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  1. Administrator Avatar von BRIGITTE Community-Team
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    Expertenberatung: Die Eltern selbst zu Hause pflegen

    Liebe Userinnen, liebe User,

    obwohl wir alle wissen, dass unsere Angehörigen nicht jünger werden, werden wir oft von den Herausforderungen des Alters überrascht. Ein Schlaganfall, eine Krankheit, eine unbedachte Bewegung - und plötzlich ist alles anders. Gerade eben waren unsere Eltern noch fitte, autarke Menschen, und nun sind sie aufeinmal auf unsere Hilfe angewiesen.

    Die TV-Regisseurin und Autorin Ilse Biberti entschied sich, selbst für ihre pflegebedürftigen Eltern zu sorgen und hat darüber ein bewegendes Buch geschrieben.

    Um andere von ihren Erfahrungen profitieren zu lassen, möchte sie sich in diesem Forum Ihren Fragen stellen. Denn Ihre Erfahrung ist: Am Anfang fehlt es vor allem an Informationen und Möglichkeiten sich auszutauschen.

    Die Beratung läuft bis einschließlich 5. Juni. Bitte haben Sie Verständnis dafür, wenn die Autorin nicht sofort und auf alle Fragen reagiert.

    Herzliche Grüße

    Ihr Brigitte.de-Team
    Das BRIGITTE Community-Team ist Ihr Ansprechpartner bei Fragen, Wünschen oder Problemen rund um die Community. Schreiben Sie uns gerne eine PN oder eine E-Mail.
    Geändert von BRIGITTE Community-Team (15.05.2007 um 10:54 Uhr)

  2. Avatar von Mandine
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    AW: Expertenberatung: Die Eltern selbst zu Hause pflegen

    Hallo Frau Biberti,
    vielen Dank für Ihr wunderbares Buch, ich bin in einer ähnlichen Lage und habe es geradezu verschlungen.
    Seit 5 Jahren pflege ich meine 84j. Mutter bei uns zu Hause.
    Ich wollte Sie direkt nach dem Lesen des Buches wirklich fragen, wie Sie mit der emotionalen Belastung zurechtkommen, es wirkt im Buch trotz allem so optimistisch. Wie stellt man das an?
    Mit fällt es unheimlich schwer mitanzusehen, wie ein Mensch, den man ein Leben lang kennt, körperlich und psychisch verfällt und man kann praktisch nichts dagegen tun.
    Mir fehlt der nötige Abstand da Gelassenheit an den Tag zu legen und nicht daran zu verzweifeln. Sehr viele Vorfälle, seien es Herzattacken oder nächtl. Halluzination belasten mich permanent. Es ist auch die dauernde Präsenz, dieses rund um die Uhr verantwortlich sein, was zehrt. Die Angst vor einer weiteren Verschlechtung ist ja auch dauernd da.
    Wie schafft man es, das alles nicht so an sich ran zu lassen? Ich behaupte das geht gar nicht, und das macht es so furchtbar schwer.
    Liebe Grüße
    Mandine


  3. Registriert seit
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    AW: Expertenberatung: Die Eltern selbst zu Hause pflegen

    Liebe Mandine,

    danke für Ihre Mail.
    Mein Buch beschreibt die ersten 365 Tage.
    Heute ist der 737 Tag nach dem Schlaganfall meiner Mutter.

    Die Veränderungen und der Weg zum Tod meiner Eltern haut mich um. Ich kann auch keinen Abstand halten. Es macht mich traurig, fasssungslos ... manchmal agressiv nach innen ... hab mir neulich im Schlaf einen Zahn ausgebissen, nachdem es meinem Vater sehr viel schlechter ging.

    Trotzdem haben wir drei diese Station des Lebens akzeptiert ...
    Ziel ist es auch neben dem gemeinsasmen Leben wieder mein Leben zu etablieren ...

    Das heißt:wir haben uns geöffnet für mehr Hilfe von außen: Therapeuten, private Pflege ... ich mache eine Gesprächstherapie, ich nehme mir aus Auszeiten ...

    Vor 14 Tagen sah es so aus, dass meine Mutter stirbt: sie trank nur noch einen vietel Liter, stand nicht mehr auf, lang sich sofort wund, halluzinierte ... in meiner Not habe ich in einem Hospitz angerufen und am nächsten Tag kam von dort jemand zu Besuch .... es wurde uns eine ehrenamtliche Begleitung zur Verfügung gestellt ... ein Wunder!!!! das hat mir und uns sehr geholfen.

    Wir haben meiner Mutter rund um die Uhr die Hand gehalten ... sie zu nichts mehr animiert ... der Homoöpath gab ihr ein Mittel ... nach drei Wochen stand sie wieder im Leben ...

    Wir haben jetzt einen ersten Eindruck was es heißt: loszulassen ...

    Ich empfinde es als Ehre, dass meine Eltern mich einladen sie zu ihrer letzen Reise zu begleiten und wir versuchen es als normal zu sehen ...

    mehr später, mein Vater ruft ...

    Ilse Biberti

  4. Avatar von Mandine
    Registriert seit
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    AW: Expertenberatung: Die Eltern selbst zu Hause pflegen

    Hallo liebe Frau Biberti,
    oh, das sind ja noch schwere Zeiten geworden, ja, es geht immer nur einen kleinen Schritt nach vorn, dafür aber oft 2 grosse zurück. Ich freue mich für Sie, dass Ihre Mutter noch mal zurückgefunden hat!

    Ich empfinde ganz oft meine Situation als sooo anstrengend, fühle mich egoistisch und natürlich habe ich dadurch Schuldgefühle.
    Aber es ist ja auch eigentlich unmöglich, ein Kind gerade noch in der Pubertät/Ausbildung, selbst in den beginnenden Wechseljahren und dann noch die Pflege der Mutter. Wer hat sich das nur für die Frauen erdacht?
    Dann bin ich auch wieder froh sie noch zu haben, meinen Papa habe ich vor 18 Jahren verloren, er wurde 70 Jahre alt und starb über Nacht an einem Herzinfarkt.
    Ich habe in der ersten Zeit als sie bei uns war, viel über früher erfahren wollen, irgendwie ist das Wissen ja verloren, wenn sie nicht mehr ist. Vielleicht hätte ich das ein bisschen aufschreiben sollen, haben Sie einen Tipp für mich, wie fange ich das am Besten an?

    Liebe Grüße
    Mandine


  5. Registriert seit
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    AW: Expertenberatung: Die Eltern selbst zu Hause pflegen

    Liebe Frau Biberti,

    meine Mutter wird demnächst 60 und ist dankenswerterweise topfit und agil. Doch ab und zu denke ich schon daran, wie es wohl wird, wenn es ihr mal nicht mehr so gut geht.

    Was mich besonders beschäftigt: Wie bezahlt man das um Himmels willen alles? Altersheime sind ja sowieso unglaublich teuer, aber auch wenn man sich selbst kümmert, entstehen doch sicherlich ungeheure Kosten. Vom Mobilen Pflegedienst über die Physiotherapie bis zur altersgerechten Wohnung.

    Wie machen Sie das? Kann das meiste vom Pflegegeld bezahlt werden? Geht es überhaupt, wenn man keine größere Rücklagen hat? Gibt es irgendwo zusätzliche Gelder, die man beantragen kann?

    Vielen Dank und herzliche Grüße
    Miro


  6. Registriert seit
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    AW: Expertenberatung: Die Eltern selbst zu Hause pflegen

    Liebe Mandine,

    das ist eine sehr gute Idee. Machen Sie das mit Ihrer Mutter gemeinsam: ein Biographie Buch ... am besten sehen Sie beim Kaffee Fotos aus der Vergangenheit an und fragen Ihre Mutter und schreiben es dann auf ... oder fragen Sie Ihre Mutter was Ihre schönsten Erlebniss in ihrem Leben waren... ich frage meinen Vater manchmal: Was hast Du zu Deinem 13. Geburtstag geschenkt bekommen? ... oder Was gab es bei Euch zu Weihnachten zu essen als Tradition? oder Wo habt ihr früher eure Schuhe gekauft etc.
    Das wird Ihrer Mutter auch Spaß machen und sie beginnen ein neues Gespräch indem sich Ihre Mutter auskennt ... auch Rezepte, wenn sie gerne gekocht hat sind ein guter Gesprächsbeginn ...

    Alles was gute Laune macht ins Leben holen ...

    Ilse Biberti


  7. Registriert seit
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    AW: Expertenberatung: Die Eltern selbst zu Hause pflegen

    Lieber Miro,


    es kommt auf den Aufwand an.

    Meine beiden Eltern haben Pflegestufe 3. d.h. entweder 1400 Euro für Pflegedienste ... dafür bekommt man ca. 1 Stunde am Tag ... errechnet sich durch Tätigkeitsmodule: Haare kämmen, Duschen. kl. Körperwäsche, Anreichung einer Mahlzeit etc. (Info bei Pflegediensten) dann bleiben natürlich noch 23 Std !!!

    wenn ich das Geld auszahlen lasse werden ca 600 Euro ausgezahlt ... natürlich gibt es auch Komileistungen, dann wird ein Teil direkt an den Pflegedienst bezahlt und ein Teil ( ca. 45% der Restsumme von Pflegegeld) Ihnen ausbezahlt...

    für den Umbau der Wohnung kann es Zuschüsse von der Pflegeversicherung geben ... Anfragen oder im Buch WISO: Pflegeversichung nachlesen.

    Therapien sind Leistungen der Krankenkasse...


    es ist schwierig nicht in die illegalität zu kommen mit Schwarzarbeit, etc.

    In Notlagen bleibt die Unterstütung vom Sozialamt.
    Dies gilt auch fürPflegeheime und Altenheime.

    Ilse Biberti

  8. Avatar von Mandine
    Registriert seit
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    AW: Expertenberatung: Die Eltern selbst zu Hause pflegen

    Liebe Frau Biberti,
    ja das werde ich als Anregung gleich aufnehmen. Gute Idee! Noch eine Frage dazu: würden Sie denn dann auch ganz offensichtlich mitschreiben, oder nur zuhören und später notieren.
    Ich weiß nicht so recht wie ein evtl. Mitschreiben so rüberkommt. Ich weiß nicht wie ich das erkären soll, mmh, ich finde es fühlt sich so endgültig an, ich schreib das jetzt auf, denn wenn du nicht mehr bist....
    Es liegt vielleicht auch daran, dass ich natürlich eine Riesenangst vor diesem Später habe.

    LG Mandine


  9. Registriert seit
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    AW: Expertenberatung: Die Eltern selbst zu Hause pflegen

    Hi Miro,

    habe verschiedene Beiträge in Fernsehen und Zeitschriften gelesen, nach denen für den Normalverdiener fast nur die Illegalität in Frage kommt, wenn er nicht selber pflegen bzw. die Eltern ins Heim stecken will.

    Eine Rund-um-die-Uhr-Betreung bedeutet 24 Stunden, also drei 40-Stunden-Vollzeitarbeitskräfte plus Wochenende. Die Mädels aus Osteuropa, oft sogar ausgebildete Krankenschwestern, machen das laut den Reportagen für rund 900 Euro im Monat. Sie wohnen bei den Pflegebedürftigen und stellen mit der Zeit auch eine Vertrauensperson dar, zu denen eine Beziehung entsteht. Auch befragt Hausärzte sagen, daß diese Form der Betreuung die Regel sei. Die Behörde dulden es stillschweigend, da sie wissen, daß es keine Alternative gibt. Es werden auch keine Arbeitsplätze weggenommen, denn diese Arbeit bietet in bezahlbarer Weise niemand an. Die Alten würden stattdessen auf Kosten des Sozialamtes in den ohnehin überfüllte Heimen landen.

    Ich bin froh, daß meine Eltern noch fit sind und ich mich diesem Thema noch nicht stellen muß. Ich will weiß Gott auch niemandem Schwarzarbeit empfehlen, sondern nur wiedergeben, was ich aus zahlreichen seriösen journalistischen Quellen erfahren habe.

    Ein Sohn hat nun auch unter einem Pseudonym ein Buch darüber geschrieben. Das Thema wird in der Gesellschaft ja ansonsten totgeschwiegen. Die Betroffenen haben einerseits ein schlechtes Gewissen, da sie nicht gewillt und/oder in der Lage sind, die Eltern alleine zu pflegen. In ein Heim "abschieben" wollen sie sie aber auch nicht, vor allem wenn sie sich kein besonders komfortables leisten können. Sie leben in der ständigen Angst, daß die Sache auffliegt. Es geht gar nicht so sehr um rechtliche Konsequenzen, vielmehr darum, daß die Eltern von einem Tag auf den anderen ihre Bezugsperson verlieren und in einem Heim landen. Man kennt ja die Berichte, nach denen die Alten in den normalen Heimen einfach nur verwahrt werden und auf den Tod warten. Sie werden teilweise gezielt ins Bett gepflegt, obwohl sie vielleicht noch rüstig wären. Es fehlt Geld und Personal für eine würdevolle Betreuung.

    Um das alles wissen die zuständigen Behörden und die Politiker. Aber unternommen wird nichts. Wir lassen unsere Eltern ihr Leben lang für uns schuften und in die Rentenkassen einzahlen, und dann haben wir für ihre letzten Lebensjahre einfach kein Konzept. Ich ziehe den Hut vor Menschen wie der Expertin in diesem Thread, die sich selbst in dieser Art und Weise einsetzt. Da dies aber nicht die Mehrheit der Kinder bereit ist zu tun, wird es immer eine große Zahl von Pflegefällen geben, für die schlicht keine legale und finanziell realistische Möglichkeit besteht, die letzten Jahre in der Würde zu verbringen, die sie sich eigentlich verdient haben.

  10. Avatar von Trudchen
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    AW: Expertenberatung: Die Eltern selbst zu Hause pflegen

    Guten Abend,
    ich bin mehr zufällig hier gelandet, habe mir dann aber doch die Zeit genommen, alles zu lesen. Zunächst zu Ihnen Frau Biberti: Hut ab. 2 Pflegefälle mit PflgSt 3 zuhause zu versorgen - mir ist, obwohl ich meine, mich in diesem Gebiet relativ gut auszukennen, nicht klar, wie Sie das packen. Und das gilt sowohl für den "logistischen" Bereich als auch - viel mehr - für den psychischen. Zu der Logistik: Bei Pflegestufe 3 1 Stunde pro Tag Hilfe durch einen Pflegedienst scheint mir etwas gering bemessen. Die Module geben, soweit ich weiß, doch etwas mehr her. Zudem erhalten, wenn ich Sie richtig verstanden habe, Ihre beiden Elternteile Pflegeleistungen nach PflSt3 - und da ich annehme, das ein und derselbe Pflegedienst beide versorgt, scheint auch unter diesem Gesichtspunkt die eine genannte Stunde nicht ganz richtig. Mir ist der Hinweis wichtig, um klar zu machen, dass Pflegedienste sehr wohl eine Menge leisten!
    Bei den anderen Beiträgen klang zum Teil an, dass man Pflegebedürftige immer wieder ins Heim "abschiebt". Bei diesem Begriff geht mir der Hut hoch. Niemand, außer denjenigen, die eben zuhause pflegen, und dies auch noch im besten aller Sinne, kann meines Erachtens nach beurteilen, welche Belastung dies für alle (!!) Beteiligten ist. Und damit meine ich mitnichten die Finanzen. Wer 24 Std mit einem demenziell Erkrankten lebt, wer erlebt, wie die eigenen Eltern sich mehr und mehr von einem "weg leben", wer erlebt, wie ein Mensch immer mehr Pflege benötigt, sich wundliegt und nachts schreit, Menschen ruft, die es schon lange nicht mehr gibt - all dies und noch vieles mehr im eigenen Haushalt, und das rund um die Uhr. Das schaffen viele nicht. Die Folgen: die eigene Gesundheit wird angegriffen, physisch wie psychisch, das Familienleben leidet, das eigene Leben sowieso. "ich kann nicht mehr" - auch hier im wahrsten aller Sinne. Oft genug ein Nährboden für Aggression - und das im übrigen sehr häufig von beiden Seiten. Stichwort "Gewalt in der Pflege"!!! Ehe es soweit kommt, denke ich, ist ein Heim einfach die bessere Lösung - und wahrlich kein Abschieben. Ich kenne genügend Fälle, in denen ein Umzug, so schwer die Entscheidung auch immer war, die einzig mögliche Lösung war. Das wird leider oft genug vergessen - und damit wird denjenigen, die wirklich nicht mehr können, die es versuchen, weit länger als es eigentlich geht, die Sache noch schwerer gemacht und ein schlechtes Gewissen produziert. Es mag diese Fälle des "abschiebens" geben - aber sie sind sehr sehr selten. Und das u.a. auch, weil unsere Pflegeversicherung nach dem Grundsatz "ambulant vor stationär" eine Teilkaskoversicherung ist - von der weder eine wirklich gute ambulante noch eine ebenso gute stattionäre Pflege wirklich bezahlt werden kann.
    Geändert von Trudchen (03.06.2007 um 18:55 Uhr)

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