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  1. Registriert seit
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    Mein Sohn zieht aus und ich bin raus..

    Hallo,

    in der kommenden Woche wird mein Sohn mit seiner Freundin zusammenziehen. Er ist 22 Jahre alt und hat bisher zu Hause gewohnt, es ist also seine erste eigene Wohnung.
    Grundsätzlich ist alles gut: er macht gerade eine kaufmännische Ausbildung, seine Freundin hat auch eine abgeschlossene Ausbildung und einen guten Job, die Wohnung ist nur 10 km von uns entfernt, ganz neu und richtig schön (bisher habe ich nur Fotos gesehen).

    Wir haben turbulente Zeiten hinter uns: von dem Vater meiner beiden Söhne habe ich mich 2016, nach 19 Jahren Ehe, scheiden lassen und lebe mit meinem neuen Partner und meinen beiden Jungs (der jüngere ist 20 Jahre alt) in unserem Haus.
    Mein großer Sohn ist nach der Scheidung schulisch sehr abgerutscht und hat letztendlich das Gymnasium nach dem ersten Halbjahr der 12. Klasse verlassen. Die folgenden zwei Jahre waren schwierig, weil er nicht so recht wusste, was er machen soll und phasenweise auch keine Lust hatte, irgendetwas zu tun.
    Ich habe mich sehr für ihn eingesetzt, ihm Vorschläge gemacht und ihm immer wieder signalisiert, dass "nichts tun" keine Option ist. Er hat dann zunächst ein paar Monate in einer Bäckerei gejobbt, anschließend ein freiwilliges soziales Jahr bei einem Rettungsdienst gemacht, im letzten Jahr mit seiner Bankausbildung angefangen und kurz darauf seine Freundin kennengelernt.
    Jetzt ist also alles auf einem guten Weg und ich glaube, er ist glücklich und zufrieden.
    Es war allerdings in der Zeit nicht alles harmonisch zwischen uns, da ich ihn immer wieder versucht habe zu motivieren und ihn damit teilweise auch unter Druck gesetzt habe.
    Es war mir wichtig, dass er weiterkommt, sich nicht hängen lässt, eine gute berufliche Perspektive hat und sein Leben in den Griff bekommt.
    Meinen Sohn hat das alles natürlich oft genervt und er war phasenweise auch bis spät abends mit Freunden unterwegs, um meinem Druck zu entgehen.
    Selbst in den letzten Monaten, als klar war, dass er seinen Weg geht und sich alles zum Positiven entwickelt hatte, kam ich aus dem "Steuern und Regeln" gar nicht mehr heraus. Er hat z. B. wenig für die Berufsschule gemacht und ich habe ihn direkt wieder zu Rede gestellt, anstatt ihm endlich mal selbst die Verantwortung für alles zu überlassen und mich zurückzunehmen.

    Nun steht sein Auszug unmittelbar bevor und ich hatte natürlich mehrfach angeboten, beim Umzug zu helfen. Bisher hat sich mein Sohn nur vage geäußert, heute wurde er aber sehr deutlich: er wird das Ganze mit seinem Vater und seiner Freundin (und ich glaube, auch mit deren Mutter und Lebensgefährten) durchziehen, mich (und ggf. meinen Lebensgefährten) möchte er nicht dabei haben.
    Er hätte mich zwar lieb, ich sei für ihn in der Situation aber nur ein "Stressfaktor". Wenn alles fertig sei, könne ich gerne vorbeikommen und die Wohnung anschauen.
    Das hat mich sehr getroffen! Ich bin ohnehin traurig, dass mein Sohn auszieht, obwohl ich mich für ihn freue, dass alles so perfekt ist. Ich wünsche ihm wirklich nur das Beste und möchte, dass er glücklich ist!
    Trotzdem hätte ich ihm so gerne geholfen und am Umzug teilgenommen, um ihn auf den letzten Schritten in ein eigenständiges Leben zu begleiten. Nun fühle ich mich eher wie ein lästiges Übel, das er nun endlich loswerden kann.

    Vielleicht sehe ich das zu egoistisch, aber ich glaube, ich falle gerade in ein tiefes Loch! Ich liebe meine beiden Kinder sehr und würde alles für sie tun. Ich vermisse meinen Sohn jetzt schon und sein Auszug fällt mir nicht leicht, aber seine Ablehnung in dieser Situation macht alles noch um ein Vielfaches schlimmer für mich. Ich weiß, dass ich ihm das natürlich nicht sagen darf und habe nun überlegt, möglichst nicht zu Hause zu sein, wenn er mit seinem Vater und seiner Freundin seine Sachen hier abbaut und herausträgt. Am Ende stehe ich in Tränen aufgelöst daneben und das darf auf keinen Fall passieren!

    Wie schätzt Ihr das Verhalten meines Sohnes ein und wie soll ich mich verhalten? Und wann tut es nicht mehr weh? Ich mache mir so große Vorwürfe, dass ich vielleicht eine schlechte Mutter war und bin... :-(

    Liebe Grüße
    Sonnenblume147

  2. Moderation Avatar von Flau
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    AW: Mein Sohn zieht aus und ich bin raus..

    Hallo Sonnenblume

    Also, ohne jetzt selbst Erfahrung mit genau so einer Situation zu haben - weder als Kind noch als Mutter - hoert sich das fuer mich alles ziemlich normal an. Von den turbulenten Zeiten des Erwachsen-Werdens Deines Sohnes bis hin zu Deinem "Empty-Nest"-Syndrom. Dein Sohn musste und ist (ge)wachsen, wird erwachsen, lernt, sein Leben selbst zu steuern. Ganz genauso musst Du in Deiner Mutterrolle weiterwachsen und die Art, in der Du ihn begleitest, anpassen. Das ist doch alles ein Prozess.
    Mich erstaunt immer wieder der Anspruch, Eltern haetten am 18. Geburtstag / zum Schulabschluss / zum Ausbildungsabschluss ... ihrer Kinder aufzuwachen und den Schalter von "Versorgen und Behueten" umzulegen auf "Erwachsenenbeziehung". Genauso, wie Du Deinen Sohn als 6-Jaehrigen nicht wie ein Kleinkind, und als 16jaehrigen nicht wie einen Grundschueler behandelt hast, so waechst Du jetzt auch in sein Erwachsenleben hinein. Genauso wie er ja auch. Wie gesagt, dass ist ein Prozess, und dass der nicht von heute auf morgen abgeschlossen ist, ist in Ordnung so.

    Dazu gehoert Dein Abschied Nehmen. Dazu gehoert, dass Du ihn zunaechst vermisst. Ihr geht offenbar respekt- und liebevoll miteinander um. Dein Sohn konnte Dir respekt- und liebevoll sagen, warum er Dich beim Umzug nicht, in seinem weiteren Leben aber schon dabei haben will. (Das ist doch auch ein tolles Zeugnis fuer Deine Erziehung, meinst Du nicht?). Du bist zwar jetzt gerade ein bissl traurig, aber trotzdem stolz auf sein Erwachsen-Werden und bereit, ihn altersgemaess loszulassen.

    Klingt alles ok fuer mich. Erlaube Dir Deine Gefuehle. Mach weiter so, Deinen Sohn liebevoll in die Welt zu entlassen. Ich sehe keinen Grund, warum sich das nicht bald "eingrooven" wird.
    Moderatorin im Forum Über Treue und Lügen in der Liebe, Politik und Tagesgeschehen, Was bringt Sie aus der Fassung?, Medizinische Haarprobleme und Zähne


    [Damals] wurde weniger Geschiss gemacht und insgesamt war alles besser. Was an den Müttern lag. Denen von damals. Wenn sie ihren Kindern doch bloß [...] noch beigebracht hätten, wie man Kinder erzieht.
    Userin Minstrel02 im Forum Erziehung

  3. Moderation Avatar von Margali62
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    AW: Mein Sohn zieht aus und ich bin raus..

    Sonnenblume, vielleicht ist es wirklich besser, du gehst zu der Zeit mit einer Freundin Kaffee trinken. Stell deinem Sohn eine Flasche Sekt, einen Kasten alkoholfreies Bier und einen Kasten Wasser hin. "Wenn alles fertig sei, könne ich gerne vorbeikommen und die Wohnung anschauen. " Das liest sich doch völlig ok!

    Eine neue Phase setzt ein. Lass ihn ziehen.
    Moderatorin im Forum

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    Reine Familiensache

  4. Avatar von AweSomeOne
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    AW: Mein Sohn zieht aus und ich bin raus..

    Klar ist da ein bisschen Wehmut dabei, wenn Kinder das Haus verlassen. Da darf man auch schon mal ein bisschen traurig sein.

    Aber auch wenn du das im Moment nicht so siehst:

    Du hast doch offensichtlich alles richtig gemacht! Und darauf darfst du stolz sein!

    Da ist ein selbstbewusster junger Mann, der für sich einsteht und dir im Guten und vernünftig sagt, was er will.

    Der gemerkt hat, was für ihn gut und wichtig ist.

    Der dir frühzeitig eine Grenze setzt und auch setzen darf, wo du ein bisschen über das Ziel hinausschießt.
    Und zwar bevor euer Verhältnis so zerrüttet ist, dass gar nichts mehr geht.

    Er ist so wie er ist. Du sagst ja selbst, dass nun alles gut aussieht. Und daran hast du doch großen Anteil.
    Darauf kannst du doch stolz sein.

    Mach dir das nicht kaputt, indem du nun beleidigt reagierst.

    Es ist sein Umzug. Er darf bestimmen, wer dabei sein soll und wer nicht.
    Er kennt dich ja nicht erst seit heute und wird schon wissen, warum er dich lieber nicht dabei haben will.
    Es gibt Menschen, die allein durch ihre Anwesenheit Unruhe verbreiten. Ohne es böse zu meinen.

    Und wenn er dich lieber in die fertige Wohnung einlädt, dann ist das doch auch gut.
    Freu dich lieber auf eine entspannte Einweihungsparty.
    'Every saint has a past, and every sinner has a future.'
    — Oscar Wilde —


  5. Registriert seit
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    AW: Mein Sohn zieht aus und ich bin raus..

    Ach Sonnenblume...
    nimm es ihm nicht übel.

    Nicht falsch verstehen, du willst sein bestes und willst ihn unterstützen. Das ist gut gemeint.
    Aber für ihn Streß. Und Streß ist - ein lästiges Übel 🙂.

    Dein Sohn hat Dir damit deutlich gesagt, dass er genug von deiner Unterstützung hat. Er will das jetzt mal ohne dich durchziehen und hinkriegen. Vielleicht, um sich und Dir zu beweisen, dass er es kann.

    Ich kenne das von meiner Freundin, die ihren Kindern permanent bei allem und jedem zur Hand gehen will, was abnehmen, was übernehmen will. Sie meint es von Herzen gut, aber ihre Kinder sind davon schwer genervt. Mit Mitte dreißig wollen die tatsächlich nicht mehr Mutti vorschicken 😉.

    Dein Sohn ist an dem Punkt, wo du ihn in die Eigenverantwortung entlassen musst.

    Du hast dein bestes gegeben, er scheint auf einem guten Weg zu sein.

    Nimm dich zurück, lehn‘ dich zurück und lass ihn machen.
    Und freu dich, wenn‘s läuft.

    Das fällt schwer, mir ging es auch nicht anders. Mittlerweile bin ich froh, mich um die Belange der großen Kinder nicht mehr kümmern zu müssen.

  6. Avatar von Nocturna
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    AW: Mein Sohn zieht aus und ich bin raus..

    Dein Sohn klingt nach einem prima Kerl und er ist auf einem guten Weg. Nimm die Sache mit dem Auszug nicht persönlich, das meint er nämlich nicht verletzend. Ich finde es im Gegenteil einen guten Schachzug von ihm, den Vater für den Umzug einzuspannen. Du hast bisher den schwierigen Part gemanagt, nun lass mal den Vater die Kisten und Schränke schleppen und zusammenbauen, schließlich ist das ein Männerdingens.

    Dein Sohn will sich abnabeln und er muss sich auch was beweisen. Er wird deswegen den Umzug selbst organisieren und sich sein Nest mit seiner Freundin einrichten ganz ohne dein Zutun. Das ist in Ordnung. Wenn dann alles repräsentativ genug ist, wirst du eingeladen und er erwartet Bewunderung für alles. Tu ihm den Gefallen!
    "Es ist oft produktiver, einen Tag lang über sein Geld nachzudenken, als einen Monat für Geld zu arbeiten.”

  7. Avatar von linsemo
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    AW: Mein Sohn zieht aus und ich bin raus..

    Du wirst ihn unter Druck gesetzt haben und das will er beim Umzug nicht. Er hat seine Leute, die ihm helfen, dann laß ihn. Wenn die Wohnung fertig ist, dann kannst du gucken und dann läßt du es sein mit Ratschlägen und andere unter Druck setzen. Was ist denn an einem Umzug so spannend?
    Und immer wenn wir lachen, stirbt irgendwo ein Problem.
    Dornröschen hätte gar keinen Prinzen gebraucht, nur einen starken Kaffee
    Friedvoll zu sein bedeutet, von Erwartungen frei zu sein und nichts von anderen zu wollen.
    Wenn du jemand anderem vergibst, dann tust du dies deinetwegen, nicht weil der andere das verdient. (Doris Wolf, Psychotherapeutin)


  8. Registriert seit
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    AW: Mein Sohn zieht aus und ich bin raus..

    Wow, vielen lieben Dank Euch allen!! Eure Worte helfen mir gerade sehr und es geht mir schon ein bisschen besser! Ich kann jetzt auch die positiven Aspekte an der ganzen Sache sehen und werde den Rat befolgen, mich guten Gewissens in den nächsten Tagen ein bisschen zurückziehen. Manchmal steckt man in seinen Gefühlen und Gedanken so fest, da ist es gut, mal andere Sichtweisen zu hören bzw. zu lesen.

    Ich habe vorhin auch noch mit meinem Sohn telefoniert und ihm gesagt, dass ich ihn verstehe und es in Ordnung für mich ist, dass er den Umzug mit seinem Vater macht. Er soll natürlich kein schlechtes Gewissen haben und mit einem guten Gefühl umziehen und sich auf sein neues Leben freuen! Wir hatte ein wirklich gutes Gespräch und ich glaube, beide Seiten sind jetzt wesentlich entspannter. :-)
    Es wird für mich sicherlich noch Tage geben, an denen ich ihn vermisse und traurig bin, aber ich denke, das ist normal und ich werde mich im Laufe der Zeit an die neue Situation gewöhnen.

    Nochmals ganz lieben Dank für Eure Antworten!

  9. Moderation Avatar von Margali62
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    AW: Mein Sohn zieht aus und ich bin raus..

    Ist immer Wehmut im Spiel, wenn die Kids flügge werden.
    Moderatorin im Forum

    Trennung und Scheidung,
    Kredite, Schulden und Privatinsolvenz,
    Über das Kennenlernen
    Reine Familiensache

  10. Avatar von linsemo
    Registriert seit
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    AW: Mein Sohn zieht aus und ich bin raus..

    Super

    Das wird schon, ist eine Veränderung.
    Und immer wenn wir lachen, stirbt irgendwo ein Problem.
    Dornröschen hätte gar keinen Prinzen gebraucht, nur einen starken Kaffee
    Friedvoll zu sein bedeutet, von Erwartungen frei zu sein und nichts von anderen zu wollen.
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