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    Geschenk Patenkind und Nicht-Patenkind

    Hallo,
    ich lese schon lange hier im Forum still mit, wende mich heute jedoch mit einem Problem an Euch, das mich schon länger beschäftigt, zu dem ich keine Lösung für mich finde und bitte um Meinungen dazu:

    Damit man mein Dilemma versteht, muss ich leider etwas zur Vorgeschichte ausholen:

    Ich bin Tante von zwei Jugendlichen (Jungs 16+13), Kinder meiner Schwester.

    Zudem bin ich Patentante des Jüngeren. Für den älteren haben meine Schwester und ihr Mann damals zwei Freunde ausgesucht, zu denen sie aber bereits kurzzeitig später und bis heute überhaupt keinen Kontakt mehr haben, diese Paten kümmern sich auch überhaupt nicht um meinen älteren Neffen, er hat diese nie kennengerlernt.

    Ich habe zu beiden Kindern ein gutes Verhältnis. Ich würde sagen, beide Kinder mögen mich und meinen Mann sehr. Wir unternehmen öfters etwas gemeinsam, wobei ich sagen muss, dass dieses mit dem Älteren jetzt schon länger nicht mehr der Fall war, weil er mit Eintritt in die Pubertät mehr und mehr mit Freunden unterwegs ist und an Tante und Onkel und schlafen hier etc. nicht mehr so das Interesse hat. Er hat im Gegensatz zu meinem jüngeren Neffen und Patenkind auch in jüngeren Jahren seltener hier geschlafen, Aktivitäten mit abends nach Hause bringen haben wir aber auch mit ihm gemacht.

    Mein älterer Neffe ist von kleinauf ein schwierigeres Kind gewesen, was ich z.T. dem Umstand zuschreibe, dass meine Schwester und mein Schwager sehr jung waren, als er (ungeplant) kam. Ihm wurden keine Grenzen gesetzt etc. – dann kam mein jüngerer Neffe, lieb, umgänglich, sozialer.. nicht nur in meinen Augen sieht es so aus, dass meine Schwester ihren kleinen Sohn bevorzugt, ihm mehr Aufmerksamkeit schenkt, weniger ruppig mit ihm spricht, der Ältere ist unbequem (gemacht worden?), wurde bei Fehlverhalten angeschrien, der Jüngere nicht, der Ältere ist in meinen Augen berechtigt eifersüchtig, fühlt sich zurückgesetzt, merkt natürlich, welche emotionale Zuwendung dem Kleinen (von Mama, der Vater verhält sich m.E. beiden gegenüber gleich) gegeben wird, die er irgendwie nie erhalten hat. Sein Verhalten ist entsprechend. Sehen will man das aber nicht und die Jahre sind letztlich auch dahingegangen und diese Verletzungen sitzen bei dem Kind sicher sehr tief.

    Ich habe mich aus diesem Grund immer bemüht, beide gleich zu behandeln, weil ich selbst es aus meinem Elternhaus auch kenne, das ich als Ältere anders behandelt wurde als meine Schwester und weiß, wie man sich fühlt.

    Zudem haben sich meine Schwester und mein Schwager vor einigen Jahren getrennt, was sehr schwer für die Kinder war. Sie haben ein sehr gutes Verhältnis zu ihrem Vater und auch sehr regelmäßigen Kontakt.

    Ich habe für mein Patenkind damals ein Sparbuch angelegt, das ich mit einem monatlichen Betrag bespare und das ich ihm zum 18. Geburtstag übergeben möchte. Ich nehme meinen Patenauftrag ernst, bin für ihn da (für den anderen natürlich auch), aber ich fühle mich innerlich schon irgendwie mehr verbunden zu dem Kleinen. Das war auch von Baby an sofort so, da war so eine Art Band, das vom ersten auf-den-Arm-nehmen da war, das war bei meinem älteren Neffen nicht so.

    Nun wird mein älterer Neffe in zwei Jahren 18. Ich möchte ihm auch gerne ein Geldgeschenk zukommen lassen, aber nicht in dem Rahmen, wie es der Kleine als mein Patenkind durch das Sparen erhält.

    Und da fängt aufgrund der oben geschriebenen Vorgeschichte seit einiger Zeit mein Dilemma an, denn in mir rührt der Gedanke, dass der Große das nicht verstehen wird, wenn er 3 Jahre nach seinem 18. Geburtstag und einem geringeren Geldgeschenk mitbekommt, welches Geschenk der Kleine bekommt. Ich gehe davon aus, dass er sich dann erneut innerlich zurückgesetzt fühlen wird, jetzt auch von mir. Ich gehe dann ja auch nicht zu ihm hin und sage, du hör mal, der Kleine bekommt mehr, weil ich seine Patentante bin und er wird mit seinem Grummel-Gefühl wohl kaum zu mir kommen und sagen, das verstehe ich nicht. Ich habe die Befürchtung, dass unser Verhältnis darunter leiden wird, dass er dann denkt, dass ich den Kleinen genauso bevorzuge, wie seine Mutter es tut.

    Ansonsten habe ich die Kinder nach Möglichkeit mit Geschenken zu Weihnachten, Geburtstag etc. immer gleich behandelt, auch aus den vorgenannten Gründen, weil ich gesehen habe, wie der Große leidet.

    Mein Mann und ich habe dazu schon Diskussionen gehabt. Er sieht es so, dass die Kinder mich als Tante sehen werden, die die beiden plötzlich ungleich behandelt. Im täglichen Leben ist es nicht so Thema, dass ich Patin bin, obwohl die Kinder das natürlich wissen, damit aber vermutlich nicht assoziieren, dass der Kleine mal mehr bekommen könnte, als der Große.

    Wenn ich aber mal auf meine Kindheit zurückblicke, da waren sowohl Paten als auch die „normalen“ Onkel und Tante Leute, die man auf den Erwachsenen-Geburtstagen gesehen hat und mehr nicht. Heute ist das schon anders, man hat oft ein engeres Verhältnis zu den Kindern der Geschwister, so dass auch für die Kinder eine Patenrolle nicht mehr so herausgestellt ist und damit für das Nicht-Patenkind verständlicher wäre, warum der andere mehr bekommt.

    Mein Mann meint, ich solle dann dem Großen dasselbe an Geldgeschenk zukommen lassen, wie dem Kleinen.

    Ich sehe das anders, tue mich schwer damit, habe das Gefühl, dass ich ausbaden „muss“, was die anderen Paten versäumen. Und das ausgerechnet wieder bei dem Jungen, der sowieso schon zurückgesetzt wird und sich auch so fühlt. Aber da kann ich ja nichts dafür. Ich bin nicht das Elternteil das ungerecht behandelt, bin nicht die „falsch“ ausgesuchte Patin, die sich nicht die Bohne um ihn kümmert.

    Es ist nicht so, dass ich mir das nicht leisten könnte, es ist eher so, dass es sich für mich falsch anfühlt, auf der einen Seite. Ich kann andererseits auch das Argument meines Mannes verstehen, er hat schon Recht, aber wie gesagt, für mich käme das nicht so richtig aus ganzem Herzen in der Höhe, weil ich damit irgendwie innerlich auch das Gefühl hätte, dass meine Idee mit dem Sparbuch für mein Patenkind damit weniger nur für ihn wäre, meine innere Verbundenheit (und die habe ich ehrlicherweise schon etwas mehr als mit dem Großen) damit nicht mehr so wäre, wenn ich dem Großen dasselbe Geschenk ohne Patenauftrag zukommen ließe, ich weiß nicht, wie ich das anders ausdrücken soll.

    Ich habe das Sparbuch aus dem Herzen heraus angelegt, um ihm als seine Patentante einen kleinen finanziellen Start ins Erwachsenenleben mitzugeben.

    Damals hat sich aber für mich noch nicht abgezeichnet, dass die Paten des anderen sich gar nicht kümmern, irgendwie war mir das gar nicht so präsent. Dieses ganze Thema mit dem Zurücksetzungsgefühl des Großen kam nach und nach und irgendwann ist mir diese Problematik mit dem Sparbuchgeschenk aufgegangen und darauf kaue ich jetzt herum.

    Mein Verstand sagt mir, ich sollte sie auch in diesem Punkt gleich behandeln, mein Gefühl sagt mir was anderes.

    Kann das jemand verstehen – ich weiß einfach nicht was ich machen soll.

    Ich bin für Meinungen dazu sehr dankbar.

    Eure Ratlose Tante


  2. Registriert seit
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    AW: Geschenk Patenkind und Nicht-Patenkind

    Was sagt denn Deine Schwester dazu?
    Sie könnte ja auch das Defizit ausgleichen oder belastet sie lieber Dich damit?

    Je suis Charlie!

    Hugh Grant über Boris Johnson (29.8.2019)(Danke an untitled):

    You will not fuck with my children’s future. You will not destroy the freedoms my grandfather fought two world wars to defend. Fuck off you over-promoted rubber bath toy. Britain is revolted by you and you little gang of masturbatory prefects

  3. Avatar von Horus
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    AW: Geschenk Patenkind und Nicht-Patenkind

    dass der Große das nicht verstehen wird, wenn er 3 Jahre nach seinem 18. Geburtstag und einem geringeren Geldgeschenk mitbekommt, welches Geschenk der Kleine bekommt.
    Der Grosse wird dann 21 sein. Glaubst du nicht, er ist dann erwachsen genug, um das zu verstehen?

    Achtung, Lesen gefährdet die Dummheit!
    _____________________________________

    Mut ist nicht das Gegenteil von Angst. Sondern die Erkenntnis, dass etwas anderes wichtiger ist als die eigene Angst.

  4. Avatar von brighid
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    AW: Geschenk Patenkind und Nicht-Patenkind

    ich stelle mal eine frage in den raum:

    wenn morgen deiner schwester etwas passieren würde- du wärst für beide kinder da, würdest dich um sie kümmern, ihnen im bedarfsfall unterkunft zukommen lassen, würdest mit ihnen reden, versuchen ihnen ins leben zu helfen (mental) und was auch immer nötig wäre?

    wenn deine antwort hier ja ist- bist du schlichtweg der pate bzw. die patin für beide kinder.


    die aufgabe des paten, so sehe und empfinde ich es: dem kind zu helfen wo die eltern nicht können. da sein wenn die leiblichen eltern, aus welchen gründen auch immer, nicht zur verfügung stehen.
    -ersatzeltern- wenn du es so willst.

    und was jetzt den älteren der jungen betrifft- mit deinem verständnis für ihn- bist du, auch ohne die zeremonie in der kirche damals, seine patin. du bist für ihn da. du unterstützt ihn, du verstehst ihn, du bist da.
    hinfallen ist keine schande, liegenbleiben schon.

    das leben ist kostbar, lasst uns jeden tag gebührlich feiern

  5. Avatar von Mitternachtsblau
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    AW: Geschenk Patenkind und Nicht-Patenkind

    Ich glaube, du könntest dem Jungen einen großen Dienst erweisen, wenn du ihn ernst nimmst und erwachsen behandelst - und z.B. bei einem Abendessen nur mit ihm allein dieses Thema einfach besprichst. Mit all deinen Bedenken (außer, dass die Eltern bei ihm nicht so da waren wie beim Kleinen, das Thema solltest du meiden) und Ambivalenzen.

    Ich könnte mir vorstellen, dass es für ihn wertvoller ist, eine Beziehung auf erwachsener Ebene zu dir zu haben als irgendwelches Geld. Und du könntest ihm zum 18. Geburtstag eine andere Art Geschenk machen, irgendwas Persönliches.
    Etwas, was für ihn wichtig ist. Es wäre schön, wenn der Junge sich von irgendjemandem mal gesehen fühlt - auch oder gerade, wenn er schwierig ist.
    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten.

    Oscar Wilde


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    AW: Geschenk Patenkind und Nicht-Patenkind

    Meine Schwester weiß (noch) nichts von meinem Dilemma und eigentlich möchte ich das da auch nicht zum Thema machen.

    Ich denke, da könnte man sich als Eltern der beiden Kinder ganz schön vor den Kopf gestoßen fühlen?

    Ich habe zu meiner Schwester auch nicht so ein total enges Verhältnis, in dem man darüber problemlos und frei sprechen könnte. Wir stehen uns nicht so nahe.


  7. Registriert seit
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    AW: Geschenk Patenkind und Nicht-Patenkind

    Hast Du denn eine gute Beziehung zu dem Älteren Kind und wie gut kannst Du mit ihm reden?
    Ich denke auch, dass das wichtiger ist als gleich teure Geschenke.

    Je suis Charlie!

    Hugh Grant über Boris Johnson (29.8.2019)(Danke an untitled):

    You will not fuck with my children’s future. You will not destroy the freedoms my grandfather fought two world wars to defend. Fuck off you over-promoted rubber bath toy. Britain is revolted by you and you little gang of masturbatory prefects


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    AW: Geschenk Patenkind und Nicht-Patenkind

    @Mitternachtsblau

    Wunderbare Empfehlung
    Cave: Beiträge können ggf. marginale Rückstände von Ironie und Sarkasmus aufweisen.
    Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie das Posting oder fressen Sie die Verfasserin.


  9. Registriert seit
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    AW: Geschenk Patenkind und Nicht-Patenkind

    @brighid

    Danke für Deinen Beitrag, den ich vollständig mit Ja beantworten kann.

    Und ich merke gerade, dass mir die Tränen herunterlaufen, wie emotional belastet dieses Thema doch für mich ist. Die Kinder haben es beide nicht unbedingt leicht gehabt und auch jetzt nicht. Ich habe schon oft versucht, ein wenig mehr Positives in all dem doofen Alltag für sie zu bringen, für beide.

    Ich muss mich hier im Moment gleich mal eben rausnehmen, bin aber dennoch an weiterem Austausch natürlich interessiert. Aber eure Beiträge haben mich gerade so ins Herz getroffen (positiv).

    Danke


  10. Registriert seit
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    17

    AW: Geschenk Patenkind und Nicht-Patenkind

    Zitat Zitat von Mitternachtsblau Beitrag anzeigen
    Ich glaube, du könntest dem Jungen einen großen Dienst erweisen, wenn du ihn ernst nimmst und erwachsen behandelst - und z.B. bei einem Abendessen nur mit ihm allein dieses Thema einfach besprichst. Mit all deinen Bedenken (außer, dass die Eltern bei ihm nicht so da waren wie beim Kleinen, das Thema solltest du meiden) und Ambivalenzen.

    Ich könnte mir vorstellen, dass es für ihn wertvoller ist, eine Beziehung auf erwachsener Ebene zu dir zu haben als irgendwelches Geld. Und du könntest ihm zum 18. Geburtstag eine andere Art Geschenk machen, irgendwas Persönliches.
    Etwas, was für ihn wichtig ist. Es wäre schön, wenn der Junge sich von irgendjemandem mal gesehen fühlt - auch oder gerade, wenn er schwierig ist.
    Danke auch für Deine Empfehlung - ich hatte in der Tat auch selbst schon darüber nachgedacht neben Geld auch ein persönliches Geschenk oder eine bleibende Unternehmung nur für ihn zu schenken.

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