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  1. Registriert seit
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    Verhältnis zu Eltern wieder verbessern

    Hallo liebes Forum,

    schon einige Zeit lese ich hier und in anderen Forenbereichen mit und habe mich nun doch getraut mich hier anzumelden, denn in den letzten Wochen drehen sich meine Gedanken nur im Kreis und ich weiß nicht so recht weiter.

    Ich kann gar keinen konkreten Auslöser nennen, doch in den letzten Wochen kommen mir schon die Tränen, wenn ich versuche meine Eltern anzurufen und habe auch öfters Alpträume, die mich in meine Kindheit zurückversetzen und in denen ich mich schrecklich fremdbestimmt, ängstlich und wütend fühle.

    So richtig weiß ich nicht wo ich anfangen soll...Aktuell habe ich sehr spärlichen Kontakt zu meinen Eltern, das heißt wir sehen uns mal bei Geburtstagen oder telefonieren kurz. Innerlich habe ich eine gewisse Abwehrhaltung gegenüber meinen Eltern, vor allem gegenüber meinem Vater. Unsere Beziehung war schon immer voller Spannungen, vor allem die extremen Stimmungsschwankungen und Ängste meines Vaters haben mich sehr geprägt.

    Ich hoffe der Text wird nicht zu lang und wirr, aber ich möchte einfach ein paar Beispiele aus meiner Kindheit bzw. Jugendzeit geben. Leider kann ich sonst mit niemanden wirklich darüber reden, da viele mir die teilweise auch sehr irrationalen Ängste meines Vaters nicht glauben und denken, dass ich übertreibe. Andererseits schäme ich mich auch und denke ich bin wohl einfach zu sensibel, denn misshandelt wurde ich in meiner Kindheit nicht, also war es vielleicht auch nicht so schlimm?

    Ich erinnere mich, dass ich oft angeschrien und sehr klein gemacht wurde und das aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen. Beispiel: Ich habe für eine Kunsthausaufgabe einen Fuchs gezeichnet und war super stolz darauf. Mein Vater zerreißt das Bild und schimpft mit mir, da es dem Firefoxlogo zu ähnlich sieht und der Konzern uns mit Sicherheit wegen Urheberrechtsverletzungen verklagen würde.

    Oder: ich bin eine totale Leseratte und habe als Teenager die Harry Potter Reihe geliebt. Mein Vater beschimpft mich aus heiterem Himmel, dass das alles Teufelszeug und Hexerei sei und wie ich an so etwas glauben könne. Keine Ahnung wie er auf solche Anschuldigungen kam, ich habe einfach nur die Bücher gelesen und nicht einmal besonders oft davon gesprochen, von Glaube konnte gar nicht die Rede sein? Ein paar Monate später schenkte er mir widerum die entsprechende DVD-Reihe

    Auch von meinem Freundeskreis hat er mich immer wieder versucht zu isolieren. Nach Hause mitbringen durfte ich noch nie jemanden, aber er hat mir auch wegen sehr fadenscheinigen Gründen den Kontakt zu meinen Freunden verboten. Zum Beispiel war ich am Reformationstag (aka Halloween) bei einer Freundin zu Hause und haben Kürbissuppe gekocht, weil der nunmal gerade aus dem Garten geerntet wurde (ansonsten haben wir nichts Halloweenbezogenes gemacht). Ich habe stolz einen Rest mit nach Hause gebracht und wurde wieder heruntergeputzt, wie ich es wagen könnte so ein Teufelsfest zu feiern und dass ich mit dieser Freundin nichts mehr unternehmen darf.

    Als ich dann mit 19 mit meinem ersten Freund zusammen war, beschimpte er mich als Hure und meinte, dass ich es ja mit allen aus meinem Freundeskreis treiben würde. Auch dafür gab es nie Anzeichen, ich hatte kaum Kontakt zu Jungs und war total schüchtern.

    Was mich auch sehr belastet hat war die extreme Fremdbestimmung, bis ich mit 19 endlich ausziehen konnte. Zum Beispiel wollte mein Vater immer, dass meine Haare sehr lang sind auch wenn mir das überhaupt nicht steht und meine Haare schon total kaputt waren. Eine Freundin hat mir mal die Haare schulterlang geschnitten, für meinen Vater war es ein halber Weltuntergang und er ignorierte mich knapp einen Monat lang komplett, grüßte mich nicht einmal. Auch bei Klamotten und Zimmereinrichtung hatte ich kaum Mitspracherecht, gekauft wurde was billig war und meine Zimmer war eh die Abstellkammer für alte Möbel und sonstigem Kram (d. h. auf 10 qm wurden zwei alte, riesige Schrankwände unter gebracht in denen Werkzeug, Schlauchboote, alte PCs und was weiß ich nicht bis zur Decke gestapelt wurden).

    Es ist die Summe aus all diesen Dingen und noch vielen weiteren Vorfällen, die mich in letzter Zeit innerlich auffressen. Ich weiß einfach nicht wie ich meinen Eltern gegenüber treten soll und habe Angst verletzt zu werden, da sie es schaffen selbst positive Dinge ins Negative zu ziehen.

    Es war aber natürlich nicht alles schlecht, wir haben tolle Ausflüge gemacht oder zusammen im Garten Zeit verbracht. Daran erinnere ich mich auch sehr gern und deswegen möchte ich den Kontakt auch nicht komplett abbrechen.

    Ich habe bereits mehrfach versucht meinen Eltern meine Gefühlswelt klar zu machen, aber an viele Erlebnisse, die mich so belasten erinnern sie sich nicht mehr bzw. meinen sie, dass sie immer nach bestem Gewissen gehandelt haben und man die Vergangenheit nicht mehr ändern kann.

    Irgendwie sehe ich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Soll ich mich weiter distanzieren oder einfach die Vergangenheit ruhen lassen? Sonst bin ich überhaupt kein nachtragender Mensch, aber hier fällt es mir sehr schwer, alles zu vergessen... Ich würde mich sehr über eure Sichtweisen und euren Input freuen.

  2. Avatar von Sneek
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    AW: Verhältnis zu Eltern wieder verbessern

    Ist Dein Vater irgendwie religiös gebunden?

  3. Avatar von Unendlichkeit
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    AW: Verhältnis zu Eltern wieder verbessern

    Wie gestaltet sich der Kontakt zu deinen Eltern jetzt? Was war mit deiner Mutter?
    "...es gibt höchstens hoffnungslose Menschen, aber nie hoffnungslose Situationen..."
    Sprichwort auf Oxtorne


  4. Registriert seit
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    AW: Verhältnis zu Eltern wieder verbessern

    Zitat Zitat von Sneek Beitrag anzeigen
    Ist Dein Vater irgendwie religiös gebunden?
    Stimmt, wenn man den Text so liest, könnte man es meinen. Aber dem ist tatsächlich nicht so. Meine Großeltern sind christlich, aber mein Vater hat sich nicht wirklich etwas daraus gemacht, d.h. ist nie zur Kirche gegangen oder war in einer Gemeinde eingebunden. Er hatte nur oft die Tendenz mir zu unterstellen, dass ich total schnell abrutschen würde. Also wenn ich mich mal zu sehr mit Fantasy- oder “Hexen“romanen beschäftigt habe, ist ja klar dass ich gleich daran glaube und in irgendeine Sekte abrutsche.

    Um mal ein anderes Beispiel ohne religiösen Hintergrund zu nennen: Hatte ich als Kind einen Wutanfall, redete er mir ein, dass aus mir mal ein Mörder wird, wenn ich meine Emotionen nicht kontrollieren kann.

    Das sind so Sachen, die mich gleich zum Weinen bringen, wenn ich nur daran denke. Und diese Situationen habe ich oft im Hinterkopf, wenn ich meinen Eltern gegenübertrete und am liebsten würde ich dann vor ihnen flüchten.

  5. Avatar von Sneek
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    AW: Verhältnis zu Eltern wieder verbessern

    Dein Vater hat einen an der Waffel. Ist er auch in anderen Bereichen (Beruf?) aufgefallen oder hat er sich nur zuhause ausgelebt?


  6. Registriert seit
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    AW: Verhältnis zu Eltern wieder verbessern

    Zitat Zitat von Unendlichkeit Beitrag anzeigen
    Wie gestaltet sich der Kontakt zu deinen Eltern jetzt? Was war mit deiner Mutter?
    Die letzten zwei oder drei Monate gab es gar keinen Kontakt, sonst eher Pflichtbesuche an Geburtstagen oder Festtage und kurze Anrufe. Meine Eltern freuen sich aber immer sehr, wenn ich vorbeikomme und es gibt auch keine Beleidungen seitens meines Vaters mehr.

    Meine Mutter hat mich immer in Schutz genommen und getröstet, war aber auch den emotionalen Angriffen meines Vaters ausgesetzt. Aufgrund einer körperlichen Behinderung war sie leider auch immer sehr abhängig von ihm. In den letzten Jahren unseres Zusammenlebens hat sie aber auch sehr resigniert und ist in mein Kinderzimmer geflüchtet und hat dort die meiste Zeit verbracht und auch übernachtet. Ich habe dann meistens im Wohnzimmer oder im Ehebett geschlafen, je nachdem wo mein Vater gerade nicht war.

  7. Inaktiver User

    AW: Verhältnis zu Eltern wieder verbessern

    Hallo Luminance,
    ich habe mich gerade angemeldet, weil ich deinen Beitrag gesehen habe... Habe ähnliches erlebt bzw. kann manches auch nicht so recht greifen... Möchte dich aber ermutigen, auf deine Wahrnehmung zu vertrauen...
    Mir hat geholfen, alles mal aufzuschreiben, zu formulieren und dann in der Therapie zu besprechen, mit therapeutischer Hilfe eine Bewertung vorzunehmen...
    Habe den Kontakt auch sehr reduziert, nur Geburtstage oder Weihnachten.
    Bei mir ist es auch so, dass einzelne harmlose Begebenheiten sich zu einem Großen NO-GO summieren, manches klar als negativ zu bewerten ist, manches un-eindeutig, kaum greifbar... Vieles vergangen und damals schwierig, heute "handelbar"... Du bist nicht allein mit diesen Gedanken.

    PS Das was du beschreibst, ist NICHT normales Verhalten von liebenden Eltern... Auch bei mir "war nicht alles schlecht" natürlich, aber was für ein Gefühl bleibt, wenn man an seine Eltern denkt? In meinem Fall sehe ich heute sehr unbewusste Menschen, die dem Kind von damals und seiner Entwicklung zu einem selbstbewussten Menschen hin aber damit geschadet oder diese zumindest arg behindert haben; auch wenn wir heute natürlich selbst für unsere Gegenwart und Zukunft verantwortlich sind.
    Du bist nicht nachtragend, nur weil du das Erlebte anschauen magst...
    Die Stimmungsschwankungen meiner Mutter haben mich auch fertig gemacht, v.a. als Jugendliche...
    Ob Distanz oder nicht, es ist dein Recht, alles anzuschauen, was dir "komisch" vorkommt. lg
    Geändert von Inaktiver User (23.09.2019 um 18:28 Uhr)


  8. Registriert seit
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    AW: Verhältnis zu Eltern wieder verbessern

    So eine Phase hatte ich auch einmal, obwohl meine Kindheit schön war.

    Inzwischen haben wir ein inniges Verhältnis und ich freue mich, dass ich die oldies (86 und 88) noch habe.

    wie alt seid ihr drei denn?

    lg luci
    LEBE LIEBER UNGEWÖHNLICH

  9. Avatar von Unendlichkeit
    Registriert seit
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    AW: Verhältnis zu Eltern wieder verbessern

    Wie kannst du dir den Kontakt zu deinen Eltern in Zukunft vorstellen? Kannst du dir vorstellen, über die Dinge hinwegzusehen, die vor allem dein Vater so vom Stapel gelassen hat? Oder möchtest du eher intensiven Kontakt zu deiner Mutter?

    Hast du Geschwister?
    "...es gibt höchstens hoffnungslose Menschen, aber nie hoffnungslose Situationen..."
    Sprichwort auf Oxtorne


  10. Registriert seit
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    AW: Verhältnis zu Eltern wieder verbessern

    Zitat Zitat von Sneek Beitrag anzeigen
    Dein Vater hat einen an der Waffel. Ist er auch in anderen Bereichen (Beruf?) aufgefallen oder hat er sich nur zuhause ausgelebt?
    Ein bisschen musste ich bei deiner Aussage lachen, nur was fängt man mit dem Wissen an, dass er wohl "einen an der Waffel" hat? Beruflich kann ich es schlecht einschätzen, ich weiß nur, dass er schon immer ein Einzelgänger war, d.h. ich kann mich an keine Freunschaften erinnern. Dafür war er eben sehr auf die Familie fixiert (im Guten und im Schlechten). Manchmal kam es mir vor als hätten wir Rollen getauscht, er der Jugendliche (mit Sätzen wie "keiner versteht mich, keiner interessiert sich für mich") und ich die Erwachsene, die versucht hat ihn zu trösten. Das habe ich natürlich nicht immer gemacht, oft habe ich mich auch aus Überforderung zurückgezogen.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Habe ähnliches erlebt bzw. kann manches auch nicht so recht greifen... Möchte dich aber ermutigen, auf deine Wahrnehmung zu vertrauen...
    Mir hat geholfen, alles mal aufzuschreiben, zu formulieren und dann in der Therapie zu besprechen, mit therapeutischer Hilfe eine Bewertung vorzunehmen...
    [...] manches klar als negativ zu bewerten ist, manches un-eindeutig, kaum greifbar... Vieles vergangen und damals schwierig, heute "handelbar"... Du bist nicht allein mit diesen Gedanken.
    Hallo liebe aquila. Tut mir Leid, dass du ähnliches erlebt hast, aber irgendwie tut es auch gut zu wissen, dass ich nicht allein da stehe (ich hoffe du verstehst wie ich es meine). Mein Umfeld besteht zwar aus lieben Menschen, die mich unterstützen, aber so richtig kann es keiner nachvollziehen. Die Beispiele, die ich geschildert habe, klingen teilweise so trivial oder unglaubwürdig, dass ich mich auch schäme das Gesamtbild im realen Leben zu schildern. Zum Beispiel, dass eine Frisur oder ein gezeichneter Fuchs tagelange Streits auslöst ist sehr schwer zu verstehen, wenn man solches Verhalten nicht kennt.

    Du sprichst mir wirklich aus der Seele, ich habe gerade sehr große Probleme alles einzuordnen und zu greifen. Bis jetzt hatte ich eigentlich keinen großen Leidensdruck, doch plötzlich kommt alles hoch. Ich möchte (auch mit Hilfe des Forums) erstmal wieder meinen eigenen Gefühlen Raum lassen und die Vergangenheit "sortieren". Hat dir die Therapie sehr geholfen?

    [QUOTE=Inaktiver User;34300835]
    Du bist nicht nachtragend, nur weil du das Erlebte anschauen magst...
    Die Stimmungsschwankungen meiner Mutter haben mich auch fertig gemacht, v.a. als Jugendliche...
    Ob Distanz oder nicht, es ist dein Recht, alles anzuschauen, was dir "komisch" vorkommt. lg[/QUOTE

    Vielen lieben Dank für deine Worte, du machst mir echt Mut damit, das ganze nicht wieder herunterzuschlucken und mich damit auseinanderzusetzen. Vielleicht magst du dich noch ein bisschen per PN austauschen?

    Zitat Zitat von luciernago Beitrag anzeigen

    Inzwischen haben wir ein inniges Verhältnis und ich freue mich, dass ich die oldies (86 und 88) noch habe.

    wie alt seid ihr drei denn?
    Wie seid ihr wieder zu dem innigen Verhältnis gekommen? Meine Eltern sind Mitte 50, ich bin Mitte 20.

    Zitat Zitat von Unendlichkeit Beitrag anzeigen
    Wie kannst du dir den Kontakt zu deinen Eltern in Zukunft vorstellen? Kannst du dir vorstellen, über die Dinge hinwegzusehen, die vor allem dein Vater so vom Stapel gelassen hat? Oder möchtest du eher intensiven Kontakt zu deiner Mutter?

    Hast du Geschwister?
    Tja, wenn ich das nur wüsste Leider habe ich bis jetzt vieles verdrängt und hatte nur ein ungutes Gefühl bzw. einfach wenig Lust mich zu melden. In den letzten Wochen und Tagen habe ich intensiver über unsere Beziehungen nachgedacht und erst so richtig für mich realisiert, dass da wohl einiges schief gelaufen ist. Ich würde mir gern mehr Kontakt zu meiner Mutter wünschen, da sie leider sonst sehr abgeschottet von der Außenwelt lebt. Der Kontakt funktioniert aber ausschließlich über meinen Vater, was für mich aktuell eine große emotionale Hürde ist.

    Ich habe eine große Schwester, aber wir sind nicht zusammen aufgewachsen (alles etwas kompliziert). Daher kann sie es auch nicht nachvollziehen, wie unser Alltag war.

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