ableiten?

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    Zitat Zitat von Alaska Beitrag anzeigen
    Lassen sich denn aus dem Bauplan eines Computerchips ethische Normen ableiten?
    Handle nach der Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, daß du einen neuen Highscore erzielst?

    Ok, ein anderes Beispiel, aus der sich vielleicht eher ethische Normen ableiten lassen: Schmerzaussagen.
    Geändert von sfumato (08.04.2009 um 22:53 Uhr)
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    Zitat Zitat von sfumato Beitrag anzeigen
    Ok, ein anderes Beispiel, aus der sich vielleicht eher ethische Normen ableiten lassen: Schmerzaussagen.
    Also los, dann eine Ableitung bitte. Wobei ich in dem vermeintlich rein deskriptiven Begriff 'Schmerzaussage' bereits ein ausgesprochen normatives Moment vermute, dessen Durchwirkung auf das Ergebnis der Ableitung sich nicht vermeiden lassen wird, gleichwie es aussehen mag.

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    Zitat Zitat von Alaska Beitrag anzeigen
    Also los, dann eine Ableitung bitte. Wobei ich in dem vermeintlich rein deskriptiven Begriff 'Schmerzaussage' bereits ein ausgesprochen normatives Moment vermute, dessen Durchwirkung auf das Ergebnis der Ableitung sich nicht vermeiden lassen wird, gleichwie es aussehen mag.
    Ich kann mit Hilfe eines hypothetischen Experiments aus Schmerzaussagen Wertaussagen ableiten:

    Nachdem ich eine Skala von Schmerzaussagen psychometrisch normiert habe, eiche ich damit mein "Gom Jabbar" (ein fiktives Gerät, mit dem man bei einer Versuchsperson einen beliebig einstellbaren Schmerzpegel erzeugen kann). Meinen Versuchspersonen biete ich dann finanzielle Belohnungen für die Selbstanwendung des Gom Jabbars. Da kommt dann meinetwegen raus, daß sie im Schnitt schon ab 1 € zu Schmerzstufe 1 bereit sind, sich Schmerzstufe 2 aber durchschnittlich 2.50€ und Stufe 3 7.20€ kosten lassen. Einige wenige Hardcoremachos sind vielleicht sogar bereit, auf Schmerzstufe 15 zu gehen und kassieren dafür eine Prämie im Wert eines Mittelklassewagens. Usw.
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    Zitat Zitat von sfumato Beitrag anzeigen
    Ich kann mit Hilfe eines hypothetischen Experiments aus Schmerzaussagen Wertaussagen ableiten.
    Ja, ich erinnere mich dunkel. Paul Atreides musste auch die Hand reinhalten, oder? Aber irgendwie fehlt mir in dem Beispiel noch das 'Sollen'. Und ist eine materielle (hier pekuniäre) Aussage auch immer einer Aussage über ethische Werte? Hier wäre doch eher der ethische Kompass von Gaius Helen Mohiam zu hinterfragen.

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    Zitat Zitat von Alaska Beitrag anzeigen
    Und ist eine materielle (hier pekuniäre) Aussage auch immer einer Aussage über ethische Werte?
    Mein Gedankenexperiment soll erst mal nur plausibilisieren, daß man deskriptive Aussagen in einen utilitaristischen Wertbegriff übersetzen kann. Natürlich kann man den Standpunkt vertreten, daß ethisch-normative Wertbegriffe im eigentlichen Sinne nochmal was anderes sind als rein utilitaristisch formulierte Werte. Aber das ist m.E. nur ein Gradunterschied- die Position, daß am utilitaristischen Wertbegriff so überhaupt nichts Ethisches ist wäre mir zu radikal.
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    Zitat Zitat von Alaska Beitrag anzeigen
    Ja, ich erinnere mich dunkel. Paul Atreides musste auch die Hand reinhalten, oder? [...] Hier wäre doch eher der ethische Kompass von Gaius Helen Mohiam zu hinterfragen.
    Ihr Versuchsaufbau war ein anderer als meiner, soweit ich mich entsinne- weil sie mit ihrem Schmerztest auch auf etwas anderes hinauswollte. Nämlich ob die Versuchsperson ihr instinktives Schmerzvermeidungsverhalten kognitiv ausser Kraft setzen kann.
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