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  1. Registriert seit
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    "Du bringst mich noch ins Grab", meine Mutter...

    Hallo,

    nachdem ich lange nur gelesen habe, hoffe ich auf Feedback, Ideen, Austausch.

    Bin Anfang fünfzig und in einer Familie aufgewachsen, in der nicht gesprochen wurde. Ich habe immer gedacht wäre adoptiert als Kind, hatte Phantasien vom Weglaufen und mit zwölf zum ersten Mal Selbstmordgedanken.

    War schon immer extrem schüchtern und habe bis heute noch nie eine Freundschaft aufbauen können. Meine Schwester allerdings war der Star in der Familie, lebhaft, Freunde, Hobbys usw. Ùber mich wurde sich gerne lustig gemacht, weil ich so ængstlich war.

    Meine Schwester hat eine Wohnung im Haus meiner Eltern und unser Elternhaus geschenkt bekommen.

    Diesen Vertrag habe ich jetzt nach über zwei Jahrzehnten zum ersten Mal gesehen, vermutet habe ich es natürlich immer, dass es so ist. Seit ich nämlich selber Kinder habe, sehe ich unsere Familie immer kritischer und merke, da ist ja gewaltig was schief gelaufen.

    Meine Schwester hat auch Kinder, die sind natürlich mit von meinen Eltern versorgt worde.. Zu mir zu Besuch kamen meine Eltern so gut wie nie, immer bin ich gefahren, immer war Schwester mit Kindern da.

    Ich halte die Situation nicht mehr aus, habe Kontakt zur Schwester abgebrochen und zu Eltern fast. Versuche aber, noch Erklärungen zu finden. Warum bekommt eine alles samt Oma/Opa liebevoller Kinderbetreuung, Gartenarbeit etc und die andere wird praktisch enterbt, Enkel quasi ignoriert...

    Ich habe fast fùnfzig Jahre geschwiegen, aus Angst vor Einsamkeit. Auf Nachfrage meinte meine Mutter, ich wäre ja immer so schwierig und still gewesen und wenn ich da jetzt nicht mit aufhören würde, wùrde ich sie ins Grab bringen. Sie unterstellt mir auch, es würde mir nur ums Geld gehen. Ja, ich bin sicher auch deswegen enttäuscht, es ist natürlich auch bitter, da das geschenkte Haus auch noch von meinen Eltern grundsaniert wurde im Laufe der Jahre. Hätte ich aber statt Erbe Eltern, die mich geliebt und mich und meine Bedürfnisse gesehen hätten, wäre ich zufrieden.

    Was machen? Sie sind inzwischen sehr alt, ich kann aber nicht länger schweigen. Sie sind sich keiner Schuld bewusst, woher auch, ich habe immer geschwiegen, habe mich immer nur als Fremdkörper gefühlt, es nie gesagt.
    Sorry lang geworden, danke für jegliche Antwort


  2. Registriert seit
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    AW: "Du bringst mich noch ins Grab", meine Mutter...

    Ich sehe das Geld/Erbschaft/Haus als Symptomträger des Konflikts.

    Dieser Konflikt umfasst zwei Beziehungsebenen: Schwester-Schwester, Tochter-Eltern.

    Vermutlich wirst du den Konflikt zu deinen Eltern nicht mehr mit ihnen auflösen können, d.h., du musst dir selbst "gute Eltern" werden, was sehr schwer ist, da du das in der Realität auch nie erfahren hast.

    Ob, und wann, du das Verhältnis zu deiner Schwester bearbeiten willst, entscheidest du!
    Richte dich hierbei nach deinen Kräften und Ressourchen und dem, wonach dir ist.

    Letztlich kann ich dir in diesem ganzen familiären, dysfunktionalen Beziehungskonglomerat nur dazu raten, dir extern, durch einen Therapeuten, Unterstützung zu holen.

    Ich habe selbst einschlägige Erfahrung mit solchen Systemen und rate dir darum, dir Hilfe zu holen.
    Muster, die sich über zig Jahre etablierten, lassen sich leider seltenst in Eigenregie aufarbeiten, dazu sind sie viel zu komplex und lösen zu viele verschiedene Mechanismen aus.

    Nimm dir alle Zeit, die du brauchst.
    Aber verabschiede dich von der Idee, du könntest mit deinen Eltern etwas lösen/auflösen. Das wird nicht der Fall sein und führt nurmehr zu immer wiederkehrenden Enttäuschungen und Verletzungen auf deiner Seite.

    Wenn du bei deinen Eltern etwas abladen willst und es dir gelingt, durch ihre Negation deiner Aussagen nicht noch tiefer verletzt zu werden, dann mache das.

    Sonst kann ich dir nur raten, professionelle Unterstützung zu holen, denn solche Konflikte alleine lösen zu müssen, überfordert jeden Menschen.
    Cave: Beiträge können ggf. marginale Rückstände von Ironie aufweisen.
    Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie das Posting oder fressen Sie die Verfasserin.


  3. Registriert seit
    09.07.2012
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    2.583

    AW: "Du bringst mich noch ins Grab", meine Mutter...

    Zitat Zitat von AnneofGreen Beitrag anzeigen
    Hätte ich aber statt Erbe Eltern, die mich geliebt und mich und meine Bedürfnisse gesehen hätten, wäre ich zufrieden.

    Was machen? Sie sind inzwischen sehr alt, ich kann aber nicht länger schweigen. Sie sind sich keiner Schuld bewusst, woher auch, ich habe immer geschwiegen, habe mich immer nur als Fremdkörper gefühlt, es nie gesagt.
    Sorry lang geworden, danke für jegliche Antwort
    Na ja, Eltern, die Deine Bedürfnisse gesehen haben, wirst Du nicht mehr bekommen. Ob sie Dich lieben, kann ich nicht einschätzen. Warum willst Du dem hinterher laufen, was Du nicht bekommen kannst? Das kostet doch nur Energie, die fruchtbar eingesetzt werden könnte. Ich würde mich da nicht abarbeiten, sondern lieber mein Leben leben.

  4. Avatar von Gedankentiefe
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    1.625

    AW: "Du bringst mich noch ins Grab", meine Mutter...

    Ich kenne Deine Situation ein wenig von mir selbst...

    Sieh es mal aus der Perspektive:

    Manche Eltern schaffen es einfach nicht, zwei Kinder gleich gut und gerecht zu behandeln, auf Individualitäten angemessen einzugehen.

    DA liegt nämlich der Hase im Pfeffer.

    Du bist nicht das Problem.
    Du hast keine Schuld.


    Du warst ein Kind.
    Sie waren die Erwachsenen.

    Deine Eltern waren damals die Erwachsenen und sie konnten nicht adäquat auf beide Kinder reagieren.



  5. Registriert seit
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    8.896

    AW: "Du bringst mich noch ins Grab", meine Mutter...

    Ich würde auch alles daran setzen, meinen Frieden mit meiner Kindheit zu machen..
    Ich denke, der Streit um das Haus ist tatsächlich nur ein Symptom.
    "Ihr habt die Schwester lieber als mich!"

    Das, was du dir eigentlich wünscht- liebevolle, zugewandte Eltern- wirst du nicht mehr bekommen können, daher versuche, die Geschichte abzuschließen und nach vorne zu schauen...

    Mir hat es geholfen festzustellen, dass es viele Menschen gibt, die mich so mögen wie ich bin. Und dass ich ein Leben führe, dass für mich passt...ich möchte mit keinem meiner Geschwister tauschen.

    In unserem Fall hat auch eine Schwester das Elternhaus bekommen... sie hat es aber für eine marktübliche Summe gekauft. Dieses Geld möchten meine Eltern für evtl. Pflegekosten nutzen.

    Gab auch Wirbel unter den Geschwistern.... bei einer solchen Horde wie bei uns hat immer jemand was... aber für mich war das okay.

  6. Avatar von Beachnoodle
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    AW: "Du bringst mich noch ins Grab", meine Mutter...

    Zitat Zitat von Gedankentiefe Beitrag anzeigen
    Ich kenne Deine Situation ein wenig von mir selbst...

    Sieh es mal aus der Perspektive:

    Manche Eltern schaffen es einfach nicht, zwei Kinder gleich gut und gerecht zu behandeln, auf Individualitäten angemessen einzugehen.

    DA liegt nämlich der Hase im Pfeffer.

    Du bist nicht das Problem.
    Du hast keine Schuld.


    Du warst ein Kind.
    Sie waren die Erwachsenen.

    Deine Eltern waren damals die Erwachsenen und sie konnten nicht adäquat auf beide Kinder reagieren.

    Genau.
    Mach Du es bei deinen Kindern besser und widme dich deinem Leben.
    Auf dem Boden der Tatsachen liegt eindeutig zuwenig Glitzer


  7. Registriert seit
    07.07.2004
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    780

    AW: "Du bringst mich noch ins Grab", meine Mutter...

    Der Vorwurf Deiner Mutter ist die typische Reaktion schlagfertigerer Menschen, wenn sie sich bei etwas ertappt fühlen.
    Schnell vom eigenen Fehler ablenken, indem suggeriert wird, der andere sei selbst schuld.
    Also zweifele nicht an Dir, konzentriere Dich auf Dein eigenes Leben und halte weiterhin gesunde Distanz. Ein gutes Leben ist die beste Revanche.


  8. Registriert seit
    08.09.2011
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    AW: "Du bringst mich noch ins Grab", meine Mutter...

    Ist deine Schwester älter oder jünger?

    Hast du eine höheren Abschluss als deine Eltern und deine Schwester?
    Hast du dir mit deinem Mann ein Haus gebaut und abbezahlt? Welchen Abschluss haben deine Kinder?

    Du bist noch immer in Konkurrenz zu deiner Schwester. Diese war bestimmt auch nicht begeistert von dir: Plötzlich warst du da - ungefragt, von ihr nicht gewollt und ständig als Schlagschatten vorhanden.
    Warum hast du mit ihr gebrochen? Wollte sie nicht mit dir reden? Oder hat sie etwas getan, was deiner Meinung nach einen Kontaktabbruch rechtfertigt?

    Deine Eltern sehen in deiner Schwester das pflegeleichtere Kind. Zudem ist sie wohl auch noch vor Ort geblieben. Da ist es wesentlich leichter, Kontakt zu haben und Enkel zu betreuen und auch die Tochter zu unterstützen.

    Klar ist eine Überschreibung bitter und ungerecht. Nur - es ist das Vermögen deiner Eltern, mit dem sie machen können, was sie wollen.

    Der Satz "Du bringst mich noch ins Grab" soll dir weh tun. Frag doch mal, wie deine Eltern diesen Satz meinen, wenn er das nächste Mal fällt.
    "beinhalten" wird wie "halten" konjugiert, als "beinhält", und gehört zur Kategorie schlechtes Deutsch. Warum nicht "enthalten", "umfassen" oder "bedeuten"?

    Sorge dich nicht, lebe!




    Bunny Maja Lukas (14.2.)
    Maxi (3.3.2017)
    Bella (27.8.2018)

  9. Inaktiver User

    AW: "Du bringst mich noch ins Grab", meine Mutter...

    Liebe AnneofGreen,

    ich würde dir ebenfalls empfehlen, dass du dir professionelle Unterstützung holst, denn da gibt es scheinbar einiges aufzuarbeiten...
    Auch mit Anfang 50 kann man noch eine positive Wendung ins Leben bringen :-)
    Wahrscheinlich wirst du deine Eltern/Mutter nicht mehr ändern können und man kann auch die Zeit leider nicht zurückdrehen - diese Erkenntnis war auch für mich schwer.
    Es ist auf alle Fälle hilfreich, wenn man eine gute Begleitung hat, wenn man die "Monster der Vergangenheit" hervorholt.

    Sarolta

  10. Inaktiver User

    AW: "Du bringst mich noch ins Grab", meine Mutter...

    Ich muss doch noch was nachfragen :-)


    Zitat Zitat von AnneofGreen Beitrag anzeigen
    Bin Anfang fünfzig und in einer Familie aufgewachsen, in der nicht gesprochen wurde. Ich habe immer gedacht wäre adoptiert als Kind, hatte Phantasien vom Weglaufen und mit zwölf zum ersten Mal Selbstmordgedanken.
    Was genau meinst du damit, dass nicht gesprochen wurde? Überhaupt nicht? Oder nicht über Probleme und Sorgen? Oder wurde mit dir speziell nicht gesprochen?
    Warum wolltest du weglaufen? Warum hattest du Selbstmordgedanken? Hast du damals mit deinen Eltern über deine Gedanken gesprochen? Oder mit jemand anderen?

    Zitat Zitat von AnneofGreen Beitrag anzeigen
    War schon immer extrem schüchtern und habe bis heute noch nie eine Freundschaft aufbauen können. Meine Schwester allerdings war der Star in der Familie, lebhaft, Freunde, Hobbys usw. Ùber mich wurde sich gerne lustig gemacht, weil ich so ængstlich war.
    Du hast keinerlei Freunde? Würdest du deinen Partner als Freund bezeichnen?

    Zitat Zitat von AnneofGreen Beitrag anzeigen
    Meine Schwester hat eine Wohnung im Haus meiner Eltern und unser Elternhaus geschenkt bekommen...
    Bist du die Ältere von euch beiden oder ist sie es? Ihr habt beide den gleichen Vater?

    Zitat Zitat von AnneofGreen Beitrag anzeigen
    Was machen? Sie sind inzwischen sehr alt, ich kann aber nicht länger schweigen. Sie sind sich keiner Schuld bewusst, woher auch, ich habe immer geschwiegen, habe mich immer nur als Fremdkörper gefühlt, es nie gesagt.
    Sorry lang geworden, danke für jegliche Antwort
    Ich denke, nach Informationen kann man immer fragen, dazu hast du ja ein Recht.
    Und deine Eltern wissen auch sicherlich insgeheim, dass da was grundsätzlich schief gelaufen ist.
    Wenn du ja angeblich als Kind so "schwierig" gewesen bist - wurde denn versucht, dir zu helfen?

    Sarolta

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