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  1. Avatar von Marta-Agata
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    Berliner Testament

    Im Nachbar-Thread geht es gerade um ein Berliner Testament.

    Ich mache dazu mal einen eigenen Thread auf. Mich interessiert das schon länger - nicht weil ich eins aufsetzen möchte, sondern weil ich diese häufig eingesetzte Konstruktion (gerade mit ihren Fallstricken, da habe ich auch von anderen schon erfahren) besser verstehen möchte.

    Der "typische Fall" ist, dass ein Ehepaar als Vermögen "ziemlich genau ein Haus hat" und den länger lebenden Ehepartner absichern möchte, dass er im Haus wohnen bleiben kann und dass er auch das sonstige (gemeinsam erarbeitete) Vermögen für sich und sein Alter vollständig nutzen kann.

    Und dann steht da drin, dass die Ehepartner sich gegenseitig zu Alleinerben einsetzen, und die Kinder Schlusserben sind, also dann alles oder "den Rest" bekommen.

    Damit sind die Kinder beim ersten Erbfall enterbt, und damit sie nicht auf ihren Pflichtteil pochen, gibt es oft die Klausel, dass ein Kind, dass beim ersten Erbfall seinen Pflichtteil möchte, beim zweiten Erbfall auch auf Pflichtteil gesetzt wird.


    Der länger lebende Ehepartner kann als Vorerbe (ist er das dann immer) befreit oder unbefreit sein; bzw. es kann festgelegt werden, inwieweit der Überlebende frei über das Vermögen verfügen kann.
    Wenn er unbefreit ist, kann er mit dem Vermögen nicht so viel anfangen; wenn er befreit ist, hat er Möglichkeiten zu umgehen, dass die Kinder tatsächlich den Anteil des Verstorbenen erben - jedenfalls wenn es nicht nur um ein Haus, sondern auch um Geld geht.

    Richtig soweit?


    Und gleich die ersten Fragen: Was gilt für Vermögen, dass nach dem Todesfall erarbeitet oder geerbt wurde?

    Was ist mit Wiederverheiratung?
    Ist dann der neue Ehepartner enterbt?
    Gilt das?
    Und wenn nein, (wie) kann in einem Berliner Testament abgesichert werden, dass tatsächlich die Kinder (die ja leer ausgegangen sind), und nicht der neue Ehepartner das Erbe bekommen?

    Was gilt für Vermögen, dass nach dem Todesfall erarbeitet oder geerbt wurde?


  2. Registriert seit
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    AW: Berliner Testament

    Zitat Zitat von Marta-Agata Beitrag anzeigen

    Und gleich die ersten Fragen: Was gilt für Vermögen, dass nach dem Todesfall erarbeitet oder geerbt wurde?

    Was ist mit Wiederverheiratung?
    Ist dann der neue Ehepartner enterbt?
    Gilt das?
    Und wenn nein, (wie) kann in einem Berliner Testament abgesichert werden, dass tatsächlich die Kinder (die ja leer ausgegangen sind), und nicht der neue Ehepartner das Erbe bekommen?
    Normalerweise ist die Konstruktion so, wie du zuerst beschrieben hast - also der überlebende Gatte ist Erbe und die Kinder Schlusserben.
    Die Konstruktion mit Vor- und Nacherbschaft ist anders, die wird aber manchmal auch als Berliner Testament bezeichnet.

    Nach dem Tod arbeitet und erbt man nicht mehr :) . Du meinst aber bestimmt Vermögen, dass der Überlebende erarbeitet oder erbt. Dafür gilt nichts Besonderes. Es ist Teil seines Nachlasses und fällt an die Schlusserben.

    Im Fall der Wiederverheiratung ist der neue Ehepartner enterbt. Ja, das gilt, aber der Überlebende kann innerhalb eines Jahres nach der Heirat das Testament anfechten. Wenn er das nicht tut, ändert sich durch die neue Heirat nichts, sein Nachlass fällt an die Schlusserben und die neue Ehefrau bleibt enterbt. Wenn er anficht, ist das Berliner Testament nichtig. Dann muss aber der Nachlass des bereits verstorbenen Ehepartners neu abgewickelt werden, denn ohne dieses Testament ist er ja nicht Erbe. Dort tritt dann also gesetzliche Erbfolge ein, sodass er im Zweifel gemeinsam mit den Kindern erbt und sie ihr Erbteil verlangen können.

    Man kann das Anfechtungsrecht in dem Berliner Testament ausschließen, dann ist sichergestellt, dass das Erbe an die Kinder geht. Das ist es aber für das Erbe des zuerst Verstorbenen auch im FAll der Anfechtung, denn dann werden sie ja rückwirkend zu Erben, weil es kein Testament mehr gibt.

  3. Avatar von Wiedennwodennwasdenn
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    AW: Berliner Testament

    Zitat Zitat von Marta-Agata Beitrag anzeigen
    Und gleich die ersten Fragen: Was gilt für Vermögen, dass nach dem Todesfall erarbeitet oder geerbt wurde?

    Was ist mit Wiederverheiratung?
    Ist dann der neue Ehepartner enterbt?

    Was gilt für Vermögen, dass nach dem Todesfall erarbeitet oder geerbt wurde?
    Ich bin kein Jurist, aber für mein Rechtsverständnis werden die Karten neu gemischt. Für alles Vermögen, was nach dem Tod des (ersten) Ehepartners erworben wird, muß ein zweites Testament her. In so einem Fall muß sorgfältig dokumentiert werden, was in das Berliner Testament gehört und was später erworben wurde und deswegen anderen Regelungen unterliegt.
    Das Universum und die menschliche Dummheit sind unbegrenzt. Beim Universum bin ich mir nicht sicher (Albert Einstein).

  4. Avatar von Marta-Agata
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    AW: Berliner Testament

    Zitat Zitat von stefanie63 Beitrag anzeigen
    Im Fall der Wiederverheiratung ist der neue Ehepartner enterbt. Ja, das gilt, aber der Überlebende kann innerhalb eines Jahres nach der Heirat das Testament anfechten. Wenn er das nicht tut, ändert sich durch die neue Heirat nichts, sein Nachlass fällt an die Schlusserben und die neue Ehefrau bleibt enterbt. Wenn er anficht, ist das Berliner Testament nichtig.
    Dann muss aber der Nachlass des bereits verstorbenen Ehepartners neu abgewickelt werden, denn ohne dieses Testament ist er ja nicht Erbe. Dort tritt dann also gesetzliche Erbfolge ein, sodass er im Zweifel gemeinsam mit den Kindern erbt und sie ihr Erbteil verlangen können.


    ok, das ist logisch. Im Fall der Wiederverheiratung kann der Überlebende also das Berliner Testament "für nichtig erklären lassen" (wenn ich anfechten mal so nennen darf), dann erbt er aber nicht mehr alleine, sondern die Kinder bekommen ihren Teil.

    Wenn er nicht innerhalb eines Jahres nach der neuen Hochzeit anficht, ist die neue Ehefrau enterbt. Wovon sie ggf. gar nichts weiß. Aber sie hat doch Pflichtteil.

    Was ist mit weiteren Kindern?
    Die können vermutlich nicht so weit enterbt werden, dass sie noch nicht einmal Pflichtteil bekommen, oder doch?


    Man kann das Anfechtungsrecht in dem Berliner Testament ausschließen, dann ist sichergestellt, dass das Erbe an die Kinder geht. Das ist es aber für das Erbe des zuerst Verstorbenen auch im FAll der Anfechtung, denn dann werden sie ja rückwirkend zu Erben, weil es kein Testament mehr gibt.
    Einen Unterschied kann es für die Kinder schließlich schon machen.

  5. Avatar von Marta-Agata
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    AW: Berliner Testament

    Zitat Zitat von Wiedennwodennwasdenn Beitrag anzeigen
    Ich bin kein Jurist, aber für mein Rechtsverständnis werden die Karten neu gemischt. Für alles Vermögen, was nach dem Tod des (ersten) Ehepartners erworben wird, muß ein zweites Testament her. In so einem Fall muß sorgfältig dokumentiert werden, was in das Berliner Testament gehört und was später erworben wurde und deswegen anderen Regelungen unterliegt.
    offenbar nicht:

    Du meinst aber bestimmt Vermögen, dass der Überlebende erarbeitet oder erbt. Dafür gilt nichts Besonderes. Es ist Teil seines Nachlasses und fällt an die Schlusserben.


    Danke stefanie!

  6. Avatar von Sneek
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    AW: Berliner Testament

    Ich glaube, dass das doch eher ein aussterbendes Konzept ist. Oder werden unter jüngeren Ehepaaren heute immer noch solche Testamente aufgesetzt?

  7. Avatar von Paraplumeau
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    AW: Berliner Testament

    Zitat Zitat von Sneek Beitrag anzeigen
    Ich glaube, dass das doch eher ein aussterbendes Konzept ist. Oder werden unter jüngeren Ehepaaren heute immer noch solche Testamente aufgesetzt?
    Warum denn nicht? Wenn die Grundkonstellation einfach ist? (Was sie im EP nicht ist)
    Wenn ich anderer Leute Innerstes sehen wollte, wäre ich Gerichtsmedizinerin geworden.

  8. Avatar von Sneek
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    AW: Berliner Testament

    Zitat Zitat von Paraplumeau Beitrag anzeigen
    Warum denn nicht? Wenn die Grundkonstellation einfach ist? (Was sie im EP nicht ist)
    Weiß nicht, dieses Modell fußt doch eher auf den Lebensmodellen der 50er und 60er Jahre.

    Eine Ehe hält ein Leben lang.
    Es gibt nur gemeinsame Kinder.
    Eine Immobilie bildet mehr oder weniger das einzige Vermögen.
    Der verbleibende Ehepartner (demografisch oft die Ehefrau) hat nur eine kleine oder gar keine eigene Rente.

  9. Moderation Avatar von Promethea71
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    AW: Berliner Testament

    Es gibt sicher heute noch Konstellationen in denen das Berliner Testament eine sinnvolle Sache ist, aber man sollte sich vorher kompetent beraten lassen - und im Idealfall ;-)) keiner von beiden zu früh versterben.

    Und man sollte sich tatsächlich Gedanken machen eine Wiederverheiratungsklausel aufzunehmen und den heute nicht unwahrscheinlichen Fall von erneuter Heirat und weiteren Kindern zu berücksichtigen.


    Und man sollte es eben auch nur bei einem eher überschaubaren Vermögen machen, weil sonst der Staat zweimal an der Erbschaftsteuer verdient, weil die Schlusserben eben nur noch von einem Elternteil erben.
    Man muss nicht über jedes Stöckchen springen ... jedenfalls nicht jeder.
    Freiheit ist, wenn jeder sich auf seine Art zum Deppen machen kann.

    Profilbild © edwardbgordon
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  10. Registriert seit
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    AW: Berliner Testament

    Meld!
    Wir sind ein jüngeres Ehepaar mit Berliner Testament, allerdings für unsere Gegebenheiten modifiziert.
    Ich wollte gerne ein gemeinschaftliches Testament, damit mein Mann mich nicht ohne mein Wissen enterben kann. 😉

    Unsere Schlusserbeneinsetzung ist allerdings ausdrücklich so formuliert, dass der Überlebende sie noch ändern kann. Wir haben keine Kinder und mir war wichtig, dass mein Mann nach meinem Tod nochmal neu und in dieser Hinsicht ungebunden anfangen könnte.

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