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    Kontaktabbruch zur Familie - mir geht es nicht gut (sehr lang)

    Hallo,

    da ich die letzte Zeit wieder vermehrt grüble und nicht so recht weiß, wohin mit meinen Gedanken, schreibe ich sie mal hier auf. Vielleicht kann mir jemand helfen, das Gedankenkarussell zu durchbrechen und die Situation "richtig" zu sehen. Ich drehe mich einfach nur noch im Kreis.

    Ich habe vor ca. 1 Jahr hier schon einmal geschrieben. Da ging es um meinen Vater. Von daher kennen vielleicht einige meine Geschichte mit meinem Vater. Aber das ist nur ein kleiner Teil.

    Meine Familienverhältnisse sind sehr schwierig. Gewalttätiger Vater, (daraus bedingt) alkoholkranke Mutter, später "böse" Stiefmutter in schwieriger Patchworkfamilie. Und ich mit einer betreuungsintensiven chronischen Erkrankung (dialysepflichtige Niereninsuffizienz) dazwischen...

    Ich bin die älteste von 1,5 Geschwistern plus Stiefbruder. (Zur Stiefmutter und -bruder besteht schon ganz lange kein Kontakt mehr.) Im Teenageralter bezog sich mein Hauptkontakt auf meine fast geheilte Mutter, die immer für mich da war, wenn meine Hauptfamilie mich mal wieder gemobbt hat, und meine Schwester, die mir immer sehr wichtig war. Ich hätte bis vor 6 Jahren meine Hand dafür ins Feuer gelegt, dass uns nichts auseinander bringen würde. :(

    Meine Familie hat mich immer als Störenfried gesehen. Ich hab als Kind versucht, das nicht so an mich heran zu lassen. Aber doch hab ich mich immer wertlos gefühlt.
    Mit 18 bin ich mehr oder weniger freiwillig ausgezogen mit sehr viel psychischem Ballast im Gepäck. Es folgte ein Auf und Ab mit mal guten und dann wieder schlechteren Phasen bzw. mal war der Kontakt richtig gut mit Familienfeiern etc. und dann passte meinem Vater mal wieder was an meinem Lebenswandel/-lauf nicht (hab nicht studiert oder bin nicht ins Ausland gegangen, weil ich Geld verdienen musste, da er keinen Unterhalt gezahlt hat) und hat mich total runter gemacht. Es sind sehr tiefe Verletzungen passiert, die bis heute nicht verheilt sind und wahrscheinlich nie heilen werden.

    Vor ca. 10 Jahren hat er dann den Kontakt zu all seinen Kindern abgebrochen, weil er den Mann meiner Schwester nicht leiden konnte und sie sich nicht von ihm getrennt hat. Da hatte er die Nase voll von seinen Kindern, ohne die sein Leben ja soviel toller gewesen wäre, und er hat den Kontakt abgebrochen. Nicht wirklich ein Verlust wahrscheinlich. Soviel zu meinem Vater.

    Jetzt aber zu meiner Schwester, was mich noch viel mehr beschäftigt (dabei möchte ich das gar nicht mehr).

    Wie gesagt, meine Schwester und ich hatten eigentlich immer guten Kontakt, solange meine Mutter lebte. Wobei sie auch als Kind und Teenie schon kaum eine Gelegenheit ausließ, mich bei meinem Vater in die Pfanne zu hauen, um selber besser da zu stehen. Trotzdem war sie meine Schwester, und ich habe - zusammen mit meiner Mutter - immer zu ihr gehalten, selbst als sie in die Drogensucht abrutschte.

    Mittlerweile hat sie seit ca. 20 Jahren einen soliden und beständigen Lebenswandel mit Mann, 2 Kindern und Eigenheim. Ja, alles Dinge, die ich nicht vorweisen kann, da mein Leben eben nicht so toll gelaufen ist. Und damit bin ich wohl meiner Schwester auch nichts mehr wert. Dabei habe ich trotz meiner Krankheit einen guten Job mit solidem Einkommen, den ich auch gut mache, und ein schönes Leben. Mein größtes Manko ist: Ich bin Messie - wohl auch aus meiner Vergangenheit heraus. Daran arbeite ich, aber allein ist es einfach schwierig. Es ist auch nicht mehr so schlimm wie früher, aber immer noch ein großes Problem.

    Das Problem mit meiner Schwester fing im Grunde schon damit an, als sie ihren Mann kennen lernte. Der meinte sofort, ohne mich überhaupt zu kennen, er würde mich nicht respektieren. Tja, das hab ich mir halt nicht bieten lassen, und somit war das Verhältnis zu meinem Schwager sehr unterkühlt. Man tolerierte sich um des lieben Friedens willen, wobei ich ihm als Mann meiner Schwester immer noch den Grundrespekt entgegen brachte, den jeder verdient.

    Meine Schwester wuchs dann immer mehr in die Familie ihres Mannes hinein. Nebenbei bestand dann der Kontakt zu meiner Mutter als Oma der Kinder und mir als Schwester und (Paten-)Tante. Patentante der mittlerweile 16-jährigen Tochter bin ich allerdings nur auf dem Papier (wenn überhaupt). Die eigentliche Patentante ist die Schwester des Mannes.

    Vor 6 Jahren starb meine Mutter unter sehr traurigen Umständen. Und da fing der Ärger richtig an. Meine Schwester und ihr Mann rissen alles an sich und ich durfte nur noch abnicken. Tat ich es nicht, wurde ich beschimpft, beleidigt und runter gemacht. Sie wollten mir verbieten, eine Grabrede zu halten und meinen damaligen Freund mitzubringen, da dieser noch nicht in die Familie eingeführt wurde (ja, wir kannten uns nun einmal erst einige Wochen). Aber selbst haben sie irgendwelche Freunde mitgebracht. Ich war quasi allein auf der Beerdigung, während sie einen ganzen "Hofstaat" mitgebracht haben.

    Danach ging das Verhältnis rapide bergab. Ich habe noch versucht, den Kontakt zu einer Familienberatungsstelle herzustellen, um mit deren Hilfe vielleicht was zu retten. Aber dazu kam es nicht mehr. Eines Tages brach meine Schwester unter fadenscheinigen Begründungen den Kontakt ab... und das nachdem sie mich am selben Morgen noch zum Geburtstag meines Neffen eingeladen hatte. Da bin ich richtig wütend geworden ob der Ungerechtigkeit und des Unverständnisses. Ich hab ihr geschrieben, dass sie nicht mehr alle Tassen im Schrank haben. Und das würde ich wahrscheinlich heute noch genauso machen.

    Ich hab ca. 1,5 Jahre später ein neues Leben angefangen (Ende 2016). Therapie gemacht und mich hier super in meiner neuen Heimat eingelebt. Mein Leben ist eigentlich gut, könnte kaum besser sein.

    Doch im Herbst letzten Jahres schrieb mich plötzlich mein Vater an, da er wollte, dass ich sein Erbe verwalten soll. Ich musste leider feststellen, dass mein Vater sich nicht geändert hat. Als ich nicht so funktionierte, wie er sich das vorstellte, kamen wieder die wohlbekannten Beleidigungen.... ich brach den Kontakt ab. Einige Wochen später entschuldigte er sich bei mir und der Kontakt lebte wieder auf. Aber ich merkte, dass mich das einfach nur triggert und alte Wunden wieder aufreißt. Ich habe den Kontakt einschlafen lassen. Trotzdem denke ich noch viel darüber nach, ob ich eine schlechte Tochter bin.

    Gestern hab ich durch Zufall mitbekommen, dass meine Schwester anscheinend ein neues Haus gekauft und eingerichtet hat. Es erinnerte mich an damals, als sie in ihr erstes Haus gezogen sind, kurz bevor mein Neffe geboren wurde. Da ist soviel aufgebrochen, dass ich die ganze Zeit einen Kloß im Hals habe. Ich fühle mich so wertlos wie schon lange nicht mehr. Ich frage mich mal wieder, warum ich es nicht wert bin, Teil ihrer Familie zu sein. Ich habe ihr doch nichts getan, im Gegenteil! Ich verstehe es einfach nicht.

    Auf der anderen Seite ist dann allerdings auch diese Verletztheit und das Gefühl, dass ich ihr sowieso niemals verzeihen kann, was sie mir angetan hat. Weg gestoßen wie einen räudigen Hund hat sie mich.

    Dass der Kontakt zu meinem Patenkind abbrach, tut mir auch sehr weh. Ich hab ihr immer noch was zu Weihnachten und ihrem Geburtstag geschickt. Aber von ihr kommt (natürlich) nicht viel. Mittlerweile tut der Kontakt mir auch mehr weh als wenn ich ihn abbrechen würde. Nur: Meine Nichte kann ja auch nichts dafür.

    Letztendlich ist es nur so: Alle sind glücklich, haben ihre Lieblingsmenschen etc.... und ich bin allein! Eigentlich wie immer schon. Und den Gedanken, ein schlechter Mensch zu sein, werde ich einfach nicht los. Da muss ein riesiger blinder Fleck sein...

    Ich weiß einfach nicht, was richtig ist. Am liebsten würde ich den Kontakt zu meiner Familie komplett mit allen Konsequenzen und ohne Kompromisse abbrechen. Aber dann würde ich mich absolut egoistisch und als schlechte Tochter, Schwester, Tante etc. pp fühlen. Egal wie ich es mache, es gibt keine Möglichkeit für mich, mit einem Gefühl da raus zu kommen, mit dem ich leben kann.

    Danke an alle, die es bis hier hin gelesen haben.
    Geändert von Anky-2 (25.05.2021 um 13:29 Uhr)

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    AW: Kontaktabbruch zur Familie - mir geht es nicht gut (sehr lang)

    Zitat Zitat von Anky-2 Beitrag anzeigen
    Am liebsten würde ich den Kontakt zu meiner Familie komplett mit allen Konsequenzen und ohne Kompromisse abbrechen. Aber dann würde ich mich absolut egoistisch und als schlechte Tochter, Schwester, Tante etc. pp fühlen.
    Schlechter als jetzt wäre das auch nicht, oder?
    "Never take things personally. [...] Always give the benefit of doubt, until evidence to the contrary. Never assume malice. We are all going through things and you never know the inner battles some of us fight, so it‘s best to check your ego at the door.“

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    AW: Kontaktabbruch zur Familie - mir geht es nicht gut (sehr lang)

    Zitat Zitat von agathe13 Beitrag anzeigen
    Schlechter als jetzt wäre das auch nicht, oder?
    Es ist das Gefühl, das ich seit ich denken kann, mit mir rumschleppe. Ich möchte das nicht mehr. Und vielleicht ist genau das das Problem, um das es wirklich geht. Ich sehe keinen Weg, dieses Gefühl jemals los zu werden. Allein schon, weil ich nicht weiß, was ich dagegen tun soll oder was ich tun kann, damit ich eben keine schlechte Tochter, Schwester whatever bin.

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    AW: Kontaktabbruch zur Familie - mir geht es nicht gut (sehr lang)

    Anky

    Ich entstamme aus absolut vergleichbaren Verhältnissen und ich kann es dir alles total nachfühlen.

    Ich habe alles hinter mir gelassen. Und dann sind mit der Zeit alle verstorben. Für mich eine Erlösung.

    Ich hab aber 3 Therapien gebraucht um auf die Beine zu kommen und einen wirklich lieben und unterstützenden Ehemann damals.

    Ich drück dich mal und - kämpfe dich frei!

    Lohnt sich

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    AW: Kontaktabbruch zur Familie - mir geht es nicht gut (sehr lang)

    Das Problem, was ich bei euch sehen, ist, dass ihr euch alle nicht besonders gut verstanden habt und euch auch nichts verziehen habt.

    Da vermischen sich bei euch dann die Ebenen, die zwangsläufig zu Streitigkeiten und Wut führen, die aus der Vergangenheit rühren und mit der aktuellen Situation kollidieren.

    Z.B. hast du jahrelang keinen Kontakt zum Vater und der will auf einmal, dass du seine Finanzen verwaltest. Das kann doch nichts werden.

    Du hast auch unterschwelligen Neid und Wut auf deine Schwester, die sich herausgearbeitet hat aus den familiären Zuständen.
    Du wirst aber trotz dieser unterschwelligen Gefühle und der durchwachsenen Beziehung zu ihr und ihrem Mann zur Patentante gemacht.

    Ihr kämt viel besser miteinander aus, wenn ihr auf der oberflächlichen Schiene miteinander umginget. Damit meine ich, dass ihr die Ebene der Höflichkeit nicht verlasst und bestimmte Themen einfach auf sich beruhen lasst.

    Ich würde nur noch zu bestimmten Gelegenheiten kommen, meinem Patenkind auch weiterhin etwas zukommen lassen und mich an Gepflogenheiten halten, wie schönes Weihnachtsfest, frohes neues Jahr oder einen Geburtstagsgruß an die Familie richten.

    Dann hast du innen deine Ruhe und hast trotzdem noch Kontakt.

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    AW: Kontaktabbruch zur Familie - mir geht es nicht gut (sehr lang)

    Zitat Zitat von Cara123 Beitrag anzeigen
    (...) an Gepflogenheiten halten, wie schönes Weihnachtsfest, frohes neues Jahr oder einen Geburtstagsgruß an die Familie richten.

    Dann hast du innen deine Ruhe und hast trotzdem noch Kontakt.
    Das hab ich lange so versucht, aber mich hat das immer total fertig gemacht, wenn dann auch Karten oder Anrufe zurückkamen. Ich hab das nicht gepackt und die z.B. Karten einfach ungelesen entsorgt.
    Irgendwann war ich dann stark genug auch damit aufzuhören und das hat mir sehr gut getan.

    Ich hatte dann noch ein paar Jahre immer wieder so "nostalgisch-brave" Anwandlungen dass ich doch "müsse" um der Form genüge zu tun. Wurden aber immer seltener und kürzer und irgendwann waren sie ganz weg.

    Mir hat die "Gepflogenheit" halt immer viel Unruhe beschert

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    AW: Kontaktabbruch zur Familie - mir geht es nicht gut (sehr lang)

    Liebe TE, als erstes solltest du dich unabhängig von der Meinung deiner Familie machen.
    Du kannst es nicht änderen was und wie sie denken, du kannst aber deine Haltung dazu verändern. Du bist die Person die dir am wichtigsten sein sollte, du bist gut so wie du bist. Du musst dir genügen und nicht anderen.
    Was den Kontaktabbruch betrifft, dass musst du gar nicht und ist auch nicht sinnvoll. Bleib auf Distanz und reagiere nur noch auf positive Signale. Nur wer dir gut tut, hat einen Platz in deinem Leben, alle anderen bleiben außen vor.
    Ich habe auch ein sehr problematisches Verhältniss zu meinem Vater. Aufgrund eines Missverständnisses herschte ein Jahr Sendepause. Das tat mir nicht gut. Ich habe die Eigenarten meines Vaters mitlerweile akzeptiert, ich kann sie sowieso nicht änderten und Diskussionen erfordern zu viel unnötige Energie.
    Für meinen Seelenfrieden helfe ich ihm, auch weil er mittlerweile Hilflos ist. Ein Kontaktabruch von der Familie ist nur formal möglich, alles was damit zusammenhängt bleibt sowieso in einem drinnen.
    Und wenn ein Elternteil nicht mehr lebt, ist es nicht mehr möglich, bestimmte Sachen nachzuholen. Das was dann bleibt, wiegt schwerer als, die Erleichterung eines Kontaktabruches.
    Aber eine Distanz zu wahren, gibt dir die Hoheit, entsprechend deiner Bedürfnissen zu handeln.
    Und noch was ganz wichtiges, egal was irgendjemand tut oder sagt, es hat immer nur mit ihm selber zu tun, auch wenn du offensichtlich der Adressat bist. Nur du allein gibst dir den Wert den du brauchst, niemand von Außen.

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    AW: Kontaktabbruch zur Familie - mir geht es nicht gut (sehr lang)

    Liebe Anky, in deiner Familie scheint keine Beziehung tragfähig zu sein, jeder Kontakt ist belastet und das Gesamtkonstrukt dysfunktional. Dort wirst du keine Lieblingsmenschen finden, so sehr du dich auch bemühst.

    Steig doch von diesem toten Pferd ab und gebe deine ganze Energie da hinein, dir Lieblingsmenschen anderswo zu suchen. Dir fehlt ja ein stabiles Netzwerk, das die Familie für dich ersetzt. Das gibt es auch ohne Blutsverwandtschaft, und es lohnt sich, daran zu arbeiten.

    Hast du enge Freundschaften oder ein Hobby / Ehrenamt, bei dem du "etwas zurückbekommst"? Was ist der Grund, dass du keinen Partner hast? Möchtest du keinen? Oder weißt du nicht, wie du es angehen sollst? Bist du auf der Suche?

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    AW: Kontaktabbruch zur Familie - mir geht es nicht gut (sehr lang)

    Zitat Zitat von R_Rokeby Beitrag anzeigen
    Das hab ich lange so versucht, aber mich hat das immer total fertig gemacht, wenn dann auch Karten oder Anrufe zurückkamen. Ich hab das nicht gepackt und die z.B. Karten einfach ungelesen entsorgt.
    Irgendwann war ich dann stark genug auch damit aufzuhören und das hat mir sehr gut getan.

    Ich hatte dann noch ein paar Jahre immer wieder so "nostalgisch-brave" Anwandlungen dass ich doch "müsse" um der Form genüge zu tun. Wurden aber immer seltener und kürzer und irgendwann waren sie ganz weg.

    Mir hat die "Gepflogenheit" halt immer viel Unruhe beschert
    Wenn das so für dich war, o.k.

    Aber wie die TE dann damit klarkommt, müsste sie ausprobieren.

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    AW: Kontaktabbruch zur Familie - mir geht es nicht gut (sehr lang)

    Zitat Zitat von R_Rokeby Beitrag anzeigen
    Anky

    Ich entstamme aus absolut vergleichbaren Verhältnissen und ich kann es dir alles total nachfühlen.

    Ich habe alles hinter mir gelassen. Und dann sind mit der Zeit alle verstorben. Für mich eine Erlösung.

    Ich hab aber 3 Therapien gebraucht um auf die Beine zu kommen und einen wirklich lieben und unterstützenden Ehemann damals.

    Ich drück dich mal und - kämpfe dich frei!

    Lohnt sich
    Danke Dir für die lieben unterstützenden Worte!

    Ich hab leider niemanden, der mich unterstützt. :( Das ist ja das schwierige. Ich mache alles mit mir selbst aus. Selbst in Therapien ist es nicht so wirklich gelungen, an diese familiären Wunden heran zu gehen. Vielleicht auch, weil ich selbst nicht bereit dazu war bzw. dachte, ich hätte das im Griff. Aber es poppt halt doch immer wieder auf.

    Zitat Zitat von Cara123 Beitrag anzeigen
    Das Problem, was ich bei euch sehen, ist, dass ihr euch alle nicht besonders gut verstanden habt und euch auch nichts verziehen habt.

    Da vermischen sich bei euch dann die Ebenen, die zwangsläufig zu Streitigkeiten und Wut führen, die aus der Vergangenheit rühren und mit der aktuellen Situation kollidieren.

    Z.B. hast du jahrelang keinen Kontakt zum Vater und der will auf einmal, dass du seine Finanzen verwaltest. Das kann doch nichts werden.

    Du hast auch unterschwelligen Neid und Wut auf deine Schwester, die sich herausgearbeitet hat aus den familiären Zuständen.
    Du wirst aber trotz dieser unterschwelligen Gefühle und der durchwachsenen Beziehung zu ihr und ihrem Mann zur Patentante gemacht.
    Naja, mein Problem ist - glaube ich - eher, dass ich meine Schwester trotz allem auch liebe. Und es tut halt immens weh zu wissen, dass ich ihr offenbar egal bin und immer war. Ich bin nicht direkt neidisch, zumindest nicht auf ihr Leben. Das wäre sowieso nicht meines. Ich empfinde vielmehr eine Ungerechtigkeit in dem Sinne, dass ich nach wie vor Schuldgefühle habe, obwohl ich (subjektiv betrachtet) ihr nie was getan habe, während sie mich so eiskalt abserviert. Ich wünschte, meine Schwester wäre mir egal. Und allein dieser Gedanke erzeugt in mir schon wieder Schuldgefühle. Es ist ein Teufelskreis.

    Mehr als obenflächlichen Kontakt haben wir sowieso nicht. Aber der reißt eben auch immer wieder diese Wunden auf.

    Zitat Zitat von R_Rokeby Beitrag anzeigen
    Das hab ich lange so versucht, aber mich hat das immer total fertig gemacht, wenn dann auch Karten oder Anrufe zurückkamen. Ich hab das nicht gepackt und die z.B. Karten einfach ungelesen entsorgt.
    Irgendwann war ich dann stark genug auch damit aufzuhören und das hat mir sehr gut getan.

    Ich hatte dann noch ein paar Jahre immer wieder so "nostalgisch-brave" Anwandlungen dass ich doch "müsse" um der Form genüge zu tun. Wurden aber immer seltener und kürzer und irgendwann waren sie ganz weg.

    Mir hat die "Gepflogenheit" halt immer viel Unruhe beschert
    Ja, genau so.

    Ich zumindest habe auch irgendwo noch diesen moralischen Kompass, dass man seine Familie nicht im Stich lässt, dass man in einer Familie füreinander da ist.

    Zitat Zitat von catlady3 Beitrag anzeigen
    Liebe TE, als erstes solltest du dich unabhängig von der Meinung deiner Familie machen.
    Du kannst es nicht änderen was und wie sie denken, du kannst aber deine Haltung dazu verändern. Du bist die Person die dir am wichtigsten sein sollte, du bist gut so wie du bist. Du musst dir genügen und nicht anderen.
    Ja, da versuche ich hinzukommen. Aber der oben beschriebene "moralische Kompass" verursacht ein Gefühl von Egoismus, wenn ich versuche, für mich zu sorgen. Am besten wär für mich tatsächlich, einen kompletten Cut zu machen. Aber das fühlt sich "falsch" an.

    Zitat Zitat von catlady3 Beitrag anzeigen
    Was den Kontaktabbruch betrifft, dass musst du gar nicht und ist auch nicht sinnvoll. Bleib auf Distanz und reagiere nur noch auf positive Signale. Nur wer dir gut tut, hat einen Platz in deinem Leben, alle anderen bleiben außen vor.
    Da ist der Kasus knaktus: Kommen heute positive Signale, kann es morgen schon wieder anders sein. Mein positives Reagieren oder Zugehen auf meine Schwester wird gleich abgewürgt und relativiert, so dass ich mich wieder "falsch" fühle. Ich mag nicht mehr.

    Zitat Zitat von catlady3 Beitrag anzeigen
    Für meinen Seelenfrieden helfe ich ihm, auch weil er mittlerweile Hilflos ist. Ein Kontaktabruch von der Familie ist nur formal möglich, alles was damit zusammenhängt bleibt sowieso in einem drinnen.
    Der Kontaktabbruch ging ja initial von Vater und Schwester aus -> zu einem Zeitpunkt, an dem mir das noch das Herz gebrochen hat, insbesondere bei meiner Schwester. Wir hatten danach 1 Jahr Funkstille. Dann habe ich mich wieder gemeldet (war leicht angetrunken ) und seitdem haben wir wieder oberflächlichen Kontakt zu bestimmten Anlässen.

    Zitat Zitat von catlady3 Beitrag anzeigen
    Und wenn ein Elternteil nicht mehr lebt, ist es nicht mehr möglich, bestimmte Sachen nachzuholen. Das was dann bleibt, wiegt schwerer als, die Erleichterung eines Kontaktabruches.
    Hm, da gibt es so oder so bei uns nichts nachzuholen oder noch zu nutzen. Darüber hab ich viel nachgedacht. Aber mein Vater ist der, der er ist. Und ich kann damit nicht umgehen. Er ist ein Mensch, den ich, wäre er nicht mein Vater, zutiefst verachten würde und nicht in meinem Leben haben wollte. Er tut mir einfach nur noch leid, da er wohl auch einsam ist. Aber ich kann ihm leider nicht helfen.

    Zitat Zitat von catlady3 Beitrag anzeigen
    Aber eine Distanz zu wahren, gibt dir die Hoheit, entsprechend deiner Bedürfnissen zu handeln.
    Und noch was ganz wichtiges, egal was irgendjemand tut oder sagt, es hat immer nur mit ihm selber zu tun, auch wenn du offensichtlich der Adressat bist. Nur du allein gibst dir den Wert den du brauchst, niemand von Außen.
    So einfach ist das leider nicht. Wenn man von außen abgelehnt wird, kann man sich selbst noch so viel wert sein (was ich auch bin, sonst ginge es mir wohl auch nicht meistens recht gut). Für andere Menschen, das große Ganze hat man eben wohl keinen Wert. Und das fühlt sich nicht gut an. Ich wäre schon gern etwas mehr für andere Menschen als nur "ist halt da". Und wenn das noch nicht einmal in der eigenen Familie der Fall ist, was sagt das aus?

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