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06.04.2009, 21:05
AW: Biologismus, Philosophie, etc.
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06.04.2009, 21:09
AW: Biologismus, Philosophie, etc.
Religionen beantworten die Frage nach der Wahrheit mit Glaubenswahrheiten=Antworten, die zu glauben sind, da angeblich von Gott den Propheten/Religionstiftern offenbart.
Philosophen versuchen die Frage nach dem, was wir für wahr halten können, durch vernünftiges Nachdenken zu beantworten, vertrauen auf logische Schlüsse, hoffen, daß "richtiges" Denken zu richtigen Ergebnissen führt.
Gleiches gilt für die Antwortsuche auf Fragen wie Was ist ein gutes Leben? Wie sollen wir leben? usw.
Religionen versuchen darauf mit zu glaubenden Lehrsätzen, Dogmen, zu antworten, die nicht vernünftig begründet werden müssen, da von Gott, einer höheren Macht offenbart, von Autoritäten gelehrt, denen man glauben soll.
Philosophien versuchen, durch vernünftiges Nachdenken zu Antworten zu kommen.
Der Bereich der Wissenschaft/ Naturwissenschaft ist der des Feststellbaren, des empirisch Nachweisbaren, des gesicherten Wissens.
Religionen/Philosophien bewegen sich in Regionen, über die wir nur schwer oder kein faktisches Wissen erwerben können, die der Empirie nicht ohne weiteres oder überhaupt nicht zugänglich sind.
Das ist nur eine grobe Abgrenzung, die sich endlos differenzieren lässt, denn natürlich gibt es Überlappungen, Grauzonen usw, z.B. die Religionsphilosophie etwa in jüdischer, christlicher oder muslimischer Spielart.Geändert von arouet58 (06.04.2009 um 21:19 Uhr)
Cum grano salis
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06.04.2009, 21:15
AW: Biologismus, Philosophie, etc.
Zum Beispiel die sozialdarwinistischen Ideologien.
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06.04.2009, 21:37
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07.04.2009, 01:18
AW: Biologismus, Philosophie, etc.
Aber das ist doch genau die Prämisse die ich mit meiner Argumentation anzweifele! Selbst wenn Sein und Sollen kategorial unterschiedlich sind, könnte es doch trotzdem sein, daß zwischen beiden ein nicht-deduktiver Schluß erlaubt sein könnte. Schließlich besteht zwischen Einzelbeobachtungen und Regelmäßigkeiten ebenfalls ein kategorialer Unterschied, und man kann in Bezug auf induktiv erschlossene Regelmäßigkeiten eine nominalistische Position vertreten. D.h. man muß nicht zwangsläufig einräumen, daß diese einem objektiv zugrundeliegenden Sein entsprechen, man dabei also tatsächlich schlösse, "was ist".
None of the really important decisions are ever easy. And they can never be completely right, because there is always a point of view from which they are wrong.
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07.04.2009, 12:30
AW: Biologismus, Philosophie, etc.
Diese Position hat Frankena vertreten, nicht wahr?
Einzuwenden wäre, das der kategoriale Unterschied zwischen Einzelbeobachtung und "Regelmäßigkeit" eben nicht im gleichen Sinne ein kategorialer Unterschied ist wie der zwischen "Sein" und "Sollen", denn die induzierte "Regelmäßigkeit" bleibt ja so deskriptiv wie die Einzelbeobachtung.
Ich glaube auch nicht, dass Beschreibungen im gleichen Maße begründet werden müssen, wie Normen, denn "Beschreibungen" sind nicht invasiv, dh. sie beschränken unsere Freiheit nicht unmittelbar.
...praeter gallum, qui cantat.
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07.04.2009, 13:02
AW: Biologismus, Philosophie, etc.
Natürlich ziehen Philosophen zuweilen falsche Konsequenzen.
Sie beziehen dann aber Prügel von ihren Kollegen.
Nach meiner Auffassung von Philosophie (die viele Philosophen gewiss entsetzt zurückweisen würden) konstruieren Philosophen ja gerade keine Ideologien (außer in Notwehr). Sie sind eigentlich eher das weltanschauliche Abrisskommando.
Ich rufe den Herrn Georg Wilhelm Friedrich Hegel (von dem viele ja glauben, er sei ein waschechter systematischer Philosoph, Konstrukteur palastähnlicher Gedankengebäude, der zudem nicht gerade von falscher Bescheidenheit heimgesucht wurde) in den Zeugenstand.
Halbmast: Georg, sag mal, wie ist das nun mit der Philosophie und den letzten Wahrheiten?
Hegel: Halber, was soll die Frage, häh? Noch nie ist eine "Philosophie widerlegt worden. Was widerlegt worden, ist nicht das Princip dieser Philosophie, sondern nur dieß, daß dieß Princip das Letzte, die absolute Bestimmung sey." (Vorl. ü. d. Gesch. d. Phil. 17/67)
Halbmast: Alles klar, Alter. Bis demnächst.
...praeter gallum, qui cantat.
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07.04.2009, 13:10
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07.04.2009, 14:27
AW: Biologismus, Philosophie, etc.
Gut möglich... sie ist eine so naheliegende Position, daß ich mir sicher bin, nicht der erste zu sein, der sie vertritt.
Bei rein deduktiven Schlußverfahren wäre es in der Tat nicht zulässig, von deskriptiven Aussagen auf Imperative zu schließen. Aber wer sagt denn, daß das auch bei nichtdeduktiven Schlüssen ein Problem sein muss? Die Begründungen der Gültigkeit der Lehre des naturalistischen Fehlschlusses die ich hier bisher gelesen habe waren im wesentlichen zirkulär. Klar sind deskriptive Aussagen etwas anderes als Imperative- aber daraus zu folgern, daß man alleine deshalb vom einen nicht aufs andere schließen könne ist eine petitio principii.
Zitat von Inaktiver User
Im Übrigen: wenn die Lehre vom naturalistischen Fehlschluß stimmt. dann wird auch der kategorische Imperativ Kants hinfällig- denn aus der Natur des Menschen als Vernunftwesen (eine deskriptive Aussage) ließe sich ja kein Imperativ ableiten. Die Vernunft müßte demnach völlig frei von moralischen Konsequenzen sein.Geändert von sfumato (07.04.2009 um 14:40 Uhr)
None of the really important decisions are ever easy. And they can never be completely right, because there is always a point of view from which they are wrong.
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07.04.2009, 20:32
AW: Biologismus, Philosophie, etc.
Eine Normensystem, das sich darauf beschränkt, den Status quo zu feiern, ist allerdings offensichtlich überflüssig.
Der kategorische Imperativ läßt sich ebenso wenig wie andere Normen aus der Vernunft oder der Intuition herleiten, daher ist der Wikipedia-Artikel auch so unerquicklich, denn man schaut beim Gegner nicht so genau hin, wenn man die eigenen Leichen im selben Keller vergräbt.
Der kategorische Imperativ wird von einigen Leuten festgelegt, nicht geschlossen, man kann natürlich ebenso gut festlegen, daß wir schon in einer perfekten Welt leben und Moral überflüssig ist, aber zwingend ist nichts davon.



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