Dies ist ein schwieriges Thema für mich. Ich habe mich selbst seit vielen Jahren als Atheistin bezeichnet. Ich bin evangelisch geboren, dann zum Katholizismus konvertiert und mit Mitte 20 ausgetreten, weil mir das alles zu verlogen und heuchlerisch war und weil ich eigentlich nicht wirklich an Gott geglaubt habe, schon damals nicht. Es ging mir bei religiösen Erlebnissen immer mehr um das Gemeinschaftsgefühl.
Mein Verstand kann einfach nicht akzeptieren, dass es einen Gott gibt. Das geht viel weiter als nur die übliche Frage "wie kann Gott soviel Elend und Leid zulassen?" (Obwohl eine Antwort auf diese Frage, die mich wirklich befriedigt, nicht schlecht wäre!!!! Der "freie Wille" tut's leider nicht... da ja nicht der freie Wille Ursache für alles Leid auf der Welt ist).
Eine andere Frage ist, wenn es ein Leben nach dem Tod gibt, für wen "gilt" das dann? Ungeborene Kinder? Ab welchem Monat? Wenn ein Baby stirbt, ist es dann ewig ein Baby? Was ist mit Tieren? Ab welcher Entwicklungsstufe hat ein Wesen eine "Seele"? Was ist mit den Urmenschen? Warum hat ein Mensch eine Seele, aber ein Affe nicht? Oder ein Embryo im vierten Monat?
Ich habe gestern versucht, für meine Schwester zu beten, die in diesem Jahr sehr viel Schweres durchgemacht hat. Nach einigen Sekunden hat mich die Lächerlichkeit dessen was ich tat, überwältigt. Es gibt beinahe 7 Milliarden Menschen auf der Welt, warum sollte Gott sich für diese eine Person interessieren, wo er sich doch ganz offensichtlich einen Sch...dreck um die anderen 7 Milliarden schert. Ich habe wirklich versucht, mich zum Glauben zu bringen (Gründe werde ich versuchen, weiter unten zu erklären), aber ich kann's nicht. Ich versuche mir einzureden, dass es vielleicht vielen Menschen schlecht geht, weil sie eben niemanden haben, der für sie betet. Vielleicht braucht jeder Mensch einen anderen Menschen, der für ihn betet. Ich habe leider keine Veranlassung zu glauben, dass Gebete etwas bewirken. Schließlich gibt es auch Christenmütter in Äthiopien, die zuehen müssen, wie ihr Kind verdurstet. Und die beten sicher mit tiefer Inbrunst. Wo ist Gott?
Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass die Menschen Gott erschaffen haben, nicht umgekehrt. Einfach aus ihrer Panik heraus im Angesicht ihrer Sterblichkeit. Also ist Gott ein Märchen. Mein Verstand sagt mir, dass es ihn nicht gibt.
Andererseits möchte ich so gern, dass es ihn gibt. Eine Welt ohne Gott ist schrecklich (ich sage das als jemand, der eine Welt ohne Religion propagiert.... ). Ich habe es bisher in meinem Leben erfolgreich geschafft, Dinge zu verdrängen. Den Tod. Mittlerweile ist meine Verzweiflung und meine Angst so groß geworden, dass ich mir wünsche, ich könnte Gott finden. Es kommt mir SEHR seltsam vor, dies zu schreiben, und ein wenig schäme ich mich auch dafür, ich weiss aber, dass spätestens heute Nacht die Panik wiederkommt. Und dieser Panik kann ich nicht allein entgegentreten. Panik vor dem Tod, vor einem Leben ohne Hoffnung für soviele. Vor der Erkenntnis, dass auf Menschen, die leiden und völlig sinnlos sterben, eben NICHT irgendwo ein ewiges Leben oder ein Paradies wartet. Ich bin nun so weit, dass ich mir, wie die Menschen vor uns, einen Gott erschaffen möchte, der mir hilft, mit diesen Ängsten zu leben. Ich will überzeugt werden, dass es ihn gibt... aber mein Verstand sträubt sich gegen die Wahrscheinlichkeit seiner Existenz.
Wie könnt ihr an Gott glauben?
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 20
Thema: Glaube für Anfänger
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11.12.2008, 11:07Inaktiver User
Glaube für Anfänger
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11.12.2008, 11:35
AW: Glaube für Anfänger
ich kann an Gott glauben, weil ich akzeptiere, dass er nicht für Ungerechtigkeit, Krankheit und Tod verantwortlich ist. Seit der Vertreibung aus dem Paradies ( was ich für eine Sage halte) ist uns nur eines gewiß, das Leben ist ungerecht, unser Brot erarbeiten wir uns mit Schweiß, Geburt ist schmerzhaft und lebensgefährlich. Und alles, was auf Erden lebt, stirbt eines Tages.
Genauso ist es. Ich möchte jemanden in meiner Not anrufen können, ich möchte um Hilfe bitten können, ich möchte seine Gnade erlangen können. Und ich möchte ihm jeden Morgen dafür danken, dass ich noch lebe. Ihm danken können, wenn es meiner Familie gut geht. Ihm danken können, wenn ich meine Arbeit und meine Aufgaben zu Hause einigermaßen gut hingekriegt habe.Andererseits möchte ich so gern, dass es ihn gibt. Eine Welt ohne Gott ist schrecklich
Aber er wird sich mir nicht zeigen, nicht mit mir sprechen und schon garnicht meine kleinlichen Wünsche erfüllen.
Und trotzdem fühle ich geborgen.Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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11.12.2008, 12:50Inaktiver User
AW: Glaube für Anfänger
Gott - oder die universelle Kraft - oder die unendliche Liebe - viele Begriffe für die EINE Allmacht
... ist ÜBERALL ...du musst keine Angst haben!
Darf ich dir das Buch "das Masterkeysystem" oder auch die Bücher von Louise L. Hay empfehlen?
Wenn du willst, kannst du darin deine Ruhe und Harmonie finden...
Alles Liebe für dich!
Marina
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11.12.2008, 15:35Inaktiver User
AW: Glaube für Anfänger
Hallo Moonbeam,
ich gehöre leider nicht zu den Jubelchristen und kann dir auch nichts wirklich Tröstendes oder Erhellendes schreiben. Aber was du schreibst berührt mich, weil ich vor einigen Jahren -wie aus dem Nichts- eine so grauenerregende Angst vor dem Tod bekam, dass ich in Gott und im Glauben keinen Halt finden konnte. Ich empfand beten in dieser Zeit auch nur noch als lächerlich und armselig.
Ich wurde nicht religiös erzogen, hatte aber immer ein starkes Gefühl von göttlicher Geborgenheit. Bei allem Mist den ich erlebt habe, hatte ich auch immer das Gefühl Gott besonders Nahe zu sein, ganz ohne Kirche und Bibelstudium. Es war für mich eine sehr harte Zeit als dieses Gottvertrauen auf einmal wegbrach.
Zum ersten mal in meinem Leben hatte ich Angst vor meinem eigenen Tod und wollte Trost im Glauben finden und konnte nicht mehr. Die Geschichten in der Bibel gaben keinen Halt, sie machten mir nur mehr Angst. Ich hatte immerzu eine Stelle im Kopf "Henoch war nicht mehr, denn Gott nahm ihn weg" und ich dachte, wenn er dir jeden Moment einfach das Licht ausmachen kann, was soll das dann alles? Und wer weiß, was noch alles kommt, wie er einen vielleicht leiden lässt und einen nicht einfach nur "wegnimmt". Und dann sah ich auf einmal, wie er andere schon leiden und warten lässt. Ich konnte wirklich nichts anderes mehr denken, um mich herum schien alles nur noch zu vermodern, krank zu werden und zu sterben.
Es ist nicht viel besser geworden aber ein bisschen eben doch. Du schreibst, dass deine Schwester Schweres durchgemacht hat und dass du dir beim Beten lächerlich vorkamst. Ich habe das Gleiche bei einem schwer kranken Familienmitglied erlebt und es ist nicht zu kapieren, was Gott sich dabei denkt. Manchmal denke ich, er hat vielleicht eine andere Vorstellung von Leid.
Ich habe auch versucht über das Gemeinschaftsgefühl wieder religiös erleben zu können, ich wollte auch nur einfach wieder an Gott glauben. Aber die Kirchenbesuche erschienen mir aufgesetzt, der Gesang dort buckelig, die Predigt merkwürdig. Den anderen dort schien es gerade einfach nur toll zu gehen und nur darum schienen sie mir in ihrem Glauben gefestigt. Ich unterstellte ihnen, dass sie im Moment einfach nicht leiden und wer nicht leidet kann eben jubeln.
Dann habe ich einen Film gesehen, der meine Sicht doch nochmal verändert hat. In diesem Film -Adams Äpfel- ist Hiob ein wahnsinniger Pfarrer, der glaubt, weil es keine andere Möglichkeit gibt. Weil er wild entschlossen ist, dem Leben einen Sinn abzutrotzen. Irgendwas Positives ist von dem Film auf mich übergesprungen. Ich wünsche dir, dass du irgendwann irgendetwas davon empfinden kannst. Es lebt sich dann etwas besser.
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11.12.2008, 16:51Inaktiver User
AW: Glaube für Anfänger
Vielen Dank euch allen für eure Antworten, und die Buch- und Film-Empfehlungen!
Thjum, ich glaube genauso wie es dir "damals" ging, empfinde ich im Moment. Zu glauben, weil es keine andere Möglichkeit gibt bzw. weil die Alternative undenkbar ist... ein Versuch wäre es wert.
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11.12.2008, 16:55
AW: Glaube für Anfänger
ich denke, dass man Glauben sich nicht erarbeiten kann, dafür gibt es zuviele Zweifel.
Man kann Gott aber bitten, einem Glauben zu schenken. Solche Bitten werden in der Tat manchmal erhört.Geändert von Opelius (11.12.2008 um 17:03 Uhr)
Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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11.12.2008, 21:32Inaktiver User
AW: Glaube für Anfänger
Wie meinst du das, dass es dafür zuviele Zweifel gibt? Ich glaube auch nicht, dass man sich Glaube erarbeiten kann, aber vielleicht liegt in diesem Bemühen doch ein Sinn? Meinen das die Katholiken wenn sie von "bete und arbeite !"sprechen, im Sinne von "mach einfach immer weiter"? Vielleicht verlieren sich darin ja Zweifel. Und was man sich erarbeitet, spielt möglicherweise gar keine Rolle, hauptsache man ist emsig; der Glaube kommt dann vielleicht einfach.
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12.12.2008, 09:46
AW: Glaube für Anfänger
wer in diesem Forum seit Jahren die Diskussionen verfolgt, wollen viele Menschen einfach Gewißheit, dass es Gott gibt. Sie wollen Beweise. Und genau die gibt es nicht!
andere wie die Strangeröffnerin möchten, dass Gott Gerechtigkeit auf Welt herstellt, Krankheiten und Kriege, Unglücke und Katastrophen verhindert, oder ganz einfach mal wieder ein Wunder tut. Und genau das erleben die meisten Menschen nicht.
Andere wieder haben ein paar schlimme persönliche Erfahrungen gemacht mit Menschen, die sich als Christen outen. Die Ungerechtigkeiten und Unzulänglichkeiten innerhalb der Konfessionskirchen erlebt haben - und dieses dann Gott anlasten. Viele - insbesondere Menschen, die katholisch erzogen worden sind - halten eine Menge der Glaubensgrundsätze für mehr als zweifelhaft, weil es mit normalen Verstand kaum nachzuvollziehen ist. Evangelische Christen wiederum halten die Nüchternheit ihrer schmucklosen Kirchen für so was von fade und meinen, dass sie lieber ihren Gott in der Natur finden möchten. Das alles ist nur zu verständlich.
Aber wer sich aus seiner Gemeinde entfernt, ist selbstverständlich auch mit seinem Glauben allein. Das mag erst als Erleichterung angesehen werden, doch irgendwann fehlt einem das Vertraute und wenn man nach langen Jahren ausnahmsweise mal sich wieder in einen Gottesdienst verirrt, findet da kaum noch etwas Vertrautes, weder in den Gebeten, noch in der Predigt, noch in den Liedern, noch im Abendmahl. Und dann kann es sein, dass man sich im wahrsten Sinne des Wortes gottverlassen vorkommt.
Wer von uns spricht eigentlich noch ein kurzes Tischgebet und dankt dafür, dass er zu essen hat (was für uns sowas von selbstverständlich ist und für Milliarden von Menschen eben nicht). Wer von uns bedankt sich, wenn er mit seiner Hände und Verstand Arbeit seinen Unterhalt verdienen kann (was in unserem Land für Millionen nicht mehr selbstverständlich ist). Wer von uns bedankt sich, wenn er gesund ist. Viele beklagen lieber, dass eben andere Menschen schwer krank sind.
Ein bißchen Übung erleichtert mir zumindest schon den Glauben.Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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12.12.2008, 11:25Inaktiver User
AW: Glaube für Anfänger
Genau das tu ich auch. :( Ich KANN mich nicht dafür bedanken, dass wir alle gesund sind und zu essen haben und (bisher) nicht arbeitslos sind (kann aber noch kommen), wenn ich doch den Eindruck habe, dass dass alles einfach nur Zufall ist. Anderen, die womöglich bessere Menschen sind als ich, passieren schreckliche Dinge, wie kann also ICH dafür danken, dass es mir relativ gut geht? Verstehst du, was ich meine? Wenn ich mich dafür bedanke, gebe ich Gott dafür die "Verantwortung", dass es mir gut geht - aber warum bekommt dann das Nachbarkind Krebs? (Nur ein Besispiel.)
Ja, ich würde gern Beweise haben. Warum versetzt Glaube keine Berge, hat nicht Jesus sowas gesagt? Und ausnahmsweise mal in klaren Worten, nicht in doofen Gleichnissen? Ich war nie davon überzeugt, dass es KEINEN Gott gibt, auch dafür gibt es ja schließlich keine Beweise (scheint mir aber leider wahrscheinlicher), ich wollte vielmehr nichts mit ihm zu tun haben, da er, wenn es ihn gibt, meiner Meinung nach entweder ein Versager ist, oder gern mit Menschen"spielt". Eins von beiden. (Ich hoffe, niemand fühlt sich jetzt angegeriffen, aber so fühle ich nunmal. Ich würde ja liebend gern anders darüber denken!)
Deshalb habe ich ja diesen thread gestartet... ich möchte gern glauben, aber wie?
Vielleicht läuft doch alles nur auf diese Frage hinaus - warum lässt Gott soviele Ungerechtigkeiten zu. Um es kurz zu sagen - warum bekommt das Nachbarskind Krebs?? Ich glaube, dass das für viele die Kernfrage ist.
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12.12.2008, 11:38Inaktiver User
AW: Glaube für Anfänger
Hallo Moonbeam
da stellst du eine interessante Frage.
Wie kann ich an Gott glauben? Vor Allem, wenn du, so wie ich auch, vom Verstand her sicher bist, es gibt ihn nicht.
Es gibt ihn nicht - d.h. ich glaube nicht, das es ihn nicht gibt, ich weiß es gibt ihn nicht.
Wie sollte das gehen? Ein Wesen das unsere Welt erschaffen hat und die Tiere und uns gleich mit? Und auf anderen Planeten in anderen Sonnensystemen auch?
Jemand, der uns zwar beobachtet aber nicht eingreift? Oder nur mit einer Sintflut, wenn eh alles zu spät ist?
Und doch habe ich manchmal Zweifel - nur so ganz kleine. Ich bin Buddhistin, fühle mich dieser Weltanschauung sehr nahe - aber dann, an manchen Tagen denke ich, was wenn es ihn doch gibt?
Ist zweifeln denn schon ein Zeichen von Glaube?


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