Ich bin seit etwas über 2 Wochen in Ecuador.
Der Flug nach Quito war bis auf einige ruckelnden Turbulenzen am Rande des Bermudadreiecks mit 11 Stunden ab Amsterdam recht angenehm.
Die Wolken verschwanden, je mehr man sich der Karibik näherte, der Atlantik glitzerte - und bevor das Flugzeug über Venezuela hinweg flog, tauchten dort einige Inseln auf. Türkisblaues Wasser, Buchten mit Stränden - der Norddeutsche Winter - gerne bereits jetzt vergessen...
Venezuela, Kolumbien, schließlich dann Ecuador unter mir. Bis zur Landung sollten es noch 30 Minuten sein, als ich mein endgültiges Ziel in Ecuador unter mir liegen sah. Die Laguna Yahuarcocha bei Ibarra.
Weil ich dort bereits vor 3 Jahren gewesen bin, erkannte ich die Gegend sofort wieder....
Meine Freundin stand in Quito schon wartend parat, aber einer meiner Koffer kam und kam nicht, dabei hatte ich diese in HH so ziemlich als erste zusammen aufgegeben - und der 1. Koffer war auch sofort da. Der Koffer, der schließlich erst nach über einer Stunde endlich eintrudelte, war, wie ich erst nach dem Öffnen am Ziel feststellte, bereits in HH geöffnet worden, weil man beim Röntgen meinte, etwas Verdächtiges gesehen zu haben. So stand es auf einem inliegend beigefügtem Zettel.
Si, claro, so wurden die Koffer erst mal getrennt....
Auf der Panamericana ging es dann , inzwischen auch leichter bekleidet bei 23 Grad, Richtung Ibarra. Leider wurde es durch die Verzögerung schnell dunkel, hier am Äquator stets gegen 19 Uhr...
Das Wetter in den nächsten Tagen war eher wechselhaft, nachts prasselte der Regen ans Fenster, es ist hier auch typische Regenzeit, doch meistens klart es gegen 10 Uhr dann doch auf.
Ich hatte einige Tage mit Jetlag zu kämpfen, dann machte mir die Höhe, vor Ort 2200 m, zu schaffen und dazu auch noch eine Erkältung,....
Vor 3 Jahren war ich nicht auf Mücken vorbereitet, nun schon - mit verschiedenen mitgebrachten Schutzsprays, die aber nicht wirklich das tun, wofür ich reichlichst Geld ausgegeben hatte: Mücken abzuschrecken...
Warum diese Biester es immer wieder gepeilt kriegen, gerade an Gelenken zu stechen, wo der Juckreiz am schlimmsten ist, ist mir ein Rätsel. Immerhin haben einige Viecher das Unternehmen nicht überlebt, die habe ich platt gemacht.
So bin ich aber trotzdem froh, statt wie vor 3 Jahren die gezählten 143 Stiche auf ca. ein Zehntel reduzieren zu können... Das ist doch schon mal ein Fortschritt....
Ich verfüge außerdem über ein kleines Gerät, was sich auf 52 Grad aufheizt und somit die Histaminbildung hemmt oder unterbricht und somit den Juckreiz ins erträgliche Maß reduziert.
Heute hat die Erde überhaupt leicht gebebt, das Epizentrum soll Richtung Kolumbien gewesen sein, was 120 km von hier entfernt im Norden liegt. Stärke 4,3 auf der Richterskala. Da zittert der Boden unter den Füßen, nur leicht, aber merkbar....
Fortsetzung folgt...
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26.01.2018, 04:18
AW: Reiseerlebnisse - Erinnerungen
Mein Himmel bleibt magisch, wie meine Träume, meine Bilder, mein Leben....
Ich bin die, die ich bin.
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26.01.2018, 13:48
AW: Reiseerlebnisse - Erinnerungen
Freu mich auf Deine weiteren Berichte
Es wird Zeit für eine neue Signatur
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26.01.2018, 17:41
AW: Reiseerlebnisse - Erinnerungen
Hier ist alles ein wenig anders als zu Hause.
Markt in Ibarra. Alles überdacht, schon uralt. Da liegen die Hühner/Hähnchen nebeneinander gestapelt, ob frisch oder von gestern, wer weiß das schon? Immerhin isst man sie ja nicht roh, weder auf dem Markt noch zu Hause.... Und sie sehen hautmäßig nicht so leichenblass aus wie in Deutschland, weil entweder mit Mais gefüttert oder im Hinterhof mit Resten gefüttert.
Sehr gewöhnungsbedürftig ist die Halle, wo überwiegend Fleisch, frisch oder gekocht verkauft werden. Neben Hähnchenfüßen liegen Schweinefüße und Schwarten, das Fett der Tiere solo aufgetürmt, verkauft sich offensichtlich gut. An Einheimische, weniger an Gringos, würde ich sagen....
Sehr beliebt sind Spanferkel, die auf einem Blech, das über 1 m lang ist drapiert werden, die brät man hier schon zu Hause vor in runden Holzkohleöfen. Das Blech mit dem Ferkel kommt dann morgens auf den Markt oder in die Markthalle und wird dann mit Gemüse, Mais, Reis, Salat für 2,50 pro Portion verkauft.
Überhaupt sehr lecker... Egal, ob nun Hähnchen, Schwein oder Meerschweinchen (hab ich persönlich noch nicht auf dem Teller gehabt) - man wird satt, es ist lecker und für meine Verhältnisse eben spottbillig.
Das weitere Angebot auf dem Markt könnte man mit asiatischen Märkten vergleichen. Säcke mit den verschiedensten Bohnen, auch Reis und Mehlen, dann aufgetürmte Gemüse....
Dazwischen Alltagsgeräte, zumeist aus Plastik, funktionierend wahrscheinlich von zwölf bis Mittag. Importe aus Südostasien. Plünnen schlechter als aus 1 € Läden....
Ich frage mich, wie die solche Sachen loswerden, zumal sich da die Stände wiederholen, gleiches Angebot, nur andere Verkäufer davor.
Meine Handtasche ist von Pacsafe, Kleingeld schon mal in der Hosentasche, aber alles andere muß man Dieben schwer machen. Mich als Exot auszumachen, ist ja nicht schwer, da vermutet man das dicke Portjuchhe, was es vielleicht zu klauen lohnt.... Ich leuchte als blonde Frau eben weithin....
Ich liebe diesen Markt und wenn sich die Gelegenheit ergibt, fahre ich mit meiner Freundin dorthin einkaufen. Ich brauche immer Möhren für die 2 Pferde hier, die hinter dem Haus auf der Koppel grasen und sich über Leckerlis freuen.
Gestern waren wir auf dem angrenzenden Fischmarkt, wo wir Garnelen gekauft haben, die es heute noch geben soll. Sie sind in einer schönen Tunke bereits eingelegt und ziehen vor sich hin.
Hier an der Laguna Yahuarcocha gibt es im Dorf ein Fischrestaurant neben dem anderen. Jedes Wochenende strömen die Leute aus Ibarra hierher, um Fisch zu essen, der aber sinniger Weise gar nicht aus der Laguna stammt. Zumeist ist es Tilapia, der gegrillt, gebraten oder sonstwie zubereitet angeboten. Aber auch recht leggafritzig auf den Teller kommt.... Etwas teuerer als auf dem Markt: Mit 5 Dollar ist man dabei...
Über das Plastikstuhl-/tischambiente muß man hinwegsehen, man soll essen, alles andere ist überflüssig,...
Fortsetzung folgt....Mein Himmel bleibt magisch, wie meine Träume, meine Bilder, mein Leben....
Ich bin die, die ich bin.
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26.01.2018, 18:25
AW: Reiseerlebnisse - Erinnerungen
1996 waren wir zu Beginn unserer Alaskatour mit einem Wohnmobil einige Tage in der Brooks Lodge. Dort gibt es die berühmten Wasserfälle, an denen die Bären die Lachse fangen. Nachdem wir mit dem Wasserflugzeug gelandet waren, wurden wir gleich in der Lodge über richtiges Verhalten bei Bärenbegegnungen belehrt. Naja, dachten wir uns, typisch Amerika, immer gleich das Schlimmste annehmen. Wo sollen denn hier außer an den Wasserfälle Bären sein? Nach dem Mittagessen saßen wir viele Stunden an den Wasserfällen und machten uns dann auf zurück zur Lodge zum Abendessen. Wir wollten einen anderen Weg gehen, der durch den Wald führte. Wir unterhielten uns über die Erlebnisse am Wasserfall, als er plötzlich vor uns stand: ein riesiger Braunbär. Das Herz rutsche in die Hosentasche. Da hatten wir nun die Begegnung mit dem Bär und wir erinnerten uns ganz schnell an die Instruktionen. Wir blieben stehen, der Bär auch. Dann sprach ich ihn an (auf deutsch): Guter Bär, braver Bär, schöner Bär und dabei bewegten wir uns langsam rückwärts. Wir wollten dem Bär die Möglichkeit gegen, seinen gewohnten Weg zu gehen. Er musterte uns. Nach einiger Zeit, die uns wie eine Ewigkeit vorkam, drehte er und verschwand.
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27.01.2018, 07:13Inaktiver User
AW: Reiseerlebnisse - Erinnerungen
Ich frage mich bei solchen Berichten oft, warum so viele Menschen, die der Welt doch in Momenten der Ergriffenheit, den Tränen nah, staunend begegnen, dieselbe Welt dann durch ihr Konsum- und Alltagsverhalten zerstören, und sich kein bisschen verantwortlich dafür fühlen, dass es der Erde und Milliarden Mitgeschöpfen gerade ziemlich beschissen geht.
Aber gut.
Ich habe auf meinen Reisen viele, viele wunderbare Erfahrungen gemacht und ebensolche Menschen kennen gelernt. Ich denke oft in Dankbarkeit daran zurück.
An den Taxifahrer in Mexico City, beispielsweise. Wir waren wieder einmal spontan unterwegs, nix geplant, nix gebucht, nix reserviert, einfach los und entdecken. Wir hatten leider nicht auf dem Schirm, dass gerade Zahnärztekongress und die Suche nach einem Hotelzimmer ziemlich aussichtslos war, insbesondere wenn das Budget durchaus Grenzen hat. Egal - wir fahren vom Flughafen einfach mal los. Der Taxifahrer beäugt meine weissblonden Haare und zwinkert in meine grauen Augen. Ich beginne, mit ihm zu plaudern, und er ist entzückt darüber, dass dieses Alien in seinem Taxi auch noch seine Sprache spricht. So entzückt, dass er mittendrin einfach bei einem Strassenverkäufer bremst und mir mit einem breiten Grinsen ein paar Blümchen überreicht.
Ich erzähle ihm von unserem Dilemma und sein Gesicht leuchtet auf - da hat er doch eine Lösung parat! Der Schwager seines Cousins arbeitet gerade auf einer Hotel-Baustelle - das Gebäude ist in Ordnung, es wird nur renoviert, und viele Zimmer sind auch schon fertig. Kein Strom, aber fliessend Wasser. Er glaubt, dass er uns dort für eine Nacht parken kann, am nächsten Tag wollen wir ohnehin weiter, und natürlich wird er uns morgens wieder zum Flughafen bringen.
Beggars can´t be choosers, right? Also: ein fulminantes Dankeschön an den Blumenkavalier und los geht´s. Es ist abenteuerlich - ein dunkles Gebäude, die Fahrstühle sind ausser Betrieb, aber es findet sich ein Zimmer, in dem man tatsächlich übernachten kann, und fliessend Wasser hat es wirklich. Unser Retter in der Not verabschiedet sich für die Nacht. Morgen wird er uns pünktlich abholen.
Es wird eine denkwürdige Nacht - ich glaube, ich habe nie in meinem Leben derart geschwitzt, das Gebäude ist wie ein Backofen, und die Geräusche darin sehr unheimlich, aber wir sind dennoch glücklich, ein Dach über dem Kopf zu haben. Am nächsten Morgen ist unser Taxi-Held pünktlich zur Stelle. Über das grosszügige Trinkgeld freut er sich wie Bolle. Ich werde diesen Mann und seine Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft nie vergessen.
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27.01.2018, 11:59
AW: Reiseerlebnisse - Erinnerungen
Und welchen Beitrag leistest du für eine "bessere" Welt? Ein Flug nach Mexiko ist nun auch nicht gerade umweltfreundlich. Oder die Taxifahrt ohne wirkliches Ziel.
Spadina, das klingt so toll! Schade, dass man hier keine Fotos hochladen kann. Die Märkte würde ich wirklich gerne sehen. Und die Pferde.
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27.01.2018, 13:32
AW: Reiseerlebnisse - Erinnerungen
Ja,, das Aufrechnen der bösen Dinge....
Hier ist ein großer Teil der Bevölkerung ungebildet, Schulpflicht gib es noch nicht so lange. Es gibt viele Analphabeten. Meine Gastgeber haben über 20 Arbeiter, davon können 3 lesen.
Plastiktüten werden en masse unbekümmert benutzt und dann ebenso unbekümmert sogar während der Fahrt aus dem Autofenster geworfen, wie jedes andere Plastikteil ebenso. Das ist hier ein landschaftlich so hübsches Land, aber man hat kein Gefühl dafür, was der Müll überhaupt anrichtet. Ich gehe mit meinen dm Stoffbeuteln sogar hier einkaufen, ernte erstaunte Blicke.
Hier gibt es viele Erdspalten, das sind ideale Stellen, wo man seinen Mist doch mal reinkippen kann.
Und die Autos und Busse hier - die reinsten Dreckschleudern. Schwarze Wolken aus den Auspuffen, in Innenstädten kriegt man kaum Luft. In Quito wird wechselweise nur mit geraden oder ungeraden Zahlen am Nummernschild täglich gefahren, wobei dann die, die Geld haben, eben ein Auto mit gerader Nummer haben und ebenso eins mit ungerader.... Smog ohne Ende....
Und klar, wenn der Radweg von Hamburg bis Quito durchgehend über den Atlantik gebaut ist, werde ich den für die Anreise beim nächsten Mal benutzen, um die Emissionen zu verringern...
Gerade in Deutschland hat man ist man doch recht pfiffig, was die Umweltbedingungen angeht, da hat sich so viel getan. Auf Reisende zu meckern - das geht leicht über die Tastatur, nehme ich an.
In solchen Ländern wie hier muß eben für mehr Bildung gesorgt werden, um überhaupt erst einmal ein Bewusstsein für solche Dinge zu schaffen. Aber so lange dann noch Leugner wie Mr. President Trump unterwegs sind - puh....
Hier gibt es so viel Dinge, die richtig weh tun. Menschen, die kein Geld haben, um sich anständige Schuhe zu kaufen, die in Billigplastikschuhen, die 3 Wochen halten, durch die Gegend laufen, die dann ebenso achtlos durch die Gegend fliegen, um sie durch ebensolche zu ersetzen....
Billigkleidung, wofür 10 Acrylschafe sterben mußten, landen hier unbekümmert im Müll, der hier auf Halden
entsorgt wird, Recycling - noch ein Fremdwort. Allein die Unmengen an Plastikflaschen für Cola und Limo...
Nö, Pfandsystem ist komplett unbekannt, in den Straßenküchen gibt es nur Plastikbecher, Teller, Besteck.
Des Menschen liebste Teile hier.
Das ist zum Heulen.
Aber das höchste Glück, weil so praktisch.... Über die Schulter werf und weg.... Das Leben ist soo einfach. In deren unbekümmertem Sinn.Mein Himmel bleibt magisch, wie meine Träume, meine Bilder, mein Leben....
Ich bin die, die ich bin.
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27.01.2018, 14:17Inaktiver User
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27.01.2018, 14:53
AW: Reiseerlebnisse - Erinnerungen
Es sind oft die kleinen mitmenschlichen Erlebnisse, die das Reisen in fremde Länder so schön und unvergessen machen. Im Spätsommer vergangenen Jahres waren wir zwei Monate mit dem Wohnwagen in Nordspanien unterwegs. In Zaragossa auf dem Campingplatz kam es gleich zu zwei schönen Begebenheiten:
Wir wollten um einen Tag verlängern, das ging aber nur mit einem Umzug. Während ich am neuen Stellplatz wartete, bis unser Wohnwagen angerollt kam, kam aus dem Bungalow gegenüber ein Mann und brachte mir einen Campingstuhl. Einfach so!
Und noch eine schöne Geste gab es an diesem Tag: im Bus, mit dem wir in die Stadt fuhren, baute der Busfahrer Mist und zog mir 3 Tickets ab. Als ich das Geld zurückhaben wollte, ging es nicht (!). Also gab ich das dritte Ticket an die Franzosen, die hinter mir standen und sie mussten nur 1 Ticket bezahlen. Ich teilte dem Mann unsere Platznummer mit und am Abend kam er mit einer Flasche Wein aus ihrer Gegend und bezahlte seine Schulden (1 €).
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27.01.2018, 15:13
AW: Reiseerlebnisse - Erinnerungen
Eisdiele.
Gestern wurde ich zum Eisessen eingeladen. Es gibt hier einige traditionelle Eisdielen, wo das Eis in Kupferschüsseln per Hand gerührt wird. Darunter befindet sich Wassereis, was das Metall kühlt und das gefrierende Speiseeis wird somit immer vom Rand abgeschabt.
Mein Favorit gestern war Eis aus Tamarinde und Kokos. Ohne Geschmacksverstärker, Bindemittel, einfach köstlich.
Ambiente: Plastikgartenstühle an Plastiktischen... Das Übliche hier eben....
Heute mal wieder kein Wasser. Dafür schwamm es vor dem Haus...
Plastikrohre mit Plastikendstücken, die immer wieder brechen. In 18 Tagen das 3. Mal....
Das ist hier der normale Alltag, wird als gegeben hingenommen.
Vorgestern Nacht hat mich etwas am kleinen Finger am Handgelenk gebissen, mein Handrücken ist so geschwollen, dass ich den kleinen Finger fast gar nicht bewegen kann. Moskitostiche sehen auch anders aus.
Hoffentlich ist das Tierchen für die nächsten 9 Wochen gesättigt und kommt mich nicht wieder besuchen.....
Mein Himmel bleibt magisch, wie meine Träume, meine Bilder, mein Leben....
Ich bin die, die ich bin.


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