Jungholz, Zugspitze und Wetterprognose.
Hat das etwas miteinander zu tun ? Sie werden es erfahren .
Juli 1991 - unser erster Urlaub im " Westen " .
Wir sind in Jungholz. Jungholz ist ein kleiner Ort in Österreich - umgeben von Deutschland - also eine Exklave.
Ein winziges Stück Tirol.
Wir wohnen in einem herrlichen Haus in über 1000 m Höhe bei
Herrn und Frau Eggel .
Unser Zimmer ist nur 1,80 m hoch und mein Mann 1,79 m !!( Preis : 16,50 DM je Person mitFrühstück !!!! ).
Vor dem Haus rauscht ein kleiner, sehr hübscher aber unbedeutender Bach um Steine herum,
der besonders in der Stille der Nacht deutlich hörbar murmelt.
Diese nächtliche " Unterhaltung " wirkt wie ein Schlafmittel, alle Schlafstörungen sind wie weggeblasen.
Am 28. Juli 1991 regnet es nach einem heftigen Gewitter, der Bach wird zu einem reißenden Strom. Für uns ein sagenhafter Anblick.
Plötzlich sagt Herr Eggel : " Also Frankes, der morgige Tag wird sonnig und klar ihr müßt auf die Zugspitze die Sicht wird herrlich sein."
Zur gleichen Zeit spricht der Wetterbericht von trüben Aussichten.
Wir entschließen uns, auf den Einheimischen zu hören und nicht auf die Diplommeteorologen.
Also fahren wir am 29. Juli nach Ehrwald ( Österreich ) und von dort mit der Seilbahn direkt auf die Zugspitze.
Damit überwinden wir einen Höhenunterschied von 1700 m.(übrigens der Preis für die Hin- und Rückfahrt beträgt 46,- DM je Person das war 1991!)
Als wir aussteigen, verschlägt es uns den Atem. Erst seit 3 Tagen im Hochgebirge und dann das !
Wir wollen etwas sagen, kriegen aber keinen Ton heraus. Hunderte Formen, Farben und Gerüche prasseln auf uns nieder.
Es ist kalt( 0°C) aber wir frieren nicht.
Wolken und Berge bis 100 km Entfernung sind sichtbar. Ein Sportflugzeug fliegt "unter" uns.
Sonne und Schatten wechseln sich unregelmäßig ab und verändern in Sekundenschnelle das Bild.
Unsere Augen sind feucht.Ein wohliges Rieseln durchströmt unseren Körper.
Wir hören, dass eine solche Sicht im Juli sehr selten ist und wir haben es erlebt.
Die vielen Menschen um uns herum nehmen wir nicht wahr.
Nach diesem Erlebnis fällt uns ein, dass Urlaubspostkarten von unseren Verwandten, die hier schon immer Urlaub machen konnten,
von uns als kitschig ( azurblauer Himmel und Sonnenschein )abgestempelt wurden.
Das Original war viel " kitschiger ".
Erst unten angekommen wird uns klar, was wir erlebt haben.
Ein großes Lob für Herrn Eggel, der uns diesen Tipp gab- und wir waren so skeptisch.
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 36
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27.02.2014, 16:34
Reiseerlebnisse - Erinnerungen
Geändert von frankeguben (27.02.2014 um 16:43 Uhr) Grund: Ergänzung
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06.03.2014, 12:37
AW: Reiseerlebnisse - Erinnerungen
Danke an die vielen User, die unser Reiseerlebnis gelesen haben!

Schade nur, dass es keine weiteren interessanten Erlebnisse oder lustige Einnerungen gibt.
Ich hätte da noch welche, weil es uns Spaß macht, nach so manchem Urlaub schnell mal was niederzuschreiben. Manchmal auch als Gedicht.
Wünsche Allen schöne Urlaubsvorbereitungen und eine (oder mehrere) besondere Urlaubsreise.
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29.05.2014, 16:27
AW: Reiseerlebnisse - Erinnerungen
Hier ist eines, auch wenn ich es eigentlich nicht so toll finde. Gerade zum Flughafen in Marseille mit einer Gruppe Kollegen gefahren, an dem Automaten Boardingkarten ausgedruckt, Gepaeck aufgegeben und noch etwas ueber 2 Stunden in der Lounge entspannt und gegessen. Flug nach MUC hatte Verspaetung, aber gut. Das Einsteigen wurde superschnell durchgefuehrt und am Gate stellte ich mit Schreck fest dass ich zwar den Boardingpass von MUC bis Wien und eine Karte mit der kompletten Fluguebersicht bei mir hatte, aber keine Boardingkarte fuer diesen Flug
Schnell vorgedraengelt und am Schalter gesagt dass die Karte verschwunden ist. Die Damen dort schicken mich zurueck zur Taschenkontrolle fuer einen neuen Ausdruck der unbedingt noetig sei, aber die koennen mir auch nicht helfen. Die einzigen bemannten Schalter in der Halle sind von Air France und Air Korsica oder so, die mir ebenfalls keine neue Boardingkarte ausdrucken koennen. Der Lufthansa-Schalter war in einer anderen Ecke vom Lufthafen, rund 15 Minuten weit weg.
Zurueck zur Taschenkontrolle und halb in Panik gefragt was fuer eine Loesung es noch gaebe. Eine nette Mitarbeiterin nimmt sich dem Problem an und kurze Zeit spaeter reicht sie mir eine handgeschriebene Boardingkarte.
Also wieder Computer aus dem Rucksack, Guertel aus der Hose und alles wieder scannen. Oh toll! Ich piepe!
Also zurueck, Schuhe aus (das war vorher kein Problem) und die separat scannen. Ich piepe nicht mehr
Aber mein Rucksack piept jetzt!
Ach ja, die Flasche Rose die ich aus der Lounge fuer heute Abend mitgenommen hatte!
Alles schnell wieder eingepackt und in Socken und mit Guertel in der Hand zum Flieger quer durchs Terminal gerannt. Unterwegs wuenschte mir noch die nette Sicherheitsmitarbeiterin viel Glueck und schnelle Beine, und auch am Gate wurde ich aufgefordert schneller in den Flieger zu sprinten. Durchgeschwitzt und mit Guertel und Schuhen in der Hand dann schnell ins Flugzeug!
das danach sofort wegrollte.
Jetzt warte ich in Muc auf meinen Weiterflug, und um ehrlich zu sein, ich bin froh dass ich nicht den zuerst von der Sekretaerin vorgeschlagenen Weiterflug genommen habe denn den haette ich ganz sicher verpasst!
Ich habe uebrigens keine Ahnung wohin die Boardingkarte verschwunden ist. Meinen Rucksack hatte ich am Flughafen abgesehen von der Taschenkontrolle nicht ausgepackt, was anderes ist aber auch nicht aus dem Rucksack verschwunden
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29.05.2014, 18:18
AW: Reiseerlebnisse - Erinnerungen
"Tolles Erlebnis".

Schön, dass du dich an dem Strang mit deiner Geschichte beteiligst.
Das könnte ja fast ein Drehbuch sein. Da kann ich mir gut vorstellen, was in dir vorgegangen ist.
So eine Situation vergißt man nicht.
Schade, dass keine weiteren Beiträge hier erscheinen. Haben die vielen User keine Erinnerungen/Erlebnisse bei Reisen/Urlauben oder trauen sie sich nicht, die mal aufzuschreiben.
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31.05.2014, 00:36
AW: Reiseerlebnisse - Erinnerungen
1991, Schweden. Wir haben vor, ein paar Tage in Halland zu wandern, mit Zelt, der Weg ist markiert und die Gegend nicht wild: kann ja nicht viel schiefgehen, oder?
Tja. Wir haben eine Karte. Auf der sind kleine Elche zwischen kleinen Bäumen, kleine Leute in kleinen Badeseen, kleine Gebäude an den Ortsnamen, und die dicken, bunten Bänder der Wanderwege. Meine Freundin kann keine Karten lesen und hat keinen Orientierungsinn (was ich nicht weiß) und sagt, "du machst das schon". Ich kann nicht zugeben, daß ich etwas nicht kann, wenn jemand Vertrauen in meine Fähigkeiten ausdrückt (was sie nicht weiß) und sage "ja".
Ich habe einen Plan: Der Weg, den wir wollen, führt über eine Brücke. Die liegt am Ausgang eines Dorfes. Wenn man das Dorf oder den Fluß findet, sollte man die Brücke finden, und kann so auf den Weg kommen. Was soll ich sagen, es klappt. Dauert nur einen ganzen Tag, den wir auf Landstraßen und entlang von Bahndämmen umherirren. Am Abend sind wir eigentlich recht zufrieden.
Am nächsten Tag nieselt es, und die Wegmarkierung, stellt sich heraus, ist von der gleichen Farbe wie die bevorzugte Farbe für Lattenzäune. Während wir noch suchen, nimmt der Regen zu. Graue Wolken rollen über die Hügel. Dann stahlblaue. Es schüttet wie aus Kannen, dann wie aus Eimern, dann wie aus Badewannen. Das Wasser läuft die Landstraße runter wie ein Bergbach. Und dann beginnt es zu hageln. Wir sind noch nicht mal aus dem Dorf raus, suchen Schutz unter einer Linde am Straßenrand und fühlen uns hundsmiserabel. Das Zelt. Die Sachen. Die Schuhe. Wir. Alles naß. Und wir mitten im weißnichtwo mit einer Karte mit kleinen Bildchen drauf.
Auf einmal hören wir einen Ruf hinter uns. Wir drehen uns um, und eine alte Frau mit einem riesigen Regenschirm kommt aus dem roten Holzhaus, an dessen Hofausfahrt die Linde steht, gerannt, und winkt uns, kommt rein, kommt rein, bei dem Wetter läßt man ja keinen Hund im Regen stehen!
Wir haben den Tag bei ihr am Kaffeetisch verbracht und uns in einer abenteuerlichen Mischung aus Schwedisch, Englisch, Deutsch, und auf einen Notizblock gezeichneten Comics ausgetauscht, die Nacht im Gartenhaus geschlafen, während draußen der Regen rauschte, und am nächsten Tag hat sie uns zum Bahnhof gebracht, wo wir den Zug in die nächste idyllische Kleinstadt genommen haben, in der es eine Jugendherberge gab. Vom Zelten hatten wir erst mal genug!
***
Und eine ganz kurze. Mein erster Flug. Das Flugzeug beschleunigt, hebt ab, yippie, nur Fliegen ist schöner! Frankfurt liegt unter der rechten Flügelspitze, Wolken sausen vorbei, es rüttelt und dann schweben wir in endlosem Blau. Ist das schön! Aber dann will die Stewardess, daß wir die Fensterklappen schließen, und ich erinnere mich: Ich bin klaustrophobisch. Es ist dunkel und eng und voller Leute und ich kriege keine Luft!
Nun bin ich nicht erst seit gestern klaustrophobisch, und habe Methoden, damit umzugehen.
Also, Wusel. Augen zu. An Blau denken. Weite. Du bist in einem Flugzeug. Über dir ist Himmel. Überall um dich rum ist Himmel. Sogar unter dir ist Himmel. Alles ist blau und weit. Es gibt überhaupt keinen Grund zu Panik.
Autsch! Meine Sitznachbarin hat mich in die Rippen geboxt. Ich bin in einer finsteren Schuhschachtel voller fremder Leute. "Was ist?" frage ich gereizt. Sie zischt, "Mußtest du das unbedingt *laut* sagen??"
** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **
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06.06.2014, 10:04
AW: Reiseerlebnisse - Erinnerungen
In den 2000er Jahren, West-Australien, Exmouth. Kleines Kaff mit 2.000 Einwohnern.
Wir rollen Abends mit dem Wohnmobil auf den Campingplatz, bauen alles auf. Dann runter zum Strand, an den Indischen Ozean. Zum ersten mal im Leben sehe ich die Milchstraße. Kein Licht-Smog, es ist um uns komplett dunkel.
Auf dem Meer ziehen Buckelwale vorbei. Das ist der Grund, warum wir hier sind. Wir haben für den nächsten Tag eine Whale-watching-Tour geplant.
Frühmorgens sind wir am Bootsanleger. Ein Glass-bottom-boat fährt uns - ca. 20 Touristen - zunächst über das Ningaloo-Reef, Korallen und Fische anschauen. Mit uns an Bord ca. 18 Japaner/-innen. Von 9 bekommt man das Gesicht nicht zu sehen, denen ist die Kamera im Gesicht festgetackert... *klick,klick,klick...*
Den anderen 9 steht der Mund niemals still... *schnatter,schnatter,schnatter...*
Es ist schon ein bisschen lästig...
Dann weiter raus. Wale finden. Scheint ganz leicht zu sein. Nur 20 m neben dem Boot taucht ein Buckelwalrücken auf. Daneben noch einer, kleiner. Der Guide erklärt, es würde sich um eine Walkuh mit ihrem Kalb handeln. *klick,klick,klick,schnatter,schnatter,schnatter* Das Kalb sei offensichtlich sehr neugierig auf das Boot und wolle "uns" mal genauer betrachten, die Kuh wäre aber vorsichtiger und würde darauf achten, immer zwischen Boot und Kalb zu sein, und würde es vom Boot wegdrängen.
Der Guide lässt vorsichtshalber ab von den beiden.
In weiter Entfernung (ca. 500 Meter) beginnen die Buckelwale jetzt zu springen. Ein grandioser Anblick, sogar auf diese Entfernung. *klick,klick,klick,schnatter,schnatter,schnatter*
Plötzlich springt in nur 30 Meter Entfernung vom Boot ein großer Buckelwal aus dem Wasser. Er scheint sekundenlang in der Luft zu verharren, dann klatscht er lautstark spritzend ins Wasser zurück.
*STILLE*
Niemand im Boot hat ein Foto gemacht. Niemand spricht. Jeder ist ergriffen von diesem grandiosen Moment.
Es herrschen absolute Ruhe und Schweigen, bis das Boot wieder am Kai anlegt.
Einer der ergeifendsten Momente meines Lebens.Frauen sind nicht kompliziert. Sie wollen einfach nur geliebt werden.
Und tolle Überraschungen. Und Schuhe. Und Schmuck.
Und andere Dinge, die man erraten muss.
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06.06.2014, 19:49Inaktiver User
AW: Reiseerlebnisse - Erinnerungen
@fender..ach da werd ich ein bißchen neidisch,wenn ich das lese...
mir fällt so ganz spontan eine anekdote ein,die so um 1988 spielte,...ich war ganz frisch an meinem arbeitsplatz auf bali eingetroffen und wurde die tage danach mit meinem chef zu einer dinnerparty eingeladen.
es war total schön und mir fiel ein paar dort auf ,die nur augen für einander hatten und rasend ineinander verliebt waren und ich sagte zur gastgeberin:
"wahnsinn wie ähnlich dieser mann roman polanski ist!" ...diese lächelte und sagte :"das ist roman polanski."
er wurde mir im laufe des abends auch vorgestellt ,hatte aber nur augen für seine emanuelle, mit der er bis heute verheiratet ist.die beiden waren ganz frisch verliebt damals und immer ,wenn ich sie heute in einem magazin sehe,dann freue ich mich ,dass sie sich ihre liebe bewahren konnten...
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06.06.2014, 22:21
AW: Reiseerlebnisse - Erinnerungen
Kuba. Rundreise.
Trinidad. 30.12. will ich mit dem Bus nach Camagüey. Ausgebucht. Man setzt mich auf eine Warteliste, wohlgemerkt auf die von heute sowie auf die vom nächsten Tag, wo der Bus aber auch bereits ausgebucht ist. Dieser Bus fährt 1 x täglich.... Oder wenn ausgebucht, eben nicht, nur für andere....
Meine weiteren Hotels auf Kuba sind aber vorgebucht, bezahlt, es wäre unbedingt von Vorteil, von A nach B zu kommen....
In Trinidad habe ich in einem Privatquatier gewohnt. Ich spreche kein Wort spanisch, die Vermieterin umso mehr. Ich verständige mich mit dem segensreichen Buch 'OhneWörterBuch'. Es ist der Abend vor der Abreise.
Die Wirtin begleitet mich am nächsten Morgen zum "ZOB". Sie hat für meinen Koffer sogar jemanden engagiert, der mit seinem Holzkarren den Koffer zur Busstation karrt. Eine Riesenerleichterung, die Rollen des Koffers sind auf kubanischem Kopfsteinpflaster auch nicht wirklich vorteilhaft.
Sie kommt mit in dieses "Büro", ein kahler Raum mit einem Angestellten in Uniform, der über einem Stapel handgeschriebener Listen brütet. Ich stehe immer auch auf Platz 12 der Warteliste.
Keine Ahnung, wie meine Wirtin es geschafft hat, sie macht mir Zeichen, sie bräuchte Geld. CUC ist die Währung der Touristen auf Kuba. Kann man nennen, wie man will: Kuck, schon sind sie weg, oder Cookies, wie nett....
Diesmal heißt die kubanische Lösung für mich: Cookies, super nett, wenn auch kuck, sie sind weg....
Der staatliche Preis nach Camagüey wären 18 Cookies gewesen, aber die nette Bestechung, oder was auch immer da ablief, machte einen Aufschlag. Mit 30 CUC's (ca. 30 € ) war ich dabei. Glücklichst. Ich wurde in die Fahrgästeliste eingetragen und irgendein armes Schwein wurde wahrscheinlich gestrichen, but - I was on the road..
Eine herzliche Umarmung für die Vermieterin und weg war ich. Stunden später Eintreffen in Camagüey. Gran Hotel. Außen hui, innen pfui. Einzelzimmer ohne Fenster, auf dem Klo kein Papier, Schimmel. Na gut, eine Nacht.
Die Stadt ist entzückend, mit einem Fahrradtaxi lasse ich mir die Stadt zeigen. Sie ist für ihre Gassen bekannt, hier sollten früher Piraten in die Irre geführt werden. Doch, das Gewirr ist in der Tat riesig. Abends unter lauschigem Himmel Livemusik an jeder Ecke....
Die Weiterfahrt war organisiert. Ich hatte ein Ticket für den Bus von Camagüey nach Santiago de Cuba. Abfahrt 16 Uhr vom Hotel Camagüey, das lag außerhalb der Stadt in der Pampa. Ich nahm ein Taxi dahin, war um 15 Uhr dort.
Ein Plattenbau, wie er in der früheren DDR nicht schöner hätte sein können. Es gab so etwas wie eine offene Eingangshalle mit Sesseln, ich fläzte mich nieder. Vertiefte mich in mein Buch von Jojo Moyes - Eine Hand voll Worte.
16 Uhr. Kein blauer Bus. Nun ja, Kuba eben (spricht man für die Touristen schon mal einheitlich Cjuba). Verspätungen sind da eigentlich an der Tagesordnung.
Die Rezeption war mit 2 Männern besetzt. Ich hatte irgendwie an dem Tag eine Konfirmandenblase, mußte dauernd mal wo hin, die Kubaner warfen einen Blick auf mein Gepäck, das war schon mal gut.
17:30. Der 31. Dezember. Mein Geburtstag. Ich bin 60 geworden. Hatte mir vorgestellt, um Mitternacht in Santiage de Cuba ins neue Jahr hineinzufeiern. Und die Fahrt sollte über 6 Stunden gehen. Das würde knapp werden....
18:30. Jetzt war mir aber echt mulmig. Wo blieb der Bus? Ein Taxi nach Santiago über diese Distanz von fast 400 km war auch mit Cookies nicht wirklich machbar, das würde mich ruinieren - und ob ein kubanisches Taxi auf Hunderte von Kilometern vorbereitet war, war gedanklich schon mit zig Fragezeichen versehen....
Ein älterer Mann schlenderte vorbei. Wie alle Kubaner, ließ er die obligatorische Frage los, where are you from? Ein Strahlen ging über sein Gesicht, als ich sagte, Germany. Er begann gebrochen Deutsch zu reden. LPG bei Eisenach, lange her. Wohin wollen?
Santiago. Bus zu spät.
Vielleicht noch kommen. Auf Kuba dauert. Normal.
20:30 Kein Bus. Ich hatte die Hoffnung auch aufgegeben, dass noch etwas passieren würde. Ich würde einchecken müssen, um hier in der Pampa vor Camgüey zu übernachten.
Und was dann?
Der Bus nach Santiago war ein Überlandbus für Touristen, der von Trinidad kommen würde, und da hatte ich schon für den 30. und den 31. auf der Warteliste gestanden, das würde am 1. 1. wohl auch nicht anders sein, als das der Bus voll wäre.
Der Kubaner, der deutsch sprach, schlenderte noch einmal vorbei. Nix Bus? Mit Tränen in den Augen sagte ich, ich komme wohl nicht weiter.
Ich checkte ein für 35 CUC's.
Das Zimmer in diesem Plattenbau entpuppte sich als größer und schöner als im Gran Hotel. Großes Bad mit Dusche, alles sehr einfach - aber sehr sauber. Mir klebten die Klamotten am Körper nach der stundenlangen Warterei in der Sonne.
Heulend stand ich unter der Dusche. Ich hatte feddisch mit der Welt. Einsam und allein in der Pampa irgendwo hinter Camagüey, an meinem 60. Geburtstag... In meinem Koffer einen roten Silvesterslip, der nach italienischem Brauch irgendwie im nächsten Jahr einen Mann anlocken sollte....
Das Telefon klingelte. Hä? Konnte nur ein Irrtum sein. Hörte auf, fing wieder an zu läuten. Ich schlidderte barfuß mit nassen Füßen Richtung Telefon.
Frau, wenn wollen nach Santiago, können fahren morgen früh, werden abgeholt um 7 Uhr zu Bus von Busbahnhof in Camagüey, nicht mit Turistbus, voll. Aber mit normale Bus von Kubaner. Wenn wollen, 20 CUC. Frau wollen?
Ich schluchzte ins Telefon. Ja, ich will....
Jetzt heulte ich vor Freude. Das war mein bestes je erhaltenes Geburtstagsgeschenk überhaupt....
Danach ging ich in die Bar. 2 Männer dort, höchst gelangweilt. Ich brauchte einen Drink. Hatte überhaupt noch nicht auf meinen Geburtstag angestoßen und auf das unverhoffte Glück erst recht nicht...
Ich musterte die Flaschen. Reell erschien mir eine Flasche Pernod. Die war leider leer. Daneben eine Flasche Ricard. Auch gut. Ich bestellte einen Doppelten. Bekam ich im Pappbecher zum Mitnehmen aufs Zimmer.
Mitternacht. Der Rutsch ins neue Jahr unter einem prächtigen Sternenhimmel. Es wehte ein laues Lüftchen. Hatte ich auch noch nie, die kalte Heimat war sooo fern....
Ich stand auf dem Balkon, im frischen Shirt und in meinem roten Höschen, immer noch am Ricard nippend. Glücklich.
3 einsame Raketen erleuchteten in der Ferne mal kurz Camagüey. Gegenüber vom Hotel war ein Dorf. Höllenlärm. Alles, was an Mopeds vorhanden war, knatterte. Menschen begannen zu Gitarrenklängen zu singen, fröhliches Gelächter schallte herüber. Eine Stunde lang, dann war schlagartig Ruhe.
Am 1. 1. wurde ich Punkt 7 abgeholt, zum Busbahnhof gebracht, wo ich schon auf der Liste nach Santiago stand. Es war ein normaler Überlandbus, ich wurde sehr zuvorkommend behandelt.
Meinem Retter war mir nicht mehr begegnet, dem hätte ich noch sehr gerne gedankt. An der Rezeption hatte ich ein großzügiges Trinkgeld hinterlassen, ob das wohl bei im angekommen ist - na, ich hoffe einfach mal das Beste...
Nach 8 Stunden Fahrt kam ich nach Santiago. Raul Castro hielt dort eine Rede zum 55. Jahrestag der Revolution, die Stadt war abgesperrt. Keine Chance, den Stadtkern zu erreichen. Ich war traurig. Nun war ich bis hierher vorgedrungen und sollte nichts von der Stadt sehen??
Aber es gab schon wieder eine kubanische Lösung. Eine Reisegruppe mit Führerin wurde durch eine Sperre durchgelassen. Die Frau sprach russisch, alles trottete hinter ihr her. Na, ich doch auch... Nie war ich russischer als in dem Moment....
Auf der großen Plaza hörte ich Raul sprechen, die Menge rief: Viva la Revolucion...
Mit Revolution habe ich das grundsätzlich nicht so, aber viva war echt gut, das Leben kann so schön sein.... Viva....Geändert von Spadina (07.06.2014 um 20:31 Uhr)
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07.06.2014, 11:31
AW: Reiseerlebnisse - Erinnerungen
Mutig, mutig Spadina aber wahrscheinlich der ungewöhnlichste 60. Geburtstag im damals noch sehr kommunistisch ausgerichteten Land.
Wenn du nun heute diese Erlebnisse aufschreiben kannst, ist das doch wunderbar, wer kann sich schon so intensiv an seinen besonderen Geburtstag erinnern.
Hervorragende Situationsbeschreibung!
Und was ist mit dem .....zigsten in diesem Jahr - noch einmal dahin?
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07.06.2014, 20:18
AW: Reiseerlebnisse - Erinnerungen
Sofern ich im Lotto gewinne, gerne.... Ich war 3 Wochen auf Kuba, viel zu wenig Zeit für dieses Land....Und was ist mit dem .....zigsten in diesem Jahr - noch einmal dahin
Immerhin rüste ich schon auf und lerne spanisch....


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