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    Meine cholerische Familie...

    Ich weiß nicht, ob meine Überschrift mein Problem überhaupt richtig erfasst, aber ich bin momentan so aufgewühlt und weiß gerade gar nicht, wie ich mich „sortieren“ soll...

    Ich habe schon immer ein etwas schwieriges Verhältnis zu meinen Eltern gehabt. Ich fand sie schon früh „komisch“ und tat mich schwer, mich dazugehörig zu fühlen (was natürlich auch an meiner Sozialisation liegt, ich habe die ersten fünf Jahre nicht bei ihnen verbracht). Ich habe mich dann recht früh abgegrenzt, bin weggezogen, habe mein eigenes Leben geführt und ein halbwegs gutes Verhältnis zu ihnen gepflegt. Das ging vor allem dadurch, dass ich die Berührungspunkte reduziert habe, jegliche Einmischung in mein Leben unterbunden habe und umgekehrt mich nicht in ihre Dinge eingemischt habe.

    Nun bin ich wegen einer Familienfeier ins Ausland gereist, habe die letzten Tage mit ihnen und meinen Geschwistern unter einem Dach verbracht und wäre vorhin am liebsten abgereist und hätte die Feier morgen sausen gelassen. Mein Vater ist ein absoluter Choleriker. Eine Kleinigkeit reicht und er rastet aus. Brüllt herum, steigert sich immer mehr hinein, wertet „sein Opfer“ ab (in erster Linie meine Mutter, früher aber auch uns Kinder, heutzutage macht er das mit mir nicht, weil ich mir das nicht bieten lasse und gehe, aber bei meinen Geschwistern passiert das hin und wieder).

    Ich fand dieses Verhalten schon als Teenager furchtbar, wollte mir das nicht bieten lassen, fand es aber genauso wenig anderen gegenüber angemessen. Da mein Vater sonst ein sehr intelligenter Mensch ist, hatte ich lange Zeit gedacht, mit Einsicht könnte er etwas dagegen tun. Ich versuchte eine Zeit lang mit ihm darüber zu reden . Irgendwann gab ich es auf und wählte für mich Distanz als meinen Weg, damit umzugehen.

    Das war die letzten Tage leider nicht möglich... und ich bin entsetzt und erschlagen, WIE der Umgang mit den vermeintlich „liebsten“ Menschen ist . Das schlimme ist, meine Geschwister machen das genau so wie er. Da wird der Partner so dermaßen niedergemacht, dass es mir als Außenstehender weh tut, das mitanzusehen. Hinzu kommt, wenn die drei in Rage geraten, gerät alles andere in den Hintergrund, da wird keine Rücksicht auf Unbeteiligte genommen, kein Gedanke daran verschwendet, dass sich irgendjemand womöglich unbehaglich fühlen könnte.

    Da hilft auch keine Vernunft, keine Beschwichtigung, gar nichts. Sie fühlen sich in dem Moment gekränkt und es wird dem anderen in vielfacher Weise „heimgezahlt“.

    Bei mir löst das eine Art Flashback aus. Ich fühle mich ähnlich bedroht wie in meinen Jugendtagen. Gleichzeitig widert mich dieses Verhalten an! Ich finde es absolut egoistisch und rücksichtslos. Was mich aber am allermeisten entsetzt ist, dass mir bewusst wird, dass ich trotz aller Bemühungen bei mir selbst, an anderer Stelle ein ähnliches Verhalten viel zu lange ertragen habe... ich habe früh erkannt, dass die Umstände, in denen ich aufgewachsen bin, auch mich negativ geprägt habe und ich lange in verschiedensten Situationen instinktiv Aggressionen verspürte, die nicht der Situation angemessen waren. Ich war aber entschlossen, das nicht an anderen und vor allem nicht an den Menschen auszulassen, die mir am nächsten standen und die ich am meisten liebte.

    Ich würde nicht behaupten, dass mir das immer gelungen ist. Dennoch habe ich in meinem Umfeld öfter gehört, dass man meine Geduld und meine ruhige Art auch in Konfliktsituationen bewundern würde. Selbst mit meinen Zwillingen... und diese Tage ist es mir bewusst geworden, dass sich die beiden in Konfliktsituationen GENAU SO aufführen wie mein Vater!
    Meine ganze Geduld und mein Verständnis, meine überlegte Art haben nicht dazu geführt, dass sie ähnlich reagieren. Stattdessen brüllen sie ihre Wut, ihren Frust und jegliches Unbehagen lauthals heraus, ohne Rücksicht auf irgendwelche „kollateralen Schäden“.

    Und auch wenn ich es immer noch gerne „verstehen“ würde, was es ist, was so offenbar so übermächtig in ihnen allen brodelt und welche Möglichkeiten es gäbe, dem beizukommen, überwiegt in mir gerade das Gefühl, ich mag nicht mehr! Ich mag mich nicht mit solchen Leuten abgeben, mag mir nicht mehr den Kopf über ihre Probleme zerbrechen. Macht euren Sch... alleine, MIR tut es nicht gut!

    Falls ihr euch fragt, warum ich das hier schreibe... ich weiß es nicht so genau... vielleicht, weil ich erschrocken darüber bin, wie sehr ich da immer noch verstrickt bin, wie sehr ich daran gewöhnt bin, dass ich es viel zu schnell „vergesse“, viel zu schnell darüber hinwegsehe und auf Friede-Freude-Eierkuchen mache und dadurch dieses System mit aufrechterhalte. Vielleicht brauche ich Bestätigung von außen, dass das tatsächlich so schlimm ist, wie es meine Seele empfindet und ich mich konsequenter „schützen“ muss, indem ich nicht nur dieses Verhalten mir gegenüber nicht zulasse, sondern es überhaupt nicht über mich „ergehen“ lasse.

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    AW: Meine cholerische Familie...

    Guten Morgen!

    Ich bin gerade erst aufgestanden, trinke den ersten Tasskaff in meinem Garten und will Dir einfach eine klene Drchhalteparole schicken.Für mehr Tipparbeit bin ich noch zu müde.

    Ja, das Leben und insbesondere Familienstrukturen sind teilweise sehr speziell und halten alle möglichen "Challenges" für uns bereit. Manche kann man einfach nur mit Humor nehmen und sagen, da habe ich mal wieder Geld fürs Kabarett gespart.

    Villeicht hilft Dir so ein Positionswechsel? Ich wünsche es Dir!

    lg luci

    ps. Falls Du dem Zirkus den Rücken kehren willst und meine Famileinprobleme nachlesen willst, im Forum Erziehung gibts einen Strang "Geschenke von der Patentante - Zensur".
    da stehen 25 Jahre Ärger . .
    LEBE LIEBER UNGEWÖHNLICH

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    AW: Meine cholerische Familie...

    Zitat Zitat von daisymiller2 Beitrag anzeigen
    ... wäre vorhin am liebsten abgereist und hätte die Feier morgen sausen gelassen.
    Warum hast Du nicht genau das getan?

    Das wäre auf alle Fälle konsequenter gewesen als zu bleiben und Dich gleichzeitig als Opfer von Vater und Geschwistern zu fühlen.

    Niemand ist freiwillig und vorsätzlich cholerisch.
    Egal, wie sehr Du das Verhalten zu ergründen und verstehen versuchst - Du wirst daran nichts ändern können. Schon gar nicht durch rationale Argumentation.

    Wenn die jähzornigen Anteile die sicher auch guten Eigenschaften überwiegen und sie Dich sehr belasten, dann bleibt Dir tatsächlich nur das, was Du ja selbst für Dich als Konsequenz siehst: nämlich auf Distanz gehen.

  4. 09.08.2021, 07:03


  5. Inaktiver User

    AW: Meine cholerische Familie...

    Ich habe zwei Verständnisfragen:
    Von wie alten Zwillingen reden wir da? Und: reagieren sie nur bei Streit untereinander so, wie dein Vater, oder bei jedem Streit, egal mit wem?

  6. Moderation

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    AW: Meine cholerische Familie...

    Zitat Zitat von schafwolle Beitrag anzeigen
    Warum hast Du nicht genau das getan?

    .
    Ein Hinweis von mir, Schafwolle. "Warum" Fragen wirken häufig wie Schuldzuweisungen. Das ist hier im Familienforum bei sensiblen Themen nicht ideal, wie einige Strangentwicklungen der letzten Zeit gezeigt haben.
    Islabonita

    Moderation im Freundschaftsforum, Umgangsformen, Familiensache, Mietforum und in Rund um die Bewerbung - ansonsten normale Userin

  7. Moderation

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    AW: Meine cholerische Familie...

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich habe zwei Verständnisfragen:
    Von wie alten Zwillingen reden wir da? Und: reagieren sie nur bei Streit untereinander so, wie dein Vater, oder bei jedem Streit, egal mit wem?
    Das wären auch meine Fragen gewesen.

    Ansonsten kann ich dir nur den Tipp geben, zukünftig nicht mehr bei deiner Familie zu wohnen, sondern dir eine eigene Bleibe zu mieten, wenn Familienzusammenkünfte anstehen und du dabei sein möchtest.

    Jetzt hilft nur entweder doch abreisen oder die restliche Zeit versuchen zu überstehen.
    Der Körper ist der Übersetzer der Seele ins Sichtbare.
    Christian Morgenstern
    In einer Stunde ruhigen Sitzens verbrennt man 73 Kilokalorien.
    - Ich habe meinen Sport gefunden.


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    Moderatorin für:

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    AW: Meine cholerische Familie...

    Liebe Daisy,

    ich kenne ein paar Stränge von dir- die Zwillinge sind erwachsen.

    Ich möchte hier den Gedanken einwerfen, dass deine Töchter ev. ausagiert haben, was du bei dir selbst versucht hast zu unterdrücken.
    Never be afraid, never.

  9. Inaktiver User

    AW: Meine cholerische Familie...

    Es gibt Menschen die impulsiv sind

    Dein vater/geschwister/Kinder haben anscheinend die Ader dazu.

    Ich bin selbst ein impulsiver Typ und da kann es auch relativ schnell hoch kochen.

    Wenn da die richtigen Menschen um mich herum sind, auch gerne mal zur Eskalation.

    Es gibt einfach verschiedene Typen Menschen. Aus einem introvertiertem Typ machst du auch keine Rampen sau.

    Und so ist es für einen impulsivem Typ auch sehr schwer möglich - es unter Kontrolle zu halten.

    Es geht aber ist echt wahnsinnig schwer.

    Wichtig ist nur: wenn dir der Umgang nicht gut tut - dann lasse es.

    Nur weil es Familie ist, musst du das nicht aushalten.

  10. Inaktiver User

    AW: Meine cholerische Familie...

    Ich weiss ja nicht was für eine Feier das war oder ob jemand gefeiert werden musste.
    Und ob dieser zu Befeiernde der nun einer der Pöbler war.

    Ich sehe aber uch nur die 3 klassischen Arten der Reaktion: sich tot stellen, angreifen oder fliehen.

    Ich würde, je nach eigenem Akku, laut werden und demonstrativ den Platz verlassen.
    Und später, mit dem "zu befeiernden", soweit Opfer?, separat feiern.

    Die Zwillinge würde ich jetzt mal endlich wirklich meiden. Sollen sie ohne Dich mal ne Zeit auskommen. Du bist nicht deren Müllabladeplatz.

    Und mal wirklich was für Dich gutes tun.

  11. Inaktiver User

    AW: Meine cholerische Familie...

    Okay, erwachsene Zwillinge, danke für die Info.

    Dann würde ich sie genauso behandeln, wie du die anderen Erwachsenen in solcher Situation behandelst: raus, weg, davongehen. Wer cholerisch toben will, soll das ohne dich tun. Das gilt auch für die Zwillinge.

    Temperament hat eine genetische Komponente, sprich: der Hang zu cholerischem Gebaren ist teilweise angeboren. Durch Erziehung / Sozialisation und/oder Willensakt kann es möglich sein, sich andere Verhaltensmuster anzueignen, doch die genetische Grundkonstitution wird man nie los. Das heisst für dich: es gibt keinen Grund, bei dir irgendwelche "Schuld" zu suchen dafür, dass die cholerischen Ausbrüche bei deinen Zwillingen nicht vollständig ausgemerzt wurden. Das ist schlicht nicht möglich.
    Es kann gut sein, dass die Zwillinge in einem nicht-cholerischen Umfeld recht weit gehende nicht-cholerische Verhaltensweisen an den Tag legen können, weil sie dies von dir so gelernt haben, und nur dann in ein cholerisches Muster fallen, wenn sie sich in einer Umgebung befinden, in der dieses Muster allgemein dominiert, wie das offenbar innerhalb deiner erweiterten Familie (Vater und Geschwister) der Fall ist.

    Da hilft nur: entzieh dich diesem Umfeld. Beschränke dein diesem Umfeld Ausgesetzt-Sein aufs Minimum (heisst z.B. auch: bei Familientreffen nur ganz genau während dieses Treffens dort sein, ansonsten extern übernachten und einzelne Familienmitglieder einzeln treffen, nicht zu mehreren und schon gar nicht im Rudel). Und konsequent davonlaufen, wenn cholerisches Getue durchbricht. Ja, auch, wenn es von den Zwillingen kommt. Ansage: "mir mir so nicht" und gehen. Nicht mehr diskutieren.

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