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  1. Avatar von petsy
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    alte Eltern, zwischen Wur Mitleid und Verzweifelung,ich weiss nicht mehr weiter

    Hallo
    meine Mann und ich wohnen mit meinen Eltern(Vater96 Mutter 85)auf einem Grundstück.Da sie ja nicht mehr die jüngsten sind haben wir ihnen oft geraten,Vorsorge zu treffen,ins Erdgeschoss ihres Hauses zu ziehen,evlt. mal über eine Heimunterbringung nachzudenken,nichts ist passiert,ich habe lediglich Vollmacht auf den Konten.Durch eine schwere Erkrankung meines Vaters hat sich die Situation jetzt sehr verändert.Mein Vater wird es vielleicht überleben,wird aber ein Pflegefall werden.Meine Mutter ist nicht in der Lage die Pflege zu leisten sollte er doch wieder nach Hause entlassen werden.Ich vergehe vor Mitleid wenn wir meinen Vater im KH besuchen,er weint und will nach Hause,kann aber weder allein essen,sitzen stehen oder gehen.
    Mein Problem weiterhin ist meine Mutter die nichts mehr allein kann,wahrscheinlich in die Demenz abgleitet und die Situation verkennt und denkt es wird alles wieder gut.Ich verstehe mich schon lange nicht mehr mit ihr und kann sie nicht ertragen,ihr ungepflegtes Äusseres,Ihre Rechthaberei und die Manipulationsversuche,ihre Agressivität.Die Liebe zu meiner Mutter hat sich schon lange in Wut verwandelt.Bisher habe ich es ausreichend geschafft,mich abzugrenzen und mein Leben zu leben,das hat sie auch weitgehend akzeptiert.Ohne meinen Vater ist sie jetzt völlig hilflos und erwartet ständiges kümmern von mir.Tja,und nun sitze ich hier voll schlechtem Gewissen weil ich nicht alles leisten will was sie von mir erwartet.So habe ich ihr erklärt,dass ich sie nur jeden 2.Tag ins Krankenhaus zu meinem Vater bringen möchte,(da gibt es bei mir verschiedene Gründe)weiss aber auch dass sie gerne bei ihm wäre und das tut mir auch wieder leid.Und wieder die Frage.bin ich zu egoistisch?
    Ich hatte mir meine Rente anders vorgestellt und dieser innere Konflikt ,dazu noch die Krankheit meines Vaters und die Bürokratie bei den Pflegestellen belasten mich sehr.Ich könnte gut etwas Aufmunterung und Meinungsaustausch gebrauchen.
    Vielen Dank
    Let`s go, BG,let`s go


  2. Registriert seit
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    AW: alte Eltern, zwischen Wur Mitleid und Verzweifelung,ich weiss nicht mehr weiter

    Ganz einfach:
    Wenn deine Mutter dir die Ohren vollheulen kann, dann kann sie auch deinen Vater, ihren Mann, alleine im Krankenhaus besuchen. Mit den Öffis oder mit einem Taxi fährt sie dorthin und besucht ihn und fährt dann wieder zurück.

    Abgrenzen ist schwierig, weil sie beide merken, dass sie nicht mehr so können wie früher. Aber nach wie vor wollen sie alleine entscheiden. Dann müssen sie sich auch selbst um die Pflege kümmern.
    Das schreibt sich leicht als Außenstehende, ich weiß...
    "beinhalten" wird wie "halten" konjugiert, als "beinhält", und gehört zur Kategorie schlechtes Deutsch. Warum nicht "enthalten", "umfassen" oder "bedeuten"?

    Sorge dich nicht, lebe!




    Bunny Maja Lukas (14.2.)
    Maxi (3.3.2017)
    Bella (27.8.2018)

  3. Avatar von luftistraus
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    AW: alte Eltern, zwischen Wur Mitleid und Verzweifelung,ich weiss nicht mehr weiter

    Liebe petsy ,

    erst einmal

    Ich kann mich gut in deine Situation hinein versetzen, da ich es gerade zum dritten mal erlebe in der Familie.

    Nach den ersten 2x bin ich zusammen gebrochen, da ich über meine eigenen Grenzen hinaus agiert habe. Das schlechte Gewissen.... das Gefühl Verantwortung übernehmen zu müssen usw.

    Jetzt beim dritten mal, habe ich diese Gedanken immer noch. Aber fühle in mich hinein, wie weit ich gehen kann und auch möchte.

    Diverse Stellen (Sozialdienst, Krankenhaus usw) haben mir alle den gleichen Rat gegeben. Als erstes komme ich. Und nur wenn ich dann noch kann, helfen. Und sobald es nicht mehr geht, ist es keine Schande, dies deutlich zu kommunizieren.

    Wenn die Eltern das nicht verstehen ist das zwar bitter, aber spielt keine Rolle.

    Denn die eigenen Gesundheit leidet massiv mit der Zeit.

    Es gibt ganz tolle Angebote für ältere Menschen und Angehörige, die weit über den Pflegebedarf hinaus gehen.

    Wenn deine Mutter täglich ins Krankenhaus fahren möchte, soll sie das machen. Du bist aber nicht in der Pflicht sie täglich dort hin zu bringen.

    Taxi (und ehrenamtliche Helfer wenn nötig - z.B. Caritas) ermöglichen das auch ohne dich.

    Die Bürokratie für die Pflege ist eigentlich gar nicht so schlimm. Der Sozialdienst im Krankenhaus leitet alles in die Wege inkl. Schnelleinstufung und dann wird einige Wochen später der MDK einen Hausbesuch machen.

    Der Pflegedienst (Sozialdienst hilft auch hier weiter) hilft dir beim MDK Hausbesuch und mit den Unterlagen
    Man muss die Tatsache kennen, bevor man sie verdrehen kann
    Geändert von luftistraus (09.05.2019 um 01:44 Uhr)


  4. Registriert seit
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    AW: alte Eltern, zwischen Wur Mitleid und Verzweifelung,ich weiss nicht mehr weiter

    Fakt ist, dass Dein Vater ein Pflegefall ist und Deine Mutter dement.
    Du.musst für beide einen Pflegegrad beantragen und dann für Dich entscheiden welchen Anteil Du leisten kannst und willst und welcher von anderer Seite übernommen werden muss. Benötigt Dein Vater eine Rund-um-die -Uhr-Betreuung oder reicht es aus wenn ein Pflegedienst die Körperpflege und Essenszubereitung übernimmt. Wie sieht es mit Essen auf Rädern aus? Wärst Du bereit zB die Einkäufe zu übernehmen?
    Wenn Du mit Deinen Eltern auf dem gleichen Grundstück wohnst, musste Dir doch klar sein, dass irgendwann die Betreuung auf Dich zukommt. Die allerwenigsten Menschen bleiben bis ins hohe Alter komplett selbständig.
    Käme eine polnische Pflegekraft in Frage?
    Wie sehen die Eigentumsverhältnisse am Haus aus?
    Ich kann sehr gut verstehen, dass Du Dich zur Zeit überfordert fühlst und zwischen Wut, Mitleid und schlechtem Gewissen schwankst.
    Geh Schritt für Schritt vor.
    Kann Deine Mutter sich noch selber um ein Taxi kümmern bzw. könntest Du mit einem Taxidienst ausmachen, dass er an bestimmten Tagen Deine Mutter fährt? Das lässt sich doch alles organisieren.
    Das ungepflegte Erscheinungsbild und ihre Aggressivität ist ihrer Demenz geschuldet. Sie kann nichts dafür.
    Meine Mutter ist auch dement und ein Pflegefall. Es tut weh und ich muss mich auch manchmal überwinden -aber sie ist meine Mutter.

  5. Avatar von elli07
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    AW: alte Eltern, zwischen Wur Mitleid und Verzweifelung,ich weiss nicht mehr weiter

    petsy,

    es gibt vor Ort Beratungsstellen für pflegende Angehörige, da würde ich dringend einen Termin machen. Den Rat, einen Pflegegrad (für beide!) zu beantragen halte ich für sehr wichtig. Um die Bürokratie kommst du halt nicht rum.

    Gibt es im Krankenhaus deines Vaters keine dafür zuständige Person, die dich unterstützen kann ? Einen Heimplatz vermitteln z.B., erstmal als sog. "Kurzzeitpflege" ? Bei meiner Mutter gab es das seinerzeit (ist jetzt 2 Jahre her), sie hat mir sehr engagiert geholfen. Den Heimplatz bei mir vor Ort musste ich dann allerdings selber organisieren, da ich 100 km weit weg wohne, da war das Krankenhaus natürlich nicht zuständig. Aber die Kurzzeitpflege vor Ort hat mir zeitlich etwas Luft verschafft, ich habe vor Ort bei mir innerhalb von 4 Wochen einen vollstationären Platz gefunden. Die Person im Krankenhaus hat auch dafür gesorgt, dass der medizinische Dienst der Krankenkasse sehr schnell zur Begutachtung gekommen ist (normalerweise dauert das mehrere Wochen). Meine Mutter ist dement mit Pflegegrad 3.

    Wenn dein Vater ein Pflegefall ist, ist eine Pflegekraft aus Osteuropa nicht ausreichend (wobei ich deren Beschäftigung eh für mehr als fragwürdig halte, aber das nur am Rand), abgesehen davon bleibt an dir trotzdem viel an Aufwand hängen. Dazuhin müsstest du Pflegedienste organisieren.

    Wichtig wären an allererster Stelle Vollmachten deiner Eltern (nicht nur für die Konten), du brauchst eine Vollmacht, um z.B. Heimplätze zu organisieren. Da offenbar Immobilien im Spiel sind, wäre eine notarielle Vollmacht erforderlich. Damit ein Notar diese ausstellt, müssen die Eltern jedoch den Eindruck vermitteln, noch einigermaßen Herr der Lage zu sein. Ansonsten wird irgendwann eine Betreuung vom Amtsgericht bestellt, das ist doof und vor allem teuer.

    Du hast eine Verpflichtung den Eltern gegenüber, aber du musst dich nicht kaputtmachen. Lass dir nicht einreden, egosistisch zu sein. Meine Mutter hat sich mir gegenüber etliche Klöpse und Einmischungen rausgenommen, da muss ich mich jetzt nicht "aufopfern". Für sie sind alte Zeiten vergessen, sie ist glücklich in der Welt, in der sie jetzt lebt. Sie hat für mich in der Kindheit und Jugend getan, was sie konnte (im Rahmen ihrer Möglichkeiten), ich halte es umgekehrt jetzt genauso. Ich bin noch einige Jahre Vollzeit berufstätig.

    Versuche, nüchtern und sachlich die "Sache" anzugehen. Und das möglichst schnell. Ich wünsche dir viel Kraft.

    Gruß Elli
    Auf der höchsten Stufe der Freundschaft offenbaren wir dem Freunde nicht unsere Fehler, sondern die seinen (F. de La Rouchefoucauld, 1613-1680)

    Fürchte dich nicht vor einem großen Schritt. Mit zwei kleinen lässt sich keine Schlucht überwinden (David Lloyd George)
    Geändert von elli07 (09.05.2019 um 06:17 Uhr)

  6. Moderation Avatar von Margali62
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    AW: alte Eltern, zwischen Wur Mitleid und Verzweifelung,ich weiss nicht mehr weiter

    Sprich im Krankenhaus den Sozialdienst an. Die helfen bei der Einstufung / Beantragung Pflegegrad. (Das ist dann zunächst vorläufig.) So wie sich das liest, bietet sich, wenn das KH deinen Vater entlassen will und er nicht mehr nach Hause kann, zunächst ein Kurzzeitpflegeplatz an. Der Sozialdienst hilft dir dabei, hat Listen von Pflegeheimen zur Hand.

    Besprich in Ruhe mit deiner Mutter die Betreuung an.
    Moderatorin im Forum

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    Über das Kennenlernen
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  7. Registriert seit
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    AW: alte Eltern, zwischen Wur Mitleid und Verzweifelung,ich weiss nicht mehr weiter

    ja, Petsy, das ist jetzt die Realität.

    Was hast du gedacht? Ihr lebt seit Jahren eng zusammen und jetzt ist es halt soweit.
    Das war doch klar?
    Hast du das bisher alles verdrängt? Dachtest du, die fallen von selber tot um und aus?

    Versuche die schweren Emotionen von der Sachebene zu trennen.
    Als erstes ermächtigst DU DICH zum handeln. DU bist jetzt der Kapo im Laden.
    Du braucht nicht das Okay deiner Mama und nicht das des Papas. Die Zeiten sind vorbei.
    Du darfst es, du kannst es. Im Zweifelsfalle bekommen die Eltern einen bestellten Betreuer. Was nicht das schlechteste für Dich sein muss...

    Geh zu einer Beratungsstelle am Ort. Sozialdienst KH ist ein guter Hinweis.
    Der Papa muss ins Pflegeheim, die Mutter am besten gleich mit.
    Das musst DU entscheiden und anleiern. So wie die Eltern die Kinder im Kindergarten oder in der Schule anmelden.
    Die Rollen verkehren sich jetzt.
    Wenn du darauf wartest, dass deine Eltern das aus freien Stücken tun und selber organisieren, dann fehlt dir noch der Realitätsbezug zur Situation....
    Es würde vielleicht dein Gewissen erleichtern. Aber nur ganz vielleicht. Passieren wird das nicht.

    Hol dir also organisatorische Hilfe. Du bist nicht die erste und nicht alleine damit.
    Hast du Geschwister, die beistehen könnten? Oder ist das eine zusätzliche Baustelle? Unterstützt dich dein Mann?

    Zu deinen Gefühlen: Die sind ganz normal und es wird für dich gute Gründe geben, sie zu haben. Sonst hättest du sie nämlich nicht!
    Es ist total okay, so zu fühlen. Versuche, durch Unterstützung von anderen, durch gute Organisation und durch eine Portion Egoismus deine Emotionen nicht noch negativer werden zu lassen.

    Alles Gute

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