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  1. Registriert seit
    29.09.2016
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    AW: Verhältnis zu Eltern wieder verbessern

    Kann durchaus sein, dass die Eltern bedauernswerte Menschen sind, wahrscheinlich sogar. Aber es sind zwei erwachsene Menschen gewesen, die sich selbst in ihre Rollen hineinmanövriert haben - und da hierzulande Zwangsehen unüblich sind, war freier Wille dabei. Den Grad und die Art der Behinderung der Mutter kennen wir nicht - und es ist nicht so, dass Behinderte in unserer Gesellschaft mittellos und alleingelassen sind, es existieren mannigfache Hilfen und Unterstützungen, gerade auch, wenn Kinder involviert sind.

    Da die Mutter auch jetzt, obwohl die Tochter ausgezogen ist, in ihrer Ehe bleibt, kann es für sie ja so schlimm auch nicht sein - das widerspricht der Vermutung, dass sie die Ehe nur ertragen hat, weil sie sonst hätte befürchten müssen, dass man ihr das Kind weggenommen hätte (und das finde ich bereits durchaus an den Haaren herbeigezogen).

    Im Vergleich finde ich, dass etwaige Verletzungen der Eltern dadurch, das die Tochter sich nicht gewünscht häufig meldet, deutlich weniger schwer wiegen als das, was die Tochter während ihrer Kindheit an Verletzungen davongetragen hat. Und wenn der Abstand der Tochter hilft, dann müssen das die Eltern hinnehmen und nicht erwarten, dass sie jetzt noch die andere Wange hinhält. Insbesondere, da deren Empathie und Einfühlungsvermögen für ihre Tochter bisher nicht so besonders ausgeprägt war, um es mal milde zu sagen.

  2. Inaktiver User

    AW: Verhältnis zu Eltern wieder verbessern

    Zitat Zitat von Cara123 Beitrag anzeigen
    Aber die TE ist nun erwachsen und reifer, hat sich selbst oft als Erwachsene vielleicht nicht richtig verhalten (wobei ich den Unterschied schon sehe!) und aus dieser Sicht von heute zurück, könnte man ja auch die Situation damals anders bewerten.
    Ein Mensch, der solche Erfahrungen machen musste, ist eben an manchen Stellen nicht gereift..., nicht (ganz) erwachsen. Man kann es zwar aus der Erwachsenenperspektive "anders" bewerten, aber die kindlichen Anteile wollen ebenso gesehen sein. Diese Anteile zu sortieren und klar zu bekommen, ist eine Aufgabe, deren Bewältigung Zeit, Empathie und keine gut gemeinten Ratschläge braucht.

    Ich hab das zum Teil schon alles hinter mir und kenne die Mühen und den Mut, den so ein Prozess braucht.
    Wir sind hier alle keine Therapeuten, daher bitte etwas mehr Respekt vor den Anfängen einer solchen arbeitsintensiven Auseinandersetzung, die die TE gerade erst dabei ist zu wagen.
    Geändert von Inaktiver User (26.09.2019 um 14:01 Uhr)


  3. Registriert seit
    17.07.2019
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    AW: Verhältnis zu Eltern wieder verbessern

    Zitat Zitat von Cara123 Beitrag anzeigen
    Deine Mutter ist auch Opfer und hat ja sogar in ihrem Rahmen versucht, dir eine Stütze zu sein. Ich fände es für deine Mutter ganz schlimm. wenn du auch zu ihrem persönlichen Unglück - Behinderung und dann noch abhängig von diesem Mann-auch noch einmal abstrafst.
    Solche Beiträge sind wenig hilfreich, so leid mir das auch tut.

    Erwachsene, die sich für Elternschaft entscheiden, übernehmen Verantwortung. Es ist NICHT die Verantwortung der Kinder, hier in die Bresche zu springen und Defizite auszugleichen, sie sind aber selbst als unterstützungsbedürftige Menschen, die sich entwickeln möchten und sollten, darauf angewiesen, dass die Eltern ihrer Verantwortung gerecht werden.

    Sie erleiden Schaden, wenn das nicht geschieht.

    Sie haben nicht nur jedes Recht, sondern auch die PFLICHT, diesen Schaden anzuschauen und Verletzungen heilen zu lassen. Wenn es notwendig ist, auch durch Kontaktabbrüche.

    Das ist vor allem deshalb so wichtig, damit die dysfunktionalen Kreisläufe nicht an die nächste Generation - Enkel - heran getragen werden und dort erneut Schaden anrichten.

    Wer Kinder bekommt, ohne die eigene, problematische Kindheit aufzuarbeiten, wird mit einiger Wahrscheinlichkeit die dysfunktionale Spirale weiter drehen. Möglicherweise ganz anders als die eigenen Eltern. Aber gesunde Beziehungen würden voraus setzen, dass die eigenen Verletzungen angeschaut und bearbeitet wurden. Jede Elternschaft kommt mit enormen Stressoren daher, birgt Krisen - exakt das sind die Situationen, in denen Menschen, die ihre eigene Kindheit nicht befriedet haben, "aus dem Ruder" laufen, Schattenthemen an die Oberfläche treten - und damit unter Umständen weiteren Misshandlungen Tür und Tor geöffnet werden.

    Noch etwas übersieht der zitierte Beitrag oben: Die verursachenden Eltern, egal ob aktiv übergriffiger Vater oder duldende Mutter, waren zu jeder Zeit erwachsen. Sie hatten die Macht, die Dinge zu verändern und haben das nicht getan. Sie haben ihr Kind nicht geschützt und sind ihrer Verantwortung wenig gerecht geworden.

    Ich halte es um der Gesundung der Kinder willen für absolut zumutbar, wenn diese Erwachsenen die Früchte des Leids, das sie gesät haben, ernten. Im Vergleich zu einer Kindheit, die über weite Strecken von Angst, Unsicherheit, Kontrolle, Terror und Missachtung geprägt war, Alltag über viele Jahre, sind Kontaktabbrüche vergleichsweise milde, insbesondere wenn sie dazu dienen, dass das Kind von damals zu genesen beginnt, was man auch als Zeichen der Hoffnung auf bessere Zeiten werten kann.

    Die Eltern hätten ja ihrerseits ebenfalls Gelegenheit, das, was sie angerichtet haben, anzuschauen, um zu verstehen, warum sie selbst in solche unguten Kreisläufe gerieten. Leider bringen die wenigsten Misshandler den Mut auf, sich ihren eigenen Geistern zu stellen.

    Meist zahlen die Kinder solcher Eltern doppelt. Sie sind es, die das System bewusst verlassen und andere Wege einschlagen müssen. Zur Einsamkeit des Kindes gesellt sich die Einsamkeit des jungen Erwachsenen, der seine Familie meist verliert, da das Familiensystem Unterordnung und Anpassung verlangt, während es eigene Entwicklungen, die dem System nicht entsprechen, sanktioniert. So kommt also mit der Aufarbeitung häufig auch der Ausschluss namens "schwarzes Schaf" hinzu.

    Tatsächlich ist es sogar gar nicht selten, dass die Eltern selbst ihre Kinder mit Kontaktabbruch, wahlweise auch emotionaler Erpressung, Liebesentzug, Enterbung etc. dafür bestrafen, dass sie aus den dysfunktionalen Keisläufen aussteigen wollen.

    So sieht sich so mancher, der sich aufmacht Richtung Gesundung, häufig genug allein auf weiter Flur und bekommt dann von "wohlmeinenden" Aussenstehenden auch noch um die Ohren gehauen, was für ein mieser Charakter er ist, wenn er seinen Eltern "sowas" antut.


  4. Registriert seit
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    AW: Verhältnis zu Eltern wieder verbessern

    Nach_Gedanke:

    Das gilt übrigens auch für das therapeutische Setting. Religiöse Vorstellungen sind häufig sehr tief verankert. "Du sollst Vater und Mutter ehren" oder andere Glaubenssätze wohnen auch in Therapeuten und können für die Patienten/Klienten schädlich sein, wenn die Therapeuten hier nicht aufmerksam sind und versäumen, selbst auf eine gute Psychohygiene (Stichwort auch Supervision), auf Grenzen und Übergriffigkeit in Form von Vermischung eigener mit den Themen der Patienten/Klienten zu achten.

    Das kann dazu führen, dass notwendige Distanzierungen nicht nur nicht ermutigt, sondern aktiv um der Versöhnungsthematik willen torpediert werden - ein weiterer Übergriff, gegen den sich die Betroffenen häufig kaum wehren können.

    So kommt es gar nicht selten viel zu früh zu Annäherungen, die erneut in Uraufführungen der altbekannten Skripte münden und statt Genesung ggf. sogar Retraumatisierung zur Folge haben.


  5. Registriert seit
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    AW: Verhältnis zu Eltern wieder verbessern

    @KlaraKante

    Lieben Dank für diese beiden Postings, ganz speziell.
    Auf diese geäußerte Anspruchshaltung so sachlich und zugleich für @Luminance und alle anderen, betroffenen Mitlesenden, so wohltuend und thematisch vollauf zutreffend, zu antworten - Chapeau!
    Cave: Beiträge können ggf. marginale Rückstände von Ironie und Sarkasmus aufweisen.
    Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie das Posting oder fressen Sie die Verfasserin.

  6. Avatar von Vogalonga
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    AW: Verhältnis zu Eltern wieder verbessern

    Zitat Zitat von Carcasonne Beitrag anzeigen
    @KlaraKante

    Lieben Dank für diese beiden Postings, ganz speziell.
    Auf diese geäußerte Anspruchshaltung so sachlich und zugleich für @Luminance und alle anderen, betroffenen Mitlesenden, so wohltuend und thematisch vollauf zutreffend, zu antworten - Chapeau!
    Dem möchte ich mich anschließen. @KlaraKante, zu allen deinen Beiträgen hier.

  7. Avatar von Malaita
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    AW: Verhältnis zu Eltern wieder verbessern

    Zitat Zitat von Carcasonne Beitrag anzeigen
    @KlaraKante

    Lieben Dank für diese beiden Postings, ganz speziell.
    Auf diese geäußerte Anspruchshaltung so sachlich und zugleich für @Luminance und alle anderen, betroffenen Mitlesenden, so wohltuend und thematisch vollauf zutreffend, zu antworten - Chapeau!
    Dem schließe ich mich auch an !!!


  8. Registriert seit
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    AW: Verhältnis zu Eltern wieder verbessern

    Klarakante:

    Die Eltern sind doch aus einer ganz anderen Generation. Damals machte man doch vorher keine Therapie oder fand sich gar merkwürdig oder verdreht.

    Was sind das für Vorstellungen? Diese ganze Kiste, die dir für werdende Eltern vorschwebt, machen ja nicht einmal heutige Menschen, die doch viel mehr wissen, über seelische Erkrankungen, geschweige denn Menschen der Generation, die Johanna-Haarer- geschädigt sind.

  9. Avatar von Malaita
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    AW: Verhältnis zu Eltern wieder verbessern

    Zitat Zitat von Cara123 Beitrag anzeigen
    Klarakante:

    Die Eltern sind doch aus einer ganz anderen Generation. Damals machte man doch vorher keine Therapie oder fand sich gar merkwürdig oder verdreht.

    Was sind das für Vorstellungen? Diese ganze Kiste, die dir für werdende Eltern vorschwebt, machen ja nicht einmal heutige Menschen, die doch viel mehr wissen, über seelische Erkrankungen, geschweige denn Menschen der Generation, die Johanna-Haarer- geschädigt sind.
    Sind die Eltern damit vollkommen entschuldigt, dass sie einer anderen Generation angehören? Entscheidend ist doch, was sie in diesem Fall bei der TE ausgelöst haben. Die TE ist es doch, die mit ihren Erfahrungen klar kommen muss.
    Egal, ob man viel oder wenig weiß über die menschliche Seele bzw über die Seele eines Kindes. Man hat doch menschliche Gefühle? Man hat doch eine gute emotionale Empfindung gegenüber dem eigenen Kind?
    Ich kenne auch Familien, in denen Eltern eine sehr schöne Beziehung zu ihrem Kind haben (und umgekehrt), OBWOHL die Eltern aus einer anderen Generation stammen.

  10. Avatar von Ivonne2017
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    AW: Verhältnis zu Eltern wieder verbessern

    Zitat Zitat von Cara123 Beitrag anzeigen

    Die Eltern sind doch aus einer ganz anderen Generation. Damals machte man doch vorher keine Therapie oder fand sich gar merkwürdig oder verdreht.
    Die Eltern sind Mitte 50. Selbstverständlich denkt man in dieser Generation an Therapie, wenn es hakt.
    LG Ivi

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