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  1. Registriert seit
    23.09.2019
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    AW: Verhältnis zu Eltern wieder verbessern

    Zitat Zitat von KlaraKante Beitrag anzeigen
    Thema Distanz: Sie kann uns helfen, Klarheit zu gewinnen und uns erst einmal mit dem auseinander zu setzen, was es IN UNS zu erforschen und einzuordnen gilt. Deine Beispiele deuten für mich darauf hin, dass es für Dich hilfreich sein könnte, Deine Erlebnisse noch einmal anzuschauen und wahr zu nehmen, was das als Kind mit Dir gemacht hat. Im zweiten Schritt gilt es zu sehen, dass Du heute kein Kind mehr bist und ganz andere Handlungsoptionen hast. Es geht darum, heraus zu finden, WER Du eigentlich bist.

    Deine Eltern haben Dich sehr wenig SEIN lassen. Vieles, was aus Dir heraus kam, wurde negiert und terrorisiert, verboten, unterdrückt, schlecht geredet. Du wurdest extrem kontrolliert, hattest kaum Möglichkeiten heraus zu finden, was DIR eigentlich gefällt, wohin Deine Lebensreise gehen könnte.
    Vielen Dank, dass du dir die Mühe gemacht hast so einen langen Text zu verfassen. Es fühlt sich gut an ernst genommen zu werden. Die letzten sechs Jahre habe ich stets die Distanz gewahrt und mir ein Leben nach meinen Vorstellungen aufgebaut ohne dabei an meine Eltern zu denken. Ich denke meine Identität habe ich bereits gefunden, ich weiß was ich will, was mir Spaß macht und wer mir gut tut. Ich habe das Gefühl ich habe meine Seele wieder wie ein Puzzle zusammengesetzt und es ergibt ein tolles Bild. Nur ein Puzzleteil fehlt: Meine Eltern. Jetzt versuche ich zu bewerten ob das Puzzle auch ohne dieses Teil auskommt oder ob ich es doch lieber integrieren möchte.

    Du hast es wirklich gut zusammengefasst, diese extreme Kontrolle macht etwas mit einem. Es tut weh, wenn kein Nein akzeptiert wird oder wenn schöne Erlebnisse schlecht geredet werden. In letzteren ist mein Vater auch Meister und tut es immer noch gern, was mich sehr triggert. Zum Beispiel habe ich einen tollen Wochenendausflug mit einer Freundin unternommen und ihm davon erzählt. Seine Reaktion war, wieso ich denn mit einer Freundin etwas unternehme, wenn ich einen Mann zu Hause sitzen habe und er mich bestimmt bald verlässt, wenn ich weiterhin so egoistisch sei. Mein Mann hat übrigens nie etwas in der Richtung angedeutet, im Gegenteil er freut sich sehr für mich, wenn ich etwas schönes erlebe (das sollte ja auch normal sein!).

    Ich habe mir vorgenommen mehr in mich hineinzuhören, um das Erlebte und seine Konsequenzen für mich einzuordnen.

    Zitat Zitat von KlaraKante Beitrag anzeigen
    Wenn Eltern Kindern gegenüber so massiv auftreten, wie Du das beschreibst, kann das sehr unterschiedliche Folgen haben. Es kann beispielsweise dazu führen, dass ein solches Kind sich bald gar nicht mehr selbst spürt, weil für das Überleben wichtiger ist, dass es sich anpasst und das gut findet, was die Eltern als richtig erachten. Andere Kinder wiederum reagieren mit Kampf und sind in einem permanenten Kriegs-, und Widerstand. Auch das verhindert letztlich, dass sie spüren, was sie eigentlich wollen, wer sie sind - und dass es im Leben nicht darum geht, Beziehungen wie Schlachtfelder zu betrachten, permanent auf der Hut zu sein und bloss niemandem zu vertrauen.

    Autonomie, ein guter Selbstwert, Selbst_Sicherheit können sich unter solch schwierigen Bedingungen oft nicht entwickeln.
    Bei mir hat es immer wieder gewechselt zwischen einer unbändigen inneren Wut und dem Wunsch einfach unsichtbar zu sein. Nach meinem Auszug habe ich einige Zeit gebraucht um mein Selbstbewusstsein zu entdecken, aber inzwischen habe ich keine Probleme mehr damit und genieße die Autonomie. Ich habe auch nicht das Gefühl, dass meine derzeitigen Beziehungen darunter leiden. Es ist nur das ungute Gefühl, wenn ich zurückdenke oder direkt mit meinem Vater in Kontakt komme, dass mich runterzieht.

    Zitat Zitat von KlaraKante Beitrag anzeigen
    Vielleicht werden klärende Gespräche nie möglich sein. Vielleicht gelingen sie. Das hängt von vielen Faktoren ab, die Du allein nicht beeinflussen kannst. Aber egal ob sie stattfinden oder nicht: DU kannst für ausreichend Klarheit sorgen. DU kannst aus unguten Kreisläufen und Spielen aussteigen. DU kannst differenzieren zwischen: Verantwortung, die der Vater für sich trägt und Verantwortung, die Du für Dich trägst. Um es plaktativ auszudrücken: Mein Tanzbereich - Dein Tanzbereich. Ist das klar, verletzen Dich auch versuchte Übergriffe, Bewertungen, Beschimpfungen nicht mehr. Du bist mit Dir im Reinen und kannst zu dem stehen, was Du denkst, tust, bist.

    Vergessen halte ich für ein schlechtes Rezept. Ich mag meine Farben. Auch die düsteren. Ich bin stolz darauf, überlebt zu haben und Trotz!Dem! gute, liebevolle Beziehungen führen zu können. Und ich schäme mich heute nicht mehr für meine narbige Seelenhaut. Wenn sich Gefühle zeigen wollen, dürfen sie das. Auch die, die wir nicht so gern sehen.

    Ich wünsche Dir, dass Du den Mut aufbringst, Deinen Weg zu gehen. Bitte such Dir Unterstützung dafür. Es ist gut, einen Raum zu haben, in dem es nur um Dich geht, in dem Du die Möglichkeit hast, ohne dass Du einen Kontakt belasten müsstest, Themen, Emotionen, Bewegungen anzuschauen, ohne dass Du Gefahr läufst, ins Bodenlose zu stürzen.

    Alles Liebe und Gute für Dich!
    Das sind wirklich sehr sinnvolle Hinweise, gerade mit den "Tanzbereichen" werde ich versuchen umzusetzen. Vielleicht gelingt es mir irgendwann, dass die Übergriffe mich nicht mehr aus der Bahn bringen. Wenn ich jetzt mit meinem Vater spreche, rattern im Hinterkopf die Zahnräder und ich versuche abzuwägen, welche Themen nicht gegen mich verwendet können. Das empfinde ich als sehr anstrengend.

    Zitat Zitat von Emullia Beitrag anzeigen
    Warum willst du überhaupt noch Kontakt zu den Eltern?
    Hier wäre ein moderater Kontaktabbruch (kurze Telefone oder Besuche zu Weihnachten und zu den Geburtstagen zB) wohl die bessere Lösung.
    Schwierige Frage, ich glaube das ist ein Mix aus "Weil man es halt so macht" und schlechtem Gewissen (ich weiß ja, dass beide keine guten Ratgeber sind). Vielleicht wird der moderate Kontakt auch mein weiterer Weg sein, ich weiß es noch nicht.


    Zitat Zitat von Unayza Beitrag anzeigen
    Hallo Luminance,

    ja, Dein Vater hat deutlich "einen an der Waffel" und Deine Mutter passt auch irgendwie dazu, sonst wäre das nicht so lange gegangen mit den beiden. Aber Du klingst so, als seiest Du aus diesem Schlamassel daheim einigermaßen unbeschadet herausgekommen - offenbar bist Du ziemlich resilient. Und jetzt hast Du die Chance herauszufinden, wie und was Du eigentlich sein willst, unabhängig davon, zu was Dich Dein Vater machen wollte.
    Für mich fühlt es sich zumindest so an, als wäre ich noch ganz gut aus der Nummer herausgekommen. Mein Auszug war wirklich ein Befreiungsschlag. Ich weiß noch, dass ich bei meinen Eltern wirklich fast jeden Tag geweint habe und mich fragte, was mein Leben überhaupt für einen Wert hat. Mein jetziges Ich ist komplett anders, ich fühle mich ausgeglichen und glücklich. Jetzt muss ich nur noch einordnen, ob ich den Schmerz einfach verdrängt habe oder ob ich meinen Frieden mit der Vergangenheit schließen kann.

    Zitat Zitat von Unayza Beitrag anzeigen
    Mit Anfang 20 kann man die Weichen für sein weiteres Leben stellen, auch (mindestens teilweise), was den Charakter und die seelische Gesundheit betrifft.
    [...]
    Auch mit der besten aller Absichten wirst Du Deine Eltern nicht ändern können und ich würde da auch keine Energie hineinstecken. Sie haben sich ihr Leben so gestaltet, wie sie wollten und konnten, aber dafür bist nicht Du verantwortlich. Und wenn es Dich herunterzieht, wenn Du Dir das häufiger anschaust, dann lass' das Verhältnis so, wie es gerade ist.

    Ich wünsche Dir alles Gute!
    Ich danke dir für deine lieben Worte, du machst mir Mut!

  2. Avatar von ja-aber
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    AW: Verhältnis zu Eltern wieder verbessern

    Ich bin wirklich beeindruckt, wie sortiert und klug Du agierst. Ganz ehrlich! Du bist erwachsen geworden auf die schlimmste Art überhaupt, denn Du musstest immer gegen Widerstände kämpfen, die wirklich übel waren. Ich sehe es wie die anderen: Dein Vater hat Dich emotional misshandelt - und Du bist trotzdem so stark daraus hervorgegangen. Puh.

    Was den Kontakt angeht ein Gedanke: melden sich Deine Eltern auch bei Dir? Für mich persönlich ist das ein Gradmesser dessen, ob sie wirklich interessiert sind, wie es Dir geht, oder ob "man das so macht". (Meine Mutter tut das nie, sie erwartet, dass ich mich melde - und ich finde, dass das noch ein Steckenbleiben im Kind-Eltern-Verhältnis ist, dabei bin ich längst erwachsen - sie ist allerdings selbst so aufgewachsen und spiegelt da ganz deutlich ihre Eltern, und sie ist bald 80...). Ein Kontakt sollte idealerweise ein Geben und ein Nehmen sein, wenn man unabhängig voneinander lebt.

    Und ich würde gern wissen: wie geht es Dir in Deinem neuen erwachsenen sozialen Umfeld? Hast Du einen Partner, bist Du im Job etabliert, hast Du ein Freundes-Netzwerk? (Musst Du nicht beantworten!) Hintergrund der Frage, irgendwo fies gefragt: Wie abhängig bist Du vom Wohlwollen Deiner Eltern? Die ganzen Punkte aus Deinem EP klingen so, als hättest Du es schon gern gehabt, dass Deine Eltern auch mal stolz sind auf Dich (oh wie ich das kenne...), da ist Unabhängigkeit vom Wohlwollen schon sehr gut. Dazu gehört ja auch ein gesundes Selbstbewusstsein - und das blitzt bei Dir definitiv raus.

    Du erwähnst kurz eine Schwester, vielleicht ist es ein möglicher denkbarer Weg, über sie etwas Familiengefühl zu bekommen?

  3. Avatar von TrishaTT
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    AW: Verhältnis zu Eltern wieder verbessern

    Ich denke, eine Therapie würde dir helfen. Ja, dir geht es gut, aber irgendwie denkst du doch darüber nach, wenn dein Vater mit irgendwas nicht einverstanden ist. Die Sache mit dem Wochenende mit deiner Freundin ist so ein Beispiel. Wenn dir das am Allerwertesten vorbeigehen würde, was dein Vater dazu meint, hättest du das gar nicht erwähnt, oder? Du bist dir sogar ein wenig unsicher, was dein Partner darüber denkt, obwohl er den Ausflug ohne ihn verständlicherweise absolut okay fand.

    Dieses "ungute Gefühl", wenn du an deine Eltern denkst, wird dich noch lange begleiten und vielleicht auch runterziehen. Das ist nicht schön, ich würde daran arbeiten. Und erst danach kannst du wieder auf deine Eltern zugehen.
    Wenn wir Narben haben, heißt es, dass die Wunden verheilt sind

    (Thomas D.)

  4. Avatar von Malaita
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    AW: Verhältnis zu Eltern wieder verbessern

    Zitat Zitat von Luminance Beitrag anzeigen


    Weil ich trotz allem ein schlechtes Gewissen habe, wenn ich mich lange nicht bei meinen Eltern melde. Es war ja auch nicht alles schlecht, ich habe auch viele schöne Erinnerungen und beispielsweise bei meinem Auszug haben sie mich auch sehr unterstützt (finanziell, Möbel aufbauen usw.). Inzwischen habe ich aber auch erkannt, dass ein "gutes" Verhältnis, gerade zu meinem Vater, vielleicht zu viel gewollt ist. Aber ich denke ein neutrales Verhältnis, sollte schon möglich sein.

    .......


    Ich bin meine eigenen Wege gegangen und mir geht es sehr gut damit. Erst durch eure Reaktionen ist mir klar geworden in welcher Schieflage unsere Beziehung war/ist. Die Schuld spielt aber auch mit rein, nach dem Motto "Ich hatte ein Dach über den Kopf, genug zu Essen, Kleidung...dafür sollte ich dankbar sein".

    Ich kann dein schlechtes Gewissen nachvollziehen. Irgendwie hat man das, auch wenn man meint, man müsste eigentlich keins haben. Irgendwie fühlt man sich in der Pflicht....

    Aber: diese Schuld brauchst du dir nicht einzureden. Dach über den Kopf, zu essen und Kleidung - dafür brauchst du nicht dankbar sein. SIE haben dich in die Welt gesetzt, also müssen SIE auch für dich sorgen. Das betrachte ich als PFLICHT der Eltern.
    Ich bin grundsätzlich dagegen, wenn Eltern von sich behaupten, sie hätten ihr Kind so toll erzogen. Das haben meine Eltern auch immer von sich behauptet (federführend meine Mutter). Ich fand das gar nicht. Ich musste mir auch mein Selbstbewusstsein erstmal erarbeiten, von zu Hause habe ich das nicht gekriegt. (Obwohl das bei uns alles etwas subtiler erfolgte, so dass ich das Schema erst begriffen hatte, nachdem ich mein eigenständiges Leben begonnen hatte.)
    Ich habe auch zwei Kinder. Ich würde NIE behaupten, ich hätte alles richtig gemacht. Die sind toll geworden, meine Kinder. Ich könnte ja jetzt sagen, die sind so geworden, WEIL ich nicht alles richtig gemacht habe

    Ich finds ganz schön ambivalent: einerseits war es toll, was deine Eltern für dich gemacht haben, andererseits hat deine Psyche gelitten. Kein Wunder, dass du so im Zwiespalt bist.

    Körperliche Gewalt der Eltern ist sehr schlimm. Psychische Gewalt aber auch. Nur dass das keiner am Ende wahrnimmt, weil es keine sichtbaren blauen Flecke gibt.


  5. Registriert seit
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    AW: Verhältnis zu Eltern wieder verbessern

    Wenn du immer dennoch, das Gefühl hattest geliebt zu werden und du das Gefühl hast , dir fehle etwas. Dann verstärke den Kontakt doch wieder. Und wenn du wieder in eine Situation kommst, die dir Magenschmerzen bereitet, dann gehe wieder einen Schritt zurück.

    Das hast du doch alles in der Hand.

  6. Avatar von greta1
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    AW: Verhältnis zu Eltern wieder verbessern

    Aus eigener Erfahrung kann ich Dir sagen, dass immer mehr Dinge hochkommen, je älter Du wirst.

    Tu Dir selbst einen Gefallen und bearbeite das rechtzeitig mit professioneller Hilfe.
    Zähl mal bis zehn, ich brauch 'ne Stunde Ruhe.

  7. Inaktiver User

    AW: Verhältnis zu Eltern wieder verbessern

    Zitat Zitat von Cara123 Beitrag anzeigen
    Wenn du immer dennoch, das Gefühl hattest geliebt zu werden und du das Gefühl hast , dir fehle etwas.
    Hallo Cara, den Ansatz finde ich interessant und überlege, ob er mir eine Hilfe sein kann... Überlege ja derzeit ebenso wg. weiterer Kontaktgestaltung/kein Kontakt zu meinen Eltern.

    Komme aus einer ähnlichen Familie wie Luminance, ich hoffe daher mich mal kurz einklinken zu dürfen...
    Viel Kontrolle, wenig Selbstbestimmung, respektlose liebloses Verhalten, nicht täglich, aber in einem Klima, das unerwartet ins Negative kippen kann.
    Ich denke mal laut, evtl. mag mir ja jmd. seinen Gedanken äußern, ob ein Kontakt überhaupt Sinn ergibt, wenn man nicht mal weiß ob man sich geliebt fühlt.

    Ich DENKE, meine Eltern lieb(t)en mich, weil wie bei Lumi "nicht alles schlecht" war (Ausflüge, Urlaube, Unternehmungen). Ich FÜHLE es aber nicht, habe es vielleicht noch nie gefühlt. Es fühlt sich an, als wären die guten Tage eher aus ihrem Schuldgefühl entstanden.
    Kommt es also auf das elterliche Verhalten an oder auf das, wie es sich als Kind angefühlt hat?
    Denn ich konnte/kann ihr Bemühen um mich nicht wirklich fühlen...
    Ich hatte materiell alles, aber die Wärme, die Geborgenheit, die meine Oma mir vermittelt hat, das OK sein, fehlt in meiner Empfindung zu meinen Eltern...

    (Nur zur Info meiner aktuellen Situation.
    Mit sehr eingeschränktem Kontakt und der Therapie geht es mir um einiges besser, aber nicht gut.)

    Danke vorab. Lg
    Geändert von Inaktiver User (25.09.2019 um 07:47 Uhr)

  8. Avatar von schafwolle
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    AW: Verhältnis zu Eltern wieder verbessern

    Zitat Zitat von ja-aber Beitrag anzeigen
    Ich bin wirklich beeindruckt, wie sortiert und klug Du agierst.
    Dem schließe ich mich gerne an.


    Zitat Zitat von Luminance Beitrag anzeigen
    Ich habe das Gefühl ich habe meine Seele wieder wie ein Puzzle zusammengesetzt und es ergibt ein tolles Bild. Nur ein Puzzleteil fehlt: Meine Eltern. Jetzt versuche ich zu bewerten ob das Puzzle auch ohne dieses Teil auskommt oder ob ich es doch lieber integrieren möchte.
    Um bei Deinem Bild zu bleiben:
    Deine Eltern sind bereits Teil des Puzzles. Ohne diese sehr prägende
    Vorgeschichte hätte es keinen Anlass gegeben, Dich dermaßen bewusst
    und reflektierend mit Deiner Vergangenheit auseinanderzusetzen. Letzteres
    ist Dir erstaunlich gut gelungen.

    Die verbleibenden Unsicherheiten in Bezug auf Deine Bewertungen ließen
    sich tatsächlich mit therapeutischer Unterstützung in Bahnen lenken, die sich
    für Dich stimmig anfühlen.

    Bis dahin, sprich, bis Du diesbezüglich wirklich gefestigt bist, würde ich keinesfalls
    den Kontakt zu den Eltern intensivieren, sondern mich für die emotional sichere
    Distanz entscheiden. Und das möglichst ohne schlechtes Gewissen.


  9. Registriert seit
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    AW: Verhältnis zu Eltern wieder verbessern

    Zitat Zitat von greta1 Beitrag anzeigen
    Aus eigener Erfahrung kann ich Dir sagen, dass immer mehr Dinge hochkommen, je älter Du wirst.

    Tu Dir selbst einen Gefallen und bearbeite das rechtzeitig mit professioneller Hilfe.
    Ich würde es so ausdrücken wollen:

    Man kann sich als "gebranntes" Kind manchmal allzu schnell sagen, man habe die Kreisläufe durchschaut und aus eigener Kraft Wege hinaus gefunden, denn schon kleine Verbesserungen haben eine immense Wirkung, wenn dysfunktionale Beziehungen über lange Zeiträume, insbesondere jene, in denen Entwicklung und Reifung massiv stattfinden, bestimmend waren.

    Ob das tatsächlich zutrifft, bedarf eines sehr wachsamen Auges. Jeder Mensch gerät in Lebenskrisen - und spätestens dann weist sich, wie man innerlich aufgestellt ist. Schattenthemen treten dann bei jedem Menschen auf den Plan und Mensch rutscht allzu leicht in und bedient alte Muster und Skripte.

    Ein Hinweis darauf, dass da noch einiges zu bearbeiten ist, kann die Hilflosigkeit und Verkrampfung sein, mit der Du, liebe TE, Deinen Eltern im Kontakt begegnest. Du schreibst selbst, dass Du "getriggert" wirst. Für mich sind das deutliche Hinweise darauf, dass da noch interner Klärungsbedarf besteht.

    Hinzu kommt der Aspekt des Unbewussten, zu dem wir - sic! - nicht so einfach Zugang bekommen. Die Möglichkeiten, Zugang zu bekommen, kann man jedoch in der Therapie erforschen. Ein Tipp: Es gibt einige Autoren, die sich mit Märchen befassen, die wie Lebenskrisen-Landkarten sein können. Heinz Peter Röhr wäre hier zu nennen, aber auch Verena Kast. Lohnenswerte Lektüre.

    Leben ist Veränderung, von Geburt bis Tod, auf allen Ebenen. Das bedeutet auch, Lebensthemen immer wieder neu betrachten und aufrollen, sich neu positionieren zu wollen / müssen.

    Ich halte therapeutische Unterstützung in solchen Phasen für sehr wertvoll und hilfreich. Wer alles mit sich ausmacht, führt eben häufig einen Monolog, mit allen Begrenzungen, die er hat.

  10. Avatar von guerteltier
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    AW: Verhältnis zu Eltern wieder verbessern

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich DENKE, meine Eltern lieb(t)en mich, weil wie bei Lumi "nicht alles schlecht" war (Ausflüge, Urlaube, Unternehmungen). Ich FÜHLE es aber nicht, habe es vielleicht noch nie gefühlt. Es fühlt sich an, als wären die guten Tage eher aus ihrem Schuldgefühl entstanden.
    Kommt es also auf das elterliche Verhalten an oder auf das, wie es sich als Kind angefühlt hat?
    Denn ich konnte/kann ihr Bemühen um mich nicht wirklich fühlen...
    Ich hatte materiell alles, aber die Wärme, die Geborgenheit, die meine Oma mir vermittelt hat, das OK sein, fehlt in meiner Empfindung zu meinen Eltern...
    Mir geht es auch so. Und ich habe mir lange Zeit eingeredet, dass meine Eltern mich doch lieben müssen, weil es eben auch "gute Zeiten" gab. Aber Liebe äußert sich nun mal in Taten und Worten, und wenn diese über weite Strecken der Kindheit so lieb- und respektlos ausfallen dann ist das keine wirkliche Liebe, jedenfalls keine gesunde Liebe. Das wiegen eine paar schöne Ausflüge oder Geschenke nicht auf.

    Ein plakativer Vergleich: wenn ein Ehemann seine Frau verprügelt, ihr aber am nächsten Tag Blumen bringt und Reue mimt - dann redet sie sich vielleicht auch ein, dass er sie ja lieben muss. Aber jeder Außenstehende würde das verneinen, und sie erkennt hoffentlich auch irgendwann, dass das ein sehr ungesundes Muster ist.

    Liebe TE, du klingst wirklich sehr reflektiert und sortiert. Aber aus eigener Erfahrung würde ich sagen dass es mit einer rein kognitiven Aufarbeitung nicht getan ist. Wobei das sicherlich ein guter Anfang ist.
    Ich persönlich fand und finde es sehr hilfreich, mit jemandem zu reden, der mich ernst nimmt und zumindest um Verständnis bemüht ist. Das kann z.B. ein Therapeut sein.

    Ich habe noch Kontakt zu meinen Eltern. Das ist aber nicht immer einfach, und in der Zeit wo ich emotional noch sehr verwickelt war, war das auch eher ungesund. Mittlerweile habe ich (mit Ü40 ) weitestgehend die emotionale Distanz um den Kontakt für mich erträglich zu gestalten.

    Hier noch zwei Buchempfehlungen - mir hat Lesen immer sehr geholfen, auch wenn das natürlich keine Therapie u.ä. ersetzt:

    Abschied von den Eltern - Howard Halpern - da geht es darum eine gesunde Distanz zu den Eltern zu finden (nicht um deren Tod, wie man vom Titel vielleicht meinen könnte)

    Adult Children of Emotionally Immature Parents - Lindsay C. Gibson - leider gibt es anscheinend keine deutsche Übersetzung. Dieses Buch fand ich sehr hilfreich weil es einige praktische Tipps zum Umgang gibt.

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