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Thema: Vater-Trauma


  1. Registriert seit
    30.08.2019
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    32

    Vater-Trauma

    Liebe Bri-Com,

    mein Vater hat vor 25 Jahren (ich war 13) den Kontakt zu mir abgebrochen.

    Seither gab es nur einen einzigen Anruf (kurz nach dem Kontaktabbruch) - für zwei Minuten, ich war zufällig am Telefon. Und er erkundigte sich nach dem Befinden meiner Halbschwester (nicht seine leibliche Tochter), aber keine direkte Nachfrage nach mir. Er war zu mir, als wäre er ein Fremder.

    Viele Jahre lang habe ich versucht, diese Thematik mit psychotherapeutischer Hilfe aufzuarbeiten.
    Und - noch immer - keine Ruhe.

    Für mich im Alltag störend:
    Ich reagiere über, wenn ein Mann mich ablehnt, da reichen schon unspezifische non-verbale Signale.
    Beispielsweise: ein Fremder findet eine andere Person sympathischer als mich.
    Das triggert mich.
    Mein Kopf weiß warum. Ich werde diese nagende Unruhe nicht los und brauche Tage um mich zu beruhigen.

    Das tritt in "Schüben" auf. Monatelang kein Problem. Dann plötzlich wieder.
    Da ich gerade wieder eine Episode erfahre, habe ich ein Herz gefasst und Auskünfte über den aktuellen Wohnort meines Vaters eingeholt.

    Er lebt auf der Straße. Er ist mit 70 obdachlos.
    Das bewegt mich. Realistisch betrachtet wird eine Kontaktaufnahme mit ihm sehr schwierig:
    Er ist Alkoholiker und war gewalttätig.

    Wie kann ich mit meinem Vaterthema endlich abschließen?

    Gibt es jemanden, in einer ähnlichen Situation?
    Was könnte helfen?


  2. Registriert seit
    03.06.2016
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    392

    AW: Vater-Trauma

    Guten Morgen liebes kunterbuntes Leben,

    das ist eine außergewöhnliche Erfahrung. Mehrere Jahre therapeutische Beschäftigung mit dem Thema ermutigen mich jetzt auch nicht gerade, etwas dazu zu schreiben. Ich versuche es mal trotzdem.

    Dein Vater hat mit dem letzten Telefonat eine deutliche Grenze gezogen. Kannst Du das als liebevolle Handlung sehen? Der Mann ist schwer krank und ich würde darin die einzige Möglichkeit sehen, Dich vor ihm zu schützen. Schrecklicher finde ich kranke Elternteilen, die an der Stelle an den Kindern festhalten und sie, teilweise lebenslang, für ihre kranken Bedürfnisse mißbrauchen.

    Es gibt Gruppen für Angehörige von Alkoholkranken. Vielleicht findest Du dort Trost und Unterstützung von Menschen mit ähnlichen Erfahrungen, mit Dir ins Reine zu kommen und Unterstützung für den Rest des schweren Weges, den Dein Vater geht.

    Ich wünsche Dir von Herzen alles Liebe und Gute!
    neustart
    LASSEN SIE IHRE GEDANKEN NICHT UNBEAUFSICHTIGT.Sie beeinflussen Ihre Gefühle.

  3. Moderation Avatar von Islabonita
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    AW: Vater-Trauma

    Ich würde Dich gern zu einer Therapie ermuntern. Mit hat das mit meiner eigenen familiären Problematik sehr geholfen. Es handelte sich um eine ganz anders gelagerte Situation, aber die Auswirkungen habe ich mein ganzes Leben lang mit mir herum getragen.

    Die aus dieser Situation heraus durchgeführte Gesprächstherapie bei einer Psychologin war für mich der erste Schritt, die unguten Muster zu erkennen und zu durchbrechen.
    Islabonita

    Moderation im Freundschaftsforum, Umgangsformen, Familiensache, Mietforum und in Rund um die Bewerbung - ansonsten normale Userin

    Werde die, die du bist
    Hedwig Dohm


  4. Registriert seit
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    273

    AW: Vater-Trauma

    In Therapie war sie ja aber schon.
    Vielleicht eine anders gelagerte Therapieart?
    Ein guter Freund von mir ist Psychotherapeut und zusätzlich EMDR-Therapeut, mit traumatisierten Menschen. Ich habe persönlich keine Erfahrung damit aber wir sprechen oft darüber und vielleicht könnte das helfen, den Knoten zu lösen?


  5. Registriert seit
    19.07.2013
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    2.697

    AW: Vater-Trauma

    Zitat Zitat von kunterbuntesLeben202 Beitrag anzeigen
    Viele Jahre lang habe ich versucht, diese Thematik mit psychotherapeutischer Hilfe aufzuarbeiten.
    Und - noch immer - keine Ruhe.
    Zitat Zitat von Islabonita Beitrag anzeigen
    Ich würde Dich gern zu einer Therapie ermuntern..
    Verstehe ich nicht...
    Das Leben ist schön.


  6. Registriert seit
    26.10.2016
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    5.047

    AW: Vater-Trauma

    Anders gelagerte Therapie, ja.

    Meine Erfahrung ist, dass eine Therapie zum jeweiligen Lebenszeitpunkt diejenigen Erkenntnisse zulässt und "bringt", für die der Mensch bereit ist.
    Man lernt und erfährt das, was an der Zeit ist, erfahren zu werden.

    Eine Therapie, zu einem anderen Lebenszeitpunkt, lässt ganz andere Erfahrungen und Entwicklungsprozesse möglich werden, weil man zwar derselbe Mensch ist, aber die eigene Entwicklung dazwischen keineswegs stagniert.

    Insofern, gerade, wenn Belastungen immer wieder auftauchen, lohnt es sich, erneut mit professioneller Unterstützung hinzusehen.

    EMDR wird im Rahmen der klinischen Diagnose PTBS eingesetzt. Aus dem Thema erschließt sich mir nicht, ob das hier der Fall ist oder eher als umgangssprachlicher Begriff verwendet wurde.
    Jedenfalls wird diese Methode nie singulär eingesetzt, sondern innerhalb eines ganzen Behandlungskonzepts integriert. Je komplexer die traumatische Erfahrung, desto schwieriger ist EMDR bei der Integration des Materials einsetzbar.

    Die Wartelisten für einen Platz bei einem zertifizierten Traumatherapeuten sind jedenfalls enorm.
    Cave: Beiträge können ggf. marginale Rückstände von Ironie und Sarkasmus aufweisen.
    Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie das Posting oder fressen Sie die Verfasserin.


  7. Registriert seit
    19.07.2013
    Beiträge
    2.697

    AW: Vater-Trauma

    Ich habe keine Erfahrung damit, aber würde auch Kontakt zu den AA's aufnehmen, wie neustart-jetzt empfiehlt.

    Und ich würde trotzdem der (kleinen) Spur nachgehen und versuchen, ihn ausfindig zu machen.
    Einfach deswegen, weil die Therapien nicht ausgereicht haben, um Dich mit dem Thema ganz zu versöhnen.

    Wenn ich ihn nicht finden würde, dann würde ich mich irgendwie (das ist jetzt sehr unausgegoren dahingesponnen) immer mal zu alkoholisierten Obdachlosen setzen.
    Auch wenn jedes Leben und jedes Schicksal von jedem dieser Menschen anders ist... würde ich -glaube ich- so versuchen, eine Antwort zu erspüren. Ein Verständnis für das Verlassen-worden-sein.

    Dein Vater ist schwer krank.
    Ich glaube, eine Möglichkeit der Aussöhnung mit dem Thema könnte auch darin liegen, dass Du versuchst, spirituell mit seiner Seele (dem von der Krankheit unberührten Wesen von ihm) in Verbindung zu treten.

    Damit kenne ich mich überhaupt nicht aus.
    Vielleicht gibt es Leute, sie sowas machen.
    (Vielleicht war so ein Versuch allerdings auch schon Bestandteil einer der Therapien.)

    Das sind sie aktiven Sachen.

    Da Du aber schon viel gemacht hast und trotzdem noch Probleme spürst, würde ich irgendwie auch von der Anderen Seite her rangehen:

    Akzeptieren, dass diese Trigger Dich so "haben" können.
    Dazu stehen wie zu einer chronischen Krankheit, die Du Dir nicht ausgesucht hast, mit der Du aber Leben musst.
    Gut zu Dir sein, Dich für das Aushalten der wellenartig schweren Perioden mit guten Dingen belohnen.
    Wellness, Urlaub.

    Für Panikzeiten Krankschreibungen - und kein schlechtes Gewissen dafür, etwa eine Bewältigung nicht besser "hinzukriegen".
    Es liegt nicht in Deiner Hand.

    Liebe Grüße!
    Das Leben ist schön.


  8. Registriert seit
    20.01.2019
    Beiträge
    623

    AW: Vater-Trauma

    Zitat Zitat von kunterbuntesLeben202 Beitrag anzeigen

    Was könnte helfen?

    Nicht leicht...
    Man könnte sagen, du kannst versuchen, die Gefühle zuzulassen.. Die Verletzung, die von deinem Vater ausging, deine Wut darüber, deine Traurigkeit, dein Wunsch danach, geliebt zu werden..
    Die Frage ist aber, wie dir das gelingen kann.

    Vielleicht noch eine Therapie?


  9. Registriert seit
    26.10.2016
    Beiträge
    5.047

    AW: Vater-Trauma

    Was bewegt dich zentral: Der Kontaktabbruch und die Ablehnung, weil er sich telefonisch nur nach der Halbschwester erkundigte oder das aktuelle Wissen, um seine Situation?
    Cave: Beiträge können ggf. marginale Rückstände von Ironie und Sarkasmus aufweisen.
    Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie das Posting oder fressen Sie die Verfasserin.


  10. Registriert seit
    13.05.2019
    Beiträge
    228

    AW: Vater-Trauma

    Zitat Zitat von neustart_jetzt Beitrag anzeigen

    Dein Vater hat mit dem letzten Telefonat eine deutliche Grenze gezogen. Kannst Du das als liebevolle Handlung sehen? Der Mann ist schwer krank und ich würde darin die einzige Möglichkeit sehen, Dich vor ihm zu schützen. Schrecklicher finde ich kranke Elternteilen, die an der Stelle an den Kindern festhalten und sie, teilweise lebenslang, für ihre kranken Bedürfnisse mißbrauchen.

    Es gibt Gruppen für Angehörige von Alkoholkranken. Vielleicht findest Du dort Trost und Unterstützung von Menschen mit ähnlichen Erfahrungen, mit Dir ins Reine zu kommen und Unterstützung für den Rest des schweren Weges, den Dein Vater geht.


    neustart

    Ich empfinde diese Sichtweise als sehr hilfreich und wohltuend. Danke dafür!

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