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  1. Avatar von Sugarnova
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    AW: ...”es sind doch Deine Eltern”

    Zitat Zitat von Malaita Beitrag anzeigen
    Ständig wird eingefordert, dass die Tochter doch die Mutter verstehen soll.
    Fast nie wird gefordert, dass es auch mal umgekehrt sein soll. Wieso sollen eigentlich nie die Mütter auch mal für die Töchter Verständnis haben?
    Für so beschränkt halte ich die ältere Elterngeneration auch nicht, dass das nicht mal möglich sein soll.
    ... andersrum gestaltet es sich schwerer.

  2. Avatar von Almare
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    AW: ...”es sind doch Deine Eltern”

    Ich lese hier oft mit, weil mich das Thema selber über 50 Jahre gefangen gehalten hat.
    Ich habe eine sehr dominate, narzistische Mutter und einen Vater, der auf Harmonie aus ist und sich nicht genug abgrenzen konnte und kann. Und dadurch auch uns Kinder indirekt im Stich gelassen hat.

    Ich habe alles versucht: konfrontieren (da war ich dann immer die Schuldige oder mein Vater hatte dann den Streit mit meiner Mutter) , zurückziehen (hat mir selber körperliche und seelische Symptome gebracht), Verständnis (endete in Eskalationen), usw.

    Ich wußte nicht mehr weiter, alles agieren endete in einer Eskalation und darin, dass ich mich wie eine zehnjährige fühlte (wärenddessen allerdings meistens auch schon). Vom Kopf her war mir sehr vieles klar, aber trotzdem konnte ich meine Erkenntnisse nicht schlüssig umsetzen oder ich hatte plötzlich eine Blockade.

    Gelöst hat es sich für mich erst mit über 50 durch einen Traum. Ich konnte in diesem meine Mutter verstehen, warum sie so geworden ist. Und ich hatte das erste mal seit ich mich erinnern kann, ein warmes Gefühl für sie.
    Seitdem, es ist echt kurios, kann ich sie lassen. Jedenfalls überwiegend. Wenn sie meine Grenzen überschreitet, kann ich ohne Angst und ohne in den Kindermodus der Hilflosigkeit zu verfallen, ihr ein Stop setzen. Manchmal beschäftigt es mich noch länger danach, aber das ist selten.

    Ich kenne das Schuldgefühl, vor allem meinem Vater gegenüber. Seiner Sehnsucht nach Nähe, die ich ja auch habe. Auch da habe ich lange gebraucht, sie für ihn nicht einlösen zu wollen/müssen. Inzwischen habe ich ein nahes Verhältnis zu meinem Vater und ein distanziertes, aber näheres Verhältnis als bisher zu meiner Mutter. Sie muss das eben aushalten, dass es da einen Unterschied gibt. Ich treffe ihn inzwischen auch oft alleine und das tut uns beiden gut und entspricht dem, was ist. Und auch (inzwischen durch uns beschlossen) sein darf.

    Ich weiß, mein Erleben lässt sich nicht übertragen. Ich war mit der Zeit echt verzweifelt, weil ich aus der Dynamik nicht heraus kam, immer wieder zurück gefallen bin in meine kindlichen Bedürfnisse und die daraus entstehende Hilflosigkeit, versteckt auf das Verständnis und die Liebe meiner Mutter gehofft habe (auch wenn ich dies vor mir selbst verleugnet habe).
    Ich wußte echt nicht, ob ich das jemals in meinem Leben klar kriege.

    Was ich damit sagen will: es geht nicht so, dass man a oder b tun muss und dann klappt das. Es sind schwierige, oft über Generationen weitergegebene Dynamiken, an denen man sich abarbeitet und mit dieser über Generationen dauernde Hilflosigkeit den Kampf aufnimmt. Das ist nicht mit Umsetzung von Ratschlägen gelöst, das hängt in der Tiefe massiv fest und meistens kennt man den Grund dieser Hartnäckigkeit gar nicht so genau.
    Trotzem möchte ich alle ermutigen, nicht aufzugeben. Bleibt euch und eurer inneren Stimme der Gerechtigkeit und der gefühlten Ordnung treu, einen anderen Weg sehe ich nicht. Zweifelt nicht an euch selbst, wenn die Schuldgefühle übermächtig werden.
    Wenn ihr nichts getan habt, was Schuld gerechtfertigt, kann es dadurch ausgelöst werden, dass man einfach einen anderen Weg versucht. Und dadurch die gängigen Strategien in der Familiendynamik verlässt. Das ist Untreue zum System und erzeugt diese massiven Schuldgefühle (man soll am besten wieder brav im System funktionieren, damit keine Unruhe entsteht. Völlig ungeachtet, ob dies sinnvoll oder nicht ist. Dysfunktionale Systeme sind oft hartnäckiger als funktionale, die einen offenen Austausch beinhalten). Diese Schuldgefühle immer mal wieder (und immer öfter) auszuhalten lohnt sich.

    P.S. was mich dieses Rückwärtsgebundensein an Zeit in meinem Leben gekostet hat, finde ich mnachmal echt erschreckend. Aber es hat wohl diese gebraucht. Jetzt freue ich mich zunehmend daran, dass ich mich selber und mein Leben im Vorwärtsmodus ausprobiere ...
    Es gibt Probleme, die lassen sich lösen.
    Und es gibt Probleme, von denen muss man sich lösen.
    Geändert von Almare (11.01.2020 um 01:33 Uhr) Grund: P.S. ergänzt

  3. Avatar von Ivonne2017
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    AW: ...”es sind doch Deine Eltern”

    Zitat Zitat von Malaita Beitrag anzeigen
    Ständig wird eingefordert, dass die Tochter doch die Mutter verstehen soll.
    Fast nie wird gefordert, dass es auch mal umgekehrt sein soll. Wieso sollen eigentlich nie die Mütter auch mal für die Töchter Verständnis haben?
    Für so beschränkt halte ich die ältere Elterngeneration auch nicht, dass das nicht mal möglich sein soll.
    Neid und Verständnis schließen einander aus.
    LG Ivi

  4. Avatar von bifi
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    AW: ...”es sind doch Deine Eltern”

    Zitat Zitat von Ivonne2017 Beitrag anzeigen
    Es ist höchstens Ausdruck ihres Neides auf die heutigen Möglichkeiten der Frau.
    Ja eben, deswegen der Neid. Sie ist ein Kriegskind, das in der elterlichen Zuwendungen einen Mangel erlebt hat. Als Kind unter weiteren Auswirkungen des Krieges wie Hunger, Gewalt, Flucht u.ä. gelitten hat. DIe ersten Lebensjahre sind entscheidend, und natürlich kann sie nur das weiter geben, was sie selber ist.
    Zumindest kommt auch noch hinzu, dass es galt zu verdrängen, es musste "wiederaufgebaut" werden, Aufarbeitung der Kindergeschichte galt nicht als Option.
    Ich kann den Neid verstehen. Ja und natürlich blendet sie aus, dass Du ganz andere Probleme hast.
    bifi
    "Schau lange und genau auf die Dinge, die dich erfreuen - zumindest länger als auf die Dinge, die dich ärgern."
    Sinonie - Gabriele Colette


    Denken und Sein werden vom Widerspruch bestimmt
    Aristoteles - Griechischer Philosoph

  5. Avatar von Ivonne2017
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    AW: ...”es sind doch Deine Eltern”

    Zitat Zitat von bifi Beitrag anzeigen
    Ja eben, deswegen der Neid. Sie ist ein Kriegskind, das in der elterlichen Zuwendungen einen Mangel erlebt hat. Als Kind unter weiteren Auswirkungen des Krieges wie Hunger, Gewalt, Flucht u.ä. gelitten hat. DIe ersten Lebensjahre sind entscheidend, und natürlich kann sie nur das weiter geben, was sie selber ist.
    Zumindest kommt auch noch hinzu, dass es galt zu verdrängen, es musste "wiederaufgebaut" werden, Aufarbeitung der Kindergeschichte galt nicht als Option.
    Ich kann den Neid verstehen. Ja und natürlich blendet sie aus, dass Du ganz andere Probleme hast.
    bifi
    Soll ich jetzt Mitgefühl haben?
    Ich nenne es Neid, Gier, Borniertheit und letzten Endes Bosheit.

    Bei weitem nicht alle wurden so, zum Glück. Auch nicht in der Generation.
    Ich hatte ja auch meine Kindergeschichte und hab das Elend definitiv nicht weitergegeben.


  6. Registriert seit
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    AW: ...”es sind doch Deine Eltern”

    Zitat Zitat von Malaita Beitrag anzeigen
    Ständig wird eingefordert, dass die Tochter doch die Mutter verstehen soll.
    Fast nie wird gefordert, dass es auch mal umgekehrt sein soll. Wieso sollen eigentlich nie die Mütter auch mal für die Töchter Verständnis haben?
    Für so beschränkt halte ich die ältere Elterngeneration auch nicht, dass das nicht mal möglich sein soll.
    Weil man nur auf sich selbst direkt einwirken kann, nur dort wirksame und kontrollierbare Hebel ansetzen kann.
    Wenn ich möchte, dass Pflanzen blühen, kann ich aktiv gießen. Oder, eher passiv, um Regen bitten. Beides kann gut gehen, aber der Weg über das Gießen ist deutlich kontollierbarer.

  7. Moderation Avatar von Islabonita
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    AW: ...”es sind doch Deine Eltern”

    Zitat Zitat von Almare Beitrag anzeigen

    Was ich damit sagen will: es geht nicht so, dass man a oder b tun muss und dann klappt das. Es sind schwierige, oft über Generationen weitergegebene Dynamiken, an denen man sich abarbeitet und mit dieser über Generationen dauernde Hilflosigkeit den Kampf aufnimmt. Das ist nicht mit Umsetzung von Ratschlägen gelöst, das hängt in der Tiefe massiv fest und meistens kennt man den Grund dieser Hartnäckigkeit gar nicht so genau...
    Danke für Deinen Beitrag, Almare, der hat mich sehr berührt. Und ich freue mich für Dich, dass Du eine Form des Umgangs mit Deiner Mutter gefunden hast.
    Ganz wichtig für mich war das, was ich aus Deinem Beitrag zitiert hast. Ich bin ebenfalls davon überzeugt, dass es nicht viel geändert hätte, wenn ich einen Mann geheiratet hätte, der samstags Fußball guckt und sein Auto wäscht. Und 2 Kinder bekommen hätte und in der Heimat geblieben wäre. Es wäre garantiert auch dann nicht recht gewesen. Diese Erkenntnis hat bei mir irgendwann eingesetzt und war eine Mischung aus befreiend und traurig.
    Islabonita

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  8. Avatar von bifi
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    AW: ...”es sind doch Deine Eltern”

    Zitat Zitat von Ivonne2017 Beitrag anzeigen
    Soll ich jetzt Mitgefühl haben?
    Ich nenne es Neid, Gier, Borniertheit und letzten Endes Bosheit.
    Nein. Verstehen reicht, und bedeutet nicht, dass Du es billigst.

    Und zum Kindergeschichte weitergeben: Es bleibt uns nichts anderes übrig, es kann auch Unverständnis sein, dass weitergegeben wird. Es hat Auswirkungen auf meine Kinder, wenn ich meine Mutter als neidisch, gierig und borniert erlebe.
    "Schau lange und genau auf die Dinge, die dich erfreuen - zumindest länger als auf die Dinge, die dich ärgern."
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  9. Avatar von Sprachlos
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    AW: ...”es sind doch Deine Eltern”

    Zitat Zitat von Sugarnova Beitrag anzeigen
    DAS "nicht jönne könne" - ist vielleicht gerade Kriegsgeneration. Dass der andere mehr abkriegt.
    Also das finde ich doch sehr verallgemeinert. Ich denke, generell ist es doch immer eher so, dass die älteren sich wünschen, dass es ihren Kindern besser gehen möge. Dass es Einzelne gibt, die anders ticken kann vorkommen, lässt dann aber keine pauschalen Rückschlüsse auf alle anderen zu.

    Ich finde, man kann das durchaus mal von einer anderen Seite beleuchten. Die Frauengenerationen vor den 68ern bekamen - je früher desto geballter - Sprüche in´s Poesiealbum geschrieben wie "Bete und arbeite." oder "Sei wie das Veilchen im Mosse, bescheidn , sittsam und rein nicht wie die stolze Rose, die immer bewundert will sein." Und so wurden sie insgesamt erzogen, mit Werten wie dauernde Aufopferung, sowie Dankbarkeit und Unterordnung ihren Eltern und sonstwem gegenüber.

    Je nach Charakter hat diese Erziehung dann auch entsprechende Früchte getragen. Nun hofften diese Mütter, wenigstens von ihren Kindern die "Ernte" einzufahren, indem diese dies alles nun ebenfalls lebten und eben ihren Eltern/Müttern selbstverständlich "zurückgaben" was diese - u.a. ihretwegen - entbehrt hatten. Das war ja jahrhunderte- bzw. jahrtausendelang ein ungeschriebener Generationenvertrag.

    Dann kam die Emanzipation der Frauen dazwischen und die Töchter gingen aus dem Haus um ein selbstbestimmtes Leben zu führen und erwarten nun etwas von den Müttern was diese nie gelernt haben, nämlich ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.

    Ich habe diesbezüglich durchaus ein gewisses Verständnis für die Frauen aus der Generation meiner Mutter, muss allerdings auch sagen, dass es schon immer Frauen gab, die ihre weibliche Rolle auch viel freier und selbstbestimmter lebten, bei denen diese äußeren gesellschaftlichen Zwänge nicht auf derart fruchtbaren Boden fielen. Von seiten meines Vaters waren die Frauen generell ganz anders als z.B. meine Mutter (Jg.1930), selbst die noch älteren Frauen im Alter meiner Großmütter (Jg. 1910). Also das hat schon auch mit dem Charakter und der familiären Erziehung zu tun.

    Diese Erziehung hat natürlich mit den 68ern nicht schlagartig aufgehört, sondern wird noch eine Weile fortdauern und das Verhältnis zwischen (hauptsächlich) Müttern und Töchtern belasten. Ich habe im weiteren Umfeld mit großem Erstaunen bzw. sogar Entsetzen erlebt, dass noch in den 1980ern es schulisch leistungsstarken Mädchen verwehrt wurde das Gymnasium zu besuchen, weil die ja dann weggehen würden. Ich hätte das nieeeeemals für möglich gehalten.
    Kreativität kommt von der Freiheit zu scheitern. Und die Freiheit zu scheitern kommt vom Experiment. (Peter Gabriel)

  10. Avatar von Sprachlos
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    AW: ...”es sind doch Deine Eltern”

    Zitat Zitat von Islabonita Beitrag anzeigen
    Ich bin ebenfalls davon überzeugt, dass es nicht viel geändert hätte, wenn ich ...
    Ich denke auch, dass es sich da um eine tiefsitzende Frustration handelt, die niemand anderes heilen kann, aber sie nährt sich aus dem Gefühl, wenn die/der/das anders wäre, würde es mir besser gehen. Ist dieses andere geklärt, dann wird ein neues Problem im außen gefunden. Aber ich glaube, diese Menschen könnten sich nur selbst helfen, sonst niemand. Es ist aber extrem unwahrscheinlich, dass das im Alter noch passiert.
    Kreativität kommt von der Freiheit zu scheitern. Und die Freiheit zu scheitern kommt vom Experiment. (Peter Gabriel)

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