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  1. User Info Menu

    Bald ganz allein

    Hallo,
    ich habe jetzt lange hier nicht geschrieben, nachdem ich in ganz kurzer Zeit meine Eltern verloren habe und krank war.
    Seit letztem Jahr geht es mir wieder besser und ich arbeite halbtags. Hab wieder mit meinem alten Hobby angefangen und war auf dem Weg zurück ins Leben, bis Corona die sozialen persönlichen Möglichkeiten wieder zunichte gemacht hat.
    Ich habe keinen Partner und mein Kind (20), das noch in Ausbildung ist, will jetzt völlig überstürzt ausziehen, weil sie hier Probleme hat, über die sie aber nicht reden will und sich auch nicht professionell helfen lassen will. Schaut sich jetzt Wohnungen an.

    Und nun bin ich traurig und verzagt, weil ich nicht weiss, was ich dann weiter machen soll. Das Haus ist für 2 Familien angelegt, allerdings nur mit größeren Umbauarbeiten als getrennte Wohnungen zu haben, wenn man vermieten wollte. Sehr ländlich/einsam. Ich hänge sehr an dem Garten und mache da auch gern alles, sobald es das Wetter zulässt. Ansonsten kann ich nur bedingt Sachen reparieren bzw. instand halten. Das Haus ist alt, aber ich habe Jahrzehnte daran mit abbezahlt und glückliche Jahre hier verbracht, ich würde gern da bleiben.

    Die Vorstellung, irgendwo in einer 2 Zimmerwohnung zu sitzen, vielleicht nur mit einem Balkon und lauter Häuser um mich rum, ist ganz schrecklich. Zumal ich auch einige Haustiere habe.

    Ich würde gern erfahren, wie andere alleinstehende Frauen es meistern, oder wie sie sich verändert haben oder verändern mussten, als sie dann ganz allein auf sich gestellt waren mit allem. Habt ihr euer Eigentum behalten, evtl. Mieter aufgenommen oder WGs gegründet, wie seid ihr klargekommen mit dem Empty Nest?
    Ist ja auch eine finanzielle Frage, ich kann nicht aufstocken im Betrieb, aber evtl. einen Nebenjob versuchen zu ergattern. Haus ist abbezahlt, aber kostet natürlich seine Summe.

    Jemand da, der diese Situation und die ganzen Zweifel und Ängste und Sorgen auch kennt? würde mich sehr über Austausch freuen.

    LG
    Whatshall I do

  2. Inaktiver User

    AW: Bald ganz allein

    Hallo,

    Das ist alles ganz schön viel was du in letzter Zeit alles erlebt hast.

    Als erstes zu deiner Tochter.

    Lass sie gehen und ihr Leben leben. Sie muss lernen auf eigenen Beinen zu stehen und die Welt erkunden. Das ist der natürliche weg.


    Wenn du in deinem Haus glücklich bist und es abbezahlt hast. Wunderbar!

    Bleibe dort und es ist ein Hafen fur deine Seele.

    Finanziell.....

    Es kommt drauf an wie sehr und viel man umbauen müsste. Ein Untermieter ist sicher nie verkehrt aber sollte in Relation zu den Kosten für den Umbau und der Einschränkung stehen.

    Wenn du so abseits wohnst, das du nur 300 Euro Miete bekommst, dann würde ich das auf keinen Fall machen. Dann lieber noch ein 450 Euro Job

    Zum Alleinsein

    Ja, es mag erstmal beängstigend sein. Aber das legt sich :)

    Das Verhältnis zu deinem Kind ist ja nicht das beste und auch belastet. Wenn sie weg ist, wird es auch eine Erleichterung sein.

    Du hast Raum, Zeit, Energie für neues.

    Du hast Zeit für ein Hobby.... Vielleicht sogar etwas womit du dir ein Taschengeld verdienen kannst.

    Kreativ, blumen - Kränze, Gestecke..... Skulpturen.....

    Es gibt keine Grenzen :)

    Leider ist es in der Natur so, das die Eltern vor den Kindern sterben und die eigenen Kinder flügge werden.

    Du bist nicht allein deswegen. Du kannst dir ein Netzwerk aufbauen.

    Freunde sind die Familie die man sich aussuchen kann

    Versuch positiv zu bleiben und auch das positive zu sehen

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    AW: Bald ganz allein

    Zitat Zitat von WhatshallIdo Beitrag anzeigen
    Seit letztem Jahr geht es mir wieder besser und ich arbeite halbtags.

    Ich habe keinen Partner und mein Kind (20), das noch in Ausbildung ist, will jetzt völlig überstürzt ausziehen, weil sie hier Probleme hat, über die sie aber nicht reden will und sich auch nicht professionell helfen lassen will. Schaut sich jetzt Wohnungen an.

    Und nun bin ich traurig und verzagt, weil ich nicht weiss, was ich dann weiter machen soll.

    Schön, dass es Dir besser geht!

    Ist es nicht auch ein wenig erleichternd für Dich, dass Deine Tochter nun auszieht?
    Da gab es ja schon massive Probleme im Zusammenleben, wenn ich mich recht erinnere.

    Du konntest das Haus doch all die Jahre selbst erhalten, auch während Deines Krankenstandes.
    Hast Du denn jetzt weniger Geld zur Verfügung?

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    AW: Bald ganz allein

    Hallo Whatshall I do,

    mein 'Rat' wäre, lass' doch erst mal geschehen, mal setzen und dich in die neue Situation hineinwachsen. Kurzum - geh' vielleicht ein bisschen mehr aus dem Kopf und achte eher auf deine Gefühle. Ich lasse den möglichen konkreten Druck der finanziellen Seite hier bewußt außer acht, da er mir auch nicht so groß erscheint.

    Gab' dein Kind denn Kostgeld ab, das nun wegfällt und dich unter Druck setzt? Falls nicht, geht es nämlich tatsächlich primär um deine Angst vor dem Alleinsein.

    Die ist berechtigt und will auch genommen werden, zumal auch Trauerarbeit hinzukommt. Ich habe eine ähnliche Situation erlebt und bemerke jetzt - nachdem der Auszug fast 5 Jahre her ist - dass ich mich zu lösen beginne, zum Beispiel von Einrichtungsgegenständen, die unsere Familienzeit geprägt haben, wie ein großer Esstisch oder eine gemeinsam gekaufte Thermoskanne. Dies sind für mich Indizien, dass ich nun tatsächlich loslasse.

    Parallel dazu könnte ich in der Beziehung zu meinem Kind, die wahrlich nicht immer einfach war, nicht glücklicher sein. Der Abstand brachte uns näher und es ist einfach so schön zu beobachten, wie dieser junge Mensch sich entwickelt.

    Die Trauerarbeit um diesen Abschied der für Mütter möglicherweise wichtigsten Lebensform - der Familie - will getan werden. Nimm' dir Zeit dafür. Weine auch und nimm' die Trostlosigkeit, das große 'leere' Haus an. Geh' durch.

    Ich meine, wenn du dir viele Gedanken machst, wie sich das gestalten soll, lenkst du davon eher ab. Setze dir vielleicht innerlich eine Frist, in der du in die Antworten hineinwachsen kann (wie Rilke es so schön beschreibt). Vielleicht ein Jahr. Und vielleicht überlegst du auch, wo du in 10 Jahren sein möchtest, was du tun möchtest, wo du leben möchtest. Auch die Resultate dieser Gedanken müssen nicht erzwungen werden. Nimm' sie als Begleiter.

    Kurzum, leg' die Sorgen beseite, vertraue, dass Lösungen kommen und nimm' das Traurige an, dann hat auch das Fröhliche wieder Platz.

    Liebe Grüße
    Julifrau






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    AW: Bald ganz allein

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen

    Lass sie gehen und ihr Leben leben. Sie muss lernen auf eigenen Beinen zu stehen und die Welt erkunden. Das ist der natürliche weg.
    Da hast du recht. Ich habe ein sehr großes Problem mit den Themen "Loslassen" und "Verlust", was ich auch weiß und mir immer wieder vor Augen halte und daran arbeite. Es ist nicht einfach und sehr schmerzhaft und ich komme leider nur in klein(st)en Schritten voran. Manchmal überrollt mich das Geschehen der letzten 5 Jahre zu sehr.



    Wenn du in deinem Haus glücklich bist und es abbezahlt hast. Wunderbar!

    Bleibe dort und es ist ein Hafen fur deine Seele.[/QUOTE]
    das ist es tatsächlich, mein Zuhause, meine Zuflucht. Aber natürlich auch mit den Geistern der Vergangenheit. Ich würde gerne mehr verändern, dass es noch mehr "meins" wird, auch gefühlsmässig, aber mir fehlt die Hilfe und das Geld.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Finanziell.....

    Es kommt drauf an wie sehr und viel man umbauen müsste. Ein Untermieter ist sicher nie verkehrt aber sollte in Relation zu den Kosten für den Umbau und der Einschränkung stehen.

    Wenn du so abseits wohnst, das du nur 300 Euro Miete bekommst, dann würde ich das auf keinen Fall machen. Dann lieber noch ein 450 Euro Job .
    Ich denke, ich könnte für die über 100 qm so um die 600 Euro warm verlangen, mit Dachboden und Garage/Stellplatz. Einen Nebenjob möchte ich mir trotzdem suchen, habe schon Kontakte zu sozialen Einrichtungen geknüpft, die Menschen suchen, die sich um Senioren kümmern, wie Alltagsbegleiter.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Zum Alleinsein

    Ja, es mag erstmal beängstigend sein. Aber das legt sich :)

    Das Verhältnis zu deinem Kind ist ja nicht das beste und auch belastet. Wenn sie weg ist, wird es auch eine Erleichterung sein.

    Du hast Raum, Zeit, Energie für neues.

    Du hast Zeit für ein Hobby.... Vielleicht sogar etwas womit du dir ein Taschengeld verdienen kannst.

    Kreativ, blumen - Kränze, Gestecke..... Skulpturen.....

    Es gibt keine Grenzen :)

    Leider ist es in der Natur so, das die Eltern vor den Kindern sterben und die eigenen Kinder flügge werden.

    Du bist nicht allein deswegen. Du kannst dir ein Netzwerk aufbauen.

    Freunde sind die Familie die man sich aussuchen kann

    Versuch positiv zu bleiben und auch das positive zu sehen
    Danke für deinen Input

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    AW: Bald ganz allein

    Zitat Zitat von schafwolle Beitrag anzeigen
    Schön, dass es Dir besser geht!

    Ist es nicht auch ein wenig erleichternd für Dich, dass Deine Tochter nun auszieht?
    Da gab es ja schon massive Probleme im Zusammenleben, wenn ich mich recht erinnere.

    Du konntest das Haus doch all die Jahre selbst erhalten, auch während Deines Krankenstandes.
    Hast Du denn jetzt weniger Geld zur Verfügung?
    Ich habe bisher das Kindergeld als Mietanteil bekommen und eine Zeitlang hat eine Freundin meiner Tochter hier mitgewohnt und ebenfalls 150 Euro beigesteuert. Diese 350 Euro würden also fehlen, und ich würde versuchen, das mit einem Nebenjob abzufedern. Bisher habe ich Reparaturen (Heizung, Kläranlage usw) vom Erbe bezahlt, aber längerfristig (so auf 5 Jahre gesehen) wird das uU aufgebraucht sein und ich sollte daher wieder ansparen. Vor 5 Jahren hatte ich auch noch mehr Stunden im Betrieb, das waren 250 Euro mehr netto.
    Ich habe dann wegen der Pflege meiner Eltern reduziert und jetzt ist meine Stelle weggefallen wegen Corona und ich bin woanders eingesetzt, wo keine Aufstockung möglich ist.

    Trotz aller Probleme liebe ich mein Kind und mache mir Sorgen.. auch wenn ich mir letzteres nicht anmerken lasse, ausser ich habe das Gefühl, sie braucht den Zuspruch dahingehend. Aber natürlich zehrt es auch an den Nerven und der Energie. Innerlich hatte ich mich darauf eingestellt, dass sie nach der Ausbildung ihrer Wege geht, wahrscheinlich ist es jetzt das Hopplahopp, das mir zu schaffen macht. Darüber muss ich noch mehr nachdenken.

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    AW: Bald ganz allein

    Zitat Zitat von Julifrau Beitrag anzeigen
    Hallo Whatshall I do,

    mein 'Rat' wäre, lass' doch erst mal geschehen, mal setzen und dich in die neue Situation hineinwachsen. Kurzum - geh' vielleicht ein bisschen mehr aus dem Kopf und achte eher auf deine Gefühle. Ich lasse den möglichen konkreten Druck der finanziellen Seite hier bewußt außer acht, da er mir auch nicht so groß erscheint.

    Gab' dein Kind denn Kostgeld ab, das nun wegfällt und dich unter Druck setzt? Falls nicht, geht es nämlich tatsächlich primär um deine Angst vor dem Alleinsein.

    Die ist berechtigt und will auch genommen werden, zumal auch Trauerarbeit hinzukommt. Ich habe eine ähnliche Situation erlebt und bemerke jetzt - nachdem der Auszug fast 5 Jahre her ist - dass ich mich zu lösen beginne, zum Beispiel von Einrichtungsgegenständen, die unsere Familienzeit geprägt haben, wie ein großer Esstisch oder eine gemeinsam gekaufte Thermoskanne. Dies sind für mich Indizien, dass ich nun tatsächlich loslasse.

    Parallel dazu könnte ich in der Beziehung zu meinem Kind, die wahrlich nicht immer einfach war, nicht glücklicher sein. Der Abstand brachte uns näher und es ist einfach so schön zu beobachten, wie dieser junge Mensch sich entwickelt.

    Die Trauerarbeit um diesen Abschied der für Mütter möglicherweise wichtigsten Lebensform - der Familie - will getan werden. Nimm' dir Zeit dafür. Weine auch und nimm' die Trostlosigkeit, das große 'leere' Haus an. Geh' durch.

    Ich meine, wenn du dir viele Gedanken machst, wie sich das gestalten soll, lenkst du davon eher ab. Setze dir vielleicht innerlich eine Frist, in der du in die Antworten hineinwachsen kann (wie Rilke es so schön beschreibt). Vielleicht ein Jahr. Und vielleicht überlegst du auch, wo du in 10 Jahren sein möchtest, was du tun möchtest, wo du leben möchtest. Auch die Resultate dieser Gedanken müssen nicht erzwungen werden. Nimm' sie als Begleiter.

    Kurzum, leg' die Sorgen beseite, vertraue, dass Lösungen kommen und nimm' das Traurige an, dann hat auch das Fröhliche wieder Platz.

    Liebe Grüße
    Julifrau
    Einfach danke für deinen Beitrag, liebe Julifrau da ist sehr viel für mich dabei. Und einiges ist aus meinen vorherigen Posts beantwortet, denke ich. Mit der Trauer hast du recht, ich bin oft wie gelähmt und manchmal ist es dann wieder so, dass ich Dinge bewusst loslassen/weggeben/entsorgen kann, einiges wird fotografiert und kommt dann in ein Album in der Erinnerungskiste, damit es nicht ganz "weg" ist.

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    AW: Bald ganz allein

    Ich kann nur schreiben, was ich selbst tun würde.
    Das zu große Haus verkaufen und etwas Kleineres für mich kaufen.
    Dabei daran denken, dass ich älter, weniger fit/belastbar/beweglich werde, ich anfallende Arbeiten langfristig also herunterfahren (pflegeleichter, kleinerer Garten) bzw. auslagern muss.
    Die Raumaufteilung so, dass ich wenn nötig nur die untere Etage nutzen und behindertengerecht gestalten kann.

  9. User Info Menu

    AW: Bald ganz allein

    Zitat Zitat von Lizzy1234 Beitrag anzeigen
    Ich kann nur schreiben, was ich selbst tun würde.
    Das zu große Haus verkaufen und etwas Kleineres für mich kaufen.
    Dabei daran denken, dass ich älter, weniger fit/belastbar/beweglich werde, ich anfallende Arbeiten langfristig also herunterfahren (pflegeleichter, kleinerer Garten) bzw. auslagern muss.
    Die Raumaufteilung so, dass ich wenn nötig nur die untere Etage nutzen und behindertengerecht gestalten kann.
    langfristig wird das schon eine Überlegung sein. Im Moment blitzt dieser Gedanke immer wieder auf, aber ich bin noch nicht "reif" für mehr.

    Dieser ganze Prozeß, das Loslassen zu lernen, strengt mich unheimlich an, ich habe richtiggehend körperliche Schmerzen. Die Vorwürfe und Ausflüchte und Lügen meiner Tochter hallen und wirken massiv in mir nach. Das Grenzen ziehen und sie einfach machen lassen, auch im Hinblick darauf, dass sie ihre Ausbildung riskiert, Menschen, die sie bisher unterstütz haben, vor den Kopf schlägt usw., das belastet mich sehr, ich weiss noch nicht, wie ich das für mich händeln soll, ohne dass es mich wieder total herunterzieht.
    Es ist sehr schwierig gerade, ich schlafe wenig und wenn, dann schlecht, weil die Gedanken und Sorgen kreuz und quer purzeln.

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    AW: Bald ganz allein

    Dem Loslassen gegenüber steht das Vertrauen.

    Vertraue auf und in deine Tochter und lasse sie ihr Leben leben, selbst wenn Fehler dazu gehören, die du für vermeidbar hältst. Doch es ist IHR Leben und sie hat ein Recht darauf, es ohne die ständigen Sorgen der Mutter zu gestalten.

    Mach' das mit dir aus. Bete, meditiere, nimm' Coaching- oder Therapiestunden.

    Was auch hilft ist, sich mit dem Thema 'Im hier und jetzt sein' zu beschäftigen.

    Manchmal hilft auch einfach Sport, rennen, tanzen, hüpfen, um die Sorgen aus dem Kopf zu bekommen.






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