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  1. Registriert seit
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    Elternschule - Dokumentarfilm ARD-Mediathek

    Hallo,

    vor ca. einem Jahr bekam ich den Medienrummel um den Dokumentarfilm „Elternschule“, über die Kinderklinik Gelsenkirchen, mit.
    Jetzt habe ich mir diesen Film in der ARD-Mediathek angeschaut.

    Mein Kind war im Vorschulalter an Krebs erkrankt. Dadurch kamen wir alle auch in ein psychosomatisches Ungleichgewicht und wir hatten viele Machtkämpfe, mit uns selbst und mit-/gegeneinander. Hätte mein Kind überlebt, wären wir sicherlich Patienten dieser/solch einer Klinik geworden.

    Mich hat dieser Film sehr berührt.
    Habt Ihr den Film gesehen?

    Den Strang habe ich hier eröffnet, da die Thematik das gesamte Familienkonstrukt betrifft.

    Grüße vom Pumpernickel

  2. Avatar von Rotbuche
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    AW: Elternschule - Dokumentarfilm ARD-Mediathek

    Hallo Pumpernickel,

    erst einmal möchte ich dir sagen, wie leid es mir tut, dass du dein Kind in so jungen Jahren verloren hast. Fühl dich umarmt.

    Nun zum Film: Ich haben ehrlich gesagt nur etwa ein Viertel gesehen und wollte dann nicht mehr. Schwarze Pädagogik, mehr fällt mir dazu nicht ein. Das Konzept basiert auf dem Uralt-Mythos des "Kleinen Tyrannen", den die Eltern in die Knie zu zwingen haben. Eigentlich eine Fortsetzung der unseligen "Pädagogik" von Johanna Haarer, die noch der Generation unserer Mütter und Großmütter eingetrichtert hat, dass man Kinder schreien lassen und ihren Willen brechen soll.

    Dementsprechend sieht man tief verunsicherte, verzweifelt weinende und panisch schreiende Kinder, die von ihren Müttern getrennt wurden, und die man nicht tröstet, sondern mit denen man jetzt "Selbstregulation trainiert". Mir dreht sich dabei der Magen um.

    Man fragt sich unwillkürlich, was im Leben dieser Kinder so schief gelaufen ist, dass sie so andauernd unglücklich und aggressiv sind. Aber darum geht es nicht. Das böse Kind will die Mutter tyrannisieren. Das muss man ihm austreiben. So einfach ist das anscheinend.

    Zu deiner persönlichen Situation: Eine Familie mit einem todkranken Kind kann ja gar nicht "normal" funktionieren. Wenn ihr als Familie nicht daran zerbrochen seid, dann ist das schon sehr viel und ihr könnt stolz aufeinander sein. Professionelle Hilfe ist gut, aber bei etwas empathischeren Therapeuten.

    Ich wünsche dir alles Gute!

    Rotbuche


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    AW: Elternschule - Dokumentarfilm ARD-Mediathek

    Ich sehe es anders. Ich kenne nicht nur den Film, ich kenne auch diese Klinik.

    Mit schwarzer Pädagogik hat das nichts zu tun.

  4. AW: Elternschule - Dokumentarfilm ARD-Mediathek

    Hpumpernickel, euer Schicksal tut mir sehr leid.


    Zum Film: ich habe ihn auch gesehen und war tief beeindruckt. Zum einen darüber, wie gut Eltern über die "Funktionsweise" eines kleinen Kindes aufgeklärt wurden, darüber, wie vor allem Eltern an die Hand genommen wurden, und letztlich auch, wie entspannt die Kinder, die portraitiert wurden, die Klinik verlassen könnten und auch nach einigen Monaten noch immer waren.


  5. Registriert seit
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    AW: Elternschule - Dokumentarfilm ARD-Mediathek

    Danke Rotbuche für Dein Mitgefühl.
    Klar, kann eine Familie mit einem lebensgefährlich erkrankten Kind nicht normal funktionieren. Aber für viele Familien (im Film gabs ja diesen kleinen Jungen, der auch mal sehr krank war), gibt es eine Zeit nach der gefährlichen Krankheit.

    Manche Entwicklungen bekommen so eine Dynamik, da braucht es dann konsequentere Methoden. Ich sehe da keine schwarze Pädagogik. Ich habe keine Ahnung von wissenschaftlich-fundierten Erziehungsmethoden. Für mich ist es aber schlüssig, dass in so verfahrenen Situationen, scheinbar emotionslose Fachmenschen bestimmte Tages- und Nachtzeiten übernehmen.
    Für mich klingt es plausibel, dass Kinder mit den überlaufenden Emotionen der Eltern dann überfordert sind. Ich kann mir auch vorstellen, dass die Eltern, die in so eine Klinik gehen, zu Hause schon jede Menge andere Therapien versucht haben. Diese Klinik scheint so etwas wie ein letzter Hoffnungsschimmer zu sein.

    Irgendwie erinnert mich diese Therapiemethode an Chemotherapie. Wenn man da sein Kind sieht, denkt man auch, der Körper und die Seele werden zerstört. Aber man weiß, wofür man es tut, damit es wieder gesund wird. Ähnlich stelle ich es mir mit dieser Behandlungsmethode vor.


  6. Registriert seit
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    AW: Elternschule - Dokumentarfilm ARD-Mediathek

    Kinder reagieren.

    Erwachsene (Eltern), die sich ihrem einstigen Leid (als Kind) nicht stellen wollen, bleibt nichts anderes übrig, als hart zu sein.

    Würden sie nämlich nicht für Härte eintreten, dann würden sie sich mit ihrem seit Jahrzehnten verdrängten Leid konfrontiert sehen und das wollen sie auf gar keinen Fall.
    Also sind sie für Härte.

    Die wahren Gründe, warum sie für Härte sind, bleiben verborgen.

    Wer sein einstiges Leid verdrängt, lebt eine Lüge und das Überleben dieser Lüge macht weitere Lügen erforderlich.


  7. Registriert seit
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    AW: Elternschule - Dokumentarfilm ARD-Mediathek

    Ich war mit unserer Tochter in dieser Klinik, vor etwa 11 Jahren. Es ging bei ihr aber um die Diagnostik (Asperger Syndrom), nicht um andere Auffälligkeiten.

    Wir waren auf der gleichen Station.

    Ich habe viele Mütter kennengelernt, die einfach fix und fertig waren.
    Es gab dort Kinder, die freiwillig verhungert wären, quasi "aus Prinzip".

    Das waren ganz normale Mütter, mit ganz normalen Lebensverläufen, deren Kinder entweder von Geburt an "besonders anspruchsvoll" waren oder sich einfach ungute Angewohnheiten eingeschliffen haben.

    Dass, was hier "Härte" genannt wird, ist sowas wie die letzte Möglichkeit, die Kurve noch zu kriegen.

    Das ist keine Erziehungsberatung, das ist Psychiatrie. Dahinter steht ein extremer Leidensweg, ganz davon abgesehen, dass die Warteliste extrem lang ist.

  8. Inaktiver User

    AW: Elternschule - Dokumentarfilm ARD-Mediathek

    Das hat mit der sog. schwarzen Pädagogik gar nichts zu tun, sondern mit (kontinuierlich) Struktur, Sicherheit und Halt - in derart extremen Familiensituationen absolut sinnvoll. Das sind therapeutische Maßnahmen. Die einzig erkennbare "Härte/Starre" ist in manchen dysfunktionalen Verhaltensmustern zu finden, welche liebevolle Klarheit als unzumutbare Härte interpretieren und solche Maßnahmen überhaupt erst notwendig machen. Einzelne Worte sind nicht aus dem Kontext isoliert zu betrachten, sondern das Konzept in seiner heilsamen Gänze zu erkennen. Eltern lernen hier wieder, der Kraft von Kindern zu vertrauen. Lg

  9. Inaktiver User

    AW: Elternschule - Dokumentarfilm ARD-Mediathek

    Zitat Zitat von Sasapi Beitrag anzeigen
    Dass, was hier "Härte" genannt wird, ist sowas wie die letzte Möglichkeit, die Kurve noch zu kriegen.

    Das ist keine Erziehungsberatung, das ist Psychiatrie. Dahinter steht ein extremer Leidensweg...
    Ganz genau.


  10. Registriert seit
    21.04.2014
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    AW: Elternschule - Dokumentarfilm ARD-Mediathek

    Die Pressetexte zum Film waren irreführend. Da stand nämlich was von "guter Erziehung" oder "So geht gute Erziehung".

    Dabei geht es bei dieser Elternschule nicht um gute Erziehung.

    Wie verzweifelt muss eine Mutter sein, die, wie im Trailer zu sehen, sagt: Das ist unsere letzte Chance. Wenn es hier nicht klappt, müssen wir sie ins Heim geben (hier ging es um ein Kind im Vorschulalter, was die Eltern schlug und biss und die Schwester schon die Treppe runtergeschubst hatte...).

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