Antworten
Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 13
  1. User Info Menu

    Grosseltern- der Umgang mit ihnen

    durch die diskussion in einem andern thread:

    meine frage in die runde: was wisst ihr von euren grosseltern? die älteren von uns: habt ihr noch alle kennengelernt? was wisst ihr über ihr leben? wie war und ist der kontakt?


    ich habe noch alle 4 grosseltern erlebt und bin mit ihnen grossgeworden.
    die eltern meiner mutter haben im gleichen haus gelebt und waren die gütigsten menschen die ich jemals kennengelernt habe.
    ich kenne ihre lebensgeschichten und als meine grossmutter in ruhe und frieden sterben konnte (zuhause) waren wir alle zusammen und konnten sie in liebe loslassen. da war ich schon 27 jahre alt.


    die eltern meines vaters- im gleichen ort aber ein bisschen räumlichen abstand. emotionalen abstand auch. ich kenne ihre lebensgeschichten und hatte zeitweise einen guten kontakt.
    der sich aber aus verschiedenen gründen verlief.
    hinfallen ist keine schande, liegenbleiben schon.

    das leben ist kostbar, lasst uns jeden tag gebührlich feiern

  2. User Info Menu

    AW: Grosseltern- der Umgang mit ihnen

    Meine Großeltern beiderseits haben einige hundert Kilometer weit weg gewohnt, von daher habe ich sie kaum gesehen. Kommununikation mit meinen Eltern gab es ab und an per Brief. Als ich ca. 3 Jahre alt war, haben uns mein Opa mütterlicherseits und meine Oma väterlicherseits mal für ein paar Tage besucht (es gibt ein paar Fotos), aber das war's dann auch. Ich habe sie später nur noch wenige Male gesehen.

    Aus mir ist ein ordentliches Mitglied der Gesellschaft geworden, auch ohne Kontakt zu Großeltern.

    Wenn ich heute so einiges lese, ist die Erwartung an den Kontakt zwischen Enkeln und Großeltern enorm groß, von allen Beteiligten. Die Möglichkeiten digitaler Kommunikation machen ja auch mehr möglich als in früheren Zeiten. Trotz allem denke ich: wenn es funzt ist es ok, wenn nicht, ist es keine Katastrophe. Für keinen der Beteiligten, erzwingen kann man nunmal nichts.

    Meine Eltern hatten zu meiner Tochter (ihre einzige Enkelin) einen recht guten Kontakt als sie klein war. Als sie älter wurde, hat sie diverses durchschaut. Seit vielen Jahren telefoniert sie ab und an noch mit meiner Mutter, aber das war's auch schon. An einem engeren Kontakt ist meine Tochter schon lange nicht mehr interessiert und ich weiss auch warum.

    Gruß Elli
    Auf der höchsten Stufe der Freundschaft offenbaren wir dem Freunde nicht unsere Fehler, sondern die seinen (F. de La Rouchefoucauld, 1613-1680)

    Fürchte dich nicht vor einem großen Schritt. Mit zwei kleinen lässt sich keine Schlucht überwinden (David Lloyd George)

  3. User Info Menu

    AW: Grosseltern- der Umgang mit ihnen

    Zitat Zitat von brighid Beitrag anzeigen
    meine frage in die runde: was wisst ihr von euren grosseltern? die älteren von uns: habt ihr noch alle kennengelernt? was wisst ihr über ihr leben? wie war und ist der kontakt?
    Mit den Eltern meines Vaters hatte ich nicht viel Kontakt, wir besuchten sie zu Geburtstagen, Weihnachten etc.

    Mit den Eltern meiner Mutter gab es viel mehr Kontakt, meine Eltern wohnten zeitweise mit in ihrem später, später wohnten sie bei uns in einer Einliegerwohnung.
    Mit meinem Opa (Jahrgang 1901) hatte ich als Kind einen sehr guten Draht, er war der einzige, der für mich als Kind mehr als genug Zeit hatte, und so sind wir z.B. viel spazierengegangen, während meine Mutter und Großmutter mit Haus und Garten beschäftigt waren und mein Vater mit seiner Erwerbsarbeit. Ich kenne seine berufliche Entwicklung, dass er eine Weile arbeitslos war in der Weimarer Republik, was sich erst änderte, als er einem Rat folgte, der da lautete, er möge doch "in die Partei" eintreten. Ein überzeugter Nazi war er aber nicht, eher ein Mitläufer.
    Mit meiner Oma (Jahrgang 1898) war das Verhältnis weniger herzlich, sie hatte eher meinen Bruder ins Herz geschlossen. Allerdings war sie für mich fast so etwas wie ein Role Model, denn sie hatte für ihr Alter eine ungewöhnliche Vita: Aufgrund einer schweren Krankheit als Kind trug sie eine Behinderung davon. Man ging davon aus, dass sie keinen Mann finden würde, also durfte sie eine Lehre als Schneiderin machen.
    Das betrieb sie als Junggesellin einige Jahre selbständig, ging zu Fuss über mehrere Tage und Wochen durch die umliegenden Dörfer und schneiderte Hochzeits- und Festkleider auf Bestellung. Sie verdiente gutes Geld und kaufte sich ein Haus, bezahlte es bar.
    Gleichzeitig spielte sie Theater im Ort, hatte wohl auch einige "Verlobte" (was wohl damals Synonym war für: man küsste sich nicht nur). Sie hatte etwas gegen "den Adolf", hielt ihn für einen Angeber und Dummschwätzer und wurde gelegentlich gewarnt, was ihr passieren könne, wenn sie weiter so lästern würde. Sie heiratete erst spät für die damaligen Verhältnisse (mit 36 Jahren) meinen drei Jahre jüngeren Großvater und bekam nur ein Kind, meine Mutter. Die Schneiderei betrieb sie parallel weiter, allerdings kamen die Leute dann zu ihr ins Haus. Insgesamt führte sie in der Ehe und Familie das Regiment.
    Durch die beiden kenne ich auch ein bisschen die Generation meiner Urgroßeltern, die Dienstboten waren: die Urgroßmutter Dienstmädchen "bei Barons", der Urgroßvater Kutscher.
    "Never take things personally. [...] Always give the benefit of doubt, until evidence to the contrary. Never assume malice. We are all going through things and you never know the inner battles some of us fight, so it‘s best to check your ego at the door.“

  4. Moderation

    User Info Menu

    AW: Grosseltern- der Umgang mit ihnen

    Zitat Zitat von brighid Beitrag anzeigen
    meine frage in die runde: was wisst ihr von euren grosseltern? die älteren von uns: habt ihr noch alle kennengelernt? was wisst ihr über ihr leben? wie war und ist der kontakt?
    Meine Großeltern väterlicherseits sind gestorben, ehe mein Vater 13 war.

    Die Eltern (und die Tanten mütterlicherseits) meiner Mutter waren für damalige Verhältnisse relativ alt -- meine Großmutter war Mitte 50, als ich geboren wurde -- und seit ich 7 war formell miteinander verfeindet, so daß Besuche sehr schwierig waren. (Immerhin waren sie 400 km entfernt von uns miteinander verfeindet.) Beide waren sehr gut darin, ihr Leben auf amüsante Anekdoten von kleinen Erfolgen und allzumenschlichen Niederlagen (mein Großvater) oder auf ausführliche Berichte über Leute, die ich nicht kannte, und die Verworfenheit der Klerikalen und ihres Ex (meine Großmutter) zu reduzieren, wenn es ans erzählen ging.

    Meine Familie hat einen Hang zur Verschwiegenheit. Ich habe Großvater wie -mutter etwa ein- bis zweimal im Jahr für ein bis vier Tage gesehen, und fand das meistens nett, aber ich kenne sie im Grunde nur aus Büchern und Legenden. Was auch daran lag, daß ich, bis auf meine Mutter wenig (Verwandte) bis keinen (Rest der Welt) Kontakt mit Leuten hatte, die meine Großeltern kannten, und die Verwandten nur amüsante kleine Anekdoten erzählten. ("Schnell ein bißchen altes Fleisch, wir kriegen Gäste", oder "Vom Nutzen der Fabeln Jean de La Fontaines" oder "Die schwedische Meile"...)
    ** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **

  5. User Info Menu

    AW: Grosseltern- der Umgang mit ihnen

    Meine Großeltern väterlicherseits haben bei uns im Haus gewohnt, meine Großeltern mütterlicherseits nur ein paar Straßen weiter. Ich habe also alle vier früher sehr oft gesehen.

    Meine Großväter waren Bergmänner - wie es hier nun mal viele zu ihrer Zeit noch waren - und meine Großeltern waren, wenn ich mich jetzt nicht komplett irre, Sekretärinnen oder Ähnliches.

    Als ich mit der Schule fertig war, hatte ich leider keine Großeltern mehr. Der erste ist gestorben, als ich sieben war (da habe ich zum ersten Mal mitbekommen, wie jemand nur ein paar Tage nach seinem Geburtstag plötzlich nicht mehr da sein kann) und die letzte wurde kurz nachdem ich ihr meine Kleider zum Schulabschluss gezeigt habe, plötzlich bewusstlos und kam ins Krankenhaus und wachte dort nicht mehr auf.

    In meinem Bekanntenkreis haben viele noch Großeltern. Das fühlt sich manchmal irgendwie schon komisch an, dass diese Generation jetzt einfach nicht mehr da ist.

  6. User Info Menu

    AW: Grosseltern- der Umgang mit ihnen

    Ich kannte nur meine Oma mütterlicherseits, mein Opa ist aus dem Krieg nicht heim gekommen. Die Großeltern väterlicherseits kenne ich gar nicht, mein Vater war mit 17 schon Vollwaise.

    Ich hatte ein tolles Verhältnis zu meiner Oma, auch wenn sie gut 3 Autostunden entfernt gelebt hat. Sie hat uns oft besucht,wir sie und meine Sommerferien habe ich immer dort verbracht. Sie durfte auch 86 Jahre alt werden.
    Viele Dinge fallen mir einfach so zu,.......Augen zum Beispiel.

  7. User Info Menu

    AW: Grosseltern- der Umgang mit ihnen

    Meine Großeltern kenne ich von beiden Seiten nicht. Die Eltern meines Vaters waren schon tot. Meine Eltern sind aus Westpreußen geflohen und die Mutter meiner Mutter war dann in der späteren DDR. Sie hat Briefe geschrieben, die voller Gehässigkeiten waren. Von der Seite meiner Mutter war kein Interesse sie zu sehen.
    Ich bin eine Raupe und du ein Reh. Doch ich werd ein Schmetterling und du wirst Filet.

    Die Sache mit dem streiten ist die, wenn man etwas zurückhält, arbeitet es auf lange Sicht gegen euch (Dalai Lama)

    Wenn du jemand anderem vergibst, dann tust du dies deinetwegen, nicht weil der andere das verdient. (Doris Wolf, Psychotherapeutin)


  8. User Info Menu

    AW: Grosseltern- der Umgang mit ihnen

    Meine Grosseltern väterlicherseits haben den Weltkrieg nicht überlebt. Es gibt wenige Fotos von ihnen, so dass wir Ähnlichkeiten im Aussehen bis zu meinen Kindern erkennen können.
    Mein Vater erzählte wenig, aber über eine Tante erfuhren wir einiges Biographisches.

    Die Eltern meiner Mutter hatten einen Bauernhof-heutige Autofahrt 2h-damals mehrstündig. Deshalb höchstens 2-3 Besuche im Jahr.
    Mein Grossvater starb, als ich 3 Jahre war. Ich habe eine ganz schwache Erinnerung an ihn und 1 Foto, auf der Rückseite redet er mich direkt an. Ich war der Liebling (bis dahin eh einzige Enkelin). Seine braunschwarzen Augen wurden an 2 meiner Kinder und meinen Enkel weitergereicht.

    Meine Grossmutter wurde sehr alt. Sie berichtete oft vom schwierigen Leben der Kleinbauern.
    Heute bedaure ich, dass ich nicht mehr nachgefragt habe.

  9. User Info Menu

    AW: Grosseltern- der Umgang mit ihnen

    Die Eltern meines Erzeugers habe ich kaum gekannt, sie lebten hinter dem Eisernen Vorhang.
    Mein Großvater starb auf der Zugfahrt von seinem einzigen Besuch bei uns nachhause, da war ich drei Jahre alt.
    Es gibt einige wenige Fotos von uns gemeinsam und ich habe ihn als zu mir sehr freundlich in Erinnerung, mir wurde allerdings erzählt, er wäre früher Alkoholiker gewesen und hätte seine Kinder grausam geschlagen (falls das stimmen sollte, hat mein Erzeuger das von ihm geerbt).

    Die dazu gehörige Großmutter besuchte uns jedes Jahr und blieb dann immer 6 Monate.
    Sie hatte einen sehr unangenehmen Körpergeruch und immer, wenn sie weg war, mußte mein Zimmer, daß ich ihr während ihres Aufenthaltes abtreten mußte, renoviert werden.
    Das geschah aber nie sofort, denn sie fuhr immer erst kurz vor Weihnachten wieder zurück hinter den Eisernen Vorhang und ihr Sohn nahm sich immer erst so im Februar Zeit, das Zimmer wieder in Ordnung zu bringen.
    Dann hatte ich mein Zimmer für ein, zwei Monate für mich, bevor sie wieder anrückte....

    Sie kochte grauenhafte Suppen, vor denen sie sich selber so ekelte, daß sie sie nicht aß, war aber bis kurz vor den Herzinfarkt beleidigt, wenn wir Kinder das auch nicht essen wollten.
    Wir lebten in einem Hochhaus und der Gestank, den sie hinterließ, hat auch die Nachbarn so nachhaltig verstört, daß wir Ärger mit der Hausverwaltung bekamen.
    Hat ihren Sohn alles nicht interessiert.

    Die Mutter der Frau, die mich geboren hat, taugt bestenfalls für's Gruselkabinett.
    Sie war bis zu ihrem Tod zu Beginn dieses Jahrtausends hauptberuflich "Kriegsflüchtling / Witwe" und hat mit ihren (völlig frei erfundenen) Schauergeschichten noch die Generation ihrer Urenkel traumatisiert.
    Sie fuhr leidenschaftlich gerne Notarztwagen und hatte die Kunst des Luftanhaltens so perfektioniert, daß auch erfahrene Sanitäter immer wieder auf ihr Theater reinfielen.
    Die letzten 17 Jahre ihres Lebens lebte sie direkt mit ihrer Tochter und deren Kindern zusammen, ich habe sie mit ihrer Tochter und teilweise auch alleine gepflegt.
    Das Verhalten dieser Dame wird der Hauptgrund dafür sein, daß zwar ihre Kinder untereinander noch Kontakt haben, darüber hinaus aber die "Familie" völlig auseinandergebrochen ist.
    Weder gibt es unter uns Enkelinnen noch Kontakt, noch haben wir Kontakt zur Generation vor uns.
    Geändert von Hases_Frau (17.08.2020 um 10:05 Uhr)
    *** Als ich die Hand eines Menschen brauchte, reichte mir jemand seine Pfote ***

  10. User Info Menu

    AW: Grosseltern- der Umgang mit ihnen

    Ich habe alle meine Großeltern kennengelernt und sie lebten bis in mein Erwachsenenalter hinein. In der frühen Kindheit habe ich sie oft gesehen, später wurde der Kontakt weniger aufgrund von Umzügen und Scheidung meiner Eltern. Aber ich habe intensive Erinnerungen an sie und so manches von ihnen erkenne ich bei mir wieder oder meine es zu erkennen. Ich glaube, die familiäre Prägung ist überraschend tief in einem verwurzelt. Insgesamt standen mit meine Omas näher als meine Opas, obwohl beide Opas durchaus für Kinder da waren. Ich glaube, es sind dann doch die Frauenleben, die mehr Verbindung geschaffen haben.

    Meine Großeltern väterlicherseits und mütterlicherseits waren in ihrer Grundeinstellung zu Kindern/Enkeln grundlegend unterschiedlich.

    Die Eltern meiner Mutter waren ziemlich hart. Gerade bei der Oma galt der Grundsatz, Kinder darf man bloß nicht verwöhnen, damit macht man sie nur schwach. Da sie aber mal Kindergärtnerin gelernt hatte (6 Monate Ausbildung reichten, weil Frauen das mit Kindern ja sowieso können) kannte sie aber eine ganze Menge Spiele, hatte tolle Bastelideen und hat mit Hingabe Verkleidungen gefertigt und Rollenspiele gespielt. Das war wiederum sehr schön. Aber Trost, Belohnung, Zärtlichkeit – nein, das gab es nicht. In ihrem Tagebuch hat sie notiert, wo ich überall versagt hatte, ganz besonders als Mutter war ich für sie eine Katastrophe: viel zu lasch. Mit ihren eigenen Kindern und der anderen Enkeltochter und auch mit sich selbst ging sie aber auch nicht gnädiger um. Sie hat sich auch keine Schwäche erlaubt. Sie hatte, dank früher Sozial-Programme für Arbeiterkinder, eine wesentlich bessere Bildung als mein Opa und hat in verschiedenen Berufen gearbeitet (gelernte Verkäuferin, Buchhalterin, Kindergärtnerin, Sekretärin, Putzfrau, selbstständige Pensionswirtin). Ich glaube, sie hat ihn immer mal wieder gern spüren lassen, dass er so wenig Wissen hat.

    Liebe empfinde ich für sie nicht, aber durchaus Bewunderung und Anerkennung. Sie hat zweimal im Leben mit einem Opa mit buchstäblich nichts neu angefangen, einmal als Frau Ende 20, dann nochmal mit Mitte 50. Grundstück vom Mund abgespart, in Eigenarbeit Kleinhaus gebaut. Dann ein bis zwei große Häuser auf's Grundstück gesetzt, alles in überwiegend Eigenarbeit. Ja, Frauen sind auf dem Bau gut zu gebrauchen, das habe ich von ihr gelernt. Und, wenn man zupackt und seine vermeintlichen Grenzen auch mal überschreitet, kann man sehr, sehr vieles schaffen. Ebenso, dass das Leben weitergeht, auch wenn das Schicksal mal hart zuschlägt. Sie hat den Tod von vier ihrer fünf Kinder miterleben müssen und ihre Ehe ging mit großem Krach auseinander als beide Großelternteile über 70 waren. Kontakt hatten wir dann aber nur noch bei ihren Geburtstagen und manchmal bei meiner Mutter. Kein enges Verhältnis.

    Bei all dieser Härte gegen andere und sich selbst war meine Oma aber nicht verbittert. Sie war ein Mensch, der mit sehr wenig, sehr zufrieden leben konnte, irgendwie selbstgenügsam. Da ist sie mein Vorbild, wobei mein Leben sehr viel bequemer verlief. Die Härte steckt leider auch ein bisschen in mir,dann kommen so Selbstappelle wie „Stell dich nicht so an wegen irgendeinem Zipperlein.“ oder „Los weitermachen, das geht es schon noch.“ Und ich bin auch manchmal genervt, wenn andere dann nicht so mitziehen.


    Mit den Eltern meines Vater verbinde ich Liebe und Wärme, viel mehr als mit meinem Vater selbst. Für die Großeltern waren ihr Sohn und ich als Enkelin (beide Einzelkinder) einfach die großartigsten Menschen auf der Welt, bedingungslos. Und genauso haben die beiden auch ihre Liebe zueinander gelebt. Manchmal war es ein bisschen peinlich, wenn man vor anderen so über den grünen Klee gelobt wurde, aber natürlich auch sehr schön. Diese grundsätzliche Liebe hat mir geholfen, die beiden zu „ertragen“, als sie am Leben anderer nicht mehr so richtig teilhaben konnten und nur noch in ihrer Welt unterwegs waren. Das waren schon oft langweilige, zähe Stunden mit den beiden „Alten“.

    Bei dieser Oma erinnere ich mich einmal besonders an ihre Geschichten aus ihrer Jugendzeit in den späten 20er Jahren. Wenn ich das, was sie so erzählte und andeutete, richtig interpretiere, war sie im Alter zwischen 14 und 17 eine ziemlich Wilde und hat nix anbrennen lassen. Mit knapp 18 hat sie meinen Opa geheiratet. Ich glaube, vor dem Hintergrund konnte meine Oma meine Pubertät immer sehr gelassen betrachten und fand mich auch in dieser Zeit toll. Das andere war ihre Berufstätigkeit. Sie kam aus einem etwas wohlhabenderen Geschäftshaushalt, bekam zur Hochzeit die Verantwortung für eine Filiale übertragen. Und mit dieser Erfahrung und den Kontakten hat sie nach dem Krieg dann mit einem ehemaligen Geschäftspartner eine neue kleine Firma gegründet. Sie hatte ebenfalls mehr Bildung als mein Opa und hat über längere Zeit besser verdient als er. Das drehte sich erst, als sie Ende 40 relativ krank wurde und dann aufhörte zu arbeiten. Die Firma hatte da auch die besten Jahre hinter sich, der Geschäftszweig löste sich ziemlich auf. Nach außen war immer mein Opa der Bestimmer, aber das war nicht die Wahrheit. Gegen ihren Willen ist nichts geschehen. Und für meinen Opa war meine Oma wohl immer so ein bisschen die Prinzessin, die er erobert hat.


    Es war sehr schön, hier mal wieder Gelegenheit zu haben, die Erinnerungen zu pflegen. Dann muss ich meine Kinder und Enkel nicht mit uralten Erzählungen von Menschen, die sie nicht oder kaum kannten, langweilen.

Antworten
Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •