Ich würde der Sache auch noch eine gewisse Zeit geben und sehen wie es sich entwickelt.
Wir haben damals meine Großeltern (bei einer ähnlichen Entfernung) in ein Pflegeheim in unserer Nähe geholt und ja ich betrachte es auch als Vorteil, wenn im Heim bekannt ist, dass jederzeit Angehörige auf der Matte stehen könne. Aber bei uns war es auch so, dass meine Großeltern in ihrer Heimat praktisch keinen Kontakt mehr hatten und meine Großmutter dement und mein Großvater blind war. Eine Unterbringung in der Nähe ihres Zuhauses hätte also totale Einsamkeit bedeutet.
Ich erlebe es hingegen bei eine guten alten Freundin, die letztes Jahr ins Heim gekommen ist, dass sie regelmäßig Besuch von Freunden bekommt und auch mehrere neue Bekanntschaften im Heim geschlossen hat und einfach in ihrer Region sehr verwurzelt ist, so dass sich sich daran freut mit den anderen Jugenderinnerung aus der gleichen Stadt auszutauschen und auch die regionale Presse zu lesen und an allen Arten von Gemeinschaftsaktionen teilzunehmen. Sie ist aber geistig auch noch sehr rege.
Ich denke auch, dass das hauptsächliche Unglück deiner Mutter eher mit dem Verlust des Ehemannes und der damit einhergehenden Einsamkeit und gleichzeitiger Verlust der Eigenständigkeit, der Selbstbestimmung etc. ist. Alles ist neu und doof. Und ich kann sie da gut verstehen.
Ich bin nicht sicher, ob das in einem Heim in eurer Nähe für sie einfacher wäre - ich neige dazu zu glauben, dass es nicht so wäre, denn da währet ihr die einzigen Bezugspersonen und einsam wäre sie immer noch und sie wäre auch einsam, wenn sie bei euch wohnen würde.
Ich würde versuchen es ihr dort nett zu machen, regelmäßig zu telefonieren, und zu beobachten, wie viel Besuch sie wirklich bekommt und wie sich die Gesamtsituation entwickelt und dann in einem halben Jahr eine neue Entscheidung zu treffen.
Jetzt ist sie vielleicht noch nicht mal in der Trauerphase angelangt, sondern noch in einer Art Schockphase nach dem Tod ihres Mannes.
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07.03.2020, 23:43
AW: Mutter jetzt im Seniorenheim und kreuzunglücklich
Freiheit ist, wenn jeder sich auf seine Art zum Deppen machen kann.
.... und das demnächst auf www.befriendsonline.net/
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Moderation: "Rund um den Job", "Mietforum" und "Selbstständige, Freiberufler & Co"
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08.03.2020, 00:30
AW: Mutter jetzt im Seniorenheim und kreuzunglücklich
Deine Mutter kann vielleicht wirklich nicht mehr erfassen, dass ihr Unglücklichsein mit dem Verlust deines Vaters zusammenhängt. Da finde ich die Hinweise der Mitschreiberinnen wertvoll und deinen Vorsatz, es dir selber und auch ihr immer wieder klar zu machen.
(Als Beispiel: Meine Mutter wurde Witwe und brauchte ZWEI Jahre, um halbwegs wieder 'normal' und lebensfroh zu sein. Ihr Bruder, mein Onkel, wurde im Alter von 87 Witwer, nach ebenfalls 65 gemeinsamen Jahren, und er hat mir wörtlich gesagt "In den ersten drei Monaten möchten man einfach nur auch sterben. Aber nach drei Monaten habe ich zu meinem Hausarzt gesagt 'Ach, jetzt möchte ich doch auch weiterleben, ich habe wieder Freude daran.'" Saustarke Persönlichkeit. Aber man sieht daran, wie unterschiedlich der Umgang mit Trauer ist, und wie normal die 'Haltlosigkeit' nach so wenigen Wochen ist.)
Vielleicht als Tipp - den man zumindest mal ausprobieren könnte: Meiner dementen Schwiegermutter (ebenfalls im Seniorenheim) haben wir ein liniertes DIN A4-Heft und einen Stift hingelegt, haben ihr gezeigt wie sie etwas eintragen kann, und haben direkt auch selber eingetragen, dass wir da waren (mit Datum). Die Idee war, dass sie immer einträgt, wenn sie angerufen wurde (von wem und Datum), wenn ihre Tochter da war, oder wenn wir da waren.
Es hat in ihrem Fall nicht funktioniert, weil die Demenz wohl doch schon weiter fortgeschritten war als wir dachten - sie hat nur direkt in den ersten Tagen 2x etwas eingetragen und dann nie wieder. Ich glaube, das Abstraktionsvermögen 'Ereignis passiert -> schriftlich niederlegen, dass es passiert ist' ist einfach nicht mehr da, leider.
Aber es hätte eine gute Maßnahme sein können gegen das Gefühl "keiner ruft mich an, keiner besucht mich".
Vielleicht wäre deine Mutter dazu noch in der Lage?Moderation "Kinderwunsch und Babyjahre"
und "Unterstützter Kinderwunsch"
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08.03.2020, 00:34
AW: Mutter jetzt im Seniorenheim und kreuzunglücklich
So was in der Art habe ich auch überlegt, als ich beim Aufräumen ihrer Wohnung eine leere Kladde gefunden habe, danke, dass du mich daran erinnerst. Man könnte es ausprobieren. Kann gut sein, dass sie vergisst, etwas einzutragen aber den Versuch ist es wert.
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08.03.2020, 00:46Inaktiver User
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08.03.2020, 07:44Inaktiver User
AW: Mutter jetzt im Seniorenheim und kreuzunglücklich
Auch dieses Argument spricht dafür, deine Mutter in einer Einrichtung in deiner Nähe unterzubringen ! Dich wird deine Mutter noch lange erkennen und sich an die Besuche möglicherweise sogar länger erinnern. Ihre Demenz jedenfalls wird nicht mehr besser werden!
Ich sage dir aus Erfahrung: die Besuche für deine Mutter an ihrem momentanen Wohnort werden schnell nachlassen, vor allem wenn die Besucher bemerken, dass sich deine Mutter an die Besuche nicht mehr erinnert bzw. die Besuche zu beschwerlich werden, weil auch die Besucher nicht mehr die Jüngsten sind.
Dir würde es das Leben deutlich erleichtern, wenn du die langen Fahren nicht mehr hast, mal abgesehen davon, dass es hilfreich ist, wenn Angehörige der Heimbewohner problemlos vom Pflegepersonal erreicht werden und schnell vorbeikommen können falls Probleme auftreten zum Beispiel oder Entscheidungen zu treffen sind. Bei dementen Menschen sind häufigere kurze Besuche meist sinnvoller als seltene längere.
Hast du eine notarielle(!) Vollmacht von deiner Mutter ?
Gruß ElliGeändert von Inaktiver User (08.03.2020 um 09:18 Uhr) Grund: Ergänzung
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08.03.2020, 07:47Inaktiver User
AW: Mutter jetzt im Seniorenheim und kreuzunglücklich
Ich finde es absolut nachvollziehbar und legitim, dass die Frau in dieser Situation todunglücklich ist.
Was denn sonst?
Ihr Mann ist gestorben, sie ist allein, ihr Leben hat sich um 180° gedreht und es ist klar, dass es nicht mehr aufwärts geht.
Da darf man unglücklich sein.
Wenn nicht dann, wann sonst?
Der Wunsch, dass Mutter sich besser fühlt und im Heim "wohl", und das möglichst pronto, ist ein sehr egoistischer - damit man selber nämlich sein Leben möglichst weiterführen kann wie gehabt ohne schlechtes Gewissen.
Kann und sollte man tun, ganz klar.
Aber man muss der Mutter ihre Traurigkeit zugestehen und selber diese auch aushalten.
Das lässt sich nicht wegorganisieren.
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08.03.2020, 08:13
AW: Mutter jetzt im Seniorenheim und kreuzunglücklich
@tumbleweed
Sprech mit dem Pflegepersonal und, ganz wichtig, mit den Betreuungskräften!
Erkundige Dich, wie Deine Mutter auf Sie wirkt. Ist sie wirklich durchgängig niedergechlagen?
Oft ist es so, dass sofort wenn die Angehörigen in Sichtweite sind, die Stimmung einbricht, es sich beschwert und beklagt wird. Zuvor ging es noch ganz gut.
Für Angehörige ist das schwer. Sie sehen die andere Seite nicht. Was natürlich nicht heißen soll, dass es den Schmerz Deiner Mutter nicht gibt.
bifi
"Wenn Sie die Art und Weise ändern, wie Sie die Dinge betrachten, ändern sich die Dinge, die Sie betrachten."Max Planck - deutscher Physiker und Nobelpreisträger 1858-1947
Denken und Sein werden vom Widerspruch bestimmtAristoteles - Griechischer Philosoph
"Es ist nicht wie es ist, sondern so, wie Du denkst, dass es ist. "bifi
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08.03.2020, 08:16Inaktiver User
AW: Mutter jetzt im Seniorenheim und kreuzunglücklich
meine grosseltern waren auch sehr lange verheiratet, mein grossvater kam ins krankenhaus, von dort aus ins pflegeheim- von ihrer wohnung um die ecke. sie hat ihn jeden tag besucht, sich um ihn gekümmert. er wollte nur nach hause.
er war schwerkrank, sie konnte ihn zuhause nicht pflegen. mein grossvater hat die ersten 6 monate nicht überlebt.
sie war sehr traurig. hat sich umgeguckt und nach dem was sie halt im pflegeheim bei ihrem mann mitbekommen hat - einen entschluss gefasst.
sie hat die wohnung auflösen lassen und ist in ein altenheim gezogen. sie hat noch, obwohl auch krank, noch 4 jahre im altenheim gut gelebt und richtig aufgeblüht.
aber:
zwischen erleben und akzeptanz (er kommt nicht wieder zurück in das alte leben) und dem tag als sie mit kleinem marschgepäck die wohnungstür abgeschlossen hat und die schlüssel übergeben hat, wir sie ins altenheim gebracht haben- war 1 jahr.
das hatte sowas von: aufstehen, krönchen richten und gerade aus gehen.
der vorschlag, mit dem heft, eine art von gästebuch- finde ich klasse. das könnte man ja ein bisschen schön gestalten.
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08.03.2020, 08:42
AW: Mutter jetzt im Seniorenheim und kreuzunglücklich
Erst einmal auch von mir herzliches Beileid zum Tod Deines Vaters.
Mir kommt in den ganzen Überlegungen hier ein Aspekt zu kurz. Du schreibst, Deine Mutter sei geistig nicht mehr auf der Höhe, vergesse Besuche. Egal, was die Ursache ist, es ist Demenz und die verschlimmert sich. Oft gibt es durch Trauer und Umzug noch einmal regelrechte Schübe. Als Angehöriger will und kann man das oft nicht richtig wahrnehmen. Es kann gut sein, dass Deine Mutter morgens aufwacht und gar nicht weiß, wo sie ist. Auch in einem Heim in Deiner Nähe wird sie sich nicht orientieren können. Ich würde für ein Heim in Deiner Nähe plädieren wenn Du oder Deine Familie Zeit hättest sie mehrmals wöchentlich zu besuchen. Das scheint aber nicht der Fall zu sein. Ich hatte meiner Mutter einen Heimplatz in meinem Wohnort besorgt -sie ist aber vor dem Umzug letzten Sommer verstorben. Es wäre aber möglich gewesen, dass täglich einer von uns wenigstens kurz bei ihr gewesen wäre -zwei meiner Kinder sind vor Ort.
Es wundert mich, dass sie in ihrem Alter überhaupt noch viele Freunde hat. Sei realistisch: Die Besuche werden weniger werden.
Es gibt hier keine perfekte Lösung.
Der Vater meiner Freundin hat sie bei jedem Besuch angefleht ihn mitzunehmen. Es brach ihr das Herz. Und sie war vor Ort und hat ihn wöchentlich besucht.
Die Welt Deiner Mutter ist zusammengebrochen und sie ist nicht mehr geistig in der Lage sich darauf einzustellen.
Da sie dement ist wird sich -im Gegensatz zu Einschätzung einiger anderer hier-vermutlich ihr Gemütszustand auch nicht wesentlich verbessern. Natürlich wird sie sich an alles gewöhnen, aber dass sie es mit der Zeit schön findet, wage ich zu bezweifeln.
Ich würde jetzt einfach noch eine Zeit abwarten, viel Kontakt halten, die Idee mit der Box finde ich toll, alle Bekannten mobilisieren -und wenn es gar nicht geht, würde ich darüber nachdenken, ob ihr sie mit einer Pflegekraft zu euch holt oder wenigstens in eure Nähe. Die Sprachbarriere zählt für mich nicht. Sie wird höchstens noch ein paar Jahre haben. Vielleicht bereust Du es später ihr zum Schluss nicht näher gewesen zu sein.
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08.03.2020, 08:44
AW: Mutter jetzt im Seniorenheim und kreuzunglücklich
Zunächst einmal mein Beileid zum Tod deines Vaters.
Ich arbeite in einem Pflegeheim und fühle gerade unheimlich mit dir. Du möchtest das Beste für deine Mutter und suchst nach einer Lösung. Die ist für jeden anders.
Es ist wie viele schrieben wirklich so, daß es dauert, bis der Mensch hier angekommen ist. Das passiert nicht in einer Woche, nicht in einem Monat.
Ich hätte als Tochter jedoch anders entschieden und die Mutter in meine Nähe geholt.
Sie ist wirklich schon sehr betagt und wird vielleicht noch eine handvoll Jahre vor sich haben. Diese Zeit sollte sie bei ihrer Familie sein. Ob nun in einem Heim oder im Haushalt spielt weniger einer Rolle, wenn man sich auch dessen bewußt ist, daß man ältere Menschen besuchen sollte. Damit sie nicht vereinsamen und sich weiterhin als Teil der Familie betrachten.
Ich vertrete die Auffassung, daß das nicht mit 10-20 Besuchen im Jahr an Wochenenden getan ist.
Egal wie integriert die Bewohner im Heimalltag sind, so sind sie doch oftmals tief im Innern sehr einsam.
Dann ihren Freunden und Bekannten die Aufgabe aufzuerlegen, sie regelmäßig zu besuchen finde ich schon zwiespältig. Warum sollen sich andere (unter Umständen ebenfalls betagte ältere Leute, die unter Umständen auch nur bedingt mobil sind) regelmäßig dauerhaft bei ihr vorbei schauen? Realistisch ist diese Planung/Kaluation von dir nicht.
Eine zeitlang wird es vielleicht laufen, aber nicht auf Dauer. Die Leute aus ihrem bisherigen Umfeld sind unter Umständen auch jenseits der 70/80.
Zur Sprachbarriere - hol sie zu dir und schaut euch vorher ausgewählte Heime an. Die Problematik besteht ja primär darin, einen Platz in deiner Nähe zu finden. Vielleicht findet sie die Einrichtung sprachtechnisch nicht so schlimm wie befürchtet.
Aber die Schwierigkeit besteht zunächst einmal darin herauszufinden, was das Richtige für deine Mutter ist und was auch umsetzbar ist.
Ich schicke dir Kraft für den Weg.


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