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    Problematische Konstellation: narzisstische Mutter und ich als einzige Angehörige

    Hallo erst mal, ich bin neu hier, lese aber schon seit längerem still mit, und habe mich jetzt angemeldet, weil ich hoffe, dass ich hier einige hilfreiche Ratschläge in einer bestimmten Situation erhalte. In den Threads, wo ich bislang mitgelesen habe, kamen doch immer sehr nützliche und gute Tipps, die mir schon allein beim "stillen'" Mitlesen oft sehr weitergeholfen haben.

    Ausgangssituation ist eine, die viele hier kennen: eine dysfunktionale Famillie, eine narzisstische Mutter, emotionale, psychische und auch pysische (Schläge) Grenzüberschreitungen mir gegenüber von klein auf, ein nicht narzisstischer, aber von seiner Frau abhängiger und immer auf ihrer Seite stehender Vater, ein Selbstmordversuch mit 19 von mir, weil ich überzeugt war, nicht lebenswert und niemals liebenswert zu sein. Soweit die Vorgeschichte. Ich bin rausgekommen aus dem Ganzen, habe überlebt und - wie ich es für mich nenne - den Weg in die Freiheit, in meine persönliche Freiheit gefunden, wenn auch mit noch jahrzehntelangen Problemen bei jedem Kontakt mit den Eltern, vor allem mit meiner Mutter, die sich aber für mich soweit in Grenzen gehalten haben, dass ich zwar jede Begegnung als hochgradigen Stress empfand, aber sonst mich gut abgrenzen konnte.

    Ihr kennt das ja teilweise selber: Weihnachten, Geburtstage, usw. jedesmal Stress pur, dann ein, zwei Tage (oft nicht mal so lange) Grübeln und Traurigkeit, warum das alles so ist und sein muss, Abschütteln, normal weiterleben.

    Nun ist mein Vater, 87 Jahre alt, letzten April gestorben. Zusammenbruch, echte Grippe, schwere Lungenentzündung, Nierenversagen, alles sehr dramatisch. Er hat sich davon nochmals ein wenig erholt und es überlebt, nur um zu erfahren, dass er akute Leukämie hat. An der ist er dann sechs Wochen später ziemlich qualvoll gestorben. Ich habe meine Mutter in dieser sehr schweren Zeit auf eine Art und Weise erlebt, die sogar ich, die ich seit klein auf unter ihr gelitten habe, nicht für möglich gehalten hätte. Das aber näher zu erzählen würde hier jetzt zu weit gehen, zumal mein Problem ein anderes ist. Aber man muss diese Ereignisse wissen, um das Folgende einigermaßen zu verstehen.

    Meine Mutter lebt im betreuten Wohnen in einer großen Wohnung eines luxuriösen Seniorenzentrums. Mein Vater hat ihr viel Geld hinterlassen (an die 200.000.- Euro). Sie hat mir ein paar tausend Euro als "Erbe" ausbezahlt, ich war so naiv, auf das Ausstellen eines Erbscheins zu verzichten, weil mir der Tod meines Vaters sehr nahe gegangen war und ich weder um Geld streitenwollte noch zu der Zeit irgendwie einen Kopf dafür hatte. Sie hat mir erzählt, wieviel ich laut Papa kriegen sollte, hat das aber einfach beiseitegewischt und gemacht, wie sie wollte. Mir ist das soweit ziemlich egal, denn es ist Papas Geld (sie hat nie gearbeitet), nicht meines, und von mir aus kann sie sich wie Dagobert Duck draufsetzen und es toll finden.

    Aber - jetzt kommt das Problem - meine Mutter verhält sich mittlerweile mir gegenüber ganz ungeniert so, wie es wohl immer schon war: sie ignoriert mich weitgehend als Tochter, verhält sich bei jedem Besuch, jedem Anruf (ich habe den Kontakt zu ihr nicht abgebrochen) extrem gleichgültig, mißachtend und verletztend, und hält es nicht mehr für nötig, sich zu verstellen. Sie ist 82 Jahre alt, wiegt nur noch 43 kg, hat Diabetes usw., wird aber einigermaßen gut in ihrer Seniorenresidenz umsorgt. Mich will sie nie für irgendeine Hilfe haben, lehnt sie sogar explizit ab, ruft mich nie an, informiert mich über nichts. Jammert aber mit Leidensmiene darüber, dass ich so wenig Zeit für sie habe und immer furchtbar beschäftigt bin (ich arbeite Vollzeit, das ist alles), und erwartet von mir ein bestimmtes, unterwürfiges Verhalten, wenn ich sie besuche: nie widersprechen, alles an ihr und bei ihr toll finden, Beleidigungen hinnehmen usw. Als ich letztes Jahr am Muttertag keine Blumen geschickt habe, sondern "nur" eine Karte, gab es eine dramatische Szene mit lautem Seufzen, sie sei nun darüber hinweggekommen, dass ich sie vergessen habe (hatte ich ja gar nicht) . Na ja, das ganze übliche narzisstische Theater halt, wie ich es seit klein auf von ihr kenne.

    Sie hat mir nach dem Tod meines Vaters eine Kontovollmacht und Pflegevollmacht ausgestellt, ich habe Zugang zu ihrem Konto, habe aber diesen Zugang noch nie genützt, noch nicht mal die EC-Karte ausgepackt. In meinen Augen habe ich die Vollmacht nur für einen absoluten akuten Notfall. Nun hat sie schon ein paar Mal erwähnt, wenn ich mich "so aufführen" würde, nämlich nicht mehr auf ihre Psychoterrorspielchen einzugehen und nur sachlich bei Besuchen zu reagieren, würde sie mir sowohl die Kontovollmacht als auch den Wohnungsschlüssel entziehen.

    Gut, ist mir im Prinzip auch egal, denn sie ist klar bei Verstand, nicht dement oder sonstwie geistig eingeschränkt, und wenn sie es so will, bitte. Dann kann (und muss) ich mich halt nicht mehr kümmern. Ab er nun mein Problem: die Kosten für die Wohnung, für die erbrachten Pflege-/Dienstleistungen usw. werden von ihrem Konto abgebucht. Wenn sie nun, wie es neulich der Fall war, krank ist und nicht mehr zur Bank fahren kann, kommt kein Nachschub auf dem Girokonto an bzw. die Witwenrente allein reicht nicht. Sie lässt immer vom Sparbuch aufs Giro umbuchen. Wenn auf dem Giro nicht mehr ausreichend Deckung ist, wird sich das Heim sehr, sehr schnell bei mir als einzigem Angehörigen melden und mich auffordern, die Kosten zu begleichen. Ich kann aber, sollte sie mir die Vollmacht entziehen, auf ihrer Bank dann nichts ausrichten und habe selber nicht mal ansatzweise das Geld, um da irgendwas bezahlen zu können. Geld hat sie ja genügend, darum geht es nicht. Sie begreift auch, dass es dann schwierig wird, wenn sie nicht mehr zur Bank kann (tel. geht das bei ihrer Bank nicht), nimmt aber genau das als Druckmittel, um mich "zu bestrafen", wenn ich mich nicht so verhalte, wie sie es will. Sie weiß, dass ich dann als Angehörige in ernste Probleme komme. Und genau das findet sie als Erpressungsmittel super. Ich sehe es auch kommen, dass meine Mutter mir tatsächlich die Vollmachten entzieht, denn ich bin nicht gewillt, mich von ihr auf noch härtere Weise als mein ganzes Leben schon schikanieren und demütigen zu lassen. Ich verhalte mich, wie ich es richtig (in ihrem Fall höflich, sachlich und angemessen) erachte, nicht wie sie es haben will, und schon gar nicht als kleines, ihr ausgeliefertes Kind.

    Mein Gedanke war nun, wenn der große Knall kommt, dann den sozialpsychiatrischen Dienst einzuschalten und meiner Mutter klar das auch zu sagen: entweder sie wird begutachtet, ob sie wirklich noch klar bei Verstand ist, oder sie belässt es für den Notfall, dass sie selbst nichts mehr tun kann, bei der Kontovollmacht, damit ich für die organisatorischen Dinge weiter sorgen kann. Es ist ihre Entscheidung, nicht meine. So sehe ich das. Ob das funktionieren würde, weiß ich nicht.

    Es gibt übrigens als Angehörige nur noch ihre 80-jährige Schwester, die weder gewillt noch in der Lage ist, irgendetwas für meine Mutter praktisch zu tun, und die von meiner Mutter auch niemals irgendeinen Zugriff auf ihr Geld bekommen würde. Ansonsten bin nur noch ich als einzige Tochter und Angehörige da und leider eben deshalb landet auch automatisch alles bei mir, was es an Problemen geben würde.

    Sorry für den langen Eingangsbeitrag! Meine Frage an euch nun: weiß jemand, was man in so einer Lage sonst tun könnte? Ich meine, wenn meine Mutter aus Rache, Strafgelüsten , weiß nicht was noch, mir die Möglichkeit nimmt, weiterhin ihre Kosten zu bezahlen, wenn sie selber nicht mehr die ganzen Banksachen händeln kann? Ich komme ohne Vollmacht nicht an ihr Konto ran. Ich kann aus eigener Kraft/nicht vorhandenem Vermögen ihre Kosten nicht selber bezahlen. Das Heim will aber weiterhin natürlich Geld sehen, erst recht, wenn es um Pflegekosten etc. gehen würde. Was tun?

    Danke schon mal fürs Lesen und für eure Geduld mit meiner langen Erläuterung!
    Geändert von Krona (21.03.2019 um 08:53 Uhr)

  2. Avatar von Sneek
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    AW: Problematische Konstellation: narzisstische Mutter und ich als einzige Angehörige

    Gib Du die Vollmacht zurück, sie soll ihren Kram allein regeln, fertig. Notfalls bekommt sie eben einen amtlichen Betreuer. Du stehst dafür nicht zur Verfügung.

  3. Avatar von Kleinfeld
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    AW: Problematische Konstellation: narzisstische Mutter und ich als einzige Angehörige

    Zitat Zitat von Sneek Beitrag anzeigen
    Gib Du die Vollmacht zurück, sie soll ihren Kram allein regeln, fertig. Notfalls bekommt sie eben einen amtlichen Betreuer. Du stehst dafür nicht zur Verfügung.


    Wenn ich meine Mutter dermaßen verabscheue, dann kümmere ich mich doch nicht um sie. Ganz einfach.
    Klar wäre ich gerne die, die vor dem Frühstück Yoga macht oder joggt.
    Ich bin aber die, die halb bewußtlos Kaffee macht und atmet.


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    AW: Problematische Konstellation: narzisstische Mutter und ich als einzige Angehörige

    Hallo Krona,

    Deine Mutter kann sich überlegen, was sie will. . Entweder Du regelst ihre Angelegenheiten oder ein amtlicher Betreuer, wenn sie es nicht mehr kann. Es ist ihre Entscheidung.

    Du kannst nein sagen zu ihren Spielchen.
    LG Penstemon

  5. Avatar von Sneek
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    AW: Problematische Konstellation: narzisstische Mutter und ich als einzige Angehörige

    Es ist allerdings auch merkwürdig, dass eine betagte Dame immer erst zur Bank wackeln muss, um für Deckung zu sorgen. Da sollte sich doch ein Entnahmeplan einrichten lassen.


  6. Registriert seit
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    AW: Problematische Konstellation: narzisstische Mutter und ich als einzige Angehörige

    Den amtlichen Betreuer bekommt sie wenn sie begutachtet wird.
    Sag ihr das so. Das sie die Wahl hat, entweder sie benimmt sich zivilisiert oder du gibst alles ab und lässt sie begutachten.
    Du brauchst dich nicht von ihr runtermachen lassen. Sei dir bewusst das sie keine macht über dich hat.
    Den Wind können wir nicht ändern, aber wir können ihm eine andere Richtung geben (Aristoteles)


  7. Registriert seit
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    AW: Problematische Konstellation: narzisstische Mutter und ich als einzige Angehörige

    Zitat Zitat von Kleinfeld Beitrag anzeigen


    Wenn ich meine Mutter dermaßen verabscheue, dann kümmere ich mich doch nicht um sie. Ganz einfach.
    Es geht nicht darum, dass ich meine Mutter verabscheue. Ich dachte, ich hätte hinreichend erläutert, was als Familiengeschichte dahinter steht. Außerdem besuche ich meine Mutter, telefoniere mit ihr, habe bisher immer reagiert, wenn es etwas zu helfen gab, was ich erledigen konnte.

    Es geht auch nicht darum, dass ich mich nicht mehr um sie kümmern will. Hast du meinen Beitrag eigentlich gelesen und nur überflogen? Ich habe auch rein rechtlich Verpflichtungen ihr gegenüber, und solange es im sachlichen Rahmen bleibt, ist für mich auch klar, dass ich weder den Kontakt abbreche noch sie einfach im Seniorenheim sich selbst überlasse, egal was kommt. Aber meine Tochterpflichten bestehen nicht darin, mich so zu verhalten, wie Mama es bestimmt, und auch nicht darin, sie zu lieben. Letzteres hat sie gründlichst kaputtgemacht - denn es gab lange Zeit die Tochter bzw. das Kind, das unbedingt von ihr geliebt werden wollte und bedingungslos auch sie liebte, auch nach Schlägen und allem anderen.

  8. Avatar von Kleinfeld
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    AW: Problematische Konstellation: narzisstische Mutter und ich als einzige Angehörige

    Zitat Zitat von Krona Beitrag anzeigen
    Aber meine Tochterpflichten bestehen nicht darin, mich so zu verhalten, wie Mama es bestimmt, und auch nicht darin, sie zu lieben. Letzteres hat sie gründlichst kaputtgemacht - denn es gab lange Zeit die Tochter bzw. das Kind, das unbedingt von ihr geliebt werden wollte und bedingungslos auch sie liebte, auch nach Schlägen und allem anderen.
    Dann verstehe ich noch weniger, warum du dich immer noch in diesem Konstrukt befindest.
    Deine Mutter übt Macht über dich aus und du fügst dich.
    Klar wäre ich gerne die, die vor dem Frühstück Yoga macht oder joggt.
    Ich bin aber die, die halb bewußtlos Kaffee macht und atmet.

  9. Avatar von Sneek
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    AW: Problematische Konstellation: narzisstische Mutter und ich als einzige Angehörige

    Warum willst Du Dich um sie kümmern? Denk mal über die Frage nach.

    Deine einzige rechtliche Verpflichtung besteht meines Wissens darin, dass Du eventuell für die Pflegekosten einstehen musst, wenn die 200 k weg sind.

  10. Avatar von linsemo
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    AW: Problematische Konstellation: narzisstische Mutter und ich als einzige Angehörige

    Ich würde mich um die Frau nicht mehr kümmern. Betreuer bestellen, fertig. Den Herumzickereien und Ekligkeiten würde ich etwas entgegensetzen, egal ob alt oder jung, egal ob Mutter oder Fremde. Sobald ich merke, daß taktiert wird, ist bei mir Ende im Gelände, genauso bei Gehässigkeiten.

    Es ist nicht so, wenn sie Geld hat, ihre Bankgeschäfte nicht mehr erledigen kann, daß dann Familienangehörige bezahlen müssen. Sie muß sehen, wie sie die Kosten von ihrem Geld bezahlt.
    Und immer wenn wir lachen, stirbt irgendwo ein Problem.
    Dornröschen hätte gar keinen Prinzen gebraucht, nur einen starken Kaffee
    Friedvoll zu sein bedeutet, von Erwartungen frei zu sein und nichts von anderen zu wollen.
    Ich bin heute so blöd, ich könnte Amerika regieren.
    Oma ist so dick, weil sie so voller Liebe steckt.
    Wie nennt man ein trauriges Kondom? Weingummi

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