Ich bin auch schon früh ausgezogen und hatte nie das Gefühl, dass meine Mutter das traurig gemacht hat. Manchmal habe ich angerufen und sie schien sich erst in dem Moment daran zu erinnern, dass ich auch noch existiere.

Ganz anders die Schwiegermutter. Die wollte einmal die Woche angerufen werden, sonst war sie beleidigt. So verschieden ist das.
Ich bin froh, dass meine Mutter sich nie in mein Leben eingemischt hat. Trotzdem war ich froh, dass in den letzten Jahren ihres Lebens der Kontakt ein bisschen enger geworden ist, da war dann auch das "dürfen" im Vordergrund. Noch etwas Zeit zusammen haben.

Ich möchte meinen Kindern nie das Gefühl geben, dass sie sich mir gegenüber verpflichtet fühlen, dass ich ohne sie einsam bin oder so etwas. Manchmal mache ich mir vermutlich zu viel Sorgen. Aber wöchentlich per Video zusammen frühstücken, ehrlich, das wäre mir zuviel. Ich bin immer beschäftigt.

Aber so tickt jede Mutter anders. Diese große Entfernung würde bei mir wahrscheinlich auch eine Art Panik auslösen. Man kann halt nicht mal schnell hin, wenn irgendwas ist. Es hat so etwas Endgültiges. Alles spontane "ich komm mal grad vorbei" entfällt. Und wenn man einander besucht, hängt man ja zwangsläufig aufeinander. Das zu bedauern und traurig darüber zu sein ist ganz verständlich und legitim. Manchmal hilft es, sich das einfach einzugestehen, statt dagegen anzukämpfen.

Das Leben ist so. Man muss loslassen können, es kommen immer wieder neue Abschnitte, Änderungen, Wandlungen, auch mal selbst wird anders, nicht nur älter.