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    AW: Schwierige Familienverhältnisse/ kein Kontakt

    Ich möchte noch etwas zum Gedanken, "es wird ja wohl auch etwas positives gegeben haben" hinzufügen:

    Wenn ich mich endlich dazu durchgerungen habe, meine Familienprobleme zu schildern, dann darf ich das ohne ständig hinzufügen zu müssen, dass nicht alles schlecht war.

    Man kämpft da doch eh oft schon damit, sich selbst das Negative anzusehen und nicht dauernd in das "nicht alles war schlecht, also darf ich nicht so traurig/wütend/whatever sein" reinzurutschen und das Anschauen des Schwierigen mittels Selbstzensur zu verunmöglichen.

    zumindest geht es mir so.
    Never be afraid, never.

  2. Inaktiver User

    AW: Schwierige Familienverhältnisse/ kein Kontakt

    Das ist schon auch wahr!

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    AW: Schwierige Familienverhältnisse/ kein Kontakt

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Meine Lösung: Kontaktabbruch zur kompletten Ursprungsfamilie.
    Wenn ich die TE richtig lese, dann ist das bereits der Status quo und entspricht auch dem Strang-Titel.

    Die Empfehlung, Kontakte komplett abzubrechen, wird hier im Forum fast reflexartig von denjenigen ausgesprochen, die das für sich selbst so gehandhabt haben.

    Bei der TE sehe ich aber keine bewusste Entscheidung für diesen schwerwiegenden Schritt, sondern eher eine Aneinanderreihung einzelner Dynamiken.

    Auch erwachsene Geschwister verstehen leider oft nicht, dass sie in der Familie unterschiedliche Rollen eingenommen und jeweils mit Sicherheit auch individuelle Verletzungen erfahren haben. Daraus resultiert dann *er/sie versteht mich nicht*, was letztlich zum Bruch führt. Eine Beziehungsbrücke wäre zB *das muss auch ganz schön schwierig für Dich gewesen sein*. So viel zur Theorie, die Praxis sieht dann eben aus, wie die TE es beschreibt.

    Empathie für eine belastende Gefühlslage zu empfinden und dennoch gewisse Ansätze zu hinterfragen stellt für mich persönlich keinen Widerspruch dar. Ganz im Gegenteil.

    Es steht wohl außer Frage, dass zB die Phase der Parentifizierung, welche die TE als junge Frau erlebt hat, einem gesunden Mutter-Tochter Verhältnis im Weg stand, wenn sie nicht nachträglich (am besten mit einer einsichtigen Mutter selbst) aufgearbeitet wurde.

    Ein 16-maliger Schulwechsel im Laufe von rund 12 Jahren übersteigt meine Vorstellungskraft. Dafür können die Gründe noch so plausibel sein - die negative Erfahrung für ständig erneute Entwurzelung prägen sicher auf Lebzeiten. Dazu kommt die Tatsache, dass im Laufe des Schullebens wohl 16 verschiedene Schulpsychologen konsultiert werden mussten.

    Diese Vorkommnisse und Erlebnisse sollten in der Tat mit den Eltern besprochen werden können. Mich hat lediglich irritiert, dass @Dodo anscheinend über die Beziehung zwischen Mutter und Vater eben mit den Eltern sprechen möchte. Salopp ausgedrückt, geht sie das nämlich tatsächlich nichts an. Und darin sehe ich auch die Gesprächs-Verweigerung des Vaters begründet.

    Dennoch verstehe ich natürlich die Ur-Sehnsucht nach der sog. heilen Familie. Es ist der Wunsch nach einem Ort, an dem man sein darf, wie man ist. Familie gibt im Idealfall die Sicherheit, geliebt und geschützt zu sein. Daran müss(t)en aber alle Beteiligten arbeiten, als Einzelner steht man da auf verlorenem Posten.

    Die Schuld den Eltern und Geschwistern zu geben bringt einen vor allem emotional nicht weiter. Man ist eben Teil just dieser schwierigen Familie und hat ggfs. (!) auch einen eigenen Anteil an der Entwicklung. Die ehrliche Auseinandersetzung mit dem Thema ist wohl eine der größten und anspruchsvollsten Herausforderungen, denen wir uns als Erwachsene stellen können.

  4. Inaktiver User

    AW: Schwierige Familienverhältnisse/ kein Kontakt

    Ich finde, Du hast das sehr einleuchtend und umsichtig erörtert. Und ich denke, als Einzelner steht man da durchaus nicht auf verlorenem Posten, sondern kann eben tun, was man allein tun kann.

    "Die intakte Familie" an sich dürfte es wohl nur in Ausnahmefällen geben. Normalerweise gehört es dazu, dass Verletzungen geschehen und zwar von allen Seiten.

    Ein bisschen wohlwollende Betrachtungsweise kann das eigene und das Familienleben erleichtern. Muss aber zugeben, dass ich früher über so etwas nicht groß nachgedacht habe, und selbst durchaus nicht perfekt darin bin.
    Geändert von Inaktiver User (10.10.2021 um 10:03 Uhr)

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    AW: Schwierige Familienverhältnisse/ kein Kontakt

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen

    Diese Sprüche sind nur der Versuch, sehr unangenehme Realitäten zu verdrängen, nicht hinzuschauen, nicht anzuerkennen, bzw. das Aussprechen dieser Realitäten am Besten zu verhindern und wenn es dennoch ausgesprochen wird, dann muss es abgebügelt werden, der Aussprechende muss irgendwie lächerlich gemacht werden oder als krank hingestellt werden.
    Ja, so sehe ich das auch.

    Ich glaube und habe das in meiner Familie so für mich erklärt, dass die Dinge nicht angesprochen werden, damit das System nicht zusammenbricht. Und aus diesem Grunde werden auch diejenigen, die den Finger in die Wunde legen oder mit ihrem Verhalten dieses System aufrütteln beschwichtigt, abgewertet und schlimmstenfalls ausgeschlossen.
    Das ist dysfunktional. Das habe ich in meiner Familie nie wahr haben wollen und dagegen angekämpft. Man möchte doch Familie haben und den Kontakt zur eigenen Herkunft und Vergangenheit behalten.

    Es ist sehr verletzend, von der eigenen Familie so ausgegrenzt zu werden, eigene Gefühle und Belange abgwertet zu sehen.
    Genau deswegen fällt es auch so lange so schwer, diese Familie einfach zu verlassen, und weil man es so lange nicht versteht.

    Liebe TE,
    suche Deinen Boden in Dir selbst, denn da ist er zu finden.
    Du bis einzigartig und kannst auswählen, was zu Deinen Werten, Deinen Erinnerungen und Deinem Lebensmotto gehört. Das genau tun alle Familienmitglieder ja auch. Genausowenig, wie Du die Manipulation von Deiner Familie möchtest, brauchst Du auch keine Verantwortung für deren Leben übernehmen. Wenn Deine Eltern im Alter einsam sein sollten, dann ist das doch in erster Linie ihr eigenes Schicksal, welches sie sich auferlegt haben. Hätten sie mit Dir ein herzliches und unterstützendes Verhältnis im Alter haben wollen, hätten sie sich von Dir nicht distanzieren müssen.

    Ich bin auch der Meinung, dass Du niemandem hinterherrennen solltest.
    Was wäre das für ein Kontakt, den Du herbeireden müsstest.
    Ich glaube auch, dass man sich etwas vormacht, wenn man sich mit Geschwistern und Eltern versöhnen und aussprechen will, weil man hofft, dass sie zu denen werden, die man sich erhofft hat, die man glaubt verdient zu haben. Wir alle haben aber keinen Anspruch darauf, die besten und richtigen Eltern und liebende GEschwister zu haben. Wir werden in ein System hineingeboren, welches wir annehmen können oder unsere eigenen Wege gehen müssen.

    Dir alles Liebe, E.
    Man muss nur immer einmal öfter aufstehen als man umgefallen ist.
    "Ihr sollt immer denken: Ich werde es schaffen" Dalai Lama


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    AW: Schwierige Familienverhältnisse/ kein Kontakt

    Zitat Zitat von Dodoanteportas Beitrag anzeigen
    Meine Schwester hat mir vor Jahren Ihre Enttäuschung mitgeteilt und das sie sich von meinen Eltern trennen möchte. Mir geht es ähnlich.
    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Wobei - man will sich doch nicht von den Eltern trennen, sondern nur Verhaltensweisen und Situationen.
    Insofern sind diese "Trennungen" seltenst ganz eindeutige Richtungen.
    Warum nicht einfach mal das Gefühl der TE stehen lassen, wie sie es fühlt, sie braucht niemanden, der ihr erklärt, wie sie zu fühlen hat und was "man" so will.

    Liebe Dodo, der wichtigste Rat ist, niemals rechtfertigen. So wie du fühlst, so ist es. Die Gesellschaft wäre vermutlich sehr überrascht, wenn sich Kinder tatsächlich von ihren Eltern trennen würden, sie sich beispielsweise scheiden lassen würden, wenn es diese Möglichkeit gäbe.

    Es bleibt nur der Kontaktabbruch und selbst der ist für viele schwer vorstellbar, dass das ein richtiger Weg für manche ist.

  7. Inaktiver User

    AW: Schwierige Familienverhältnisse/ kein Kontakt

    Zitat Zitat von Einzelne Beitrag anzeigen
    Ja, so sehe ich das auch.

    Ich glaube und habe das in meiner Familie so für mich erklärt,...

    Liebe TE,
    suche Deinen Boden in Dir selbst, denn da ist er zu finden.

    Ich bin auch der Meinung, dass Du niemandem hinterherrennen solltest.
    Was wäre das für ein Kontakt, den Du herbeireden müsstest.
    Ich glaube auch, dass man sich etwas vormacht, wenn man sich mit Geschwistern und Eltern versöhnen und aussprechen will, weil man hofft, dass sie zu denen werden, die man sich erhofft hat, die man glaubt verdient zu haben. Wir alle haben aber keinen Anspruch darauf, die besten und richtigen Eltern und liebende GEschwister zu haben. Wir werden in ein System hineingeboren, welches wir annehmen können oder unsere eigenen Wege gehen müssen.

    Dir alles Liebe, E.
    Bestes Posting überhaupt. Danke, @Einzelne

  8. Inaktiver User

    AW: Schwierige Familienverhältnisse/ kein Kontakt

    Zitat Zitat von merinowool Beitrag anzeigen
    Warum nicht einfach mal das Gefühl der TE stehen lassen, wie sie es fühlt, sie braucht niemanden, der ihr erklärt, wie sie zu fühlen hat und was "man" so will.
    Ich spreche doch niemandem sein Gefühl ab!
    Auch sage ich nicht, was sie zu fühlen hat.

    Es ist eine erweiterte Sichtweise auf "Trennung zu den Eltern", die sehr hilfreich sein kann.
    Es kann sehr helfen, wenn man in dem schwierigen Zwiespalt von Liebe &Trennung steckt.
    Warum sollte man dieses ausklammern, wenn doch das eigene Gefühl dabei keine Sekunde geschmälert wird!?


    Zitat Zitat von merinowool Beitrag anzeigen
    Die Gesellschaft wäre vermutlich sehr überrascht, wenn sich Kinder tatsächlich von ihren Eltern trennen würden, sie sich beispielsweise scheiden lassen würden, wenn es diese Möglichkeit gäbe.
    Es gibt doch durchaus Kinder, die von ihren Eltern "getrennt" sind.
    Davon können hier doch auch genug berichten.
    Ich bin übrigens keiner, der so ein Verhalten ablehnt - denn es kann im eigenen Leben viel Frieden bringen.

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    AW: Schwierige Familienverhältnisse/ kein Kontakt

    Zitat Zitat von Dodoanteportas Beitrag anzeigen
    Nun, ich musste Wöchentlich 1 Std zur Schulpsychologin. So war das damals in meiner Schulzeit.
    Das mag für dich zutreffen, aber ganz sicher nicht für alle Schweizer Schulkinder damals, und noch weniger war das gesetzlich irgendwie vorgeschrieben (wie du es darstellst). Ich glaube dir durchaus, dass du zum Schulpsychologen musstest, weil man das angezeigt fand in deinem Fall, aber da warst du ein Einzelfall, das war nicht "so damals".
    Geändert von Azilal (11.10.2021 um 12:54 Uhr)

  10. Inaktiver User

    AW: Schwierige Familienverhältnisse/ kein Kontakt

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich finde, Du hast das sehr einleuchtend und umsichtig erörtert. Und ich denke, als Einzelner steht man da durchaus nicht auf verlorenem Posten, sondern kann eben tun, was man allein tun kann.

    "Die intakte Familie" an sich dürfte es wohl nur in Ausnahmefällen geben. Normalerweise gehört es dazu, dass Verletzungen geschehen und zwar von allen Seiten.

    Ein bisschen wohlwollende Betrachtungsweise kann das eigene und das Familienleben erleichtern. Muss aber zugeben, dass ich früher über so etwas nicht groß nachgedacht habe, und selbst durchaus nicht perfekt darin bin.
    Vielleicht gibt es da ein paar Marker?
    Marker an denen man erkennen kann ob es sich lohnt das Gefüge Familie noch als so etwas zu empfinden?

    Sehnsucht nach ihnen, noch vorhandenes Vertrauen, echtes Interesse

    Werte können sich ändern.
    Mir hat der Film "Monsieur Claudet und seine Töchter" sehr die Augen geöffnet.
    Gut, Monsieur hat auch etwas nachgeholfen, aber Filme sind ja total umzusetzen.

    Jedenfalls war da das Thema, dass jede der Töchter in eine andere Welt hinein geheiratet hatte....

    Kann es da einen gemeinsamen Nenner noch geben?
    Ja, kann es. Die noch vorhandene Liebe zueinander. Und eben auch noch die neuen Beziehungen die dazu kommen.

    Bei der Mutter die Oma wird, also zu den Enkeln, bei der Schwester die zur Tante wird.

    Das kann schon ein ganz doller Kitt sein.
    Und, ehrlich gesagt - bei den so heilen tollen Familien hocken auch immer alle zusammen.

    Sie sind alle so toll. Das wäre mir dann auch zu wenig Individualismus.
    So ein paar schräge Vögel in der Familie sind mir lieber.

    Was das ist was Familien völlig auseinander bringt kann man vielleicht nicht so ganz eindeutig benennen.

    Bei meinen Schwestern ist es zum Beispiel: mangelnde Friedfertigkeit.
    Irgendwann sollte es kein Thema mehr sein wen die Eltern lieber hatten oder noch haben.

    Da hat man sich dann eben selber lieb - oder Menschen gefunden die das tun.

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