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  1. Registriert seit
    09.11.2007
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    Schwierige Mutter

    Hallo Liebe Gemeinde!
    Ich würde mich heute gerne mit Gleichgesinnten unter euch austauschen. Wer von euch hat auch mit seiner Mutter gebrochen und hat gelernt mit dieser Entscheidung zu leben? So komisch es klingt, ich habe es getan - irgendwann habe ich mit meiner Mutter gebrochen und ich kann aber mit dieser Entscheidung gar nicht gut leben.

    Der Umgang mit meiner Mutter wurde in den letzten Jahren zunehmend schwieriger. Sie ist ein sehr negativer und egozentrischer Mensch. Sie sieht sich ständig als Opfer von Intrigen und Attacken - jeder Satz, jede Handbewegung, jede Handlung wird von ihr so lange gedreht, gewendet und neu umgeschrieben bis sie eine Verletzung heraus lesen kann. Ich wollte sie am Ende schon gar nicht mehr anrufen, geschweige denn sehen. Ich habe geradezu Panikattacken erlitten, wenn ich sie am Telefon hatte. Ein falsches harmlos gemeintes Wort und ich wurde sofort übelst beschimpft und angemeckert!

    Irgendwann habe ich ihr dann nach so einer Attacke völlig kraftlos gesagt, sie solle mich nie nie nie wieder anrufen. Jetzt wäre Schluss.

    Tja ... Ich bin in einer totalen Zwickmühle - jetzt sitz ich da mit einem schlechten Gewissen und weiß nicht vor und nicht zurück. Ich möchte definitiv keinen Kontakt zu ihr, habe aber Angst, dass sie vor Trauer zusammenbricht oder was auch immer. Keine Ahnung wovor ich Angst habe. So oder so habe ich jedenfalls Angst. Ich würde gerne mit ihr sprechen können, schaffe es aber nicht mehr...

    Nun grübel ich und weiß nur, ich habe eigentlich das einzig richtige getan: von einer Freundin würde ich mich so nicht viele Jahre lang behandeln lassen - von einer Mutter eigentlich auch nicht. Oder doch????

    Wie kommt man mit so einem klaren Cut zurecht? Erging es jemanden von euch genau so? Ich würde gerne Erfahrungsberichte lesen ... oder Tipps bekommen ... oder was auch immer .... :-(
    Geändert von rabeana (25.11.2007 um 17:37 Uhr)

  2. Inaktiver User

    AW: Schwierige Mutter

    Hallo Rabeana,
    fühle mich angesprochen, denn ich habe auch eine "schwierige Mutter" bzw. sie sieht mich wohl als "schwierige Tochter". Und nichts fällt mir so schwer, wie dir jetzt zu schreiben, wo das Problem liegt. Aber es gibt ein Problem (oder viele)- weswegen unsere Beziehung schon immer sehr kompliziert war.
    Es ist jetzt eigentlich so, daß sie immer an mir herumnörgelt...und ich kann mich einfach nicht mehr mit ihr unterhalten.
    Erzähle ich ihr z.B. von einer Situation, in der ich mich ungerecht behandelt gefühlt habe, bin ich schuld. Erzähle ich ihr, von etwas, was mich freut, ist sie skeptisch. Zeige ich ihr etwas, auf das ich stolz bin, zeigt sie sich kritisch. Aber trotzdem muß sie über alles, was ich so mache informiert sein. Am besten nur oberflächlich reden- das geht.
    Sie akzeptiert auch nicht, wenn ich etwas nicht möchte (was mich persönlich betrifft) und macht es trotzdem.
    Inzwischen fühle ich mich nur noch unwohl mit ihr. Und das macht mich auch wieder traurig.
    Habe dann versucht, ihr zu sagen, was für mich nicht stimmt - aber sie hat extrem emotional reagiert und mir Vorwürfe gemacht (und mich im Endeffekt auch nicht verstanden).

    Mh, das hilft dir wohl jetzt auch nicht weiter...

    Was mich selber diesbezüglich durcheinanderbringt, ist das ich meine Gefühle meiner Mutter gegenüber als so widersprüchlich empfinde ...

    LG

    Maja

  3. Inaktiver User

    AW: Schwierige Mutter

    Ich selbst habe gute Erfahrungen mit einer Therapie gemacht. Und dabei gelernt, dass ich niemals die Mutter haben werde, die ich mir wünsche und nie die Tochter sein werde, die es Recht machen kann.
    Es hat immerhin bis Anfang 30 gebraucht, diesen Schritt zu gehen, aber es hilft. Einfach das Wissen zu bekommen, dass man nicht die Schuld hat und für das Verhalten der Mutter keine Entschuldigung gefunden werden muss. Die sind für ihren Mist selbst zuständig.
    Wenn man über diesen Punkt hinweg ist, kann man einen oberflächlichen Kontakt halten, ohne ständiges Unwohlsein mit sich rum zu schleppen. Alles andere dreht sich meiner Meinung nach nur im Kreis und man wird krank davon.

    Nur Mut und viel Glück
    Manuela


  4. Registriert seit
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    154

    AW: Schwierige Mutter

    Hallo,

    Maja muss meine Schwester sein, genauso ist es bei mir auch.

    Ich kann mittlerweile einigermaßen damit umgehen. Wovor ich panisch Angst habe ist, das ich mal so werden könnte wie meine Mutter. Ich beobachte mich ziemlich genau, hoffe und sehe es auch langsam so, das ich meinem Vater mehr nachschlage.

    Gruß Thea

  5. Inaktiver User

    AW: Schwierige Mutter

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Wenn man über diesen Punkt hinweg ist, kann man einen oberflächlichen Kontakt halten, ohne ständiges Unwohlsein mit sich rum zu schleppen. Alles andere dreht sich meiner Meinung nach nur im Kreis und man wird krank davon.
    Oberflächlicher Kontakt fühlt sich für mich momentan so an wie "es ihr recht machen" oder "mich anpassen". Da bin ich dann auch einfach nicht ich selbst...


    @Thea: Ja, ich habe auch sehr große Angst so zu werden wie sie... aber bisher hat mein Leben nicht viel gemeinsam mit dem meiner Eltern -das gibt mir Hoffnung.

    Maja


  6. Registriert seit
    09.11.2007
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    322

    AW: Schwierige Mutter

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Hallo Rabeana,
    fühle mich angesprochen, denn ich habe auch eine "schwierige Mutter" bzw. sie sieht mich wohl als "schwierige Tochter".

    Es ist jetzt eigentlich so, daß sie immer an mir herumnörgelt...und ich kann mich einfach nicht mehr mit ihr unterhalten.
    Erzähle ich ihr z.B. von einer Situation, in der ich mich ungerecht behandelt gefühlt habe, bin ich schuld. Erzähle ich ihr, von etwas, was mich freut, ist sie skeptisch. Zeige ich ihr etwas, auf das ich stolz bin, zeigt sie sich kritisch. Aber trotzdem muß sie über alles, was ich so mache informiert sein. Am besten nur oberflächlich reden- das geht.
    Sie akzeptiert auch nicht, wenn ich etwas nicht möchte (was mich persönlich betrifft) und macht es trotzdem.
    Inzwischen fühle ich mich nur noch unwohl mit ihr. Und das macht mich auch wieder traurig.
    Habe dann versucht, ihr zu sagen, was für mich nicht stimmt - aber sie hat extrem emotional reagiert und mir Vorwürfe gemacht (und mich im Endeffekt auch nicht verstanden).

    Was mich selber diesbezüglich durcheinanderbringt, ist das ich meine Gefühle meiner Mutter gegenüber als so widersprüchlich empfinde ...
    Liebe Maja!
    Du hast EXAKT das Verhalten meiner Mutter beschrieben!! Jeden einzelnen Satz kann ich unterschreiben!! Treffen und Telefonate sind wirklich nur noch die reinste Hölle für mich.

    Wenn eine Freundin oder ein Partner mich so behandeln würde, würde mir jeder normale Mensch sagen "Warum tust du dir das an? Lass dich nicht von so einem Despoten fix und fertig machen. Was bist du für ein Mensch, dass du immer wieder die Nähe zu jemanden suchst, der bei einem 5-stündigen Treffen 4 Stunden und 55 Minuten lang an dir, deinem Aussehen, deinen Klamotten und deinen Aussagen herumkritisiert, nörgelt und meckert und alles als Affront auffasst?"

    Man würde mir raten: "komm - lass gut sein, such dir andere Freunde. Such dir einen neuen Partner."

    Aber weil es die eigene Mutter ist, die einen so behandelt, muss man sich alles gefallen lassen?? Und das kapier ich nicht! Ich bin mitten in Vorgesprächen zu einer Therapie und bin mal gespannt, was die Zukunft bringt.

    Ich frage mich, mit welchen Methoden man mich heilen kann? Wird es dann in der Zukunft so sein, dass ich mich zu meiner Mutter setzen kann und all diese Angriffe perlen fröhlich an mir ab? Ich bin echt gespannt.

    Fürs erste möchte ich jedenfalls keinen Kontakt mehr! Ich erledie Panikattacken, wenn sie am Telefon ist. Mein Magen zittert, meine Hände zittern. Ich bekomme Schweißausbrüche und fang an zu heulen. Mannomann - das macht mir besonders Angst!

    Ich bin froh, hier Gleichgesinnte zu finden. Egal ob hier öffentlich oder die lieben Ermutigungen via PNs ... vielen Dank!!
    Geändert von rabeana (26.11.2007 um 09:54 Uhr)

  7. Moderation Avatar von Islabonita
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    AW: Schwierige Mutter

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Ich selbst habe gute Erfahrungen mit einer Therapie gemacht. Und dabei gelernt, dass ich niemals die Mutter haben werde, die ich mir wünsche und nie die Tochter sein werde, die es Recht machen kann.
    Es hat immerhin bis Anfang 30 gebraucht, diesen Schritt zu gehen, aber es hilft. Einfach das Wissen zu bekommen, dass man nicht die Schuld hat und für das Verhalten der Mutter keine Entschuldigung gefunden werden muss. Die sind für ihren Mist selbst zuständig.
    Wenn man über diesen Punkt hinweg ist, kann man einen oberflächlichen Kontakt halten, ohne ständiges Unwohlsein mit sich rum zu schleppen. Alles andere dreht sich meiner Meinung nach nur im Kreis und man wird krank davon.

    Nur Mut und viel Glück
    Manuela
    Das spiegelt sehr gut meine eigenen Erfahrungen wider. Nach einer Gesprächstherapie konnte ich in einer für mich unerträglichen Situation den Kontakt abbrechen. Nach ca. 2 Jahren Funkstille haben wir den Kontakt wieder aufgenommen - aber diesmal zu meinen Bedingungen - und mittlerweile läuft es ziemlich gut!
    Islabonita

    Moderation im Freundschaftsforum, Umgangsformen, Familiensache, Mietforum und in Rund um die Bewerbung - ansonsten normale Userin

    Werde die, die du bist
    Hedwig Dohm

  8. Avatar von Heureka
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    AW: Schwierige Mutter

    Meine Mutter war Alkoholikerin. Wenn sie im Suff war, zum Schluss war das täglich, hat sie ihren Frust an mir ausgelassen. Ich war 12, als ich mit Hilfe einer Nachbarin in ein Heim "geflüchtet" bin. Aber mein schlechtes Gewissen hat mich doch immer wieder (besuchsweise) zu ihr getrieben. Mit 17 habe ich dann eine eigene Wohnung (in einem vom Jugendamt organisierten Projekt) erhalten. Da drehte meine Mutter völlig auf. Telefonterror, nächtliche Besuche mit Randale usw. Es war furchtbar, dass könnt ihr mir glauben. Ich bin dann weggezogen und habe es geschafft, meine Adresse vor ihr geheim zu halten. Ich habe mir auch eine Geheimnummer geben lassen (musste man damals noch bei der Post beantragen und ausführlich begründen!). Meinem Vater habe ich unter Androhung des Kontaktabbruchs verboten, ihr meinen Aufenthalt zu berichten. Zum Glück hielt er sich dran.
    Ich hatte erst richtig Ruhe als sie starb. Klingt vielleicht schrecklich für Euch, aber ich gebe ehrlich zu, ich habe sehr gelitten.
    Das Verrückte ist dabei eben auch das schlechte Gewissen, das man als Kind hat. Ich wusste ja, meine Mutter ist kein böser Mensch, die Droge Alkohol hat sie völlig kaputtgemacht. Sie war krank. Ihre Auftritte waren nur Schreie nach Liebe und Aufmerksamkeit. Aber ich konnte ihr das nicht geben.
    Es tut unglaublich weh, wenn man sich vor seiner eigenen Mutter retten muss. Dabei sollte sie doch der sichere Hafen sein, oder? Auch bei mir hat eine Therapie geholfen, in mir selbst Ruhe und Geborgenheit zu finden. Ganz fertig bin ich damit noch nicht, aber es fühlt sich schon sehr gut an. Ich bin auf dem richtigen Weg.

    Liebe Rabeana,
    ich weiß leider nicht, was ich Dir raten kann. Hast Du Leute in der Familie, die Dich unterstützen? Geschwister? Ich stelle mir vor, dass das eventuell helfen könnte. Ich war allein. Es gab eine Tante, die mir sogar noch Vorwürfe machte. Sie meinte, ich müsse mich doch um meine Mutter kümmern... Zum Glück gab es im Heim super Erzieher, die bedingungslos hinter mir standen.

    Ich wünsche Dir viel Kraft. Geh Deinen Weg, wohin er Dich auch führen mag.


  9. Registriert seit
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    AW: Schwierige Mutter

    Die Krux ist, dass meine Freunde und Bekannte mich trösten, mir helfen und mich unterstützen. Mir sagen, dass es doch toll ist, dass ich so liebe Freunde und so einen tollen Partner habe und doch im Grunde meine Mutter nicht bräuchte .... aber im nächsten Atemzug wird mir Nahe gelegt, doch einfach "Frieden zu schließen mit ihr" und den Kontakt zu suchen.

    Aber das kann ich nicht, dass will ich nicht, das geht einfach nicht.... vielleicht kann ich ja nach einer Therapie die permanenten verbalen Attacken aushalten und lustig grinsen, wenn wirklich alles was ich bin, sage und tue in den Dreck gezogen wird. Aber momentan fehlt mir da einfach die Kraft und das Verständnis.

    Ich finde es nur so komisch: wäre es nicht meine Mutter, würde jeder sagen: flüchte und lass dich nie wieder bei dieser Person blicken. Aber weil es die Mutter ist, sagt jeder "irgendwann wird das bestimmt wieder" ... na ja ... selbst ich sage mir das ...!


  10. Registriert seit
    30.05.2003
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    AW: Schwierige Mutter

    Zitat Zitat von rabeana
    Ich finde es nur so komisch: wäre es nicht meine Mutter, würde jeder sagen: flüchte und lass dich nie wieder bei dieser Person blicken. Aber weil es die Mutter ist, sagt jeder "irgendwann wird das bestimmt wieder" ... na ja ... selbst ich sage mir das ...!
    Was ist so Besonderes daran? Sie hat dich geboren, na und? Dafür kannst du nichts. Ansonsten ist sie ein Mensch wie jeder andere. Und wenn sie dich schlecht behandelt, dann meide sie.
    Warum sollst du dir das antun? Masochismus macht niemanden glücklich.

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