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    smile Schwieriger Kontakt mit der Mutter

    Guten Abend,

    ich habe etwas überlegt ob ich einen Post zu dem Thema schreiben will und habe mich nun dazu entschieden.

    Davon erhoffe ich mir ehrliche Meinungen.

    Zu mir: Ich bin eine Frau Mitte 20, die aus "schwierigen Verhältnissen" kommt. In meiner Familie bin ich die Erstgeborene und ich habe eine 2 Jahre jüngere Schwester. Mein Vater war alkoholabhängig, es gab viel Streit zu Hause. Nun ist es so, dass mein Vater seit Jahren trocken ist und Schuldgefühle hat, was sich darin äußert, dass er zB finanziell sehr spendabel ist (was meinerseits nicht gefordert wird, im Gegenteil) und sich zum anderen sehr nett und fast schon demütig verhält.

    Momentan habe ich mit ihm ein einigermaßen gutes Verhältnis. Eine Vaterfigur sehe ich in ihm bis heute nicht, viel mehr fühle ich mich, als ob ich ihm Ratschläge geben muss.

    Dazu muss ich sagen, dass zwischen mir und meinen Eltern eine Räumliche Distanz herrscht. Ich habe recht früh erkannt, dass ich nicht so weiterleben kann (damals, als es akute familiäre Probleme gab). Seit meinem Studium bin ich weg und mir hat es gut getan.

    Das Verhältnis zu meiner Mutter war immer schwierig. Erst im Rückblick und mit einer gewissen Distanz kann ich dieses Verhältnis nüchtern analysieren. Ich bin mir nicht sicher, ob sie Übermutter-Aspekte hat, aber sie wirkte oft sehr "besorgt". Ich kann mich an eine Situation in der Kindheit erinnern, als mich ein Junge mit einem Luftaufgeblasenem "Schwert" geschlagen hat... Natürlich tat dies nicht weh aber meine Mutter reagierte sehr hysterisch. Jahre Später, als ich mit ca 12-13 einen Konflikt mit einer Mitschülerin hatte, meinte meine Mutter, sich in diesen Konflikt einmischen zu müssen und die Mitschülerin konfrontieren zu müssen.

    Dies war mir sehr peinlich und ich brach den Kontakt zur Mitschülerin ab. Erst in den Jahren fiel mir die Hysterie meiner Mutter auf. Selbst meiner Schwester fiel auf, dass sich meine Mutter sonderlich auf mich fixierte. Ständig kontrollierte sie, wann ich in WhatsApp online war. (Wohlgemerkt war ich bereits erwachsen und ausgezogen). Sie meinte, ich könne bei einem "Jungen" sein und schrie hysterisch meine Schwester an, ob sie wisse wo ich verbleibe.

    Meinem Ex-Freund hatte sie auf Facebook angeschrieben und meinte, dass sie es schade findet, dass unsere Beziehung zu Ende ist. Dies natürlich sehr ausführlich und hinter meinem Rücken. Das fand ich schon ziemlich doof, da ich zu dem Zeitpunkt auch erwachsen war und ich mir nicht wünsche, dass sich jemand in meine Beziehungen einmischt.

    Wenn ich Streit mit einer Freundin habe, fragt sie auch nach und will mir Tipps geben und kann einfach nicht akzeptieren, dass ich ihre Ratschläge nicht hören will. Ich habe ihr bereits gesagt, dass ich mir von ihr keine Beziehungstipps wünsche, da sie mit ihrer kaputten Ehe, unter der ich jahrelang gelitten habe, sich wohl nicht als "coach" darstellen sollte.

    Wenn ich sie kritisiere, wirft sie mir vor, nur das Negative in ihr zu sehen und mich nur an die negative Aspekte in der Kindheit zu erinnern. Es gäbe ja auch schönes aus meiner Kindheit. Auch bezeichnet sie mich gelegentlich als undankbar. Sie hat mir zB ungefragt Beziehungstipps etc geschickt, was mich auch einfach nervt.

    Meinen jetzigen Partner hat sie auch angeschrieben. Mein Fehler war, dass die beiden die Nummern von einander haben, dies weiß ich mittlerweile. Irgendwann hat mir ihr verhalten gereicht und ich habe mich zurückgezogen. Daraufhin wieder eine Mitleidstour von wegen "Warum meldest du dich nie?" und "Ich mache mir Sorgen".

    Ich bin auch kein Empathieloser Mensch und habe nachgegeben und angerufen und war nicht mehr "nachtragend". Aber jedes mal, wenn ich was anvertraut habe, hat sie mein Verhalten mit eben solchen Aktionen (Freund anschreiben, sich in Beziehungen einmischen, etc.) missbraucht. In den Jahren hat sie mich auch körperlich misshandelt, aber das darf ich ja auch nicht kritisieren denn "was geschehen ist, ist geschehen" und sie habe ja als Kind auch Gewalt erlebt und "stelle sich ja nicht so an".

    Nun habe ich das Gefühl, dass sie einfach Drama braucht, denn selbst wenn ich gut gelaunt bin und ihr was erzählen wollte, hat sie es immer nieder gemacht. (ZB "Ich habe heute ein Leckeres Eis gegessen" --> "Zucker ist schädlich, der führt zu Krebs").

    Ihre eigene Schwester hat zu ihr den Kontakt auf ein Minimum heruntergefahren, aber angeblich ist ihre Schwester auch die "Böse" und Herzlose.

    Ich möchte nicht gerne den Kontakt abbrechen, aber ich habe auch kein Bock mehr auf jahrelanges Drama. Ich habe ihr geraten sich ein Hobby zu suchen, in der Hoffnung, dass sie sich nicht mehr auf mich fokussiert. Auch habe ich ihr geraten, zum Psychologen zu gehen. Dabei meine ich das nicht böse, denn Ich selber bin in Therapie und es tut mir gut.

    Jegliche Kritik prallt aber ab und sie wechselt wieder in die Mitleidstour ("Alle sind perfekt außer mir?", "Wenn ich sterbe, hast du deine Ruhe" etc).

    Ich komme mir manchmal vor, als würde ich mit einem Kleinkind oder - sorry- minder intelligentem Menschen reden. Denn sie versteht einfach 0 meinen Standpunkt.

    Auch ich habe meine Sorgen und Probleme, aber ich brauch nicht zusätzlichen familiären Ballast, zumal ich schon viel in der Kindheit durchgemacht habe.

    Ich bin zur Meinung gekommen, dass meine Mutter das Drama irgendwie braucht. Als ich glücklich war über meine Beziehung, kam von ihr nix. Kein Interesse an meinem Partner, sie schien das Thema abzublocken. Als es Probleme gab, stürzte sie sich drauf und spielte sich als "Lebensberater-Guru" auf, indem sie meinem Freund schrieb "lass den Kopf nicht hängen", oder "es kommen bessere Zeiten", etc.

    Selbiges Verhalten zeigt sie bei ihrer Herkunftsfamilie und will dort über vieles bestimmen. Als ich mal meinte, dass ich sie nicht brauche, ist sie ausgerastet und hat mich verprügelt. (Dies war vor ca 4 Jahren)

    Dieses Jahr habe ich eine Freundin nach Hause eingeladen und sie bezeichnete mich als asozial, da ich noch nichts zum essen vorbereitet habe (wir kaufen uns meist spontan was zu essen und kochen zusammen).

    Hier meinte sie auch, sich als die "gebrauchte" und Übermutter aufzuspielen, indem sie für mich und meine Freundin kochte und uns vorm Fernseher mit Brötchen etc bediente.

    Meine Eltern gehen keine Hobbys nach und haben Weltverschwörer-Tendenzen. Sie sind nicht sonderlich interessiert an Büchern etc. Meine Schwester und ich sind ihr einziger Inhalt, ansonsten scheinen sie sich selbst aufgegeben zu haben.

    Oft wurde von mir erwartet, zwischen den Elternteilen zu vermitteln. Sei es in der Kindheit, als sich meine Mutter bei mir über meinen Vater ausheulte (indem sie wortwörtlich zu mir in mein Bett kam und hysterisch geweint hat, wobei sie mir erzählte, wie gemein mein papa sei). Damals war ich ca 10 und auch heute noch versucht sie ihren Frust über meinen Vater bei mir abzuladen.

    Sorry für den Zusammenhangslosen Text aber ich hoffe trotzdem auf Antworten.

  2. Avatar von Malaita
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    AW: Schwieriger Kontakt mit der Mutter

    Einen allumfassenden Rat kann ich dir nicht geben. Es ist ja schlimm mit deiner Mutter

    Ich verstehe allerdings nicht, dass du ihr Dinge anvertraust, obwohl du weißt, welche Aktionen sie anschließend macht.
    Ich würde auch keine Freundin zu euch nach Hause einladen, wenn deine Mutter so reagiert. (Irgendwie hatte ich gelesen, dass du nicht mehr bei deinen Eltern wohnst - oder irre ich mich?)


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    AW: Schwieriger Kontakt mit der Mutter

    Ich vertraute ihr Sachen "beiläufig" an, da wir nicht nur Smalltalk geredet haben oder übers Wetter. Immer wieder mit meiner Hoffnung, sie würde sich ändern. Aus dem Grund hatte ich die Freundin in mein Elternhaus eingeladen, da sie meine Heimatstadt sehen wollte und ich mir dachte, meine Mutter hätte sich im Griff.

    Ich denke nun auch, dass ich entweder nur total nüchtern mit ihr reden kann (Wie gehts? --> Alles ok) und nur banale Themen besprechen werde oder eben den Kontakt vorerst einstelle. Ich sehe da keine andere Lösung, da eine normale Kommunikation nicht möglich ist.

  4. Avatar von Malaita
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    AW: Schwieriger Kontakt mit der Mutter

    Ich muss mal noch ergänzen: ich war es fast seit Kindesbeinen an gewöhnt, meiner Mutter Details, die mein Privatleben (ich nenne es mal so) betreffen, zu verschweigen. Sie hat zwar nicht so krass reagiert wie deine Mutter, aber ein Vertrauensverhältnis konnte ich aus verschiedenen Gründen auch nicht aufbauen.
    Es ist zwar alles andere als schön, wenn man nicht alles erzählen kann, aber es ist der Weg des geringsten Widerstandes und weitaus angenehmer, als wenn sie sich in alles reinhängt.


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    AW: Schwieriger Kontakt mit der Mutter

    Hallo TE,

    das klingt alles recht anstrengend. Erfahrungen habe ich mit über-griffigen Müttern ebenfalls, die Lösung schlechthin habe ich bis dato aber auch noch nicht gefunden.

    Die Frage ist: Ist die Belastung durch den Kontakt zu deiner Mutter bei dir größer als es durch einen Kontaktabbruch wäre? Oder ist es doch anders herum?

    Bei mir tendiert es mal hierzu, mal dazu. Ab und an helfen Kontaktabbrüche für einige Monate, danach läuft es für einige Zeit etwas besser. Irgendwann schleicht sich das alte Muster wieder rein, was wieder zu Kontaktabbrüchen führt. Das ist für mich momentan die beste Lösung.

  6. Avatar von Malaita
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    AW: Schwieriger Kontakt mit der Mutter

    Zitat Zitat von weissersand Beitrag anzeigen
    Ich vertraute ihr Sachen "beiläufig" an, da wir nicht nur Smalltalk geredet haben oder übers Wetter. Immer wieder mit meiner Hoffnung, sie würde sich ändern. Aus dem Grund hatte ich die Freundin in mein Elternhaus eingeladen, da sie meine Heimatstadt sehen wollte und ich mir dachte, meine Mutter hätte sich im Griff.

    Ich denke nun auch, dass ich entweder nur total nüchtern mit ihr reden kann (Wie gehts? --> Alles ok) und nur banale Themen besprechen werde oder eben den Kontakt vorerst einstelle. Ich sehe da keine andere Lösung, da eine normale Kommunikation nicht möglich ist.
    Inzwischen weißt du, wie sie ist und reagiert. Dass sie auch in freudigen Ereignissen einen negativen Aspekt sucht. Das kannst du versuchen, wegzustecken und nicht ernst zu nehmen.
    Du kannst aber nicht davon ausgehen, dass sie sich so einfach ändern wird.


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    AW: Schwieriger Kontakt mit der Mutter

    Zitat Zitat von weissersand Beitrag anzeigen
    Ich denke nun auch, dass ich entweder nur total nüchtern mit ihr reden kann (Wie gehts? --> Alles ok) und nur banale Themen besprechen werde oder eben den Kontakt vorerst einstelle. Ich sehe da keine andere Lösung, da eine normale Kommunikation nicht möglich ist.
    Meine Mutter ist viel harmloser als Deine, aber eben auch der Typ "überbehütend" (ja, auch mit fast 50 fragt sie mich noch, wenn ich zu Besuch bei ihr war, ob ich meine Fahrkarte habe z. B.) mit einer Neigung, alles ins Negative zu ziehen. Deshalb kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass das die beste Lösung ist. Banale Themen, und nicht zu viel aus dem Privatleben verraten. Vor allen Dingen nichts erzählen, was nicht rund läuft. Und wenn Du was Positives erzählst, nicht persönlich nehmen, wenn sie das dann schlecht macht oder so.


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    AW: Schwieriger Kontakt mit der Mutter

    Zitat Zitat von Tigerente Beitrag anzeigen
    Meine Mutter ist viel harmloser als Deine, aber eben auch der Typ "überbehütend" (ja, auch mit fast 50 fragt sie mich noch, wenn ich zu Besuch bei ihr war, ob ich meine Fahrkarte habe z. B.) mit einer Neigung, alles ins Negative zu ziehen. Deshalb kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass das die beste Lösung ist. Banale Themen, und nicht zu viel aus dem Privatleben verraten. Vor allen Dingen nichts erzählen, was nicht rund läuft. Und wenn Du was Positives erzählst, nicht persönlich nehmen, wenn sie das dann schlecht macht oder so.
    Vielen Dank für alle Antworten bisher! Ich habe mich von meiner Mutter distanziert und fühle mich soweit ziemlich gut damit. Schuldgefühle sind nicht wirklich da, damit hatte ich mal zu kämpfen. Ich breche den Kontakt nicht komplett ab, aber ich reduziere ihn und melde mich von mir aus nicht. es fühlt sich befreiend an, nicht aus lästigem Pflichtgefühl zu handeln.


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    AW: Schwieriger Kontakt mit der Mutter

    Schön, dass du entspannter zu sein scheinst!

    Ich frage mich gerade aber noch, warum man es nicht persönlich nehmen soll, wenn selbst positive Ereignisse negativ geredet werden. Ich empfinde das schon als persönlich. Als würde mir etwas nicht gegönnt werden und das ist doch höchstpersönlich gemeint. Ernsthafte Frage!

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