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Thema: Glaube für Anfänger
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12.12.2008, 11:40Inaktiver User
AW: Glaube für Anfänger
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12.12.2008, 11:46
AW: Glaube für Anfänger
Gäbe es Beweise für die Existenz Gottes, würde es sich um eine Wissenschaft handeln und nicht um Glauben. Diejenigen, die von sich behaupten, sie hätten eine Gotteserfahrung gehabt, glauben wir wiederum nicht, weil wir diese Erfahrung nicht gemacht haben. Wir halten nur das für einen Beweis, wenn wir das Experiment selbst gemacht und erlebt haben.
Ich weiß, das und andere Beispiele sind für die meisten von uns die Knackpunkte. Aber ich kann nirgendwo in der Bibel ein Versprechen Gottes finden, dass es den Menschen gut gehen wird, wenn sie glauben und die Gebote erfüllen.
Wir alle, soweit wir eine christliche Erziehung genossen haben, wünschen uns einen lieben Gott, der für Gerechtigkeit und Gesundheit sorgt. Genau das tut Gott nicht - und ich muss nicht auf Hiob verweisen, das Paradebeispiel für einen Menschen, dem alles erdenklich Schlechte und Grausame passierte, und der dennoch auf Gott vertraute und fast daran verzweifelt wäre.
Ich hoffe, dass das kein doofes Beispiel ist.
Wenn darauf eine vernünftige Antwort wüßte, wäre ich wahrscheinlch erfolgreicher Prediger im Bibel-TV.
Ich denke, Du kannst Dich nur darum bemühen zu glauben und Gott darum bitten, ihn Dir zu geben.Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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12.12.2008, 11:49Inaktiver User
AW: Glaube für Anfänger
tja Milutka, wenn ich das wüßte.
In meinem Umfeld sind zum Beispiel meine Schwiegereltern, gläubige Katholiken, Kirchgänger - wenn wir dort essen, gibt es ein Tischgebet. Beide machen auf mich einen zufriedenen Eindruck, also innerlich meine ich.
Ich kenne auch Zeugen Jehovas - was auch immer man von dieser Sekte denken mag - diese Menschen machen auf mich auch diesen Eindruck von innerer Zufriedenheit - sowas wie "angekommen sein" keine Ahnung wie ich das ausdrucken soll.
Und dann sehe ich mich, ich überlege, ich zweifel, dann bin ich wieder sicher, es gibt keinen Gott, dann wieder nicht.
Vielleicht ist es die Sehnsucht danach, zu wissen - in welcher Richtung auch immer?
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12.12.2008, 18:04Inaktiver User
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12.12.2008, 19:40
AW: Glaube für Anfänger
Hallo moonbeam,
mir haben die Bücher von Hans Küng ("Christ sein" und "Credo") sehr gut gefallen, und ich habe darin sehr viel gefunden, was mir geholfen hat, meinen Glauben besser zu verstehen.
Ich habe z.B. begriffen, dass Glaube zunächst mal eine Entscheidung ist, also etwas durchaus Rationales. Aber es ist eben auch eine Entscheidung, sich vertrauend auf jemanden einzulassen, ohne Beweise. Das ist dann auch eine Herzensangelegenheit.
Man kann versuchen, einem anderen mehr oder weniger überzeugende Gründe zu nennen, warum man selbst glaubt. Aber letztlich ist das alles allenfalls eine Entsccheidungshilfe. Den letzten Schritt muss jeder ganz allein tun.
Manchmal geh ich da auch ganz pragmatisch ran und sage mir. selbst wenn ich Unrecht habe und es Gott nicht gibt und mit dem Tod alles zu Ende ist, kann es mir im Grunde egal sein. Ich werde es schlicht und einfachn nicht mehr erfahren. Aber im Leben hat mir mein Glaube viel Halt und Orientierung gegeben, und allein das war es wert.
Weißt Du, diese ganzen Theodizee-Fragen interessieren mich im Grunde gar nicht. Das ist mir persönlich viel zu akademisch. Und für lösbar halte ich diese Frage auch nicht, nicht in dem Sinne, dass sie ein für alle Mal und für alle Menschen gleichermaßen befriedigend beanwortet werden könnte. Ab und an finde ich für mich mal einen Splitter, der mich überzeugt. Aber ich weiß genau, dass das eine ganz persönliche Sache ist, und dieser Splitter von einem echten Skeptiker locker in der Luft zerfetzt würde.
Aus meiner bisherigen Lebenserfahrung vertraue ich darauf, dass die Dinge, die mir in meinem Leben widerfahren, am Ende gut und richtig für mich sind, auch wenn ich das nicht immer sofort einsehe. Und das reicht mir einigermaßen, um mich auch über dunkle Stunden zu retten. Und mehr muss ich gar nicht wissen. Die großen Fragen der Menschheit muss nicht lösen, ich will nur wissen, wie ich hier und heute leben kann, ohne am Leben zu verzweifeln.
Gut, ich habe vielleicht das Glück, dass ich immer geglaubt habe. Ich bin da so reingewachsen, und als mir irgendwann klar wurde, dass ich frei bin, eine Entscheidung zu treffen(so ungefähr mit elf Jahren), da habe ich mir für den Glauben entschieden. Und danach gab es immer genug Bestätigung, um bei dieser Entscheidung zu bleiben. Trotzdem gab es auch Phasen, wo ich mich sehr intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt habe,weil ich verstehen wollte, was dahinter steckt. Aber aus all der Theoretisiererei bin ich immer wieder in die Praxis zuruckgekommen und wusste, für mich taugt nur ein Glaube, der sich in meinem kleinen Alltagsleben praktisch bewährt, der mir hilft, mit schwierigen Situationen besser klar zu kommen, der mich nicht vor allem Leid, aber in alle Leid bewahrt (auch so ein Satz von Hans Küng, der mich sehr geprägt hat).
Und ich finde die Einladung, darauf zu vertrauen, dass da jemand viel Größeres ist, dass das alles einen Sinn hat, egal wie es ausgeht, ungeheuer schön. Vertrauen ist in meinen Augen eines der ganz großen Abenteuer im Leben, auf die man sich einlassen kann.
In diesem Sinne möchte ich Dir einfach nur zurufen: trau Dich!!
Viele Grüße,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
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13.12.2008, 11:30Inaktiver User
AW: Glaube für Anfänger
Gesehen hat Gott noch keiner, von demher würde ich sagen, dass die meisten bisweilen mehr oder minder starke Zweifel in sich tragen, egal welcher Religion oder Konfession sie angehören.
Die Vorstellung, dass Gott im Rauschbart im Himmel sitzt und uns nur Wohltaten zukommen lässt, die finde ich sehr kindlich. Inzwischen sind wir Erwachsene, die ein eigenes Leben haben und das auch gestalten können.
Glaube hat für mich etwas mit Zuversicht und Vertrauen zu tun. Und macht sich nicht fest an irgendwelchen "Offiziellen", Pfarrern oder Bischöfen zum Beispiel, die sich tatsächlich oder vermeintlich etwas zuschulden kommen lassen.
Glauben heisst, sich einlassen auf Gott. Es ist ähnlich wie mit der Liebe: wer auschliesslich mit Vorbehalten rangeht, der wird scheitern.
Nicht umsonst gibt es das Wort "Gottvertrauen".
Es ist schwer, Glauben "alleine" zu leben. Glaube hat etwas mit Gemeinschaft zu tun, mit dem Austausch. Auch und grade über Zweifel. Gemeinsam sind wir stark: in der Gemeinschaft von Familie, Freunden, Bekannten, lassen aich auch Schicksalschläge besser verkraften.
Gruss, ElliGeändert von Inaktiver User (13.12.2008 um 11:40 Uhr)
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14.12.2008, 12:36Inaktiver User
AW: Glaube für Anfänger
Malina, "Glaube als Entscheidung", damit kann ich was anfangen, und das möchte ich auch probieren. Weiss allerdings nmoch nicht wie ich mit den Spötteleien aus meinem Umfeld umgehe! Ich war heute mit meinem Sohn (Konfirmand) in der Kirche und es stimmt schon, ohne Gemeinschaft geht es wohl nicht. Und eigentlich finde ich das ja auch schön.
Allerdings hiess es im Wochenspruch Gott sei "gnädig und grerecht" (was ich nicht sehe), und in der Predigt ging es um die "Neue Welt", in der wir nach der Wiederkehr Christi leben sollen. Ich glaube nicht, dass ich jemals solche konkreten kirchlichen Glaubenssätze annehmen kann (wie die Wiederkunft Christi, den Jüngsten Tag etc.).
Nochmal danke an alle für den Austausch!
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14.12.2008, 14:04
AW: Glaube für Anfänger
@ moonbeam66
ich denke, dass es für einen Christen nicht besonders wichtig ist, dass er alle Dogmen seiner Konfession als "gottgegeben" glaubt und das nicht hinterfragt. Besonders schwierig scheint mir das für Katholiken zu sein, denn die Dogmenfülle ihrer Konfession ist ja nahezu erdrückend.
Ich frage mich eher bei mir unverständlichen Aussagen, ist das tatsächlich für mein Leben wichtig und richtig, just daran zu glauben?
Nein, ist es nicht! Nur die Aussage der göttlichen Gnade ist mir (im Moment) wichtig. Denn eines glaube ich tatsächlich, dass wir eines Tages, entweder nach unserem individuellen Tod oder eines Jüngsten Tages, Rechenschaft über unser Leben ablegen müssen. Das ist, wenn ich es richtig verstanden habe, ein Aspekt, den das Christentum aus der hellenistischen Mythologie übernommen hat. Der Mensch wird sich vor den Göttern verantworten müssen.
Inzwischen bin ich alt genug, um mein Leben nachträglich beobachten zu können, und da fallen mir ein Haufen Dinge ein, auf die ich zumindest nicht stolz bin.
Vergleiche ich das mit meinen Reaktionen auf Urteile unserer normalen Justiz, so fällt mir auf, dass ich mich am meisten aufrege, wenn das Urteil über einen Delinquenten nicht meinem subjektiven Laienverständnis entspricht. Würde ich eines Tages selbst über mein Leben ein Urteil finden müssen, so wäre es vermutlich vernichtend. Also hoffe ich, dass ich eines Tages auf einen gnädigen Gott und Richter treffe.Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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14.12.2008, 14:18Inaktiver User
AW: Glaube für Anfänger
Moonbeam,
meinst Du die Spötteleien derjenigen, die nicht an Gott glauben? Die statt dessen naiv und unkritisch an die Wissenschaft glauben? Mache Dir einfach klar, wie eindimensional es ist, ohne kritisches "Hinterfragen" an von Menschen gemachte wissenschaftliche Theorien zu glauben (nichts von dem, was die Wissenschaft bisher über den Ursprung und die Entwicklung unserer Welt herausgefunden hat, ist bewiesen. Auch viele der angeblichen "Tatsachen" der Evolution sind bisher noch hochspekulative Theoriegebäude).
Wer Dich also auslacht, weil er glaubt, mit der menschlichen Wissenschaft die besseren Karten in der Hand zu haben, ist leichtgläubiger als er denkt
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Und Menschen, die beides kritisch betrachten oder beides wohlwollend, die lachen nicht, die verstehen Dein Problem ohne groß überlegen zu müssen.
LG und viel Glück auf Deinem Weg, OrlandoGeändert von Inaktiver User (14.12.2008 um 19:26 Uhr)
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14.12.2008, 18:59
AW: Glaube für Anfänger
Hallo Moonbeam,
also ich für meinen Teil brauche die Gemeinschaft anderer Christen nicht so sehr für meinen Glauben. Ich bin was das angeht, so ein überzeugter Quartalschrist, der sich wenn dann am ehesten an den hohen Feiertagen in der Kirche sehen lässt. Und das ist für mich auch ganz okay so. Ich kann mit den Ritualen, mit denen ich ja groß geworden bin, schon irgendwie was anfangen, aber ich brauche das nicht ständig.
Zum Thema gnädig und gerecht hat Opelius ja schon einige schöne Worte geschrieben. In erster Linie schließen sich die beiden Begriffe ja im Grunde aus. Man kann eigentlich nicht gnädig und gerecht sein, weil Gnade nach unserem Verständnis immer irgendwie ungerecht ist (so wie in dem Gleichnis mit dem verlorenen Sohn). Aber ich glaube, mir ist ein gnädige Gott lieber als ein gerechter, auch wenn ich miterleben müsste, dass wie der gute Sohn in dem Gleichnis, wie ein anderer mir ungerechterweise vorgezogen würde. Denn dadurch habe ich immerhin die Hoffnung, dass auch mir Gnade widerfährt, wenn ich es mal nötig habe (und wer könnte von sich behaupten, es nie nötig zu haben).
Was die Spötteleien angeht, glaube ich gar nicht, dass die so schlimm wäre. Und wenn schon - meist steckt eh nur Unsicherheit dahinter. Man muss mit seinem Glauben ja nicht hausieren gehen. Ich kenne etliche Christen, die da überhaupt kein Gewese drum machen. Sie leben einfach unauffällig vor sich hin.
Als ein Kollege von mir erzählte, dass er in letzter Zeit immer einmal die Woche später zur Arbeit kommt, weil er da zur Frühmesse geht, hatte ich den Eindruck, dass die Kollegen sogar eher beeindruckt waren, als dass sie darüber gespottet hätten.
Viele Grüße,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)



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