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    Tiefer Riss in der Beziehung zu meiner Schwester

    Hallo ihr Lieben, ich bin gerade in einer Lage, aus der ich keinen Ausweg weiß und hoffe, ihr könnt mir helfen, meine Gedanken etwas zu sortieren.

    Meine Familienverhältnisse sind schon immer schwierig gewesen. Ich habe viele Geschwister, fast alle sind mit mindestens einer Schwester oder einem Bruder zerstritten. Familiären Zusammenhalt gab es nie, was vor allem daran lag, dass unser Vater extrem autoritär und ungerecht war, immer Lieblingskinder hatte, die auch öfter wechselten und man sehr schnell bei ihm in Ungnade fallen konnte, wenn man nicht seiner Meinung war oder ihm offen widersprach. Das hat dazu geführt, dass jeder nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht war, Solidarität unter den Geschwistern gibt es bis heute kaum.

    Ich hatte immer das Gefühl, dass mein Vater mich am allerwenigsten mag. Obwohl ich schon als Kind versuchte, ihm alles recht zu machen, hatte ich besonders in der Jugendzeit am meisten unter seinen Launen zu leiden. Nach dem Abitur zog ich zum Studium ans andere Ende von Deutschland und danach ins benachbarte Ausland, wo ich heute noch lebe. Seitdem ist der Kontakt auf ein Minimum reduziert, auch zu fast allen Geschwistern.

    Es gab nie einen richtigen Bruch, aber jedes Mal, wenn ich alle paar Jahre eine Annäherung versuchte, kam recht schnell der Punkt, an dem ich das bereute. Mit den Geschwistern gab es ganz überwiegend nur belanglosen Smalltalk, fast immer fiel mein Vater wieder in seine alten Verhaltensweisen zurück, indem er mich kritisierte und abwertete, sodass ich mich wieder zurückzog.

    Hilfe oder finanzielle Unterstützung habe ich nie bekommen, ich war immer auf mich allein gestellt. Während meines Studiums bekam ich Bafög, mein Vater hat zur Finanzierung nichts beigetragen.

    In all den Jahren hatte ich nur mit einer Schwester regelmäßigen Kontakt, nennen wir sie Heike. Es ist kein besonders enges Verhältnis, sie ist sehr viel jünger als ich und uns trennen über 1000 Kilometer, wir können uns also selten sehen. Wir haben uns aber immer gut verstanden, Briefe, später Mails oder Nachrichten geschrieben, ein- bis zweimal im Monat telefoniert und uns gegenseitig ab und zu für ein paar Tage besucht. Von Heike erfuhr ich, was in der Familie vor sich ging, wir haben uns oft über die familiären Probleme unterhalten. Gerade das hat uns zusammengeschweißt (dachte ich).

    Mein Vater kam im Laufe der Zeit zu einem gewissen Wohlstand und machte einzelnen Kindern nach Lust und Laune große Geschenke: ein neues Auto, ein Ferienappartement, mittlere fünfstellige Geldbeträge als Zuschuss zum Hausbau. Ich bekam nie etwas, Heike (so dachte ich) auch nicht, jedenfalls war das zwischen uns kein Thema.

    Vor etwa zwei Monaten rief mich mein Vater plötzlich an (ein absoluter Ausnahmefall) und sagte, er wolle mir einen größeren Geldbetrag schenken. Wir vereinbarten, dass ich ihn einige Wochen später besuche. Ich konnte kaum fassen, dass er auch einmal an mich gedacht hatte und als ich das Heike erzählte, sagte sie, genau die gleiche Summe habe sie vor ein paar Tagen auch erhalten.

    Es gab noch mehrere (sehr anstrengende) Anrufe von meinem Vater, in denen er sich über seine undankbaren Kinder beklagte, über seinen Gesundheitszustand und viele andere Dinge. Er erzählte mir auch ziemlich detailliert, was er meinen Geschwistern im Laufe der Zeit alles geschenkt hatte. Auch das Haus, in dem er derzeit noch wohnt, ist bereits an einen Bruder überschrieben. Zudem stellte sich heraus, dass Heike schon vor 10 Jahren einen großen Geldbetrag bekommen hatte und vor kurzem die gleiche Summe noch einmal. Von der zweiten Schenkung wusste ich ja bereits, die erste hatte sie nie erwähnt.

    Zwei Tage vor meinem geplanten Besuch rief mein Vater mich wieder an und sagte, ich könne mir den Weg sparen, er könne mir das versprochene Geld doch nicht geben. Er habe schon so viel verschenkt, den Rest brauche er jetzt für sich selbst, man wisse ja nie, was an finanziellen Belastungen noch auf ihn zukomme.
    Ich war total vor den Kopf gestoßen, schrieb, da ich zu aufgewühlt war für ein Telefongespräch, eine Mail an Heike und schilderte das Gespräch mit unserem Vater. Sie antwortete, das tue ihr sehr leid, aber sie wisse da im Moment auch keinen Rat.

    Seitdem lassen mir meine Gedanken keine Ruhe. Sie hat mir nicht nur verschwiegen, dass sie schon einmal viel Geld bekommen hatte, sondern (meiner Meinung nach) mit der Annahme des zweiten Geldgeschenkes auch wissentlich unsere Beziehung auf’ s Spiel gesetzt. Für mich ist das eine Riesenenttäuschung. Sie dagegen schrieb, sie könne ja nichts dafür, sie habe nicht um Geld gebeten, der Vater habe es ihr freiwillig gegeben. Warum habe sie es nicht annehmen sollen?

    Außer diesen kurzen Sätzen habe ich von ihr noch nichts zu der Sache gehört und ich weiß nun nicht, wie ich reagieren soll.

    Mir ist klar, dass der eigentlich Verantwortliche unser Vater ist. Der ist schon über 90 und es gibt seit einiger Zeit wohl Anzeichen von Altersverwirrtheit. Ich weiß nicht, inwieweit das von meinen Geschwistern vielleicht auch ausgenutzt wurde. Und ja, auch die anderen haben Zuwendungen angenommen, ohne an mich zu denken. Da ich mit ihnen aber keinen Kontakt habe, ist das irgendwie leichter erträglich.

    Die ganze Situation belastet mich so sehr, dass ich dauernd daran denke und nachts schlecht schlafe. Darf ich von meiner Schwester überhaupt Solidarität oder Rücksicht erwarten? Sie hat sich ja eigentlich nicht anders verhalten als alle anderen. Jeder hat genommen, was er kriegen konnte. Muss ich mich einfach damit abfinden, dass ich nun als Einzige leer ausgehe?

    Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass Heike finanziell sehr viel besser gestellt ist als ich, ebenso, bis auf eine Ausnahme, auch alle meine Geschwister. Wäre es andersherum, könnte ich leichter damit leben.

    Im Moment bin ich so verletzt, dass ich den Kontakt am liebsten abbrechen würde. Mir geht es primär gar nicht um das Geld (obwohl ich das gut hätte gebrauchen können), sondern um das Verhältnis zu meiner Schwester, das einen tiefen Riss bekommen hat. Einen normalen, unbelasteten Umgang so wie früher kann ich mir nicht mehr vorstellen, ich fühle mich verraten. Oder ist das ein Denkfehler?

    Die andere Seite ist, wenn ich mich völlig zurückziehe, habe ich den letzten Kontakt zu meiner Herkunftsfamilie auch noch verloren. Beide Möglichkeiten fühlen sich für mich schlecht an.

    Ich hoffe, es kann mir jemand einen Rat geben. Für hilfreiche Beiträge oder andere Blickwinkel bin ich sehr dankbar. Dass solche Familienverhältnisse ganz furchtbar sind, muss man mir hingegen nicht extra sagen, das weiß ich selbst seit sehr langer Zeit.

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    AW: Tiefer Riss in der Beziehung zu meiner Schwester

    Hallo,

    Der riss mit deiner Schwester ist auf deinem Mist gewachsen.

    Du bist neidisch..... Und sie kann nix dafür 2x Geld bekommen zu haben.

    Vielleicht hat sie dir vom ersten Mal auch nicht erzählt um dich zu schützen? Oder hat sich einfach gar nichts dabei gedacht.

    Doch es geht ums Geld und die verbundene "Wertschätzung" von deinem Vater.

    Neid... Eifersucht usw finde ich normale Gefühle.

    Vielleicht solltest du das einfach auch mal so akzeptieren?

    Deine Schwester kann nun wirklich gar nix dafür....


    Die Frage ist auch, ob du dich wirklich charakterlich so stark von den anderen Geschwistern unterscheidet?

    Jeder wollte ein Stück vom Kuchen.... Du doch auch.

    Und da du anscheinend leer aus gehst, muss die Schwester den blitzableiter spielen....
    Before you argue with someone, ask yourself, is that person even mentally mature enough to grasp the concept of different perspectives. Because if not, there's absolutely no point.

    Grab nicht zu weit in dem Mist rum, dann stinkt's nur noch mehr. Geh davon weg, und merk dir, wie's gerochen hat, damit du beim nächsten Verlierer früher Lunte riechst. (Zitat Wildwusel)

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    AW: Tiefer Riss in der Beziehung zu meiner Schwester

    Danke für deine Meinung.

    Du würdest also darüber hinwegsehen und die Beziehung wäre für dich nicht belastet?

  4. Moderation

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    AW: Tiefer Riss in der Beziehung zu meiner Schwester

    Ich glaub, in einer so dysfunktionalen Familie gibt es gar keine unbelasteten Beziehungen. Du darfst dich ärgern, du darfst auch deiner Schwester sagen, dass du sauer bist. Und du darfst auf deinen Vater sauer sein, der solche Spielchen spielt.

    Aber lass das Problem da, wo es ist: bei deinem Vater. Du hast eine Schwester, die du magst und die dich mag. Das ist doch ein Lichtblick in dieser Geschichte.

    Abgesehen davon: Es ist mies, wie du behandelt wirst. Lass dich nicht davon vergiften!
    Always be a little kinder than necessary. – James M. Barrie

    Moderation in den Foren "Rund um den Job", "Rund ums Eigenheim", "Fehlgeburt" und "Wissenschaft und Umweltschutz"

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    AW: Tiefer Riss in der Beziehung zu meiner Schwester

    Zitat Zitat von Hannah_Cosmea Beitrag anzeigen
    Danke für deine Meinung.

    Du würdest also darüber hinwegsehen und die Beziehung wäre für dich nicht belastet?
    Mmh, du sollst gar nicht drüber wegsehen.

    Sortiere die Dinge.

    Dein Geschwister sind aufs Geld aus

    Du auch

    Deine Schwester hat 2x Geld bekommen und du nichts

    Das ist dein eigener Neid und Eifersucht wo du mit dir klar werden solltest.

    Deine Schwester hat nichts gemacht ausser das Geld anzunehmen wie alle anderen auch, du hättest es auch genommen.

    Deine Wut...

    Enttäuschung wie die Familie ist

    Dein Vater wie er ist....


    Wenn du das alles klar sortiert, wirst du erkennen das deine Beziehung zur Schwester gut sein kann.

    Da gibt es nichts, wo man drüber hinweg sehen muss....
    Before you argue with someone, ask yourself, is that person even mentally mature enough to grasp the concept of different perspectives. Because if not, there's absolutely no point.

    Grab nicht zu weit in dem Mist rum, dann stinkt's nur noch mehr. Geh davon weg, und merk dir, wie's gerochen hat, damit du beim nächsten Verlierer früher Lunte riechst. (Zitat Wildwusel)

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    AW: Tiefer Riss in der Beziehung zu meiner Schwester

    Ich würde von SO einem Vater gar kein Geld haben wollen. Sei stolz, dass du bisher ohne seine Kohle ausgekommen bist. Als Dank müsstest du wahrscheinlich regelmäßig bei ihm vorbeischauen.
    Ich glaube, deiner Schwester war es damals peinlich, dass sie Geld bekommen hat, und du nicht. Darum hat sie nie was erzählt.
    Vergiss das ganze Geld Thema, und belaste eurer Verhältnis dadurch nicht.
    Wie wäre es, wenn ihr das Vater (Eltern) Thema gar nicht mehr besprechen würdet? Ist es nicht eigenartig, du hast mit keinem außer der einen Schwester Kontakt, willst aber trotzdem über das Leben einer Ursprungsfamilie genau bescheid wissen?

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    AW: Tiefer Riss in der Beziehung zu meiner Schwester

    Wäre ich Heike, ich hätte so ein schlechtes Gewissen, dass ich dir nicht mehr in die Augen schauen könnte.

    Sie hätte den zweiten Geldbetrag auch ablehnen können und dem Vater sagen, dass er zuerst dir etwas geben sollte.

    Meine Kinder hätten niemals so viel Geld angenommen, wenn sie gewusst hätten, dass Schwester oder Bruder nichts bekommen.
    Wenn sich die Schwestern untereinander gut verstehen, ist das für mich unvorstellbar, egal wie mies sich der Vater verhält.

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    AW: Tiefer Riss in der Beziehung zu meiner Schwester

    Zitat Zitat von Hannah_Cosmea Beitrag anzeigen



    Die ganze Situation belastet mich so sehr, dass ich dauernd daran denke und nachts schlecht schlafe. Darf ich von meiner Schwester überhaupt Solidarität oder Rücksicht erwarten? Sie hat sich ja eigentlich nicht anders verhalten als alle anderen. Jeder hat genommen, was er kriegen konnte. Muss ich mich einfach damit abfinden, dass ich nun als Einzige leer ausgehe?

    Lies das Zitierte noch ein paar Mal.

    Willst Du so sein?





    Und....Dein Vater sagt "Spar Dir den Weg, Du bekommst doch kein Geld" - und Du sparst Dir den Weg dann tatsächlich?
    .
    so wie früher kann ich mir nicht mehr vorstellen, ich fühle mich verraten. Oder ist das ein Denkfehler?



    Ganz materiell gedacht:
    Wenn ich das richtig verstehe, hast Du als einzige zu Deinem Vater seit Jahren praktisch gar keinen Kontakt, die anderen schon - naheliegend, dass sie dann Geld bekommen und Du nicht.


    Ein weiterer Punkt:
    Du schreibst selbst, Dein Vater zeigt Anzeichen von Verwirrtheit - das ist Dir also bewusst.
    Und unter diesen Umständen hast Du kein Problem damit, von ihm Geld zu nehmen?

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    AW: Tiefer Riss in der Beziehung zu meiner Schwester

    Zitat Zitat von Saetien2 Beitrag anzeigen
    Lies das Zitierte noch ein paar Mal.

    Willst Du so sein?
    Nein, ich will nicht so sein und ich wäre im umgekehrten Fall auch nicht so gewesen.
    Ich hätte mich anstelle von Heike geschämt. Mir wäre das Geld nicht wichtiger gewesen, als das Verhältnis zu meiner Schwester. Genau so fühlt es sich für mich nämlich an.


    Und....Dein Vater sagt "Spar Dir den Weg, Du bekommst doch kein Geld" - und Du sparst Dir den Weg dann tatsächlich?
    Ja, in dem Moment habe ich mir den Weg tatsächlich gespart. Ich brauchte ein paar Tage, um zu verkraften, dass mein Vater mir wieder einen Tritt gegeben hat und meine Hoffnung umsonst war. Die Hoffnung, von ihm auch mal beachtet zu werden.

    Ich werde aber ganz sicher innerhalb der nächsten 6 Wochen hinfahren, auch wenn ich mich sehr überwinden muss.


    Ganz materiell gedacht:
    Wenn ich das richtig verstehe, hast Du als einzige zu Deinem Vater seit Jahren praktisch gar keinen Kontakt, die anderen schon - naheliegend, dass sie dann Geld bekommen und Du nicht.
    Nein, so ist es nicht. Keins meiner Geschwister hat ein gutes Verhältnis zu unserem Vater, alle haben erhebliche Probleme mit ihm und hatten zeitweise auch keinen Kontakt.

    Ich bin aber die Einzige, die so weit weg wohnt, schon deshalb ergab sich wenig Gelegenheit, sich zu sehen. Und ja, ich war froh darüber. Ich fühle mich in der Gegenwart meines Vaters unwohl und kriege kaum Luft. Da kommt so viel aus der Kindheit hoch, dass ich am liebsten sofort wieder weglaufen würde


    Ein weiterer Punkt:
    Du schreibst selbst, Dein Vater zeigt Anzeichen von Verwirrtheit - das ist Dir also bewusst.
    Und unter diesen Umständen hast Du kein Problem damit, von ihm Geld zu nehmen?
    Nein, in dem Fall nicht. Meine Schwester hat das Geld erst vor wenigen Wochen auch angenommen. Und ausgerechnet ich, die ich mein ganzes Leben lang übergangen wurde, sollte nun so selbstlos sein und freiwillig verzichten? Ich bin keine Heilige.
    Geändert von Hannah_Cosmea (18.06.2020 um 21:43 Uhr)

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    AW: Tiefer Riss in der Beziehung zu meiner Schwester

    Zitat Zitat von Bina82 Beitrag anzeigen
    Ist es nicht eigenartig, du hast mit keinem außer der einen Schwester Kontakt, willst aber trotzdem über das Leben einer Ursprungsfamilie genau bescheid wissen?
    Ich weiß nur das, was meine Schwester mir erzählt hat. Ja, klar war die Familie Thema, wenn wir telefoniert haben oder bei Besuchen. Das betrifft ja uns beide. Mir war meine Familie nie gleichgültig, aber der Kontakt zum Vater tat mir nicht gut und die anderen Geschwister hatten schlichtweg kein Interesse an mir. Bei den seltenen Treffen gab es nichts als belanglosen Smalltalk.

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