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  1. Registriert seit
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    Ich denke drüber nach, dauerhaft den Kontakt zu meiner Mutter abzubrechen

    Ich habe hier vor einiger Zeit, nämlich 2013, schon mal ein Thema über meine Mutter eröffnet. Damals machte ich überhaupt grade erst die ersten vorsichtigen Schritte ins unabhängige Erwachsenenleben.

    Meine Mutter hat mich als Kind arg emotional misshandelt, das weiß ich mittlerweile. Meine Kindheit war geprägt von ständiger, überzogener Kritik, Beleidigungen, manchmal Schläge und regelmäßiger Streit, in dem meine Mutter mich eigentlich nur stundenlang anschrie. Nichts machte ich je richtig und sie gab alles, um mich davon zu überzeugen, dass ich von Grund auf ein schlechter, nichtsnütziger Mensch bin, den immer alle aufs schärfste verurteilen werden. Als ich älter wurde und von zu Hause auszog, schien sich unser Verhältnis erstmal zu entspannen. Natürlich hatte ich nie kennengelernt, wie es mit einer 'normalen' Mutter ist, und nahm schon fast nicht mehr wahr, was trotzdem noch alles an unserer Beziehung ungesund war.

    Nun ja. Jetzt lebe ich seit fast 6 Jahren allein und bin unabhängig und sehe langsam ein, dass an unserer Beziehung nichts mehr zu retten ist. Seit zwei Monaten habe ich mit meiner Mutter nicht mehr gesprochen, seit sie bei mir zu Besuch war und wieder einen riesen Streit provoziert hat, mich angeschrien & aufs derbste beleidigt hat, weil ihr einige meiner Entscheidungen und mein Lebensstil nicht gefallen. Ich habe ihr mittlerweile eine Million Chancen gegeben, unser Verhältnis zu verbessern, und sie gebeten, mich nicht ständig ungefragt zu kritisieren & beleidigen - was an sich schon selbstverständlich sein sollte. Und sie? Sagt mir, dass ich für immer ihr Kind bleiben werde und sie daher das Recht hat, mich anders zu behandeln als andere Erwachsene, sich in mein Leben einzumischen und mich zu beleidigen, denn schließlich will sie ja nur das beste für mich.

    Zwei Monate sind nicht lang, aber so lange habe ich noch nie nicht mit ihr geredet. Nach dem letzten Streit schrieb ich ihr, dass ich keinen Kontakt mehr will, denn ich hatte das Gefühl, dass irgendwas dauerhaft zerbrochen ist - meine Emotionen ihr gegenüber haben sich einfach geändert, mir reichts. Sie hat mir dann noch einige verheulte Sprachnachrichten, Facebooknachrichten, eine Postkarte etc geschickt und ich habe auf nichts davon reagiert. Es ist zwar irgendwie eine traurige Situation, aber ich merke langsam, dass ich sie eigentlich nicht wirklich vermisse und gar nicht das Bedürfnis habe, mit ihr zu reden. Ich bin entspannter, wenn ich weiß, dass ich mich nicht vor ihr für mein Leben und meine Entscheidungen rechtfertigen muss.

    Hat jemand von euch dauerhaft den Kontakt zu Elternteilen abgebrochen? Ich weiß noch nicht, ob ich das wirklich für immer durchhalten will oder kann. Im Moment kann ich mir evtl vorstellen, irgendwann eine sehr oberflächliche Beziehung wieder herzustellen, sodass man quasi nur ein paar Mal im Jahr miteinander spricht. Noch genieße ich aber die 'Ruhe'.


  2. Registriert seit
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    AW: Ich denke drüber nach, dauerhaft den Kontakt zu meiner Mutter abzubrechen

    Zitat Zitat von absoluterfreak Beitrag anzeigen
    Noch genieße ich aber die 'Ruhe'.
    Damit ist doch alles gesagt.

    Ich habe es auch hinbekommen, zu meiner Mutter ein oberflächliches Verhältnis zu haben.

    Familie ist eine Zwangsgemeinschaft. Die Leute habe ich mir nicht ausgesucht und wer auf meinen Gefühlen herumtritt und meint, mich anschreien zu müssen, um sich Gehör zu verschaffen, der hat das Problem. Nicht ich!

    Wäre es z.B. eine Freundin, würdest Du Dich ja auch distanzieren, oder?

    Ja, es ist die Mutter. Die Heilsbringerin per se und der Mensch, der einen geboren hat. Alles keine Frage. Bedeutet aber nicht, dass ich mich im Gegenzug wie einen Fußabtreter behandeln lassen muss.

    Ich denke, der Mensch ist in der Lage, auch zu anderen, nicht verwandten Menschen eine tiefe emotionale Bindung aufzubauen. Eine Mutter brauchts da nicht immer.

    Zieh Dein Ding durch und sieh zu, dass die Kontakte aufs Minimum beschränkt werden.

    Hast Du noch Geschwister?
    Man lebt nur einmal. Stellt man's richtig an, reicht das auch.


  3. Registriert seit
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    AW: Ich denke drüber nach, dauerhaft den Kontakt zu meiner Mutter abzubrechen

    Nein, ich habe keine Geschwister. Und mein Vater lebt schon lange nicht mehr. Ich glaube daher habe ich auch so lange gezögert, den Kontakt wirklich abzubrechen. Denn dann habe ich gar keine Familie mehr, aber mittlerweile kann ich auch das akzeptieren.


  4. Registriert seit
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    AW: Ich denke drüber nach, dauerhaft den Kontakt zu meiner Mutter abzubrechen

    Zitat Zitat von absoluterfreak Beitrag anzeigen
    Nein, ich habe keine Geschwister. Und mein Vater lebt schon lange nicht mehr. Ich glaube daher habe ich auch so lange gezögert, den Kontakt wirklich abzubrechen. Denn dann habe ich gar keine Familie mehr, aber mittlerweile kann ich auch das akzeptieren.
    Wenn auch Tanten, Onkel, Cousins/Cousinen nicht (mehr) da sind, dann ist die Akzeptanz, dass eine Kleinfamilie irgendwann ausstirbt, schlicht der Lauf des Lebens.

    Sieh zu, dass Du Dir einen anderweitig gut tragenden Sozialkreis aufbaust.

    Vieles können Freunde/Freundinnen meist um Längen besser, als eine verkorkste Beziehung zu einem Elternteil.

    Das braucht so wirklich kein Mensch und ich denke, nach dem Lesen Deines Posts, hast Du Dein Soll Deiner Mutter ggüber mehr als erfüllt.

    Jetzt bist Du dran!
    Man lebt nur einmal. Stellt man's richtig an, reicht das auch.


  5. Registriert seit
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    AW: Ich denke drüber nach, dauerhaft den Kontakt zu meiner Mutter abzubrechen

    Ja, mein Freundeskreis ist im Moment ganz in Ordnung. Noch nie hat mich dort jemand auch nur annähernd so scharf kritisiert wie meine Mutter. Das will sie immer nicht glauben, aber für sie sind eh all meine Freunde 1. keine echten Freunde 2. alle 'so asozial wie ich' usw.. ach ich könnte immer noch stundenlang über sie reden.

    Es gab halt zwischendurch immer mal wieder so Momente, in denen ich dachte, wir kommen ja doch ganz gut miteinander aus.. wenn wir mal zusammen im Urlaub waren oder ich zu Besuch bei ihr... und wir mal ein paar nette Tage fast ohne Nörgelei hatten. Aber dann kommt halt irgendwann wieder die nächste derbe Beleidigung von ihr. Im Moment bin ich einfach nur müde und erschöpft von all der Zeit, in der ich immer versucht habe, mit ihr zu argumentieren oder ihre Bemerkungen zu ignorieren...


  6. Registriert seit
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    AW: Ich denke drüber nach, dauerhaft den Kontakt zu meiner Mutter abzubrechen

    Liebe @absoluterfreak,

    ich bin eine, die den Kontakt zur Mutter und Restfamilie vor knapp 2 Jahren abgebrochen hat und ich muss sagen, ich hätte es schon viel früher machen sollen.
    Ich bin auch jetzt im Prinzip völlig alleine, im Ausland lebend, welches nicht mein gewähltes Biotop ist, sondern eher ein schlechter Kompromiss, und hier ohne enge Sozialkontakte.
    Also hätte ich alle Gründe, dass es mir so richtig schlecht gehen und ich mich so richtig heftig einsam fühlen müsste.

    Was aber nicht der Fall ist.

    In Wahrheit fühle ich mich erleichtert und von einer Zentnerlast befreit.

    Meine Mutter hat zwar nicht so schlimm herumgeschrien wie Deine, aber es kam die verschärfte Abwertung dazu, dass meine Schwester immer das Goldkind war und ich das Aschenputtel, das für alles Schlechte in der Familie zuständig war.
    Hinzu kam, dass meine Mutter zunehmend tüdelig wurde und sich nur noch über ihre Tausend Arztbesuche und Krankheiten definiert hat. Mich hat das höllisch genervt und ich bin so gottfroh, dass ich damit nichts mehr zu tun habe.

    Am Anfang hatte ich heftige Schuldgefühle. Zur Behandlung derselben kann ich Dir unter Anderem den Strang empfehlen mit dem Titel: "Kontaktabbruch zur Herkunftsfamilie - wie fühlt Ihr Euch damit?"

    Alles Beste für Dich!

  7. Avatar von luftistraus
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    AW: Ich denke drüber nach, dauerhaft den Kontakt zu meiner Mutter abzubrechen

    Jajajaja die lieben Mütter....

    ich frage mich wirklich woher diese genannten Mütter denken, sie haben das Recht dazu....

    Nein haben sie nicht.

    Wenn jemand dies aber seit Jahrzehnten denkt, bekommt man das nicht mehr raus. Da wundern sie sich wenn man den Kontakt abbricht usw.


    Liebe TE,

    wenn du verletzt/enttäuscht bist. Dann sage ihr das ruhig (was du ja bereits gemacht hast) und brich den Kontakt ab wenn es dir gut tut.

    Du bist ihr nichts schuldig bzw. nur weil sie deine Mutter ist, musst du dir nicht alles gefallen lassen.
    Man muss die Tatsache kennen, bevor man sie verdrehen kann


  8. Registriert seit
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    AW: Ich denke drüber nach, dauerhaft den Kontakt zu meiner Mutter abzubrechen

    Wenn dir der Nicht-Kontakt offenbar guttut, dann bleib dabei.
    Du musst das nicht jetzt für den Rest deines Lebens so halten, deine Haltung und deine Resilienz können sich verändern und dann kann sich, wenn du das willst, auch das Verhältnis in einer anderen Form und entspannter neu entwickeln. Oder auch nicht.

    Du musst keine endgültige Entscheidung treffen, nix ist in Stein gemeißelt. Zieh dich zurück bzw. bleib zurückgezogen, solange es dir guttut. Und versuch, kein schlechtes Gewissen dabei zu haben.

    Versuch aber vielleicht auch, sofern du das noch nicht machst, diese Baustellen für dich aufzuarbeiten, das geht in solchen Abstands-Phasen eigentlich recht gut (bzw. weiß nicht, ob das allgemeingültig ist, bei mir war's halt so).

    Ich hatte schon mehrmals über Monate/Jahre keinerlei Kontakt zu meiner Mutter, mir hat nie was gefehlt und in der letzten, ca. 1 Jahr dauernden Nicht-Kontakt-Phase hab ich viel da dran gearbeitet. Aktuell krieg ich einen entspannten, regelmäßigen (ca. 1-2x/Monat) Kontakt hin und ich merke, auch bei meiner Mutter hat sich seither etwas verändert.
    Ich räume aber ein, dass ich ihr gegenüber immernoch auf der Hut bin und gesteht mir zu, wenn das nicht so weiterläuft, wie jetzt, mich ganz auszuklinken.


  9. Registriert seit
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    AW: Ich denke drüber nach, dauerhaft den Kontakt zu meiner Mutter abzubrechen

    Hallo aboluterfreak,

    ich gehöre auch zu denen, die den Kontakt abgebrochen haben. Das geht jetzt seit ca. einem Jahr. Meine Schwester und mein Vater akzeptieren es, meine Mutter meldet sich sporadisch zu oberflächlichen Telefonaten. Ich bin auch glücklich darüber, dass kein Kontakt besteht und vermisse nichts. So hart wie das klingt.

    Bei mir gibts allerdings auch Situationen, in denen ich mich noch hart tue damit umzugehen. Es gibt z. B. bestimmte Feiertage bei denen es bei meiner Mutter noch ein Anspruchsdenken gibt, dass ich den Tag mit ihnen verbringen müsse und zwar komplett so, wie sie es wollen. Wie der kommende Muttertag. An solchen Tagen muss ich schon mit mir selbst kämpfen nicht aus schlechtem Gewissen alles über Bord zu werfen. Es wird langsam besser, seitdem mir klar wurde, dass so ein schlechtes Gewissen durchaus bewusst erzeugt wird, um mich zu bestimmten Handlungen zu bringen. Seitdem mir das klar ist tue ich mich leichter mich abzugrenzen.

    Mir hat es geholfen ein soziales Umfeld aufzubauen, mit dem ich glücklich bin. Feiertage verplane ich frühzeitig mit Beschäftigungen, die ich mag, fahre oft sogar weg. Innerlich habe ich mich darauf eingestellt, dass immer mal wieder der Tag X kommt, an dem mir eine Forderungen entgegen gebracht wird oder man versucht bei mir ein schlechtes Gewissen zu erzeugen. Dafür braucht man eine Strategie um sich abzugrenzen... Dann wirds leichter.

  10. Avatar von Nichtnurmami
    Registriert seit
    07.03.2005
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    AW: Ich denke drüber nach, dauerhaft den Kontakt zu meiner Mutter abzubrechen

    Ich habe ES vor ca.3 Jahren getan, nach einer Phase voller Schuldgefühle und dem Hinterfragen der eigenen Anteile geht es mir seit gut zwei Jahren richtig gut und ich würde es heute mit dem Wissen von jetzt viel früher machen....
    Das Leben ist zu kurz, um schlechten Wein mit unsympathischen Leuten zu trinken, wobei ich beim Wein notfalls Kompromisse mache...

    R.I.P. Gerd, mein Cousin, mein Kindheitskumpel, mein Blödsinnskamerad, ich vermisse Dich!!!



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