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  1. Registriert seit
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    verwirrt Ich tue mich schwer damit, mich meinen Eltern anzuvertrauen.

    Hallo ihr Lieben

    Ich habe mich hier angemeldet, weil ich gerne mal Tipps von außen hören würde. Und zwar geht es bei mir um das Verhältnis zwischen mir und meiner Familie/meinen Eltern. Eigentlich hatte ich (w, 20 Jahre) immer ein super Verhältnis zu meinen Eltern, ich und meine Geschwister sind sehr behütet und liebevoll aufgewachsen!

    Doch ich tue mir seit meiner Pubertät UNFASSBAR schwer mit ihnen über meine Gefühle usw. zu reden...
    Meine älteren Geschwister haben während ihrer Pubertät oft für Probleme (schlecht in der Schule, Essstörung) gesorgt, die immer offen diskutiert wurden. Solche Probleme hatte ich nie und kleinere habe ich dann lieber mit mir selber ausgemacht oder mit Freunden darüber gesprochen.

    Meine große Schwester war immer die "perfekte" Schwester, mit 16 den ersten Freund (natürlich direkt Schwiegersohn Material) und ich habe mich/wurde soooo oft mit ihr verglichen. Früher habe ich extrem großen Wert darauf gelegt, wie meine Familie bzw. Personen die mir sehr wichtig sind bestimmte Dinge sehen.

    Beispielsweise hat mir meine Schwester immer eingetrichtert, es wäre billig und peinlich wenn man was lockeres mit Jungs (zum Beispiel auf Partys) hat. Da diese Einstellung gefühlt von meiner ganzen Familie gepredigt wurde, habe ich diese Erfahrungen von mir nie erzählt und mir auch sehr lange sehr schwer getan dieses "Leben zu leben". Meinen ersten Kuss mit einem wildfremden (!!!! wie schrecklich!!!!) Jungen im Club habe ich nur meinen Freunden erzählt. Mit denen kann ich auch super über alles reden!

    Doch langsam habe ich mich wirklich zu sehr in dieses Verschweigen gegenüber meiner Familie reingesteigert. Wenn meine Eltern mal fragen, was bei mir so mit Männern läuft, ist es mir sofort unglaublich unangenehm. Wenn das Thema beim Abendessen (ich wohne leider noch daheim) nur ansatzweise in Richtung Beziehungen und Liebe läuft (selbst wenn es nur um Freunde von meinen Brüdern geht), würde ich mich am Liebsten unterm Tisch verkriechen und werde knallrot.

    Es ist nichtmal so als würde ich ihnen nicht gerne davon erzählen... Ich wünschte ich könnte so wie meine Schwester erzählen in wen ich verliebt bin, mit wem ich gerade Kontakt habe usw.
    Auf der einen Seite ist es denke ich normal, dass man in meinem Alter über sowas nicht mehr mit seinen Eltern spricht aber ich blocke wirklich jegliche Gespräche in diese Richtung komplett ab. Ich würde es fast schon als Störung bei mir bezeichnen. Zum Beispiel hatte ich sehr lange was mit jemandem und es lief schon darauf hin, dass es zu einer Beziehung werden würde. Doch alleine der Gedanke dass ich meinen Eltern erzählen muss, dass ich jemanden kennengelernt habe und ihn dann auch noch vorzustellen, hat mir so viel Panik gemacht, dass ich ihn abgeblockt habe.

    Eine große Rolle spielt denke ich auch, dass ich mit 20 noch nie eine Beziehung hatte. In meinem Freundeskreis zwar auch Einige nicht, aber dadurch dass es bei meinen Eltern und meine Schwester so anders war, habe ich immer das Gefühl "unnormal" zu sein (mal ganz blöd ausgedrückt). Und irgendwie habe ich das Gefühl dass die Zeit weg rennt und ich mache mir dadurch immer mehr selber Druck. Es ist ein Teufelskreis!!

    Ich muss sagen, dass es mich wirklich unfassbar traurig macht, dass ich diese innere Verschwiegenheit in mir trage! Wieso kann ich mich nicht einfach so öffnen, wie ich es meinen Freunden gegenüber mache?
    Ich lege immer noch sehr viel Wert darauf, was meine Familie von mir denkt, vielleicht ist es das?
    Die Situation gerade macht es nur noch schlimmer, da wir alle Tag und Nacht aufeinander sitzen und so ganz viel Zeit zum Reden haben (juhu!). Bei mir führt es allerdings nur dazu, dass ich mich immer mehr in mein Schneckenhaus zurückziehe und unglücklich bin.

    Vielleicht hat ja jemand aufmunternde Worte oder ein paar Tipps für mich!
    Und danke, wer sich diesen urlangen Text durchgelesen hat.
    Alles Liebe,
    Mona


  2. Registriert seit
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    AW: Ich tue mich schwer damit, mich meinen Eltern anzuvertrauen.

    Liebe Mona, du musst nicht sein wie deine Schwester. Du bist du. Du musst dein Herz nicht auf der Zunge tragen. Du darfst etwas verschweigen.

    Bei meinen Kindern ist es auch so: Das eine ist sehr offen, das andere sehr verschlossen. Es scheint eine Typfrage zu sein. Ich kann das selbst auch nicht sehr gut, meine Eltern wussten immer nur wenig von mir.

    Man kann nicht aus seiner Haut, deshalb, sorg dafür, dass du dich in deiner Haut wohlfühlst und setz dich nicht unter Druck. Ja, man könnte in der aktuellen Situation viel reden, aber ich kann auch gut verstehen, dass du das als bedrohlich empfindest.

    Sei wie du bist!

    Fühl dich gedrückt

  3. Moderation Avatar von maryquitecontrary
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    AW: Ich tue mich schwer damit, mich meinen Eltern anzuvertrauen.

    Liebe Mona,

    Bist du so rund 20/21? Ich habe zwei Kinder in dem Alter plus ein 16_jähriges, und daher so ein bisschen Erfahrung mit dem Thema. Plus der Erinnerung an meine eigenenErfahrungen und wie viel (bzw wie wenig) ich zuhause davon erzählt habe.

    Was mich interessieren würde: du schreibst von deiner großen Schwester und ihren (moralischen?) Anforderungen an dich. Von deinen Eltern schreibst du gesammelt, also nicht Mutter und Vater, sondern "meine Eltern". Ist dein Verhältnis zu beiden gleich? Wie kommuniziert ihr so miteinander? Hast du Erfahrungen damit, dass deine Erzählungen, eventuell dein Vertrauen, früher einmal nicht gut angenommen oder "missbraucht" worden sind.


    Unsere Kinder zeigen ziemlich deutlich die Entwicklung hin zu einer Abgrenzung trotz eines Vertrauensverhältnisses. Unsere 16-jähriges Kind erzählt mir vieles von dem, was es bewegt, aber manchmal hält es inne und sagt "ich glaube, hiervon möchte ich dir doch nichts erzählen.", weil es Dinge gibt, die durch Teilen zu "verdünnt" werden. Oft einfach sehr private Dinge, wo beim Erzählen deutlich wird, doch lieber nicht. Aber Dinge, die belasten, bekomme ich, soweit ich weiß, doch erzählt, und dann ist es auch eine Erleichterung und Entlastung.

    Das ist ja auch, was du in etwa sagst, dass eine Entwicklung hin zu mehr Abgegrenztsein normal ist beim Erwachsenwerden.


    Mein 20-jähriges Kind ("Kind" ;-) ) hat neulich über die letzten Jahre reflektiert, wie "wild" die Oberstufe war, und wie vergleichsweise ruhig das Studentenleben und Lernen jetzt, und gesagt, dass ich (also ich als Mutter) ja auch einiges davon mitbekommen habe ( Ich wurde vor allem bei einer schwierigen und belastenden Problematik, die eine geliebte Person betraf, um Hilfe gebeten, und war auch Gesprächspartner in bezug auf die eine oder andre Beziehung, aber nur punktuell), aber wieviel eben auch nicht, dass es auch eine Entwicklung dieser Jahre war, vieles alleine zu erleben oder mit Freunden.


    Was, glaube ich, bei uns vorhanden ist, ist Vertrauen, dass man eigentlich mit allem ankommen kann. Dass man auch im größeren Kreis nie ausgelacht oder schief angesehen wird. Trotzdem gibt es Privates, was man eben nicht oder nur in Ausschnitten erzählt.


    Wenn du dir vorstellst, deiner Familie zum Beispiel von deinem Freund damals erzählt zu haben, welche Vorstellungen hast du davon, wie das wohl abgelaufen wäre?
    that was the river - this is the sea


    Moderation in den Foren "Kindergesundheit", "Persönlichkeit" und im "Corona"-Forum

  4. Avatar von Uni-Corn
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    AW: Ich tue mich schwer damit, mich meinen Eltern anzuvertrauen.

    Liebe Mona,
    zum einen bist Du nicht Deine Schwester sondern eine eigenständige Person und darfst mit 20 sehr wohl selbst entscheiden, was Du wem wann erzählst.

    Zum anderen würde ich (aus Muttersicht, meine "Kids" sind 27 und 32) sowas NIE fragen. "Was läuft mit Männern????" Gehts noch? Du bist 20 und nicht 14. Das geht weit über "Wenn Du reden möchtest, ich höre Dir zu" hinaus.

    Könnte es sein, dass Du noch nicht richtig abgenabelt bist (zumindest gefühlt), wohnst Du freiwillig zH? Der Punkt ist, dadurch, dass Deine Eltern quasi alles mitbekommen können, hast Du doch gar keine Möglichkeit, unverbindlich zu daten oder Besuch zu bekommen. Damit bist Du ja quasi von vornherein blockiert...

    UND Überraschung, nein es ist nicht verwerflich oder unmoralisch, Sex in jeglicher Form als Frau auszuleben. Das darf ich Dir als "Altes Weib von knapp 55" versichern, Wir leben im Jahr 2020....

    Trau Dich, genau das Leben zu führen, was für Dich passt, man bereut nur, was man warumauchimmer nicht getan hat....
    Einfach machen...wird gut

    Ich hol mir mein Spiel zurück!!!!!


  5. Registriert seit
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    AW: Ich tue mich schwer damit, mich meinen Eltern anzuvertrauen.

    Hallo Mona,

    da kommen mehrere Sachen zusammen, die es nachvollziehbar schwer machen, dass du nicht so reden kannst, wie du es gerne würdest.

    Punkt 1:
    Es gibt eine ältere Schwester, die dir "Vorbild" ist und die in deinen Augen, bei denen Eltern viel besser abschneidet.
    In so einem Schatten zu leben ist nicht einfach.
    Schau doch mal hin, was dich von deiner Schwester unterscheidet.
    Du bist ein eigenständiger Mensch und sich das immer wieder auch deutlich machen, kann dich stärken und leichter deinen Weg gehen lassen.

    2. Deine älteren Geschwister haben die Familie damals mit ihren Problemen sehr beschäftigt (Essstörung, Schule).
    Wie hast du diese Zeit in Erinnerung?
    Es kann gut sein, dass du das Leiden deiner Eltern sehr mitbekommen hast und das deinen Eltern unbedingt ersparen wolltest.
    Und dieser innere Vorsatz, der gerne unbewusst abläuft, bezieht sich dann auf sämtliche Bereiche und nicht nur auf solche großen Themen, wie die deiner Geschwister.
    "Kein Leid zufügen" kann ein Grund für nicht-reden sein.

    3. Das Predigen - ich sags mal frei- sich nicht "billig" zu verhalten, wurde bei dir zu einem regelrechten "Gebot" und wenn man das dann doch macht, kommt das Gefühl auf, dass man sich gegen eine der wichtigsten Manifeste der Familie gestellt hätte. Moralisch verwerflich und außerhalb den Regeln der Familie.
    Das du das nicht erzählen kannst, ist auch gut zu verstehen.
    Dabei.....lass uns mal ein wenig von außen drauf schauen: Hinter diesen Aussagen steckt vor allem die Angst vor seelischer Verletzung, Krankheit und gesellschaftlicher Ächtung.
    Dieser Grundgedanke dahinter ist fürsorglich- wenn das aber dazu führt, dass das Kind auf jegliche Erfahrung verzichtet oder sich vielleicht noch schämt, wenn es dann doch "rumknutscht"- dann ist das weit übers Ziel hinaus geschossen!

    Ich will jetzt nicht sagen- schmeiß dich jedem an den Hals - aber vielleicht kannst du das für dich ein wenig lockern, denn wir wollen lieber mal nicht fragen, was deine Eltern so in ihrer Jugend erlebt haben

    Ganz unabhängig von dieser Geschichte, halte ich es übrigens für SEHR normal, dass man Knutschgeschichten NICHT seinen Eltern erzählt.
    Ich kenne keine- n, die/der das getan hat.

    Ist es dir wirklich ein WUNSCH, das deinen Eltern zu erzählen?
    Wenn ja- um was genau geht es dir dann?

    4. Jeder Mensch ist anders- manch einer ist sehr offen und kann ständig und über alles reden- der andere ist anders.
    Befass dich doch mal mit den "big five" zum Thema Verhalten- je besser du dich selbst kennst, desto besser kannst du dich verstehen und annehmen.

    5. Du redest immer von der "Familie"- gibt es bei euch immer nur alle oder kannst du auch isoliert und vertraulich zB nur mit deiner Mutter reden?
    Meinem Vater hätte ich ganz sicher gar nichts aus diesem Bereich erzählt- mit meiner Mutter konnte ich ab und zu darüber reden.
    Wenn du die Angst haben musst, dass sich gleich 2 oder 3 drauf stürzen, wenn du was erzählst........wer würde DA reden wollen?

    6. Du sprichst von "Verschwiegenheit" und erzählst doch, dass du reden kannst- es nur nicht in dieser Familie möchtest.
    Vielleicht vertraust du darauf, dass dir diese innere Sperre den richtigen Weg weist (auch, wenn du diesen noch nicht verstehst).
    Denn- was ist so wichtig daran, dass es deine Eltern erfahren?

    7. Du könntest dieses Thema- wie nun hier im Forum gepostet- als Gespräch zu jedem einzelnen bringen!
    Nicht zu allen zusammen- sondern zu jedem einzeln.
    Du könntest es ihnen sagen und dann hören, wie sie darüber denken.
    Dann redest du von dir- ohne Details zu erzählen.

    Offenheit ist nicht zwangsläufig ein Zeichen von Liebe oder Verbindung.

  6. Avatar von elli07
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    AW: Ich tue mich schwer damit, mich meinen Eltern anzuvertrauen.

    Zitat Zitat von mona99_ Beitrag anzeigen
    .....Früher habe ich extrem großen Wert darauf gelegt, wie meine Familie bzw. Personen die mir sehr wichtig sind bestimmte Dinge sehen.

    Beispielsweise hat mir meine Schwester immer eingetrichtert, es wäre billig und peinlich wenn man was lockeres mit Jungs (zum Beispiel auf Partys) hat. Da diese Einstellung gefühlt von meiner ganzen Familie gepredigt wurde, habe ich diese Erfahrungen von mir nie erzählt und mir auch sehr lange sehr schwer getan dieses "Leben zu leben". ....
    Mona, lebst du in einem religiös stark geprägten Umfeld ? Aus diesem Kontext kenne ich derartige Aussagen und auch die meiner Meinung nach völlig deplazierte Frage von Eltern "was denn so mit Jungs läuft". Verbunden mit einer moralischen Abwertung von Menschen (speziell Frauen), die ihr Leben leben, sowohl was Berufliches aber auch was Beziehungen anbelangt. Denn über diese Menschen gibt es keine "Macht" mehr.

    Ich könnte deine Mutter sein, meine Tochter ist etwas älter als du. Eltern haben das Privatleben der Kinder zu respektieren (wie sie es umgekehrt ja auch erwarten). Gegenseitiges Vertrauen heisst nicht, dass man die Hosen runterlassen und seine intimsten Befindlichkeiten ausbreiten muss, sondern dass es immer offene Ohren gibt für Menschen, die etwas mitteilen möchten(!). Sei es nun etwas freudiges oder Probleme.

    Als Mutter halte ich es mit Khalil Gibran, der schon Anfang des letzten Jahrhunderts (sinngemäß) gesagt hat: "ihr könnt euren Kindern eure Liebe schenken, aber nicht eure Gedanken, denn sie haben ihre eigenen. Ihr könnt ihren Körpern ein Zuhause geben, aber nicht ihren Seelen, denn sie leben im Morgen, das ihr nichtmal in euren Träumen zu betreten vermögt".

    Für dich als Tochter: lebe dein Leben und such dir Personen, denen du Vertrauen kannst. Dass dies immer die Familie sein muss, ist ein Mythos. Und gewöhne dich auch an den Gedanken, dass du immer wieder alleine sein musst/wirst/darfst/willst mit deinen Gedanken, den schönen wie auch den weniger schönen.

    Gruß Elli
    Auf der höchsten Stufe der Freundschaft offenbaren wir dem Freunde nicht unsere Fehler, sondern die seinen (F. de La Rouchefoucauld, 1613-1680)

    Fürchte dich nicht vor einem großen Schritt. Mit zwei kleinen lässt sich keine Schlucht überwinden (David Lloyd George)
    Geändert von elli07 (03.04.2020 um 08:57 Uhr) Grund: Ergänzung


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    AW: Ich tue mich schwer damit, mich meinen Eltern anzuvertrauen.

    .
    Vergiss nie Jemanden den du je
    geliebt hast -
    aber, liebe nie jemanden
    der dich vergessen hat
    Geändert von Scheherezade (03.04.2020 um 17:39 Uhr)

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