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    AW: nicht über den Tod des Vaters informiert werden

    Zitat Zitat von Blumenfrau11 Beitrag anzeigen
    Ich fragte meinen Onkel heute am Telefon, ob mein Vater denn seine Töchter bei den Telefonaten mit seinem Bruder (die beiden hatten bis zum Tod Kontakt) erwähnte. Nein, mit keinem Wort :(
    Das ist natürlich traurig. Aber ja, wäre bei mir auch nicht anders.

    Sieh das Positive! Du hast eine Halbschwester, mit der Du Dich verstehst und Kontakt hast. Hierauf solltest Du den Fokus legen.

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    AW: nicht über den Tod des Vaters informiert werden

    Ja, wenigstens habe ich meine Schwester. Sie sieht unserem Vater sehr ähnlich.

    Mein Vater gehörte zu den Männern (dieser Generation?), die sich Menschen mit Geld erkauften und keine Emotionen zeigte. So auch seine Partnerinnen und Kinder. Wenn die nicht so spurten, wie er wollte, gab es kein Geld. Meine Schwester wollte ihn nicht sehen, also bestrafte er sie damit, dass er sich dem Unterhalt entzog.

    Ich kann mich noch daran erinnern, dass er mir (zu der sein Kontakt telefonisch zumindest gut war) sehr viel versprach (z.B. eine Eigentumswohnung, wenn ich studiere). Immer nur monetäre Sachen (die ich nie einforderte) und es dann nie hielt. Letztendlich zahlte er noch nicht mal mein Studium und ich blieb damals als Antragsteller von Bafög sogar wegen seiner falschen Angaben auf eine Rückzahlung hängen.

    Hätte ich ihn besucht, wäre er großzügig gewesen. Er wollte immer etwas "von seinem Geld haben".
    Aber von uns Kindern "hatte" er halt nichts.

    Über meine minimalistische Art zu leben hat er gelacht, aber es hat ihn sicher auch beeindruckt, dass ich nicht käuflich bin und von ihm nichts wollte.

    Es ist erschreckend wie Eltern prägen: Bis heute kann ich von anderen kein Geld annehmen und habe noch nie von dem Geld eines Mannes gelebt. Andererseits war ich meinen Partnern gegenüber zu großzügig und ich frage mich, ob ich wie mein Vater bin? Zum Glück habe ich noch die Kurve bekommen und im Gegensatz zu meinem Vater kann ich nun Single sein. Er konnte nie alleine sein.

    Als mein Vater sich seine letzte Frau in Polen über eine Anzeige suchte, hatte er schon Angst wegen Krankheit zum Pflegefall zu werden. Ich weiß nicht, ob es Liebe war oder ein Geschäft. Ich kenne sie nicht, aber sie hat sein Geld verdient. Er war kein einfacher Mensch, eher bestimmend-dominant, er trank viel und sie musste das 10 Jahre mitmachen und ihn dann auch pflegen.

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    AW: nicht über den Tod des Vaters informiert werden

    Zitat Zitat von Blumenfrau11 Beitrag anzeigen
    Ich bin traurig, dass unsere Familie so brüchig war und entsetzt, dass ich als Tochter von keiner Behörde informiert wurde. Irgendwo muss sein Tod doch bekannt gewesen sein, immerhin wird er eine Rente aus Deutschland bezogen haben. Hätte ich diesen Onkel nicht gefunden, würde ich nie erfahren haben, dass mein Vater tot ist. Wie ist sowas möglich?
    Das ist eine traurige Geschichte. Ich kann gut verstehen, dass sie dir nahegeht.

    Zu den praktischen Fragen: Ich kann mich täuschen, aber ich nehme an, dass bei der Rentenversicherung nicht einmal bekannt ist, ob dein Vater überhaupt Kinder gehabt hat. Für die Berechnung seiner Rente wären die Kinder meines Erachtens nur dann relevant, wenn er Elternzeit genommen hätte. Das wird wohl nicht der Fall sein. Mit Sicherheit ist bei der DRV keine Anschrift von dir hinterlegt und natürlich kann der Sozialversicherungsträger nicht wissen, dass der Kontakt zu deinem Vater völlig abgerissen war.

    Auf der anderen Seite hätte euch Töchtern ein Pflichterbteil zugestanden. In diesem Zusammenhang frage ich mich, ob die neue Ehefrau nicht verpflichtet gewesen wäre, euch zu informieren. Wobei es theoretisch denkbar ist, dass dein Vater seine Kinder bei der neuen Heirat verschwiegen hat.

    Warum der Onkel dich nicht informiert hat, ist mir auch nicht ganz klar. Offensichtlich hat er doch den Kontakt zu dem Verstorbenen gehalten, und er muss ja von der Existenz seiner Nichten gewusst haben.

    Das ganze ist deprimierend, aber offensichtlich hat dein Vater über seinen Tod hinaus den Kontakt absolut nicht gewollt. Daran ändert leider keine Behörde etwas.

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    AW: nicht über den Tod des Vaters informiert werden

    Ich finde es wichtig ein Ritual zu haben, in dem ich mich in Liebe verabschiede. Vllt könntest Du mit Deiner Schwester eins durchführen?
    "Wenn Sie die Art und Weise ändern, wie Sie die Dinge betrachten, ändern sich die Dinge, die Sie betrachten."
    Max Planck - deutscher Physiker und Nobelpreisträger 1858-1947


    Denken und Sein werden vom Widerspruch bestimmt
    Aristoteles - Griechischer Philosoph

    "Es ist nicht wie es ist, sondern so, wie Du denkst, dass es ist. "bifi

  5. Moderation

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    AW: nicht über den Tod des Vaters informiert werden

    Hallo Blumenfrau

    Auch von mir erstmal noch herzliches Beileid - zum Tode Deines Vaters (trotz allem), zu diesem schmerzlichen Erlebnis und Wieder-Aufbrechen alter Wunden, zu diesem ploetzlichen und traumatischen Verlust eines letzten Stuecks Kindheit, Wurzeln... Ich kann mir die Situation nicht so gut vorstellen, ich kann sicher nicht nachempfinden, wie es Dir gerade geht. Aber dass es schlimm und schockierend und traumatisch ist - das verstehe ich. Es kommt bei mir so an, dass Du Dich irgendwo nochmal ein Stueck weit verleugnet fuehlst, so nach dem Motto: Nichtmal in so einer Extremsituation, nichtmal in irgendeinem ganz buerokratischen Sinne bin ich als Tochter meines Vaters anerkannt. (Bist Du natuerlich schon irgendwo, auf Deiner Seite, z.B., wie ich vermute, durch Deine Geburtsurkunde.) Aber so so stelle ich mir das vor, dass er Dir auch im letzten noch die Anerkennung Eurer Naehe, die es doch verdammt nochmal, eigentlich zwischen Vater und Tochter geben sollte, versagt hat.
    Sag es mir, wenn ich das total falsch verstehe. Ich projiziere vielleicht auch einfach die Gedanken, die mir beim Lesen Deines EP kamen. Ich fand es, so ganz unerfahren und naiv und laienhaft spontan auch unglaublich, dass das ueberhaupt moeglich ist, dass Kinder sowas nicht erfahren.

    Aber was andere User hier schreiben, macht auch Sinn: Irgendwie ist es nicht so recht Sache einer Behoerde - es sei denn es bestehen Forderungen.

    Ich wollte einfach mal Deine Gefuehle validieren, wie es so schoen heisst. (Falls ich sie richtig verstanden habe.) Kann ich echt verstehen. Und es ist einfach traurig.

    Ich wuensche Dir, dass sich der Schock bald legt. Dass Du weiterhin eine positive Beziehung zu Deiner Schwester hast. Dass Du Deine Wurzeln auf gute Art spueren kannst, auch wenn Dein Vater so war, wie er eben war. Dass Du weiterhin stolz auf Dich und gut zu Dir bist, eine starke und schlaue Frau. Alles Gute Dir.
    Moderatorin im Forum Über Treue und Lügen in der Liebe, Politik und Tagesgeschehen, Was bringt Sie aus der Fassung?, Medizinische Haarprobleme und Zähne


    [Damals] wurde weniger Geschiss gemacht und insgesamt war alles besser. Was an den Müttern lag. Denen von damals. Wenn sie ihren Kindern doch bloß [...] noch beigebracht hätten, wie man Kinder erzieht.
    Userin Minstrel02 im Forum Erziehung

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    AW: nicht über den Tod des Vaters informiert werden

    Es ist wohltuend, welche Worte ihr für meine Situation findet. Ich danke euch dafür!
    Mir hat das in meinem ersten Schmerz sehr geholfen.
    Es muss für Außenstehende merkwürdig klingen, dass ich einerseits meinen Vater so kritisch sehe und mich dann doch beschwere, dass ich nicht über seinen Tod informiert werde.

    @Flau hat das sehr gut beschrieben: die Verleugnung oder das Ignorieren des Vaters wiederholte sich für mich in dem behördlichen Handeln und deren Nichtinformation.

    Zudem war ich naiv: Ich dachte Kinder sind so wichtig, dass sie über den Tod der Eltern informiert werden. Wenn mein Vater mittellos ins Heim gekommen wäre, dann hätten mich die betreffenden Behörden sicher auch ermittelt, damit ich für die Kosten aufkomme. So kenne ich es z.B. von einem Freund, der über 20 Jahre keinen Kontakt zu seiner Mutter hatte (sie war Alkoholikerin und dank des Jugendamtes konnte er mit 17 in eine eigene Wohnung ziehen). Als sie ins Pflegeheim kam, wurde er vom Sozialamt angeschrieben und musste für einen Teil der Kosten aufkommen.

    Die nächsten Tage habe ich viel nachzudenken. Da ist einiges wieder hoch gekommen. Und ich dachte, mein Vater ist mir mittlerweile egal und hat keinen Einfluss auf mein Leben.

    Ich wünsche allen, deren Familien auch so zerbröselt und ohne Kontakt sind, dass sie noch die Gelegenheit zur Aussprache haben, bevor es nicht mehr geht.

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    AW: nicht über den Tod des Vaters informiert werden

    Zitat Zitat von bifi Beitrag anzeigen
    Ich finde es wichtig ein Ritual zu haben, in dem ich mich in Liebe verabschiede. Vllt könntest Du mit Deiner Schwester eins durchführen?
    Das fände ich sehr schön.

    Freu Dich über Deine Halbschwester und die Tatsache, dass sie dich zur Tante gemacht hat! Geniesse den Zwerg und bastle Dir Deine eigene Wahlfamilie zusammen.

    Die Wahlfamilie kann oft empathischer sein als die Herkunftsfamilie, das weiss ich aus eigener (leidvoller) Erfahrung. Ich habe inzwischen (bin 60) meinen Frieden damit geschlossen.

    lg luci
    LEBE LIEBER UNGEWÖHNLICH

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    AW: nicht über den Tod des Vaters informiert werden

    Ja, ein Ritual mit der Halbschwester wäre bestimmt etwas Gutes für Euch beide.

    Ich habe früher mit einer Freundin mir ein "fiktives Grab" ausgedacht. Einen Platz im Wald, den wir beide gerne hatten. Da sind wir hin geradelt, wenn wir uns mit der Person unterhalten wollten. Wir konnten noch nicht zum richtigen Grab fahren, es war zu weit weg.

    Es war jemand aus der Nachbarschaft, der plötzlich verschwand und erst viel später erfuhren wir, dass er gestorben war.

    Ihr könnt auch beide zu dem richtigen Grab fahren und vielleicht die Witwe Eures Vaters kennenlernen. Aber Vorsicht! Vielleicht hat er ihr nie von Euch erzählt.

    Es ist sicher besser, ihr feiert Eure Verwandtschaft mit so einem gewählten Platz und sagt Euch: "wenigstens hat er uns entstehen lassen und wir haben uns. Alles andere an ihm verstehen wir nicht. Aber für das Leben sind wir ihm dankbar".

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    AW: nicht über den Tod des Vaters informiert werden

    Der Typ klingt für mich nicht so, als wäre er es wert, sich "in Liebe" zu verabschieden.

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    AW: nicht über den Tod des Vaters informiert werden

    Es wird dich nicht trösten, aber als mein Vater starb, hat mir das auch keine Behörde mitgeteilt. Es hätte mich sehr befremdet, einen Brief mit dieser Information zu erhalten, denn in den meisten Familien weiß man das ja.

    Dass es bei dir nicht so war, tut mir sehr leid. Ich wollte nur für dich die Perspektive einmal wechseln - die Behörden können nun wirklich nichts dafür (zumal hier auch noch ein anderes Land involviert ist).

    Da offensichtlich doch etwas Vermögen vorhanden war, würde ich dir zumindest eine anwaltliche Beratung empfehlen. Hier gibt es ja auch Fristen, vielleicht ärgerst du dich sonst später, wenn der Schock vorbei ist.

    Auch eine psychologische Beratung schadet vielleicht nichts - denn Trauer empfindet man nicht nur bei sehr geliebten und vermissten Menschen. Man kann z.B. auch den Vater betrauern, den man gar nicht hatte und sich sehr gewünscht hätte...

    Alles Liebe für dich!
    Pola

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